Die BiSS-Tutorinnen und -Tutoren sind eine zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und schulischer sowie pädagogischer Praxis. Sie engagieren sich dafür, sprachbildende Maßnahmen in die Schulen und Kitas zu transferieren. Bild: Trägerkonsortium BiSS-Transfer/M. Arias

Rund 40 BiSS-Tutorinnen und -Tutoren engagieren sich bundesweit für eine bessere sprachliche Bildung. Welche Aufgaben und Ziele haben sie? Warum sind die Tutorinnen und Tutoren so wichtig für die Umsetzung von sprachbildenden Maßnahmen in der Praxis? Und welche Rolle spielen die Blended-Learning-Fortbildungen der Initiativen BiSS und BiSS-Transfer dabei? Das haben uns Dr. Monika Vöge und Stefan Paffrath am Beispiel Berlin erklärt.

In der Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS und BiSS-Transfer) arbeiten zahlreiche Mitwirkende daran, die sprachlichen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Ein wichtiger Teil dieses Netzwerks sind die BiSS-Tutorinnen und -Tutoren. Denn sie unterstützen dabei, erprobte und bewährte Konzepte und Maßnahmen zur Sprachbildung in die Schulen und Kitas zu bringen.

Wie Sprachbildungsmaßnahmen in den Schulen und Kitas ankommen

Mehr als 30.000 allgemeinbildende Schulen gibt es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland. Wie kann es angesichts dieser großen Zahl gelingen, möglichst viele Einrichtungen überhaupt zu erreichen und für die Umsetzung gezielter Fördermaßnahmen zu gewinnen?

Die Initiative BiSS und ihre Nachfolgerin BiSS-Transfer lösen dies über ein Multiplikationssystem. Das heißt: Aus jedem Bundesland werden meist zwei fachlich versierte Personen als Tutorinnen bzw. Tutoren geschult. Diese bieten dann nach ihrer Zertifizierung ihrerseits Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte sowie Multiplizierende auf Länderebene an. Über diese Wirkkette helfen sie dabei, wirksame Sprachbildungsmaßnahmen in die praktische Anwendung zu bringen.

Das Foto zeigt eine BiSS-Tutorin. Das Foto ist privat.
Dr. Monika Vöge

Das BiSS-Tutorenteam in Berlin

Hier kommen Dr. Monika Vöge und Stefan Paffrath ins Spiel. Sie übernehmen diese Aufgabe in Berlin. Sie haben den BiSS-Zertifikatskurs durchlaufen und engagieren sich nun als BiSS-Tutorin bzw. BiSS-Tutor in ihrem Land.

Beide sind im neuen Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen (BLiQ) beschäftigt. Das BLiQ wurde zu Beginn des Jahres 2025 als zentrale Einrichtung der Senatsverwaltung für Bildung gegründet. Hier wird das gesamte pädagogische Personal qualifiziert sowie Schulen durch evidenzbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung bei der nachhaltigen Verbesserung der Bildungsqualität unterstützt. Neben vielfältigen weiteren Aufgaben wird ebenso der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Schulpraxis gefördert. Der Bereich der überfachlichen und durchgängigen Sprachbildung wird dabei unter dem Dach des Landesinstituts BLiQ durch das Team des bereits anerkannten und etablierten Zentrums für Sprachbildung (ZeS) gestärkt, das seit 2025 Teil des Berliner Landesinstituts ist.

Monika Vöge und Stefan Paffrath sind Teil dieses Teams. Gemeinsam mit zwei weiteren BiSS-Tutorinnen setzen sie sich für die sprachliche Bildung ein. „So können wir die unterschiedlichen Bildungsetappen und Bereiche abdecken“, erklärt Monika Vöge. Denn das Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung bietet im Sinne einer kohärenten Gesamtbildungsstrategie Fortbildungen für die Sprachbildung am Übergang von der Kita in die Grundschule über die Primarstufe bis hin zu weiterführenden Schulen oder auch speziell für Willkommensklassen an.

Das Foto zeigt einen BiSS-Tutor. Das Foto ist privat.
Stefan Paffrath

Ko-Konstruktion zwischen Wissenschaft und Praxis

Wie in der Initiative BiSS insgesamt wird auch entsprechend des Bildungsauftrages im BLiQ am Berliner Zentrum für Sprachbildung (ZeS) dabei eine enge Zusammenarbeit und Ko-Konstruktion zwischen Wissenschaft und Praxis gelebt. So bringen einige Mitarbeitende einen wissenschaftlichen Hintergrund mit, sind beispielsweise Sprachwissenschaftlerin wie Monika Vöge und arbeiten seit Jahren am Zentrum für Sprachbildung. Andere hingegen kommen aus der Praxis und sind abgeordnete Lehrkräfte mit Schwerpunkt Sprachbildung wie Stefan Paffrath. „Das ist ein guter Mix und bringt verschiedene Perspektiven zusammen“, sagt der langjährige BiSS-Tutor.

Aufgaben der BiSS-Tutorinnen und BiSS-Tutoren

Zu den Hauptaufgaben von Monika Vöge und Stefan Paffrath gehört die Koordination und Organisation der Fortbildungen zur sprachlichen Bildung. Möchte sich eine Schulleiterin beispielsweise samt Kollegium zu einer Fortbildung zum Thema Sprachbildung anmelden, kann sie Kontakt zu den Berliner Tutorinnen und Tutoren aufnehmen. Dort erhält sie weitere Informationen über passende Kurse und Anmeldemöglichkeiten.

Darüber hinaus bieten Monika Vöge und Stefan Paffrath auch selbst Fortbildungen an. Manchmal ist es ein Kurs für Personen, die anschließend selbst ausbilden möchten. Ein anderes Mal handelt es sich um Lehrkräfte oder pädagogische Fachkräfte, die direkt mit Kindern oder Jugendlichen arbeiten und sich zu Themen wie Sprachförderung, Leseflüssigkeit oder Mehrsprachigkeit weiter qualifizieren möchten.

„Kürzlich haben wir beispielsweise wieder eine Ausbildung für Multiplizierende durchgeführt, damit sie die Blended-Learning-Einheiten von BiSS in ihren Fortbildungen einsetzen können“, erklärt Stefan Paffrath. Diese Ausbildung dauert in Berlin rund sechs Monate und kombiniert – wie die anderen Kursangebote auch – regelmäßige Präsenztreffen mit dem E-Learning auf der Fortbildungsplattform von BiSS bzw. BiSS-Transfer. Denn dies bietet den Teilnehmenden viel Flexibilität in ihrer zeitlichen Planung. Rund 50 Multiplizierende wurden auf diese Weise mittlerweile im Bereich der Sprachförderung qualifiziert.

Unterstützungsangebote für die BiSS-Tutorinnen und BiSS-Tutoren

Bei ihrer Tätigkeit werden die Tutorinnen und Tutoren vom Team der Leitstelle BiSS-Transfer in Köln mit vielfältigen Serviceangeboten unterstützt:

  • In Gruppenräumen auf der Fortbildungsplattform www.biss-fortbildung.de finden sie alle Kurseinheiten in Form von Web-based-Trainings sowie praxisbezogene Formulare, Vorlagen und Video-Tutorials zu den Fortbildungsabläufen.
  • Hinzu kommen Austauschangebote, wie das speziell für Multiplizierende zweimal jährlich stattfindende BiSS-Multi-Café oder die mehrmals monatlich stattfindende ILIAS-Sprechstunde zu den Funktionen der Fortbildungsplattform.
  • Broschüren und Publikationen bieten zusätzliche Fachinformationen zu verschiedenen Themen der sprachlichen Bildung und sind zum Download über die BiSS-Webseite verfügbar.
  • Bei den regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen können sie sich mit anderen Ländern austauschen, sich vernetzen und Erfahrungswerte mitnehmen.

Vernetzung und Zusammenarbeit für die sprachliche Bildung

Ein weiterer Schwerpunkt der BiSS-Tutorinnen und BiSS-Tutoren liegt in der Vernetzungsarbeit. So arbeiten die beiden beispielsweise in der Berliner Fachgruppe „Sprachbildung und Lehrkräftebildung“ mit. Auch die Ausbildung des pädagogischen Personals findet nun im neuen Landesinstitut statt. Dies bietet kurze Wege für eine transparente und schnellere Vernetzung aller Fachbereiche in der Aus-/Fort- und Weiterbildung sowie mit den Stakeholdern der Wissenschaft: „Hier sitzen alle Phasen der Lehrkräftebildung an einem Tisch: Universitäten, Ausbildende der zweiten Phase und wir als Fortbildende“, sagt Stefan Paffrath.

Aus diesem Austausch entstand die Idee, das BiSS-Blended-Learning (BL) stärker in der zweiten Phase der Berliner Lehrkräfteausbildung zu verankern. „Es wäre schade gewesen, das BiSS-Angebot für die Ausbildung der Referendarinnen und Referendare nicht zu nutzen – gerade, weil es in Berlin ein Pflichtmodul zur Sprachbildung gibt“, sagt der BiSS-Tutor weiter. Inzwischen haben die Fachkräfte am Zentrum für Sprachbildung im BLiQ mehrere ausbildende Personen fortgebildet, damit sie mit ihren Referendarinnen und Referendaren die Plattform nutzen können.

„Es wäre schade gewesen, das BiSS-Angebot für die Ausbildung der Referendarinnen und Referendare nicht zu nutzen – gerade, weil es in Berlin ein Pflichtmodul zur Sprachbildung gibt.“

Stefan Paffrath

Wichtig ist es also auch, „auf der Metaebene zu überlegen, welche Kurse oder Inhalte für welche Bedürfnisse geeignet sind und wie diese in bestehende Angebote integriert werden können“, sagt Stefan Paffrath. Dabei hilft auch der bundesweite Austausch innerhalb der BiSS-Initiative. Regelmäßig kommen zahlreiche Mitwirkende zu Veranstaltungen zusammen, die von der Leitstelle BiSS-Transfer angeboten werden. Monika Vöge empfindet dieses Miteinander als sehr gewinnbringend: „Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, sondern kann auch einfach mal von den Erfahrungen anderer lernen“, sagt sie.

„Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, sondern kann auch einfach mal von den Erfahrungen anderer lernen.“

Dr. Monika Vöge

Kurse von „systematischer Schreibförderung“ bis „Grundschule in der Migrationsgesellschaft“

Thematisch reicht das BL-Kursangebot am Zentrum für Sprachbildung im Berliner Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung von „systematischer Schreibförderung“ über „Sprachförderung am Übergang von der Kita in die Grundschule“ bis hin zur „Grundschule in der Migrationsgesellschaft“. Letzteres besuchen vor allem Lehrkräfte, die in Willkommensklassen arbeiten.

Bei den Berliner Lehrerinnen und Lehrern und Kita-Mitarbeitenden kommen die Fortbildungsangebote gut an. „Es sind meist größere Kurse mit vielen interessierten Menschen. Sie alle möchten sich zur sprachlichen Bildung fortbilden. Einige bringen dabei erste Berührungspunkte mit sprachbildenden Maßnahmen mit, andere haben bislang noch gar nicht viel zum Thema gemacht“, erzählt Monika Vöge.

Besonders bewährt hat sich das Blended-Learning-Format auch bei groß angelegten Programmen wie dem Berliner Leseband, das an rund 115 Grundschulen eingeführt wurde. Es wird zentral gesteuert und koordiniert im Berliner Landesinstitut. Das Leseband ist fest im Stundenplan verankert und basiert auf einem regelmäßigen Lesetraining.

Wichtiges Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis

Das Beispiel Berlin zeigt, wie wichtig die Arbeit der BiSS-Tutorinnen und BiSS-Tutoren ist. Sie sind eine zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft und schulischer sowie pädagogischer Praxis und machen den Transfer sprachbildender Maßnahmen in die Breite möglich. Eine wichtige Unterstützung dabei ist die BiSS-Fortbildungsplattform mit ihrem breit gefächerten Blended-Learning-Angebot. Mehr als 200 Lerneinheiten und 10 Kurse zur sprachlichen Bildung stehen hier zur Verfügung.

Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Denise Krell.
Autorin
Denise Krell
Kommunikationsmangerin der Leitstelle BiSS-Transfer am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung
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