Wuppis Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit

Kinder in der KitaBildrechte: Trägerkonsortium BiSS

Christiane Christiansen, Autorin von Wuppis Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit, und Christiane Frauen, ehemalige Verbundkoordinatorin des BiSS-Verbundes Niemanden zurücklassen — Lesen macht stark — Förderung der phonologischen Bewusstheit im Elementarbereich (und im Übergang zum Primarbereich) berichten über das schleswig-holsteinische Vorhaben, das im Rahmen von BiSS von 2014 bis 2016 lief. Im ersten Projektjahr griff der Elementarverbund aus Schleswig-Holstein Aspekte der intensiven Förderung der phonologischen Bewusstheit auf. In den folgenden Projektjahren wurde der Übergang vom Elementarbereich zum Primarbereich begleitet. Im BiSS-Verbund wurde die phonologische Bewusstheit von Kindern diagnostisch mit einem Screening erfasst und das Tool Wuppis Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit als ein Förderinstrument genutzt.

Ausgangslage

Schleswig-Holstein arbeitet seit 2002 mit einem Fünf-Säulen-Modell der Sprachbildung, bei dem die Arbeit in der Kindertagesstätte die erste Säule bildet. Dieses Modell ist auch die Grundlage für jüngste Maßnahmen zur durchgängigen Sprachbildung im Bereich der (schulischen) Fort- und Ausbildung und der Schulentwicklung. Seit 1996 wurden Erzieherinnen und Erzieher in sprachlicher Bildung durch speziell hierfür ausgewählte und fortgebildete Sprachheillehrkräfte qualifiziert. In diversen Kindertageseinrichtungen wird bereits mit dem Tool Wuppis Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit gearbeitet, um die phonologische Bewusstheit zu fördern.

Die Abenteuerreise mit Wuppi

Wuppi wohnt im Weltraum und ist der Sohn des Königs Wuppix vom Planeten Wupp, der später selbst König werden soll. Doch er hat ein Problem: Er kann nicht zuhören! Er kann auch nicht reimen, Silben erkennen und all das, was man zum Lesen- und Schreibenlernen braucht, geschweige denn die kleinsten Einheiten unserer Sprache erkennen: die Laute! Ein König, der nicht zuhören und später vielleicht auch nicht lesen und schreiben kann? Das geht nicht, meint der Bösewicht Bösix vom Nachbarplaneten und will selbst König auf Wupp werden ...
König Wuppix entdeckt jedoch eine Lösung im Internet: Da berichtet ein Kindergarten auf der Erde, dass hier die zukünftigen Schulkinder durch „Ohrentraining“ auch „Ohrenkönige“ werden. Hier könnte doch Wuppi teilnehmen! Auf der Suche nach einem Kindergarten springt Wuppi später aus der Vorlesegeschichte — als Handpuppe lebendig geworden — in den Gruppenraum der vorlesenden Erzieherin oder des Erziehers hinein. Gemeinsam mit den Kindern erlebt er nun viele Abenteuer.

Eingebettet in motivierende Geschichten beginnen die Maßnahmen in Wuppis Abenteuer-Reise mit Lauschspielen, Reimübungen und Silbenspielen, bis hin zu Übungen zur phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne, die sich auf die kleinsten Elemente unserer Sprache, die Laute (Phoneme bzw. Phone), beziehen. Der Aufbau lehnt sich dabei an Hören, Lauschen, Lernen von Wolfgang Schneider an, die Impulse zur Einbindung der Literacy-Aspekte gehen auf Michaela Ulich zurück. Wuppi richtet sich an Kinder in ihrem letzten Halbjahr vor der Einschulung. Eine Erzieherin oder ein Erzieher führt gemeinsam mit der Handpuppe Wuppi durch das Übungsprogramm, und zwar ca. 30 Minuten am Tag morgens zu einem festen Zeitpunkt, für eine Dauer von 18 bis 20 Wochen. Zum Wuppi-Konzept gehört ein Ordner, dem die durchführenden Erzieherinnen und Erzieher genaue Anleitungen für die wöchentlichen Maßnahmen entnehmen können. Dabei sind kleine Anpassungen der Durchführung möglich — die Progression des Wuppi-Konzepts ist flexibel gestaltbar.

Das Übungsprogramm Wuppi findet hohe Akzeptanz und erhält positive Rückmeldungen. „Wir haben wie vereinbart mit Wuppi begonnen, und die Kinder sind voller Eifer dabei“, berichtet eine Kita. „Allerdings ist es uns leider nicht immer möglich, die halbe Stunde pro Tag einzuhalten. Letzte Woche bekamen wir eine positive Rückmeldung der Grundschule, die unsere Kita-Kinder besuchte: Durch unsere phonologische Vorarbeit seien die Kinder sehr gut auf den Unterricht vorbereitet. Lob ist doch auch mal schön!“ Die Rückmeldungen aus den BiSS-Kitas zeigen, dass Schulen und Kindertageseinrichtungen direkt wahrnehmen, was Wolfgang Schneider und Petra Küspert bereits wissenschaftlich nachgewiesen haben: Eine Förderung der phonologischen Bewusstheit im letzten halben Jahr vor der Einschulung der Kinder erhöht die Chancen auf ein erfolgreiches Erlernen der Schriftsprache signifikant. Mit Wuppi macht das sogar riesig Spaß!

Fortschritte messen mit einem Screening

Die Frage, die hinter der Durchführung einer Diagnostik in Form eines Screenings steht, ist: Für welche Kinder wäre das Risiko, aufgrund einer schwach ausgeprägten phonologischen Bewusstheit Probleme im Schriftspracherwerb zu bekommen, ohne gezielte Förderung besonders groß? Die BiSS-Verbund-Kitas haben sich vorgenommen, gerade diese Kinder innerhalb der Gesamtgruppe der Schulkinder besonders in den Blick zu nehmen und nicht in die Versuchung zu geraten, hauptsächlich mit den Leistungsstärkeren zu arbeiten, sondern allen einen individuellen Fortschritt zu ermöglichen. Ein neuer Fokus der Arbeit ist dabei in unserem Schleswig-Holsteiner Verbund auch die Wortschatzarbeit, dessen Sicherung eine Voraussetzung für den Erfolg auch bei den phonologischen Aufgaben ist.

 

Literaturhinweise:

Christiansen, C. (2005). Wuppis Abenteuer-Reise durch die phonologische Bewusstheit. Oberursel: Finken-Verlag.

Christiansen, C. & Stoltenberg, N. (2003). Arbeitsblätter zur Förderung der phonologischen Bewusstheit am Schulanfang. Kiel: MBWFK.

Küspert, P. & Schneider, W. (1999): Hören, lauschen, lernen. Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter. Würzburger Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache. Anleitung und Arbeitsmaterial. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Plume, E. & Schneider, W. (2004). Hören, Lauschen, Lernen 2. Sprachspiele mit Buchstaben und Lauten für Kinder im Vorschulalter. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Ulich, M., Oberhuemer, P. & Soltendieck, M. (2005). Die Welt trifft sich im Kindergarten. Interkulturelle Arbeit und Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen. Weinheim: Beltz.

 

Kontakt:
Christiane Frauen
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH)
Schreberweg 5
24119 Kronshagen
Tel.: (0431) 5403-292
E-Mail: christiane.frauen@iqsh.landsh.de
Internet: www.nzl.lernnetz.de

 

Weitere Informationen:

zum Verbund „Niemanden zurücklassen — Lesen macht stark — Förderung der phonologischen Bewusstheit im Elementarbereich (und im Übergang zum Primarbereich)“