„Wir wollen nicht nur ein paar Leuchttürme in NRW aufstellen, sondern landesweit eine gleichbleibende Qualität in der sprachlichen Bildung aufbauen“

Posted on: September 2nd, 2026 by Denise Krell

Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner:

  • Mostapha Boukllouâ ist Leiter des Referats „Integration durch Bildung“ im Ministerium für Schule und Bildung NRW.
  • Sabine Stahl leitet in Nordrhein-Westfalen die Landesstelle Schulische Integration und ist in dieser Funktion die zuständige Dezernentin der BiSS-Akademie NRW.
  • Uta Biermann ist Landeskoordinatorin der Initiative BiSS-Transfer für Nordrhein-Westfalen und als Koordinatorin in der BiSS-Akademie NRW tätig.
Das Foto zeigt Mostapha Boukllouâ. Er ist Leiter des Referats „Integration durch Bildung“ im Ministerium für Schule und Bildung NRW. Foto: privat
Mostapha Boukllouâ

Herr Boukllouâ, als Leiter des Referats „Integration durch Bildung“ haben Sie maßgeblich dazu beigetragen, die BiSS-Akademie NRW von Seiten des Ministeriums für Schule und Bildung NRW auf den Weg zu bringen. Warum wurde die BiSS-Akademie im Jahr 2020 überhaupt gegründet?

Mostapha Boukllouâ Da würde ich bereits 2015/16 ansetzen wollen. Denn hier hatte ich erstmalig Kontakt zu der Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) – und war damals als pädagogischer Mitarbeiter mitverantwortlich für die Umsetzung der BiSS-Maßnahmen im Land. Ich habe also bereits vor 2020 festgestellt, dass es wunderbare Konzepte und Ansätze gibt, die man in der Sprachbildung gut nutzen kann. Als dann die erste Projektlaufzeit von BiSS 2020 endete, stellte sich für uns in NRW die Frage: Wie können wir die Angebote weiterhin in unserem Land erhalten? Und wie können wir diese weiter transferieren, sodass möglichst viele Schulen davon profitieren können? Wichtig war uns, eine dauerhafte Struktur unter einem Dach zu etablieren. Also wegzukommen vom Projektcharakter und den Transfer von wissenschaftlich fundierten und in der Praxis erprobten Konzepten aus einer Hand sicherzustellen. Das hat schließlich zur Gründung der BiSS-Akademie geführt.

„Wichtig war uns, eine dauerhafte Struktur unter einem Dach zu etablieren.“

Mostapha Boukllouâ

Die BiSS-Akademie war also von vornherein als langfristige Struktur gedacht, um Angebote zur Sprachbildung dauerhaft bereitstellen zu können?

Mostapha Boukllouâ Richtig, wir hatten kein Projektende im Blick. Uns war klar: Wenn wir uns auf den Weg machen und unser Angebot von den Schulen angenommen wird, dann dürfen wir kein festes Enddatum setzen. Hätten wir unterwegs festgestellt, dass das Konzept nicht funktioniert oder das Interesse deutlich geringer ist als erwartet, hätten wir unser Vorhaben angepasst oder auch beendet. Die Zahl der Schulen, die sogar trotz der damals schwierigen Umstände der Pandemie teilgenommen haben – hat uns jedoch gezeigt, dass wir uns auf den richtigen Weg gemacht haben. Von Anfang an haben wir das Angebot so konzipiert, dass es skalierbar ist und gleichzeitig eine gleichbleibend hohe Qualität mit einem überschaubaren Ressourceneinsatz von Seiten des Schulministeriums ermöglicht.

Welche Ressourcen stehen denn den Schulen zur Verfügung?

Mostapha Boukllouâ Zunächst einmal können Schulen, die mitwirken wollen, kostenfrei an einem Blended Learning, also einer Qualifizierungsmaßnahme, teilnehmen und bekommen fertige Konzepte an die Hand. Darüber hinaus können Schulen, wenn sie sich auf den Weg machen wollen, durchaus auch Stellen beantragen. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Integrationsstellen, die aus einem anderen Topf bezahlt werden und die je nach Projekt oder Konzept alle zwei Jahre vergeben werden. Beraten Schulen beispielsweise andere Schulen – wie unsere BiSS-Impulsschulen es tun – erhalten sie hierfür in den meisten Fällen Stellenanteile. Wir lassen uns als Land die Umsetzung der BiSS-Akademie also durchaus etwas kosten.

Dieses Unterstützungsangebot musste ja erst einmal entwickelt werden. Wie sind Sie damals gestartet – was waren die ersten Schritte?

Mostapha Boukllouâ Uns standen viele tolle Sprachbildungskonzepte von BiSS zur Verfügung, wir wollten damit den konkreten Bedarf der Schulen decken. Daher haben wir 2019 landesweit erst einmal vier regionale Veranstaltungen organisiert, um herauszufinden, welche Konzepte auf das größte Interesse seitens der Schulen stoßen. Mehrere 100 Schulen nahmen teil, haben Erfahrungen mit uns geteilt und uns ihre Rückmeldung gegeben. Das Angebot der BiSS-Akademie ist also nicht irgendwo am Schreibtisch entstanden, sondern als direktes Feedback aus der Praxis in unsere Arbeit eingegangen.

„Das Angebot der BiSS-Akademie ist also nicht irgendwo am Schreibtisch entstanden, sondern als direktes Feedback aus der Praxis in unsere Arbeit eingegangen.“

Mostapha Boukllouâ
Das Foto zeigt Uta Biermann von der BiSS-Akademie NRW. Foto: BiSS-Akademie NRW
Uta Biermann

Frau Biermann, Sie sind seit vielen Jahren in der BiSS-Akademie tätig. Welche Angebote zur Sprachbildung stehen denn heute für Schulen und Lehrkräfte bereit?

Uta Biermann Wir unterstützen mit einem Gesamtpaket aus Blended-Learning als zentrales Instrument, mit fachlichen Grundlagen, mit wissenschaftlich fundierten und praxiserprobten Kursen und Materialien sowie mit Netzwerken zur sprachlichen Bildung, die fachlich-systemische Begleitung anbieten. Das heißt konkret: Über das digitale Wissensnetzwerk der BiSS-Akademie – kurz  digiWi – steht den Schulen eine Angebots- und Unterstützungsstruktur in den Bereichen des Lesens und Schreibens, der Sprachbildung im Fach – zum Beispiel Mathematik verstehen – sowie der Alphabetisierung und Mehrsprachigkeit zur Verfügung. Lehrkräfte können Basiswissen erwerben, Trainings sowie Praxisanregungen zur Umsetzung im eigenen Unterricht kennenlernen, sich mit anderen Schulen austauschen und Unterrichtsideen in ihrem System weiterentwickeln.

Die kontinuierliche Begleitung und systemische Arbeit für Schulentwicklungsprozesse über die Qualifizierungen hinaus wird durch unsere Koordinierenden angeleitet. Dabei werden auch Rückkoppelungsprozesse gesteuert und angeboten, um zu schauen, was die Lehrkräfte noch brauchen, um die sprachbildenden Maßnahmen fest in ihrem System zu verankern und Schulentwicklungsprozesse zu stärken.

Mittlerweile arbeiten mehr als 1.000 der rund 5.000 allgemeinbildenden Schulen in NRW mit der BiSS-Akademie zusammen. Warum ist das Interesse so groß?

Uta Biermann Der Bedarf an sprachlicher Bildungsarbeit ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Besonders stark war dies im Bereich der Basiskompetenzen, insbesondere des Lesens zu spüren. Schulen, die inzwischen das Training der Leseflüssigkeit implementiert haben, nutzen das Wissen und die Trainings aus dem BiSS-Forschungsnetzwerk und arbeiten weiter zu den Lesestrategien. Weitere Schulen durchlaufen inzwischen diesen Prozess auch für den Bereich des Schreibens, da sie das Lesen fest in ihrem System etabliert haben. Die Initiierung dieser Schulentwicklungsprozesse bis zur Implementation im eigenen System ist ein gemeinsamer Prozess mit den Schulen. Der Wunsch nach systematischer sprachlicher Bildungsarbeit ist dabei auch in den Bereichen Mathematik, Alphabetisierung und Mehrsprachigkeit enorm gestiegen. Denn in der Förderung von Basis- und funktionalen Kompetenzen gibt es immer mehr Handlungsbedarf. Genau hierauf geben wir eine Antwort. Die Schulen wissen, dass sie eine verlässliche und wissenschaftsfundierte Angebots- und Unterstützungsstruktur mit Konzepten und Materialien sowie die bewährten Strukturen im Netzwerk nutzen können. Des Weiteren erhalten sie auch Einblicke in andere Projekte und Programme im Land und bundesweit. Für Schulen ist es ein großer Mehrwert, von der Weitergabe der über Jahre erprobten Gelingensbedingungen aus Wissenschaft und Praxis und dem Implementationswissen profitieren zu können.

Herr Boukllouâ, ist dieser Wissenschafts- und Praxisbezug das, was die Angebote der BiSS-Akademie aus Ihrer Sicht landesweit so wirksam macht?

Mostapha Boukllouâ Ja, die wissenschaftliche Basis ist absolut wichtig. Ebenso wie die Idee des Transfers. Wir wollen eben nicht nur ein paar Leuchttürme im Land aufstellen, sondern landesweit an möglichst vielen Schulen eine gleichbleibende Qualität in der Umsetzung der sprachlichen Bildung aufbauen. Dazu braucht es auch die Verstetigung, ein weiterer wichtiger Aspekt für Wirksamkeit. Unsere Angebote haben keinen Endpunkt. Wir haben ganz bewusst eine Institution gegründet und damit ein Signal gesetzt. Das ist von der Politik bewusst mitgetragen worden. Schulen können jederzeit einsteigen und werden langfristig begleitet. Damit geben wir ein entscheidendes Signal von Sicherheit und Verlässlichkeit in die Schulen hinein.

Sicherheit und Verlässlichkeit – sind das die Eigenschaften, die die BiSS-Akademie auszeichnen und vielleicht von anderen Ansätzen in der sprachlichen Bildungslandschaft unterscheiden?

Mostapha Boukllouâ Absolut. Aber zwei weitere Punkte sind noch wichtig. Zum einen das stabile Fundament, auf dem wir das Angebot aufgebaut haben. Mit Fundament meine ich, dass die BiSS-Akademie nicht bei null angefangen hat. Sondern: Es gab Vorarbeiten, die im Rahmen der Beteiligung an der Initiative BiSS geleistet worden sind. Diese Vorarbeiten bestanden darin, dass wir auf wissenschaftlich evidenzbasierte Konzepte und Materialien zurückgreifen konnten, die in der Praxis erprobt worden sind. Die Konzepte haben also eine Rückkopplung aus der Praxis erfahren und sind dadurch direkt anwendbar in Schule und Unterricht. Eine weitere wichtige Besonderheit ist die Vernetzung der verschiedenen Ebenen, die miteinander kommunizieren und arbeiten – und nicht nacheinander. Ganz gleich, ob Ministerium, Landesstelle, BiSS-Akademie, Schulaufsicht oder die Schulen vor Ort – die verschiedenen Stakeholder wirken alle gleichermaßen in der Bildungsarbeit der BiSS-Akademie mit.

Was bietet die BiSS-Akademie NRW für Schulen und Lehrkräfte?

Die BiSS-Akademie NRW ist eine Einrichtung des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Ziel der Arbeit der BiSS-Akademie NRW besteht darin, sprachliche Bildung von Kindern und Jugendlichen zu stärken, um dadurch ihre Teilhabemöglichkeiten und ihren Lernerfolg zu fördern. Hierzu professionalisiert und begleitet die BiSS-Akademie NRW interessierte Lehrkräfte und Schulen kontinuierlich mit Hilfe bewährter und praxisrelevanter Maßnahmen und Materialien, die sich auf nachhaltige Unterrichtsentwicklung auswirken. Rund 1.200 Schulen aller Schulformen und Schulstufen profitieren regelmäßig von dem Angebot der BiSS-Akademie NRW.

 

Im Netzwerk der BiSS-Akademie NRW stehen den Schulen folgende Angebote zur Verfügung:

Schulen können sich entsprechend ihrer Bedarfe in vier Fokusgruppen zu diesen Schwerpunktbereichen informieren und mitwirken. Die Fokusgruppen bieten ihnen Qualifizierungs-, Entwicklungs- und Vernetzungsräume. Sie begleiten Schulen fachlich, stellen ihnen Materialien zu erprobter Schulpraxis zur Verfügung, unterstützen Lehrkräfte dabei, Qualifizierungsimpulse konkret in ihrer unterrichtlichen Praxis umzusetzen und bieten die Möglichkeit, gemeinsam nachhaltige Schulentwicklungsprozesse zu gestalten.

Das Foto zeigt Sabine Stahl von der BiSS-Akademie NRW. Foto: privat
Sabine Stahl

Lassen Sie uns einmal näher auf diese besondere Struktur eingehen, in der die BiSS-Akademie verankert ist. Frau Stahl, Sie als Leiterin der Landesstelle Schulische Integration (LaSI) steuern und unterstützen die Arbeit der BiSS-Akademie im Auftrag des Schulministeriums. Wie genau kann man sich das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Akteuren im Land – Ministerium, Bezirksregierung, LaSI und BiSS-Akademie NRW – vorstellen?

Sabine Stahl Es ist eine sehr vernetzende Arbeit. Das Schulministerium, die Bezirksregierung und die LaSI – das sind die Ebenen, die in unterschiedlichen Zuständigkeiten in NRW durchgängige Sprachbildung gestalten. Seitens des Schulministeriums NRW werden die fachlichen und ressourcenbezogenen Rahmenbedingungen gesetzt. Dazu gehört auch die Rolle, die die BiSS-Akademie im schulpolitischen und integrations- sowie schulfachlichen Gesamtkontext einnimmt. In Bezug auf die fünf Bezirksregierungen in NRW sorge ich dafür, dass wir gegenseitig davon wissen, welche Entwicklungen es in den Regionen gibt. Man kann sich das wie zwei Puzzleteile vorstellen, die zusammengefügt werden: die Bedarfe der Regionen und das, was die BiSS-Akademie anbietet. Die LaSI ist dabei das organisatorische Dach. Gleichzeitig ist die LaSI aber auch der Ort, an dem die BiSS-Akademie die Überzeugung von Sprachbildung als einem ganz wesentlichen Bestandteil von Teilhabeförderung und Chancengerechtigkeit für eine demokratische Gesellschaft einbringt und lebt. Wir stehen in der LaSI unter anderem für die Förderung von Mehrsprachigkeit als regulären Bestandteil der Bildungsbiografien von Kindern und Jugendlichen. Das Thema Mehrsprachigkeit ist uns daher ein wichtiges Anliegen – und natürlich auch der Diskurs dazu. Das heißt: Wir beschäftigen uns mit Fragestellungen wie: Was bedeutet es, in Unterrichtsentwicklungsprozessen, in Personalentscheidungen, aber auch in der Zusammenarbeit mit Eltern, Mehrsprachigkeit zu berücksichtigen? Ohne die BiSS-Akademie würde uns in der LaSI ein wesentliches Element fehlen, um auf diese Fragen Antworten zu finden und sie mit Leben zu füllen.

Wo zeigt sich denn im Alltag, dass diese Zusammenarbeit der verschiedenen Ebenen gut funktioniert?

Sabine Stahl Unser Ziel ist es, dass sich Lehrerinnen und Lehrer für eine durchgängige Sprachbildung in der Schule besser und umfassender professionalisiert wissen. Und dass Kinder und Jugendliche bessere Leistungen in diesem Bereich erzielen. Das funktioniert nur, wenn Strukturen ineinandergreifen und gut zusammenarbeiten. Dazu leisten das Schulministerium und die Schulabteilungen in den Bezirksregierungen einen entscheidenden Beitrag, indem sie eine sehr ausgeprägte Fachlichkeit im Bereich der durchgängigen Sprachbildung einbringen. Auf der anderen Seite sind dies aber eben auch die Koordinierenden, die in der BiSS-Akademie arbeiten, um Schulen zu begleiten und Wissen so zu vermitteln, dass daraus Entwicklungsprozesse in den Schulen entstehen. Es wird also Wissen seitens des Landes zur Verfügung gestellt und wir haben Menschen, die durch die BiSS-Akademie mit Unterstützung der bundesweiten Ebene dazu befähigt worden sind, dieses Wissen in Entwicklungsprozesse umzuwandeln. Eine weitere wichtige Struktur, in der Prozesse ineinandergreifen, ist für uns die Zusammenarbeit mit den Universitäten, mit denen wir kooperieren. Denn die fachwissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns hierüber zur Verfügung gestellt werden, fließen ganz konkret in die Inhalte ein, die wir an die Lehrkräfte weitergeben. Schulen können sich daher sicher sein, dass das Wissen aus dem Angebot der BiSS-Akademie auch belastbar ist – beispielsweise die Konzepte und Maßnahmen, die sie aus den BiSS-Blended-Learning-Trainings für ihre Praxis mitnehmen.

Uta Biermann Diese enge Zusammenarbeit der Ebenen trägt somit wesentlich zur Qualitätssicherung bei! Denn durch diesen eng verzahnten, abgestimmten Prozess zwischen der administrativen und operativen Ebene, zwischen Wissenschaft und Praxis, mit allen Koordinierenden, dem Multiplikator:innennetzwerk intern und dem bundesweiten Tutor:innennetzwerk der Initiative BiSS-Transfer – den Schulen, Schulleitungen und Lehrkräften unserer teilnehmenden Schulen und Impulsschulen – sind wir in einem engen Austausch verbunden. So können wir auf konkrete Bedarfe Antworten für die unterrichtliche Praxis geben und hierauf immer weiter gemeinsam mit den Schulen aufbauen, konzeptionell mit allen Koordinierenden weiterentwickeln, bedarfsgerecht Prozesse ausloten und entsprechende Unterstützung zur Stärkung der Basis- und funktionalen Kompetenzen anbieten.

Seit 2024 gibt es das Startchancen-Programm, das ebenfalls zum Ziel hat, mehr Chancengerechtigkeit durch bessere sprachliche Bildung für alle Kinder zu schaffen. Welche Aufgaben übernimmt die BiSS-Akademie NRW hierbei, Herr Boukllouâ?

Mostapha Boukllouâ Das Startchancen-Programm ist ein Programm für mehr Chancengerechtigkeit in Schulen und in unserer Gesellschaft. Und genau hier setzt auch die BiSS-Akademie an. Mit ihrem Angebot zum Lesen, Schreiben und zur durchgängigen Sprachbildung will die BiSS-Akademie mehr Chancengerechtigkeit durch sprachliche Bildung ermöglichen – alles Kernbereiche, die auch im Fokus des Startchancen-Programms stehen. Die BiSS-Akademie bietet die Struktur, die Angebote und die Qualifizierungsmöglichkeiten.  Die BiSS-Akademie kann natürlich nicht alle Teilbereiche des Startchancen-Programms abdecken, aber sie kann viele Impulse geben.

Also greifen hier bestehende Strukturen und neue Programme gut ineinander?

Mostapha Boukllouâ Absolut. Ganz gleich, ob im Schulministerium oder auf Bezirksregierungsebene – die Zusammenarbeit zwischen den Personen, die für das Startchancen-Programm verantwortlich sind, und den Personen, die sich um die sprachliche Bildung kümmern, ist eng. Es gibt keine Parallelstrukturen. Es braucht Strukturen, die sich ergänzen und nicht nebeneinander herlaufen.

Was sind denn die nächsten Entwicklungsschritte der BiSS-Akademie?

Mostapha Boukllouâ Das ist schwierig vorherzusehen. In den letzten Jahren haben wir uns sehr stark auf die Basiskompetenz Lesen konzentriert. Nun werden wir uns verstärkt weiteren Kompetenzen – wie dem Schreiben, Hören, Sprechen – zuwenden. Hier gibt es noch viele Entwicklungsperspektiven für die BiSS-Akademie, um die Schulen bestmöglich dabei zu unterstützen, diese Kompetenzbereiche weiterzuentwickeln. Auch die Anschlussförderung im Bereich der Neuzuwanderung ist ein wichtiges Thema.

„Auf jeden Fall ist die BiSS-Akademie weiterhin ein wichtiger Player in Nordrhein-Westfalen, um Schulen im Bereich sprachlicher Bildung gut und auf aktuellem Stand zu unterstützen.“

Sabine Stahl

Frau Stahl, wo sehen Sie die BiSS-Akademie in den nächsten Jahren?

Sabine Stahl Auf jeden Fall weiterhin als wichtigen Player in Nordrhein-Westfalen, um Schulen im Bereich sprachlicher Bildung gut und auf aktuellem Stand zu unterstützen. Aktueller Stand – das meine ich auch unter dem Aspekt einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Das heißt: Wir werden uns stärker mit dem Zusammenspiel von KI und sprachlicher Bildung beschäftigen. Zum einen im Blick auf Tools, die hier unterstützen können, aber auch in Bezug auf die Frage: Wie verändert sich denn der Stellenwert von sprachlicher Bildung in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft und auch im Blick auf Künstliche Intelligenz? Hier wird sicherlich ein wichtiger Entwicklungsschritt in den nächsten Jahren liegen. Im Bereich der Basiskompetenzen haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel investiert, um Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zu unterstützen, und haben seit einiger Zeit, damit begonnen, die verschiedenen Schwerpunkte sprachlicher Bildung stärker miteinander zu vernetzen. Das spiegelt sich auch in unserem digitalen Wissensnetzwerk – dem digiWi – wider, in dem Lehrkräfte einen guten Überblick über das Angebot der BiSS-Akademie erhalten. An der Entwicklung der Basiskompetenzen werden wir weiterarbeiten und uns dabei an den Bedarfen der Schulen orientieren. Immer mehr hinzukommen werden die funktionalen Kompetenzen, die zum Beispiel dazu beitragen, Texte ziel- und adressatengerecht zu verfassen oder erlesene Inhalte für fachliche Lernfortschritte zu nutzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bilder im Beitrag: Porträtfoto Mostapha Boukllouâ: privat; Porträtfoto Uta Biermann: BiSS-Akademie NRW/Peter Liffers; Porträtfoto Sabine Stahl: privat
Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Denise Krell.
Das Interview führte
Denise Krell
Kommunikationsmanagerin der Leitstelle BiSS-Transfer am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung
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