Im Rahmen des BiSS-Transfer-Forschungsnetzwerks untersuchte das Projektteam „Multiplikation im Transfer“ in den vier Vorhaben (Lese-, Schreib-, Fach– und VERA-BiSS) den Transfer in die Praxis. Dieser Transfer wird über den sogenannten Multiplikationsansatz gestaltet: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler qualifizieren Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die die Fortbildungsinhalte an Lehrkräfte weitergeben und dadurch in großem Maß verbreiten (multiplizieren).
(Auszug aus der BiSS-Transfer-Abschlusspublikation, 2024)
Sie können den Beitrag zu „Multi-BiSS“ auch hier downloaden.
Alle Ergebnisse aus den Forschungsnetzwerken von BiSS-Transfer finden Sie in unserer Abschlusspublikation BiSS-Transfer: Potenziale sichern. Arbeitsergebnisse, Länderperspektiven und Impulse (2024).
Erkenntnisse des Wissenschaftsteams Multi-BiSS sind, dass sich die BiSS-Transfer-Multiplikatorinnen und -Multiplikatoren in ihrem großen Erfahrungsschatz in der Sprach- und Erwachsenenbildung ähneln, sich aber in ihren Beweggründen für die Tätigkeit in BiSS-Transfer unterscheiden. Diese Unterschiede beeinflussen, wie die an den Fortbildungen teilnehmenden Lehrkräfte den Fortbildungserfolg bewerten. Als entscheidend für den Erfolg stellen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren unter anderem den Praxisbezug und ein angenehmes Miteinander heraus.
Die Ergebnisse im Vorhaben Multi-BiSS können durch die wissenschaftliche Community im Hinblick auf die Planung und Umsetzung erfolgreicher Fortbildungen nach dem Multiplikationsprinzip sowie für die Verbesserung und die Verstetigung der BiSS-Fortbildungen im Bereich Lehr- und Fachkräfteweiterbildung genutzt werden.
Begutachtete Publikationen in Peer reviewed Journals und Handbüchern:
Unter Begutachtung:
Das Projektteam „Multiplikation im Transfer“, kurz Multi-BiSS, untersuchte in den Projekten Lese-BiSS, Schreib-BiSS, Fach-BiSS und VERA-BiSS den Transfer von Fortbildungsgegenständen, wie etwa Trainings oder Konzepten zur Förderung sprachlicher Fähigkeiten von Lernenden, in die Praxis.
Dieser Transfer wurde in BiSS-Transfer über folgenden Multiplikationsansatz: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler qualifizierten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die die Fortbildungsinhalte an Lehrkräfte weitergaben, sozusagen multiplizierten. Deshalb nahm das Forschungsteam Multi-BiSS vor allem die Gruppe der Multiplizierenden und der sich fortbildenden Lehrkräfte in den Fokus. Es verfolgte das Ziel, den Transferprozess besser zu verstehen.
Das Forschungsteam untersuchte dabei unter anderem folgende Zusammenhänge:
Im Forschungsnetzwerk von BiSS-Transfer übernahmen in den Experimentalgruppen der unterschiedlichen Projekte – Schreib-, Lese-, Fach- und VERA-BiSS – insgesamt 63 Personen die Rolle von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Das Forschungsteam von Mulit-BiSS befragte diese Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und auch die beteiligten Lehrkräfte zu verschiedenen Zeitpunkten, um den gesamten Transferprozess untersuchen zu können. Dazu wurden unterschiedliche Erhebungsinstrumente wie Fragebögen, Interviews sowie Beobachtungen der Fortbildungen eingesetzt.
Ein besonderer Fokus lag auf den ersten Ergebnissen aus den berufsbiografischen Interviews mit den Multiplizierenden, den Fragebögen vor und nach ihrer eigenen Qualifizierung und den abschließenden leitfadengestützten Folgeinterviews. Es wurden außerdem Daten aus den Fragebögen für die Lehrkräfte wiedergegeben. (In der Abbildung jeweils in einem kräftigeren Orangeton dargestellt.)
Darstellung des Multiplikationsprozesses und der Begleitforschung in Multi-BiSS:

Aus den Fragebögen, die die insgesamt 63 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor ihrer Qualifizierung erhielten, konnte das Projektteam Informationen über demografische Daten und die jeweilige Expertise gewinnen. Die meisten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren waren weiblich und konnten eine Lehramtsausbildung in Deutschland sowie durchschnittlich 15 Jahre Praxiserfahrung als Lehrkraft nachweisen. Viele übernahmen die Tätigkeit in BiSS-Transfer, da sie bereits neben ihrer Unterrichtstätigkeit an Landesinstituten oder Schulämtern beschäftigt waren bzw. sind und über diesen Weg gewonnen werden konnten. Nur ein kleiner Teil begann die Fortbildungstätigkeit ausschließlich aus der Schulpraxis heraus.
Das Projektteam untersuchte insbesondere, was die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren vor dem Hintergrund biografischer Erfahrungen und des beruflichen Werdegangs motivierte, in der Lehrkräftefortbildung zur sprachlichen Bildung tätig zu sein. Die berufsbiografischen Interviews wurden dabei mittels der Methode der Fallrekonstruktion nach Rosenthal (2014) analysiert. Auf dieser Grundlage konnte eine Typologie ermittelt werden (Kelle & Kluge, 2010).
Diese umfasst drei Typen mit unterschiedlichen Motivlagen zur Tätigkeit in der Sprachbildung:
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Berücksichtigung der Biografie der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ertragreich ist, um sehr unterschiedliche Beweggründe für die Tätigkeit in der sprachlichen Bildung festzustellen. Dies bedeutet nicht, dass die genannten Merkmale ausschließlich bei einem Typus relevant sind. So kann etwa auch für Typus 3 im Laufe des Berufslebens der Veränderungswille bezogen auf die schulische Praxis zunehmend wichtig werden.
Quellen:
Kelle, U. & Kluge, S. (2010). Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Rosenthal, G. (2014). Interpretative Sozialforschung: Eine Einführung. Weinheim: Beltz Juventa.
Ergebnisse zu demografischen Daten und Erfahrungen der Multiplizierenden
Unterschiede zwischen den Typen in der Bewertung der eigenen Qualifizierung
Unterschiede zwischen den Typen in der Bewertung der Fortbildungen durch die Lehrkräfte
Die Ergebnisse zeigen, dass in BiSS-Transfer die Anbindung an Fortbildungsstrukturen der Länder geglückt ist: Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wurden über Institutionen zur Sprachbildung, wie zum Beispiel Landesinstitute, gewonnen. An diesen sind sie neben ihrer Tätigkeit in der Schulpraxis beschäftigt und verfügen somit über Erfahrungen in der Schulpraxis und der Bildungsadministration. Die damit einhergehende Vernetzung sollte für die Zukunft weiterverfolgt und systematisiert werden.
Die (berufs-)biografischen Beweggründe erweisen sich als relevant für den Transferprozess. Deshalb sollte in der Ausbildung von Fortbildnerinnen und Fortbildnern Raum gegeben werden, um diese und die Bedeutung für den Transferprozess zu reflektieren.
Das Streben, die Schulpraxis verändern zu wollen, erscheint als gewinnbringendes Merkmal für den Transferprozess. Der Aufbau einer entsprechenden Haltung ist deshalb in der Ausbildung von Multiplizierenden zu unterstützen. Dafür ist es zum Beispiel wichtig, die Bedeutung und das Gelingen von systematischer Unterrichtsentwicklung und entsprechenden Transformationsprozessen im Kontext der vermittelten Inhalte und Methoden zu thematisieren.
Weiterhin sollte die stark ausgeprägte Motivation der Beteiligten, Unterricht und sprachliche Bildungsprozesse zu verbessern, und ihr Bedürfnis nach partnerschaftlicher Kooperation in einem kokonstruktiven Setting Berücksichtigung finden, das Raum für gemeinsame Entwicklungen bietet.
Die Rahmenbedingungen im Transferprozess sollten so gestaltet sein, dass genügend Raum zur vertieften Aneignung der Inhalte zur Verfügung steht. Gleichzeitig sind Zeitpläne zu überwachen und einzuhalten, sodass kurzfristige Änderungen und daraus resultierende zeitliche Engpässe in den Vorgaben der Fortbildungen vermieden werden.
Zudem sollten frühzeitig Möglichkeiten zur Adaption der Sprachbildungsmaßnahmen in der individuellen Unterrichtspraxis angesprochen und direkt in die Fortbildungen einbezogen werden, um Vergleichbarkeit zu wahren und die Konzepttreue nicht aus den Augen zu verlieren.
Die Arbeit mit Blended-Learning-Formaten sollte selbst Gegenstand der Qualifizierungen der Multiplizierenden sein, sodass ihnen die Planung und Entscheidungen darüber, wann und für was sich Online-Angebote anbieten bzw. wann und wozu die Zusammenarbeit in Präsenz sinnvoll ist, erleichtert werden.
Prof. Dr. Hans-Joachim Roth
Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
Prof.in Dr. Henrike Terhart
Institut für Erziehungswissenschaft, Ruhr-Universität Bochum
Dr. Cedric Lawida, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Universität zu Köln, Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
E-Mail: cedric.lawida@mercator.uni-koeln.de
Dr.in Sonja Sieger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Universität zu Köln, Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
E-Mail: sonja.sieger@mercator.uni-koeln.de
Antonia Schmidt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Universität zu Köln, Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
E-Mail: antonia.schmidt@mercator.uni-koeln.de
Dr.in Yasemin Uçan, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Universität zu Köln, Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
E-Mail: yasemin.ucan@uni-koeln.de
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