Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner:
- Mostapha Boukllouâ ist Leiter des Referats „Integration durch Bildung“ im Ministerium für Schule und Bildung NRW.
- Sabine Stahl leitet in Nordrhein-Westfalen die Landesstelle Schulische Integration und ist in dieser Funktion die zuständige Dezernentin der BiSS-Akademie NRW.
- Uta Biermann ist Landeskoordinatorin der Initiative BiSS-Transfer für Nordrhein-Westfalen und als Koordinatorin in der BiSS-Akademie NRW tätig.
„Wichtig war uns, eine dauerhafte Struktur unter einem Dach zu etablieren.“
Die BiSS-Akademie war also von vornherein als langfristige Struktur gedacht, um Angebote zur Sprachbildung dauerhaft bereitstellen zu können?
Mostapha Boukllouâ Richtig, wir hatten kein Projektende im Blick. Uns war klar: Wenn wir uns auf den Weg machen und unser Angebot von den Schulen angenommen wird, dann dürfen wir kein festes Enddatum setzen. Hätten wir unterwegs festgestellt, dass das Konzept nicht funktioniert oder das Interesse deutlich geringer ist als erwartet, hätten wir unser Vorhaben angepasst oder auch beendet. Die Zahl der Schulen, die sogar trotz der damals schwierigen Umstände der Pandemie teilgenommen haben – hat uns jedoch gezeigt, dass wir uns auf den richtigen Weg gemacht haben. Von Anfang an haben wir das Angebot so konzipiert, dass es skalierbar ist und gleichzeitig eine gleichbleibend hohe Qualität mit einem überschaubaren Ressourceneinsatz von Seiten des Schulministeriums ermöglicht.
Welche Ressourcen stehen denn den Schulen zur Verfügung?
Mostapha Boukllouâ Zunächst einmal können Schulen, die mitwirken wollen, kostenfrei an einem Blended Learning, also einer Qualifizierungsmaßnahme, teilnehmen und bekommen fertige Konzepte an die Hand. Darüber hinaus können Schulen, wenn sie sich auf den Weg machen wollen, durchaus auch Stellen beantragen. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Integrationsstellen, die aus einem anderen Topf bezahlt werden und die je nach Projekt oder Konzept alle zwei Jahre vergeben werden. Beraten Schulen beispielsweise andere Schulen – wie unsere BiSS-Impulsschulen es tun – erhalten sie hierfür in den meisten Fällen Stellenanteile. Wir lassen uns als Land die Umsetzung der BiSS-Akademie also durchaus etwas kosten.
Dieses Unterstützungsangebot musste ja erst einmal entwickelt werden. Wie sind Sie damals gestartet – was waren die ersten Schritte?
Mostapha Boukllouâ Uns standen viele tolle Sprachbildungskonzepte von BiSS zur Verfügung, wir wollten damit den konkreten Bedarf der Schulen decken. Daher haben wir 2019 landesweit erst einmal vier regionale Veranstaltungen organisiert, um herauszufinden, welche Konzepte auf das größte Interesse seitens der Schulen stoßen. Mehrere 100 Schulen nahmen teil, haben Erfahrungen mit uns geteilt und uns ihre Rückmeldung gegeben. Das Angebot der BiSS-Akademie ist also nicht irgendwo am Schreibtisch entstanden, sondern als direktes Feedback aus der Praxis in unsere Arbeit eingegangen.
„Das Angebot der BiSS-Akademie ist also nicht irgendwo am Schreibtisch entstanden, sondern als direktes Feedback aus der Praxis in unsere Arbeit eingegangen.“
Was bietet die BiSS-Akademie NRW für Schulen und Lehrkräfte?
Die BiSS-Akademie NRW ist eine Einrichtung des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Ziel der Arbeit der BiSS-Akademie NRW besteht darin, sprachliche Bildung von Kindern und Jugendlichen zu stärken, um dadurch ihre Teilhabemöglichkeiten und ihren Lernerfolg zu fördern. Hierzu professionalisiert und begleitet die BiSS-Akademie NRW interessierte Lehrkräfte und Schulen kontinuierlich mit Hilfe bewährter und praxisrelevanter Maßnahmen und Materialien, die sich auf nachhaltige Unterrichtsentwicklung auswirken. Rund 1.200 Schulen aller Schulformen und Schulstufen profitieren regelmäßig von dem Angebot der BiSS-Akademie NRW.
Im Netzwerk der BiSS-Akademie NRW stehen den Schulen folgende Angebote zur Verfügung:
- Lesen
- Schreiben
- Mathematik verstehen – Potentiale entfalten durch Sprache(n)
- Von der Sprachförderung zur Sprachbildung
Schulen können sich entsprechend ihrer Bedarfe in vier Fokusgruppen zu diesen Schwerpunktbereichen informieren und mitwirken. Die Fokusgruppen bieten ihnen Qualifizierungs-, Entwicklungs- und Vernetzungsräume. Sie begleiten Schulen fachlich, stellen ihnen Materialien zu erprobter Schulpraxis zur Verfügung, unterstützen Lehrkräfte dabei, Qualifizierungsimpulse konkret in ihrer unterrichtlichen Praxis umzusetzen und bieten die Möglichkeit, gemeinsam nachhaltige Schulentwicklungsprozesse zu gestalten.
„Auf jeden Fall ist die BiSS-Akademie weiterhin ein wichtiger Player in Nordrhein-Westfalen, um Schulen im Bereich sprachlicher Bildung gut und auf aktuellem Stand zu unterstützen.“
Frau Stahl, wo sehen Sie die BiSS-Akademie in den nächsten Jahren?
Sabine Stahl Auf jeden Fall weiterhin als wichtigen Player in Nordrhein-Westfalen, um Schulen im Bereich sprachlicher Bildung gut und auf aktuellem Stand zu unterstützen. Aktueller Stand – das meine ich auch unter dem Aspekt einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Das heißt: Wir werden uns stärker mit dem Zusammenspiel von KI und sprachlicher Bildung beschäftigen. Zum einen im Blick auf Tools, die hier unterstützen können, aber auch in Bezug auf die Frage: Wie verändert sich denn der Stellenwert von sprachlicher Bildung in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft und auch im Blick auf Künstliche Intelligenz? Hier wird sicherlich ein wichtiger Entwicklungsschritt in den nächsten Jahren liegen. Im Bereich der Basiskompetenzen haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel investiert, um Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte zu unterstützen, und haben seit einiger Zeit, damit begonnen, die verschiedenen Schwerpunkte sprachlicher Bildung stärker miteinander zu vernetzen. Das spiegelt sich auch in unserem digitalen Wissensnetzwerk – dem digiWi – wider, in dem Lehrkräfte einen guten Überblick über das Angebot der BiSS-Akademie erhalten. An der Entwicklung der Basiskompetenzen werden wir weiterarbeiten und uns dabei an den Bedarfen der Schulen orientieren. Immer mehr hinzukommen werden die funktionalen Kompetenzen, die zum Beispiel dazu beitragen, Texte ziel- und adressatengerecht zu verfassen oder erlesene Inhalte für fachliche Lernfortschritte zu nutzen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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