Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung 2016

19.12.2017 //

Cover IGLU 2016
Titelseite des Berichts
Bildrechte: Waxmann
Am 5. Dezember 2017 wurden in Berlin die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU 2016 vorgestellt. Deutschland beteiligte sich auf Beschluss der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum vierten Mal an der international-vergleichenden Schulleistungsstudie, die seit dem Jahr 2001 in einem Abstand von 5 Jahren durchgeführt wird. IGLU 2016 erfasste unter Berücksichtigung curricularer Vorgaben und zentraler Rahmenbedingungen schulischer Lernumgebungen das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern am Ende der vierten Jahrgangsstufe. In allen 47 Teilnehmerstaaten und -regionen waren nationale Projektkoordinatorinnen und -koordinatoren für die Vorbereitung und Durchführung der Studie verantwortlich. In Deutschland haben Prof. Dr. Wilfried Bos und Frau Dr. Heike Wendt vom Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) der Technischen Universität Dortmund diese Aufgabe wahrgenommen.

Berichtsband:
Anke Hußmann, Heike Wendt, Wilfried Bos, Albert Bremerich-Vos, Daniel Kasper, Eva-Maria Lankes, Nele McElvany, Tobias C. Stubbe, Renate Valtin (Hrsg.). IGLU 2016. Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Waxmann 2017
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Website des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS), TU Dortmund

 

Sprachliche Bildung ist Pflicht für alle Lehrkräfte
Anlässlich der Veröffentlichung der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 erklärte Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln:
„Die Ergebnisse zeigen einen positiven Trend: Kinder mit und ohne Migrationshintergrund haben ihre Leistungen verbessert, insgesamt gibt es mehr leistungsstarke Kinder als in der vorangegangenen Studie. Die Befunde weisen aber auch darauf hin, dass die Gruppe der leistungsschwachen Kinder unterhalb der Kompetenzstufe III größer geworden ist. Für kein Land zeigen sich im Vergleich mit Deutschland größere sozial bedingte Leistungsunterschiede. Es ist notwendig, diese Kinder in den Fokus zu nehmen und darüber zu sprechen, wie der Einfluss des sozialen Hintergrunds auf die Leseleistungen verringert werden kann, anstatt die Debatte lediglich auf migrationsbedingte Differenzen zu lenken. Der Faktor Migration allein kann nicht die Leistungsunterschiede erklären. Die Autoren der IGLU-Studie stellen auch die richtigen Forderungen: Sprachliche Bildung muss Bestandteil aller Unterrichtsfächer sein, nicht nur des Deutschunterrichts. Dafür ist es notwendig, alle Lehrkräfte aus- und fortzubilden: Sprachliche Bildung muss verpflichtender Bestandteil des Lehramtsstudiums für alle Fächer werden. Mittelfristig müssen außerdem mehr Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten werden. Diese Aufgabe sollten verstärkt Hochschulen übernehmen, anstatt sie privaten Anbietern zu überlassen.“

Das Mercator-Institut hat einen Faktencheck veröffentlicht zu der Frage, wie Kinder am besten Lesen und Schreiben lernen.

Das Mercator-Institut und der Sachverständigenrat für Integration und Migration haben 2016 eine Studie veröffentlicht, in deren Rahmen untersucht wurde, in welchen Bundesländern sprachliche Bildung im Lehramtsstudium verankert ist. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sechs Bundesländer verpflichtende Anteile für alle angehenden Lehrkräfte vorsehen.

Seit 2016 bietet das Mercator-Institut, gefördert vom Wissenschaftsministerium, ein Weiterbildungsstudium Deutsch als Zweitsprache an.

Kontakt:
Anna Kleiner, Kommunikation
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Universität zu Köln
Tel.: (0221) 470-7700
E-Mail: anna.kleiner@mercator.uni-koeln.de