Schreibkompetenzen fördern: BiSS-Akademie NRW bietet Unterstützungsangebot für Schulen und Lehrkräfte

Posted on: September 9th, 2026 by Denise Krell

Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner:

  • Mostapha Boukllouâ ist Leiter des Referats „Integration durch Bildung“ im Ministerium für Schule und Bildung NRW.
  • Sabine Stahl leitet in Nordrhein-Westfalen die Landesstelle Schulische Integration und ist in dieser Funktion die zuständige Dezernentin der BiSS-Akademie NRW.
  • Uta Biermann ist Landeskoordinatorin der Initiative BiSS-Transfer für Nordrhein-Westfalen und als Koordinatorin in der BiSS-Akademie NRW tätig.
Das Foto zeigt Uta Biermann von der BiSS-Akademie NRW. Foto: BiSS-Akademie NRW
Uta Biermann

Nach der Einführung des landesweiten Lesebands rückt nun die Schreibkompetenz bei Ihnen im Land stärker in den Fokus. Was beinhaltet das neueste Angebot der BiSS-Akademie „Systematische Förderung von Schreibkompetenz“ genau, Frau Biermann?

Uta Biermann Das Netzwerk der BiSS-Akademie NRW bietet ja ein breites Unterstützungs- und Qualifizierungsangebot im Bereich der sprachlichen Bildungsarbeit an. Wenn Schulen beispielsweise die Basiskompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler stärken möchten, können sie unsere Unterstützung hinzuziehen. Hierzu zählt auch das Angebot „Systematische Förderung von Schreibkompetenz“. Hierbei geht es um die Vermittlung des Grundlagenwissens zum Schreiben über den BiSS-Blended-Learning-Kurs „Systematische Förderung der Schreibflüssigkeit und der Schreibstrategien“ und den Einsatz entsprechender Trainingsmaterialien im Unterricht. Das Unterrichtsmaterial „Texte meistern“ wurde vom Mercator-Institut in verschiedenen Projekten entwickelt und erfolgreich evaluiert und kommt zum neuen Schuljahr in den ersten Schulen zum Einsatz. Das heißt konkret, die Teilnehmenden erwerben zunächst Basiswissen. Sie erfahren, warum flüssiges Schreiben als ein zentrales Ziel des Unterrichts so wichtig ist und unflüssiges Schreiben mit Blick auf die Bildungsbiografie der Schülerinnen und Schüler so problematisch. Darüber hinaus beschäftigen sie sich damit, wie flüssiges Schreiben im Unterricht mit den Förderheften „Texte meistern“ trainiert werden kann. Dieses Qualifizierungsangebot bietet den Lehrkräften also ein Format mit direkter Umsetzungsmöglichkeit und Gelingensbedingungen zur Förderung der Schreibflüssigkeit und der Schreibstrategien zur Unterrichts- und Schulentwicklung.

Blended Learning – oder kurz BL – heißt, es gibt Präsenz- und Online-Lernphasen. Können Sie mal einen Einblick geben, wie der Blended-Learning-Kurs zum Schreiben konkret aufgebaut ist?

Uta Biermann Genau, die Lehrkräfte erarbeiten die Inhalte in dem BL-Kurs sowohl im gemeinsamen Austausch in Präsenz als auch eigenständig online, um ihnen zeitliche und örtliche Flexibilität zu ermöglichen. Der kollegiale Austausch und eine fachkundige Begleitung sind dabei in allen Phasen gegeben. In dem BL-Kurs gibt es verschiedene Lerneinheiten, die aufeinander aufbauen und sich auf drei Bausteine verteilen. Der erste Baustein startet mit einer Einführung zum Schreiben, betrachtet die Komplexität des Schreibprozesses, erläutert, was schriftliche Kommunikation ausmacht und wie der Schreibprozess abläuft. Es werden Verfahren zur Diagnostik schriftsprachlicher Fähigkeiten und Ansätze zur Schreibförderung thematisiert.

Baustein Zwei beinhaltet die hierarchieniedrigen Fähigkeiten, die Schreibflüssigkeit. Dabei erhalten die Lehrkräfte Antworten auf Fragen wie: Warum ist das flüssige Schreiben so grundlegend? Wie lassen sich die nötigen Fähigkeiten dazu entwickeln? Welche Diagnoseverfahren sind dafür geeignet? Und wie fördere ich die Schreibflüssigkeit bei meinen Schülerinnen und Schülern? Beide Aspekte der Schreibflüssigkeit- nämlich das zügige Formulieren und schnelle Abrufen und Verschriften von Buchstaben und Wörtern werden vertieft. Im dritten Baustein geht es dann um die hierarchiehohen Fähigkeiten – um die Schreibstrategien, die zum Verfassen von Texten benötigt werden. Hier wird thematisiert, wie diese im Klassenverband zur Gestaltung des Schreibprozesses, zur Textstruktur besprochen und eigenständig angewendet werden können. Die Lehrkräfte setzen sich im Anschluss zu den strukturierten wiederkehrenden Aufgaben der Trainingshefte mit ihren Niveaustufen und den drei Phasen Aufwärmen-Trainieren-Auslaufen, mit verschiedenen Übungsmöglichkeiten auf Buchstaben-, Wort- und Satzebene im kollegialen Austausch, auseinander.

Das sagen Lehrkräfte zu dem Blended-Learning-Kurs „Systematische Förderung der Schreibflüssigkeit und der Schreibstrategien“. Grafik: BiSS-Akademie NRW

Auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder welchem Fachwissen bauen Sie Ihr Qualifizierungsangebot für die Schulen auf?

Uta Biermann Das Thema Schreiben haben wir schon lange im Vorfeld am Übergang von der Initiative BiSS in die Transferphase aufgrund der vielen Nachfragen der Schulen vorbereitet. Nordrhein-Westfalen hat sich daher bewusst in der Transferphase auch an den wissenschaftlichen Erhebungen des BiSS-Transfer-Forschungsnetzwerks beteiligt. Von 2020 bis 2025 qualifizierte das Forschungsteam der Initiative BiSS-Transfer „Schreib-BiSS“ Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Länder sowie Lehrkräfte im Bereich Schreiben und hat die Maßnahmen im Unterricht erprobt. Die Erkenntnisse daraus sind eine wichtige Grundlage für unsere weitere Arbeit. Parallel dazu haben wir uns mit dem zuständigen Fachreferat in unserem Land über die notwendigen Ressourcen und die fachliche Ausrichtung abgestimmt. Auch aus dem bundesweiten Netzwerk der BiSS-Landeskoordinatorinnen und -koordinatoren konnten wir profitieren, indem wir in gewohnter vertraulicher Weise auf kurzem Weg Prozess- und Umsetzungserfahrungen geteilt haben. Diese wissenschaftlichen und praxiserprobten Erkenntnisse und die Erfahrungswerte aus anderen Ländern waren die Basis für die Entwicklung eines Angebots zur Förderung der Schreibkompetenzen von Schülerinnen und Schülern von der Grundschule bis zur Sekundarstufe. Das BiSS-Blended-Learning-Team und das Wissenschaftsteam zur Schreibförderung aus dem Mercator-Institut haben uns dabei maßgeblich unterstützt.

„Die wissenschaftlichen und praxiserprobten Erkenntnisse und die Erfahrungswerte aus anderen Ländern waren die Basis für die Entwicklung eines Angebots zur Förderung der Schreibkompetenzen von Schülerinnen und Schülern von der Grundschule bis zur Sekundarstufe.“

Uta Biermann

Wie ist daraus ein konkretes Angebot für Schulen entstanden?

Uta Biermann Auf dem Fachtag der BiSS-Akademie NRW im Jahr 2024 konnten wir mit Unterstützung des Teams der Initiative BiSS-Transfer erstmals ein Qualifizierungsangebot mit verschiedenen Modulen vorstellen. Zunächst ging es darum, den Bedarf der Schulen zu ermitteln – und dieser war groß. Daraufhin haben wir das Angebot weiter konkretisiert und mit entsprechenden Ressourcen sowie Materialien zur Unterstützung der Schulen auf den Weg gebracht. Für den Fachtag 2025 haben wir das Angebot – gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Sprachbildung im CHANCEN-Verbund – ein weiteres Mal um das Trainingsmaterial zur Förderung der Schreibflüssigkeit und der Schreibstrategien weiterentwickelt, um dieses schließlich auch als Qualifizierungsangebot für Startchancen-Schulen mit begleitender Unterstützung anbieten zu können. 2025 hatten wir auch die Möglichkeit mit Unterstützung des Teams des Mercator-Instituts, weitere Tutorinnen und Tutoren, unter anderem für den Bereich Schreiben auf den Weg zu bringen, um fokusübergreifend weitere Angebote für die Schulen entwickeln und hierfür weitere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausbilden zu können. Zum Start des Schuljahres 2025/2026 konnten wir schließlich mit der ersten Qualifizierungsmaßnahme zum Schreiben beginnen. Zwei Kurse für Lehrkräfte haben wir bereits durchgeführt, die zweite Kohorte ist inzwischen abgeschlossen, und zum neuen Schuljahr 2026/27 startet nun die dritte Kohorte. Die Erfahrungen, die wir mit den Schulen im Prozess für das Lesen gemacht haben, helfen nun, eine systematische Schreibförderung an Schulen verlässlich aufzubauen. Wir fangen klein mit ersten Schulen an und haben die Anzahl der teilnehmenden Lehrkräfte zunächst begrenzt, um Erfahrungen zu sammeln und gemeinsam mit den Erfahrungen der Schulen das Konzept zu optimieren.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Schulen, die die Qualifizierung im Bereich des Schreibens bereits durchlaufen haben?

Uta Biermann Viel Positives und Hilfreiches. Viele Schulen berichten beispielsweise, dass sie sehr hilfreiches Grundlagenwissen und fachlichen Hintergrund erhalten haben. Sie konnten praktische Erfahrungen machen und das neue Wissen und Trainingsmaterial nun in ihr Kollegium und ihre Steuergruppenarbeit sowie in die Fach- und Lehrerkonferenzen hineintragen, um es im Unterricht in ihrem System mit festen Schreibzeiten einzusetzen. Andere Lehrkräfte melden uns zurück, dass ihnen die Bedeutung der Schreibflüssigkeit als Grundlage für weitere Schreibkompetenzen noch einmal deutlich geworden ist. Und dass sie durch die Qualifizierung Klarheit über ein strukturiertes Vorgehen zur Umsetzung und Förderung an die Hand bekommen haben, mit der sie diagnostische Verfahren einsetzen können und Basiskompetenzen gezielt stärken können. Gleichzeitig wünschen sich die Schulen weiterhin Austausch und Begleitung in den Netzwerktreffen durch die BiSS-Akademie – etwa bei der Umsetzung oder um von Erfahrungen anderer Schulen und ihrer Arbeit mit den Trainingsheften zu profitieren. Immer wieder wird auch der Wunsch nach einem Gesamtkonzept zur sprachlichen Bildung an uns herangetragen, das neben den Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und „Mathematik verstehen“ auch Bereiche wie Zuhören und Mehrsprachigkeit stärker einbezieht. Diese Bedarfe nehmen wir in unsere weitere Angebotsentwicklung natürlich mit auf.

Das sagen Lehrkräfte zum Angebot „Systematische Förderung von Schreibkompetenz“ der BiSS-Akademie NRW:

  • „Der BL-Kurs ist sehr gelungen“
  • „Sehr großes Lob für die Struktur und Transparenz“
  • „Die Technik ist kompakt und gut handhabbar“
  • „Mir gefällt es sehr gut, dass wir nicht nur fachlichen Input haben, sondern immer auch Austausch- und Reflexionsphasen, wo wir von den anderen ebenfalls etwas mitkriegen“
  • „Gut vorstrukturierte Hefte als Unterstützung für die praktische Arbeit“
  • „Überzeugender Aufbau und klare Struktur der Qualifizierung bzw. Materialien“
  • „Das Lernportfolio ist eine klasse Idee. Das kann man echt sehr gut gebrauchen“

Über das Blended-Learning hinaus: Welche Tools und Unterstützungsangebote zur Schreibförderung bekommen Lehrkräfte und Schulen an die Hand?

Uta Biermann Zunächst einmal erhalten sie Konzepte und Materialien für ihre eigene Schulentwicklung, die die Qualifizierung begleiten und die sie im Netzwerk gemeinsam mit anderen Schulen weiterentwickeln und vertiefen können. Ihnen stehen regelmäßig stattfindende Netzwerktreffen, Austauschformate, Veranstaltungen und Workshops zur Verfügung, die sie nutzen können, um Fachinformationen zu erhalten und Praxiserfahrungen zu teilen. Darüber hinaus bekommen sie auch Einblicke in andere Projekte und Programme im Land und bundesweit.

Wie kommen Schulen und Lehrkräfte an diese Angebote und Unterstützungsmaterialien? Wie nehmen sie Kontakt zur BiSS-Akademie auf?

Uta Biermann Am besten über unser digitales Wissensportal – das digiWi. Den Zugang dazu finden interessierte Lehrkräfte auf der Webseite der BiSS-Akademie NRW. Das Portal bietet einen guten Überblick über das Unterstützungsangebot der BiSS-Akademie – mit Terminen und Anmeldemöglichkeiten zu Workshops, Veranstaltungen oder Kursen. Hier können Lehrkräfte unter anderem auch Einblicke in die konkreten Inhalte bekommen, die im Bereich der Schreibtrainings vermittelt werden. Oder sie können sehen, welche Themenbereiche die BiSS-Akademie im Bereich Lesen von der Grundschule über die Sekundarstufe bis hin zum Berufskolleg anbietet. Lehrkräfte können aber auch die Fachtage der BiSS-Akademie besuchen oder direkten Kontakt zu unserem Team aufnehmen, die E-Mail-Kontakte sind ebenfalls im digiWi auf der Webseite zu finden.

Das Unterstützungsangebot der BiSS-Akademie NRW für Lehrkräfte zum Thema Schreiben auf einen Blick:

  • Veranstaltungen, Qualifizierungen und Workshops zur Stärkung der Basiskompetenz Schreiben
  • BiSS-Blended-Learning-Kurs „Systematisches Training der Schreibflüssigkeit und der Schreibstrategien“ mit grundlegenden Informationen, Diagnostik- und Fördermöglichkeiten zum Thema Schreiben und den basalen Schreibfertigkeiten – wie die Schreibflüssigkeit – sowie der hierarchiehohen Schreibfertigkeiten wie die Vermittlung von Schreibstrategien
  • Gesamtkonzeption des Basiskompetenztrainings „Texte meistern“ mit Unterstützungsmaterial für Lehrkräfte zur Förderung der Schreibflüssigkeit und der Schreibstrategien
  • Trainingsmaterial für Schülerinnen und Schüler, binnendifferenzierende und individualisierende Ansätze
  • Raum für Netzwerken und Austauschen, Weitergabe von Gelingensbedingungen und Erfahrungswissen
  • Begleitung, Unterstützung und Impulse zur Unterrichts- und Schulentwicklung

Informationen zum Kursangebot finden Sie auf der Webseite der BiSS-Akademie NRW.

Die Anmeldung zum Workshop „Gemeinsam für die Stärkung der Basiskompetenz Schreiben“ ist ebenfalls über die Webseite möglich.

Das Foto zeigt Mostapha Boukllouâ. Er ist Leiter des Referats „Integration durch Bildung“ im Ministerium für Schule und Bildung NRW. Foto: privat
Mostapha Boukllouâ

Herr Boukllouâ, welche Chancen sehen Sie für die Weiterentwicklung der sprachlichen Bildung, insbesondere mit Blick auf die Angebote der BiSS-Akademie zur Schreibförderung?

Mostapha Boukllouâ Ich würde gar nicht auf einzelne Angebote eingehen, sondern den Blick etwas weiter fassen. Wir lesen aktuell das Thema sprachliche Bildung immer sehr eng. Sprachliche Bildung muss aber viel umfassender gedacht werden. Ein Beispiel hierfür ist der fraktionsübergreifende Antrag des NRW-Landtags zur Förderung von Mehrsprachigkeit, der im Juli dieses Jahres beschlossen worden ist. Dieser Beschluss zeigt, dass sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit eng zusammengehören. Die Arbeit der BiSS-Akademie zahlt auf die sprachliche Bildung insgesamt ein – immer unter Berücksichtigung der Sprachen, die Schülerinnen und Schüler bereits mitbringen. Diese vorhandene Mehrsprachigkeit ist eine Ressource, die schon heute in dem Unterstützungsangebot der BiSS-Akademie berücksichtigt wird, künftig aber sicherlich noch stärker zur Förderung der sprachlichen Bildung eingesetzt werden kann. Immer mit dem Ziel, dass Schülerinnen und Schüler die deutsche Bildungssprache sicher beherrschen, um Bildungsabschlüsse zu erreichen. Mehrsprachigkeit ist also eine Chance, die zukünftig noch viel stärker berücksichtigt werden kann. Wenn der Landtag dieses Thema aufgreift, ist das zugleich ein Auftrag an die Landesregierung, diesen Weg weiterzugehen. Eine weitere große Chance sehe ich in dem weiteren Transfer unserer Angebote. Wir haben jetzt über 1.000 Schulen im Netzwerk, das sind circa 20 Prozent der Schulen. Das ist eine gute Zahl, bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass wir noch viele Schulen erreichen können, die auch von unserer Unterstützung profitieren können und in die wir die Angebote der BiSS-Akademie transferieren wollen.

Das Foto zeigt Sabine Stahl von der BiSS-Akademie NRW. Foto: privat
Sabine Stahl

Woran merken Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler denn, dass sich die sprachliche Bildung verbessert, Frau Stahl?

Sabine Stahl Als allererstes merken Lehrkräfte an der Verbesserung der Basiskompetenzen, dass sich etwas verändert. Weiterhin merken Lehrkräfte sicherlich auch, dass es besser gelingt, fachliches Lernen zu unterstützen, sodass Schülerinnen und Schüler Fachinhalte besser verstehen und damit arbeiten können. Und sie merken den Erfolg von sprachlicher Bildung, wenn Schule immer mehr ein demokratischer Ort wird. Wenn es durch Sprache immer leichter fällt, eigene Sichtweisen einzubringen, in den Diskurs miteinander zu gehen und Schule miteinander zu gestalten. So – auf diese oft unbewusste Art und Weise – ergibt sich auch eine Leistungsverbesserung bei den Schülerinnen und Schülern. Die große Herausforderung im Bereich Sprachbildung ist es, von der Alltagssprache zur Bildungssprache zu kommen. Und wenn es zunehmend einfacher wird, komplexe, abstrakte und fachliche Aufgaben aus sprachlicher Perspektive zu bewältigen, dann merken Schülerinnen und Schüler, dass ein Entwicklungsprozess stattgefunden hat, der ihnen zu mehr Lernerfolg und leichterem Lernen verhilft.

Ich bedanke mich bei Ihnen für das Gespräch.


Weitere Einblicke in Entstehung, Ziele und Angebote der BiSS-Akademie NRW bieten Ihnen folgende Beiträge im BiSS Magazin:

Dieses Interview mit Mostapha Boukllouâ, Sabine Stahl und Uta Biermann könnte ebenfalls für Sie interessant sein: „Wir wollen nicht nur ein paar Leuchttürme in NRW aufstellen, sondern landesweit eine gleichbleibende Qualität in der sprachlichen Bildung aufbauen“

In Kürze erhalten Sie darüber hinaus einen Einblick in die Perspektive einer Schule, die zum neuen Schuljahr die Erkenntnisse aus dem Blended-Learning-Kurs der BiSS-Akademie NRW zur Basiskompetenz Schreiben in ihrem Schulentwicklungsprozess und Unterricht umsetzt. Die Grundschule wirkt seit vielen Jahren in der Arbeit der BiSS-Akademie NRW mit und ist zugleich auch Startchancen-Schule.

 

 

Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Denise Krell.
Das Interview führte
Denise Krell
Kommunikationsmanagerin der Leitstelle BiSS-Transfer am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung
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Schreibstrategietraining für Schulen: Wie Lehrkräfte Kinder beim Schreiben nachhaltig stärken können

Posted on: August 27th, 2026 by Denise Krell

Das Verfassen von Texten gehört zu den Schlüsselkompetenzen schulischer Bildung. Informationen sinnhaft und verständlich verschriften zu können, wird nicht nur im Sprachenunterricht, sondern auch in vielen weiteren Unterrichtsfächern gefordert. Es ist damit eine zentrale Voraussetzung für einen Erfolg in unserem Bildungssystem.

Gleichzeitig stellt das Schreiben viele Kinder vor Herausforderungen. Häufig liegt dies nicht an der Ideenfindung, sondern daran, dass die dazu benötigten Fertigkeiten noch nicht ausreichend entwickelt oder gefestigt sind. Denn um Texte verfassen zu können, müssen Kinder zum einen über grundlegende Fertigkeiten verfügen, die ihnen ermöglichen, flüssig zu schreiben. Darüber hinaus sollten sie auch in der Lage sein, Texte systematisch aufzubauen. Verfügen Schülerinnen und Schüler über ein Repertoire an Schreibstrategien, die sie gezielt anwenden können, hilft ihnen das dabei, die Qualität ihrer Texte zu steigern.

Das Foto zeigt Dr. Michaela Mörs, Wissenschaftlerin im Kompetenzzentrum Sprachbildung am Mercator-Institut. Dr. Michaela Mörs
Dr. Michaela Mörs

Fokus des Schreibunterrichts liegt oft auf der Förderung basaler Fertigkeiten

„Unsere Erhebungen im Rahmen des Projektes ‘Schreib-BiSS’ haben gezeigt, dass Lehrkräfte den Fokus im Schreibunterricht auf die Förderung sogenannter hierarchieniedriger Schreibfertigkeiten legen, insbesondere auf Orthographie“, sagt Dr. Michaela Mörs, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Sprachbildung am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung in Köln. Das Kompetenzzentrum Sprachbildung ist Teil des CHANCEN-Verbunds, der Mitwirkende in Ländern und Bund dabei unterstützt, das Startchancen-Programm zu steuern und umzusetzen.

„Auch die Schreibflüssigkeit zählt zu diesen hierarchieniedrigen Fertigkeiten“, erklärt Michaela Mörs. „Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für das Schreiben von Texten. Die Förderung von Schreibflüssigkeit reicht aber nicht aus, damit Schülerinnen und Schüler gute Texte schreiben“, sagt sie. Darüber hinaus komme es auf drei weitere wichtige Aspekte an:

  • Schülerinnen und Schüler müssten erstens die Funktionen des Texteschreibens für sich und für andere kennen und als relevant für das eigene Schreiben erfahren. Denn nur so können sie das Schreiben auch als sinnstiftend erleben und sich an der Schreibabsicht und den Adressatinnen und Adressaten orientieren.
  • Zweitens sollten sie Kenntnisse dazu aufbauen, wie Texte verschiedener Textsorten strukturiert sind.
  • Und drittens müssen sie wissen, wie sie an das Texteschreiben herangehen können, also in der Lage sein, den eigenen Schreibprozess bewusst zu steuern und unterstützende Schreibstrategien anzuwenden.

Was sind hierarchiehohe und hierarchieniedrige Schreibfertigkeiten?

Die hierarchieniedrigen Schreibfertigkeiten beinhalten das zügige und automatisierte Verschriften (Transkriptionsflüssigkeit) sowie den schnellen Zugriff auf geläufige Formulierungsmuster (Formulierungsflüssigkeit). Diese Fertigkeiten werden unter dem Konzept „Schreibflüssigkeit“ zusammengefasst. Auch das orthographisch korrekte Verschriften zählt zu den hierarchieniedrigen Schreibfertigkeiten.

Zu den hierarchiehohen Schreibfertigkeiten gehört die Anwendung von Schreibstrategien. Sie helfen dabei, den komplexen Schreibprozess zu strukturieren, zu steuern und zu überwachen sowie textsortenspezifische Muster einzuhalten.

Textqualität verbessern: Welche Förderansätze gibt es?

„In internationalen, metaanalytischen Studien – zum Beispiel von Graham & Harris – konnten sich verschiedene Schreibförderansätze als wirksam zur Verbesserung von Textqualität erweisen“, sagt Michaela Mörs. „Dazu zählt unter anderem das Setzen konkreter Schreibproduktziele, das kooperative Schreiben und der Austausch von Feedback zu Texten.“ Als wirksamste Maßnahme gelte jedoch die explizite Vermittlung von Schreib- und Selbstregulationsstrategien, insbesondere für lernschwächere Schülerinnen und Schüler. Besonders effektiv in der Praxis ist laut der Wissenschaftlerin eine Kombination aus mehreren Förderansätzen, da somit mehrere Förderzugänge abgedeckt werden.

Das Foto zeigt eine Wissenschaftlerin am Kompetenzzentrum für Sprachbildung am Mercator-Institut. Foto: A. Etges Dr. Ina Kaplan
Dr. Ina Kaplan

Was sind Schreibstrategien – und wie werden sie vermittelt?

Schreibstrategien lassen sich als mentale Handlungspläne verstehen. Sie helfen dabei, Ideen zu entwickeln und zu organisieren sowie Texte zielgerichtet zu verfassen. „Diese Strategien lassen sich mit der Zeit automatisieren. Die Schülerinnen und Schüler können insbesondere diejenigen Strategien, die die Gestaltung des Schreibprozesses unterstützen, dann nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern anwenden“, erklärt Dr. Ina Kaplan, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kompetenzzentrum Sprachbildung des CHANCEN-Verbunds.

„Zur Vermittlung von Schreibstrategien hat sich in zahlreichen Studien der Ansatz Self-regulated strategy development – kurz SRSD – nach Harris & Graham aus dem Jahr 1996 besonders bewährt“, so Ina Kaplan. „Übersetzt meint dies eine selbstregulierte Strategie-Entwicklung. Zentral bei diesem Ansatz ist das sogenannte Modellieren durch die Lehrkraft. Lehrerinnen und Lehrer zeigen den Schülerinnen und Schülern dabei Schritt für Schritt, wie sie eine Strategie selbst anwenden“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Sie benennen und begründen die Strategien und sprechen Gedanken, Vorgehensweisen und Stolperstellen laut aus, während sie diese Handlung sichtbar durchführen.“

Das Foto zeigt Franziska Kipsch, Wissenschaftlerin an der Universität Hamburg. Franziska Kipsch
Franziska Kipsch

Wie das in etwa ablaufen kann, erklärt Franziska Kipsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg: „Die Lehrkraft wird zum lebenden Modell und demonstriert den Kindern: Mmh, ich brauche Ideen für meinen Text … Puh, mir fällt aber gerade überhaupt nichts ein. Ich atme mal tief durch und konzentriere mich. Dann schaffe ich das bestimmt! Jetzt überlege ich, was ich für meinen Text brauche. Dafür benutzte ich am besten die W-Fragen. Denn die helfen mir beim Ideensammeln. Die Lehrkraft nimmt die Lernenden also mit, vom ersten Gedanken bis zu den tatsächlich notierten Ergebnissen. So werden Denkprozesse und Handlungsabfolgen beobachtbar, nachvollziehbar und nachahmbar“, sagt Franziska Kipsch.  Ziel dabei ist es, so die Wissenschaftlerin, dass die Schreiblernenden Strategien als Handlungsmuster sehen, die ihnen bei der Umsetzung helfen. Denn so könnten sie ihre eigenen Handlungsschritte und den eigenen Schreibprozess selbst besser wahrnehmen, steuern, aber auch selbstreflexiv artikulieren.

Fortbildung für Lehrkräfte als Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung

Diese Vermittlungspraxis ist für viele Lehrerinnen und Lehrer noch ungewohnt. „Daher ist es sinnvoll“, so Franziska Kipsch, „im Rahmen von Fortbildungen nicht nur die theoretischen Hintergründe kennenzulernen, sondern auch die Vermittlung von Schreibstrategien nach dem SRSD-Ansatz zu erproben und damit auch das Modellieren zu üben.“ Im Rahmen von Schreib-BiSS ist darum ein umfangreicher Blended-Learning-Kurs entwickelt worden. Er beinhaltet neben einer Einführung zum Schreiben und einem Baustein zu den hierarchieniedrigen Schreibfertigkeiten einen weiteren Baustein, in dem es um die hierarchiehohen Schreibfertigkeiten und deren Vermittlung geht. Der Kurs wird nun auch in Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen des Startchancen-Programms eingesetzt.

Konkretes Trainingsmaterial zur Vermittlung von Schreibstrategien

Neben dem Fortbildungsangebot steht auch praxiserprobtes Trainingsmaterial für Schulen zur Verfügung. In der Reihe „Texte meistern“ finden Lehrkräfte unter anderem ein Schreibstrategietraining für die Grundschule. Dieses Schreibstrategietraining basiert auf vorausgegangenen Versionen aus den Projekten „Schreib-BiSS“ und „SchuMaS“ und verbindet verschiedene als wirksam geltende Schreibfördermaßnahmen miteinander. Die drei Wissenschaftlerinnen haben diese Versionen insbesondere mithilfe der Ergebnisse aus Befragungen und Interviews im Projekt Schreib-BiSS nochmals gründlich überarbeitet. „Die Rückmeldungen der Lehrerinnen und Lehrer waren sehr wertvoll für uns“, so Michaela Mörs, „wir haben das Feedback in die Überarbeitung einfließen lassen.“

Die Trainingsreihe „Texte meistern“

Die Unterrichtsmaterialien „Texte meistern“ wurden vom Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung der Universität zu Köln im Rahmen verschiedener Projekte entwickelt und erfolgreich evaluiert. Sie richten sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 2 bis 7. Begleitende Handreichungen unterstützen Lehrkräfte bei der gezielten Förderung schriftsprachlicher Kompetenzen. Die Hefte „Texte meistern“ können für ein regelmäßiges Training im Unterricht eingesetzt werden. Im Rahmen des Startchancen-Programms kommen die Hefte bereits zum Einsatz.

 

Im Bereich Schreiben steht neben dem Schreibstrategietraining auch ein Schreibflüssigkeitstraining auf zwei verschiedenen Differenzierungsstufen zur Verfügung. Es wurde im Rahmen des Projektes „FluLeS“ entwickelt, für das Projekt „Die Schreibstarken“ für die Grundschule adaptiert und im Anschluss nochmals überarbeitet. Wenn Schülerinnen und Schüler noch keine ausreichende Schreibflüssigkeit aufweisen, bietet es sich an, dieses Training vor der Durchführung des Schreibstrategietrainings zu durchlaufen.

In dem nun veröffentlichten Schreibstrategietraining steht – wie in dem vorangegangenen Material – die Vermittlung der Strategie „PIRSCH+“ im Mittelpunkt. Diese umfasst, den zu schreibenden Text zu Planen, Ideen zu sammeln, eine Reihenfolge festzulegen, dann zu SCHreiben und am Ende – als großes Plus (+) für den Text – diesen noch einmal zu überprüfen und zu überarbeiten. Mit dieser Strategie können Kinder und Jugendliche textsortenübergreifend arbeiten. Im Material wenden sie PIRSCH+ aber konkret für das Schreiben von Geschichten an. „Ergänzend werden im Training weiterhin die Strategien „AHA“ bzw. „Der rote Faden“ und die „W-Fragen“ vermittelt. AHA hilft bei der Strukturierung von Texten; die W-Fragen unterstützen ein strukturiertes Sammeln von Ideen bei der Planung von Geschichten“, erklärt Michaela Mörs.

Wie die Förderhefte „Texte meistern“ aufgebaut sind

Das überarbeitete Material besteht aus insgesamt 15 Einheiten, die in Anlehnung an den SRSD-Ansatz auf drei Blöcke aufgeteilt sind: Zunächst modelliert die Lehrkraft die Anwendung der Strategien im ersten Block. Anschließend erfolgt im zweiten Block das unterstützte Üben in Tandemarbeit, bevor die Strategien schließlich im dritten Block eigenständig angewendet werden. „Jede Einheit folgt außerdem einer klaren Struktur“, betont Ina Kaplan. „Zunächst findet ein Aufwärmtraining statt, bei dem Vorwissen aktiviert wird. Dann wird die Anwendung der Strategien modelliert bzw. trainiert. Und abschließend beinhaltet das Auslaufen eine spielerische Sicherung des Gelernten oder – nach längeren Schreibphasen – Lockerungsübungen“, sagt sie.

Ein wichtiger Bestandteil des Schreibstrategietrainings sind auch kooperative Lernformen: Denn Gruppen- oder Tandemarbeit fördert den Austausch und ermöglicht Peer-Feedback im Schreibprozess, durch das die Kinder gegenseitig voneinander und von den jeweiligen Texten anderer lernen können. Sie können gleichzeitig die Wirkung ihrer eigenen Text erfahren und diese an die Perspektive der Lesenden anpassen. So findet das Schreiben in einem sozial eingebunden Kontext statt. „Zudem gilt kooperatives Schreiben ebenfalls als wirksame Schreibfördermaßnahme, die auch zur Entlastung im Schreibprozess beitragen kann, wenn zu zweit Geschichten geplant, geschrieben und überarbeitet werden“, erklärt Franziska Kipsch. „Hinzu kommen Präsentationsphasen, etwa Vorleserunden. Hierdurch können die Kinder ihre Texte mit einer lesenden oder hörenden Öffentlichkeit teilen und so Selbstwirksamkeit erfahren, die wiederum die Motivation der Kinder stärkt“, so die Wissenschaftlerin von der Universität Hamburg.

Zusätzlich werden weitere Materialien – sogenannte Scaffolds – bereitgestellt, die die Möglichkeit zur Differenzierung nach Schreibniveau und Lernvoraussetzung bieten. Zudem stehen Kopiervorlagen zur Verfügung, die einen Einsatz der Strategie PIRSCH+ auch nach Abschluss des Trainings mit eigenen Schreibimpulsen ermöglichen.

Schreibstrategien mit Trainingsmaterial einfacher vermitteln

Gezielte Schreibstrategietrainings können also ein wirksamer Hebel sein, um die Schreibkompetenz von Schülerinnen und Schülern zu fördern. Lehrkräfte können die Anwendung von Schreibstrategien dabei Schritt für Schritt modellieren, begleiten und grundlegend verankern. Sinnvoll ist dabei, die Strategievermittlung mit weiteren schreibförderlichen Maßnahmen zu kombinieren und das Texteschreiben – wie im hier vorgestellten Training – in ein sinnstiftendes und sozial eingebundenes Schreibsetting zu integrieren.

 

Porträtbild Dr. Ina Kaplan: Mercator-Institut/A. Etges; Porträtbild Franziska Kipsch: privat; Porträtbild Dr. Michaela Mörs: Mercator-Institut/M. Hauschild; Beitragsbilder: Mercator-Institut/H. Witte

Die Gesprächspartnerinnen

Dr. Michaela Mörs ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung in Köln. Sie hat am Projekt „Schreib-BiSS“ der Initiative BiSS-Transfer mitgewirkt und ist heute im Arbeitsbereich Blended Learning am Kompetenzzentrum Sprachbildung tätig. Dieses ist Teil des CHANCEN-Verbunds, der Mitwirkende in Ländern und Bund dabei unterstützt, das Startchancen-Programm zu steuern und umzusetzen.

 

Dr. Ina Kaplan arbeitet ebenfalls als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung. Die Sprachwissenschaftlerin war auch Teil des Teams „Schreib-BiSS“ und ist heute am Kompetenzzentrum Sprachbildung im Arbeitsbereich Schreiben tätig.

 

Franziska Kipsch arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg im Projekt „Fokus Deutsch NRW“. Zuvor begleitete sie an der Technischen Universität Chemnitz das landesseitige wissenschaftliche Begleitprojekt „SchuMaS Deutsch NRW“, in welchem sie auch in der Zusammenarbeit mit dem SchuMaS-Forschungsverbund an der Weiterentwicklung der Materialien mitarbeitete.

Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Denise Krell.
Autorin
Denise Krell
Kommunikationsmanagerin der Leitstelle BiSS-Transfer am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung
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Schreibförderung an Grundschulen: „Ist ein fertiges Konzept da, steigt die Bereitschaft einzusteigen“

Posted on: Februar 23rd, 2026 by Denise Krell

Seit fast fünf Jahren ist Annette Graf an der Regionalstelle des ZSL in Stuttgart tätig, seit 2018 ist sie zudem Landeskoordinatorin in den Initiativen BiSS und BiSS-Transfer. In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg engagiert sie sich dafür, die sprachliche Bildung von Kindern zu verbessern. Unter ihrer Mitwirkung ist dem Land bereits ein großer Meilenstein im Bereich der sprachlichen Bildung gelungen: 2023 rollte Baden-Württemberg die Leseförderung im Rahmen von BiSS-Transfer landesweit aus. Rund 1.660 Schulen schlossen sich den BiSS-Verbünden an. Mittlerweile sind es rund 2.120 und damit fast alle baden-württembergischen Grundschulen, die sich durch die Teilnahme an BiSS-Transfer für die sprachliche Bildung von Kindern einsetzen.

Frau Graf, ist das Fundament der Leseförderung für die Einführung einer systematischen Schreibförderung hilfreich?

Annette Graf Absolut. Wir haben Strukturen aufgebaut, die uns jetzt enorm helfen: Es gibt Verbünde, Netzwerke und Ansprechpersonen sowie Projektgruppen an den Schulen. All das ist bereits vorhanden. Diese Struktur macht es uns einfacher, neben dem Lesen auch das Schreiben gezielt zu fördern. Ein großer Vorteil sind darüber hinaus die vielen Erfahrungen, die wir gewonnen haben und auf die wir nun zurückgreifen können.

Welche Erfahrungen sind das?

Annette Graf Zum Beispiel, dass wir zunächst klein anfangen und mit einem Pilotprojekt starten – wie damals bei der Leseförderung. Denn wir wollen erst Erfahrungen sammeln, ob unser Konzept auch so funktioniert wie geplant. Dabei setzen wir auf die Startchancen-Schulen, die fast alle auch BiSS-Schulen sind, was uns den Einstieg enorm vereinfacht. Denn sie haben die Struktur der BiSS-Leseförderung bereits etabliert. Wir hoffen, dass sie hierauf aufsetzen und so das Schreibförderkonzept gut implementieren können.

Wie viele Schulen nehmen an der Pilotphase teil und wann starten sie?

Annette Graf Wir haben 303 Startchancen-Grundschulen in Baden-Württemberg. Alle sind eingeladen mitzumachen. Anfang Februar haben wir eine Informationsveranstaltung für die Schulen organisiert, auf der wir das Konzept der BiSS-Schreibförderung erläutert haben. Den Schulen sollte dabei klar werden, dass sie auf ihren bereits vorhandenen Strukturen aufbauen können. Heißt: Wir haben gezeigt, wie sie die Struktur des Lesebands für die Schreibförderung nutzen können und wie es gelingt, analog dazu ein Schreibförderband einzuführen. Außerdem haben wir Einblicke in die Schreibflüssigkeitstrainings und die Anwendung von Schreibstrategien anhand der Materialien gegeben, die sie zur Verfügung gestellt bekommen. Das sind Förderhefte, die wir über das Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung und das Kompetenzzentrum Sprachbildung des CHANCEN-Verbunds beziehen können.

Auch die Qualifizierung der Fortbildnerinnen und Fortbildner haben wir bereits durchgeführt. Diese startete im Oktober und endete im Dezember letzten Jahres mit einem Lehrgang in Präsenz. Die Fortbildenden konnten sich dabei mit dem Material vertraut machen und gemeinsam darauf abgestimmte Fortbildungsbausteine erarbeiten.

„Anfang Februar haben wir eine Informationsveranstaltung für die Startchancen-Schulen organisiert, auf der wir das Konzept der BiSS-Schreibförderung erläutert haben.“

Dr. Annette Graf

Führen Sie die Qualifizierung der Fortbildenden am ZSL selbstständig durch?

Annette Graf Nein. Wir haben das Glück, dass wir das Mercator-Institut und das Kompetenzzentrum Sprachbildung im CHANCEN-Verbund als Kooperationspartner gewinnen konnten. Sie stellen uns den Blended-Learning-Kurs zur Verfügung und haben den Lehrgang im Dezember maßgeblich mitgestaltet.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie, um die Fähigkeiten von Kindern im Schreiben zu stärken?

Annette Graf Wir legen den Schwerpunkt erst auf das Training der Schreibflüssigkeit – also die hierarchieniedrigen Kompetenzen wie das zügige Formulieren kurzer Wortverbindungen und das automatisierte korrekte Verschriften. Darauf bauen dann die hierarchiehohen Fähigkeiten auf. Dabei geht es etwa um das Erlernen und Anwenden von Schreibstrategien, Ideenfinden und Formulieren.

Und die Fortbildnerinnen und Fortbildner tragen die Inhalte nun weiter an die Schulen?

Annette Graf Genau. Über diesen Weg gelingt es uns, die Maßnahmen zur sprachlichen Bildung in die Breite zu tragen. Die Fortbildnerinnen und Fortbildner sind ein Herzstück unseres Qualifizierungskonzepts. Sie begleiten die Schulen bei der Implementierung des Konzepts von BiSS-Schreiben, indem sie den Lehrkräften an den Schulen ihre zuvor gemeinsam erarbeiteten Fortbildungsbausteine zur Schreibförderung anbieten. Lehrkräfte bekommen so wichtige theoretische Grundlagen zum Thema Schreiben vermittelt sowie Impulse zur systematischen Umsetzung in die Praxis an die Hand. Alles ist wissenschaftlich fundiert, das ist uns in Baden-Württemberg sehr wichtig. Es wird also aufgezeigt, wie Schreibprozesse ablaufen, welche Fertigkeiten dafür benötigt werden und wie sie im Unterricht gefördert werden können.

Welches Material nutzen Sie dafür?

Annette Graf Wir nutzen die Unterrichtsmaterialien aus der Reihe „Texte meistern“, die vom Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung der Universität zu Köln im Rahmen verschiedener Projekte entwickelt und evaluiert wurden. Zur Förderung der Schreibflüssigkeit arbeiten wir beispielsweise mit dem Materialpaket „Wir trainieren flüssig schreiben mit den Schreibstarken“. Diese Trainingshefte sind in dem Projekt „Die Schreibstarken“ entstanden und wurden an Berliner und Hamburger Grundschulen in den Klassenstufen 3 und 4 im Rahmen einer Interventionsstudie erprobt. Zur Förderung der Schreibstrategien setzen wir auf Hefte, die das Mercator-Institut im Rahmen der Projekte „Schreib-BiSS“ und „Schule macht stark – SchuMaS“ entwickelt und erprobt und für die Nutzung durch das Kompetenzzentrum Sprachbildung weiterentwickelt hat.

Wie lange ist die Pilotphase angesetzt und wie geht’s danach weiter?

Annette Graf Die Schulen erhalten die Förderhefte nach Pfingsten. Dann werden Fortbildungen für die Lehrkräfte angeboten und direkt nach den Sommerferien legen die Schulen los. Für die Pilotphase planen wir dann circa ein halbes Jahr – ungefähr bis zum Halbjahr des Schuljahres 2026/27. Danach evaluieren wir: Können die Schulen mit Material und Konzept gut arbeiten?Gibt es Vorschläge für Verbesserungen? Ist die Begleitung gut organisiert? Gibt es bereits Schulen, die an einem Sprachbildungskonzept arbeiten und sich in einem Schulentwicklungsprozess befinden? In dem Fall würden wir beispielsweise entsprechende Fachberatungen zur Schulentwicklung zur Verfügung stellen, die gemeinsam mit Schulleitung und Lehrkräften an einem systematischen längerfristigen Förderkonzept arbeiten.

Welche weiteren Schritte folgen nach der Evaluation? Denn Ziel ist es doch sicherlich, neben den rund 300 Startchancen-Schulen weitere Grundschulen zu erreichen.

Annette Graf Absolut. Der Wunsch ist es natürlich, dass wir auch im Bereich des Schreibens eine Flächendeckung erreichen. Im Schuljahr 2026/27 möchten wir weiteren Schulen die Teilnahme anbieten. Wir erhoffen uns, dass andere Schulen den Mehrwert erkennen – so wie es beim Schwerpunkt Lesen der Fall war. Dass sie sehen, es funktioniert. Und dass sie dabei nicht allein gelassen werden, denn es wird ein Konzept mit Materialien und Fortbildungen bereitgestellt. Diese Erkenntnis haben wir aus der Leseförderung mitgenommen: Ist ein fertiges Konzept da, das Orientierung bietet, steigt die Bereitschaft, einzusteigen. Wenn wir ein Schreibcurriculum anbieten, wo genau festgelegt ist, in welchem Zeitraum welche Schreibstrategie in welcher Klassenstufe mit welchem Material trainiert wird, sind die meisten Lehrkräfte hierfür dankbar. Auch, dass sie das Material nicht selbst zusammensammeln müssen, hat sicherlich Überzeugungskraft.

„Der Wunsch ist es natürlich, dass wir auch im Bereich des Schreibens eine Flächendeckung erreichen.“

Dr. Annette Graf

Welche Tipps geben Sie anderen Ländern, die ein ähnliches Vorhaben starten wollen?

Annette Graf Wichtige Gelingensfaktoren sind ein gutes Netzwerk und ein Projektmanagement auf unterschiedlichen Ebenen, das alle Player einbezieht. Bei uns hat sich folgende Organisation als effektiv erwiesen: Eine Landeskoordination, die die landesweite systematische Organisation übernimmt. Ein regionales Management in Form von Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren, die die Schulen vor Ort unterstützen und Vernetzungstreffen mit anderen Schulen organisieren. Und schließlich das Projektmanagement auf Schulebene mit Projektgruppen und Ansprechpersonen, das für die Implementierung in der Schule arbeitet. Auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium ist wichtig. Außerdem profitieren wir vom bundesweiten BiSS-Netzwerk. Braucht man Impulse oder Learnings aus anderen Ländern, tauschen wir uns innerhalb der Landeskoordinatorinnen und -koordinatoren einfach auf kurzem Wege aus. Dieses Teilen von Wissen und Erfahrungen kann die Umsetzung deutlich leichter machen. Es besteht eine große Offenheit und wir wissen, wir sind nicht allein mit unserem Vorhaben.

Welche Rolle spielt Verbindlichkeit dabei?

Annette Graf Eine große. Bei der Leseförderung im Rahmen von BiSS haben wir zum Beispiel über einen Erlass des Kultusministeriums das Leseband verpflichtend eingeführt. Das hat dazu geführt, dass sich Kollegien zusammensetzen mussten – und gemeinsam ins Handeln kamen. Verbindliche Elemente zu flankieren und gleichzeitig Unterstützung zu bieten – etwa in Form von Fortbildungen und Material – das ist aus meiner Sicht ein gutes Gesamtpaket. Ich würde jedem Land raten, über einen verbindlichen Charakter die Schulen ein Stück weit zu einem systematischen Vorgehen zu motivieren. Zum Beispiel Zeitfenster im Stundenplan zu blockieren. Verbindlichkeit schafft Struktur. Und wenn Kollegien merken, nicht nur wir machen mit, sondern landesweit alle Schulen, dann schafft das ein Gefühl der Solidarität.

Ist es ratsam, erst einen Schwerpunkt einzuführen oder wäre es rückblickend sinnvoller gewesen, die Lese- und Schreibförderung gleichzeitig im Land zu verankern?

Annette Graf Nein, im Nachhinein bin ich froh, dass wir einen Schwerpunkt gewählt haben. Die Schulen haben dann genug Zeit, die notwendigen Strukturen zu schaffen, das Konzept erst einmal zu erproben und sich dabei auf einen Bereich zu konzentrieren. Schulen brauchen Zeit. Und Schulentwicklung braucht Zeit. Strukturen zu schaffen, ist ein Prozess. Erst wenn es läuft und der Mehrwert des Ganzen sichtbar wird, sind die Schulen auch wieder bereit, sich auf etwas Neues einzulassen.

Gibt es eine langfristige Vision?

Annette Graf Unser Wunsch ist es, dass die Schulen erkennen, dass man ein durchgängiges Konzept im Bereich der Sprachbildung braucht. Dass Sprachbildung umfassend ist und verschiedene Elemente beinhaltet. Denn es geht darum, die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Und im Bereich der Sprachbildung ist nicht nur Leseförderung wichtig. Sprachbildung ist auch Mündlichkeit. Sprachbildung ist auch Schriftlichkeit. Es braucht ein Gesamtkonzept, das alle Facetten der sprachlichen Bildung, auch die der Mehrsprachigkeit, berücksichtigt.

Liebe Frau Graf, vielen Dank für das Gespräch.

Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Denise Krell.
Das Interview führte
Denise Krell
Kommunikationsmanagerin der Leitstelle BiSS-Transfer am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung
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KommSchreib! – Schreibkompetenzen und Teilhabe in Grundschulklassen stärken

Posted on: Februar 23rd, 2026 by Denise Krell

„KommSchreib!“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördertes Projekt. Vier Jahre lang forschten Wissenschaftlerinnen der Universität Münster im Rahmen des Projekts daran, wie die Schreibkompetenz und Schreibmotivation von Kindern der dritten und vierten Klassen gefördert werden können. Durchgeführt wurde das Forschungsvorhaben im Rahmen der Förderlinie „Sprachliche Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“ – ein Projektverbund, der sich für die Sprachbildung aller Lernenden einsetzt und die Chancengerechtigkeit erhöhen möchte.

Das Foto zeigt Prof. Dr. Vera Busse, Projektleiterin des Projekts "KommSchreib". Bildnachweis: Projekt KommSchreib/Gade Bild: Projekt KommSchreib/Gade
Prof. Dr. Vera Busse

Strategien für gutes Schreiben nutzen

„Das Ende der Grundschulzeit gilt als wichtige Phase, in der sich die Einstellung zum Schreiben oftmals verschlechtert“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Vera Busse von der Universität Münster. „Daher nahm „KommSchreib“ insbesondere dritte und vierte Schulklassen in den Blick.“

Ein erster Schritt war die Fortbildung von Lehrkräften. Im Fokus dabei stand die Anwendung und Vermittlung von Schreibstrategien – als Voraussetzung für gutes Schreiben. An insgesamt elf Grundschulen in Nordrhein-Westfalen nahmen Lehrkräfte an den Weiterbildungen teil, die im Rahmen des Projekts entwickelt und angeboten wurden. Grundlage der Weiterbildungen waren wissenschaftliche Erkenntnisse zu prozessorientierter Schreibförderung, Feedback und kooperativem Lernen. Die Lehrkräfte erhielten Anleitung, wie sie Schreibstrategien in den Unterricht einbinden könnten und entwickelten mit den Forschenden gemeinsam Unterrichtmaterialien zur Schreibförderung. Diese wurden dann im Regelunterricht bei rund 1.300 Grundschülerinnen und -schülern eingesetzt.

Der stellvertretende Schulleiter einer teilnehmenden Schule schildert seine Erfahrungen: „Durch das Projekt sind die Kinder wirklich ermutigt worden, dass sie gute Texte schreiben können, dass sie das Handwerkszeug dafür haben.“ Dadurch sei bei den Kindern auch mehr Motivation zu schreiben entstanden, fügt er hinzu.

„Durch das Projekt sind die Kinder wirklich ermutigt worden, dass sie gute Texte schreiben können.“

stellvertretender Schulleiter einer teilnehmenden Schule

Einbezug von Mehrsprachigkeit

Bei der Materialentwicklung hatten Lehrkräfte und Forschende im Blick, dass im Klassenzimmer Kinder mit verschiedenen Sprachkenntnissen sitzen: Beispiele für gutes Schreiben wurden daher als Audioaufnahmen in Deutsch und anderen Familiensprachen der Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt. „So können die Kinder all ihre sprachlichen Ressourcen zum Schreiben nutzen“, erläutert Vera Busse.

Ergänzendes Angebot zur Schreibförderung im Ganztag

Zusätzlich gab es das Angebot einer Schreib-AG im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im Ganztag. Diese diente der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwächen beim Schreiben zeigten. Auch Kinder mit geringen Deutschkompetenzen besuchten die Gruppe.

Das AG-Angebot mit dem Ziel, ein multimediales Kochbuch zu erstellen, nahm der Schulleiter als sehr wirksam wahr: „Die Kinder haben sehr gerne an der AG teilgenommen, weil sie da eine praktische Tätigkeit, also etwas, was sie gerne machen, mit Schreiben verbunden haben.“

Die Schreib-AG am Nachmittag bot zusätzliche Gelegenheit für Übungen in Kleingruppen. „Ziel hierbei war es, die Schreibstrategien zu vertiefen und die Schreibmotivation zu fördern“, erläutert Vera Busse. Die AGs leiteten speziell im Projekt geschulte externe Honorarkräfte. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um Lehramtsstudierende im Masterstudium. An Tablets erarbeiteten die Kinder Texte und wandten dabei die für den Schreibprozess erlernten Methoden an.

Im Rahmen des Projekts gab es das Angebot einer Schreib-AG im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im Ganztag. Diese diente der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwächen beim Schreiben zeigten. Ziel war es, ein multimediales Kochbuch zu erstellen. Bilder: Projekt KommSchreib/Gade

Kooperatives Lernen für das Schreiben von Texten einsetzen

Partner- und Gruppenarbeit erwiesen sich als sinnvolle Formate für das Schreibenlernen. Generell sind kooperative Lernformen für die soziale Teilhabe im Klassenverband meist förderlich. Die Lehrkräfte bekamen hierfür einfach umzusetzende Regeln für den positiven Umgang in der Gruppe an die Hand, die sie den Schülerinnen und Schülern vermittelten. Freundlich, wertschätzend und achtsam sollten diese miteinander umgehen lernen. Ein Miteinander, das von den Lehrkräften gleichermaßen vorgelebt werden sollte. Eine Empfehlung lautete daher: Im Unterricht jedes Kind individuell positiv hervorzuheben. Aus dem Forschungsteam gab es dazu noch weitere Empfehlungen für die Stärkung der Klassengemeinschaft.

Eine Lehrerin stellt vor allem die Förderung der Sozialkompetenzen in der Klasse als wertvoll an der Arbeit im Projekt heraus. Sie schildert, dass die Kinder die eingesetzten Maßnahmen positiv aufnahmen und sich dadurch das Klima in der Klasse deutlich verbesserte. Insbesondere den eingeübten Umgang mit Feedback hätten die Schülerinnen und Schüler gewinnbringend empfunden, betont sie.

Untersuchung zeigt größere Fortschritte bei geförderten Kindern

Zusammenfassend lassen sich folgende Ergebnisse des Projekts „KommSchreib“ anführen: Es zeigt sich eine Zunahme der Textlänge und Textqualität. Außerdem fühlten die Schülerinnen und Schüler sich wohler in den AGs und waren besonders motiviert, am Tablet zu schreiben. „Erste Ergebnisse aus dem Unterricht zeigten uns deutlich: Kinder aus Klassen, deren Lehrkräfte bei unserer Fortbildung mitgemacht haben, machen beim Schreiben größere Fortschritte als Kinder in den Kontrollgruppen, also aus Klassen ohne Weiterbildung der Lehrkräfte“, erläutert Projektleiterin Vera Busse.

Bei der Motivation ist das Bild eher gemischt. Die Kinder konnten durch den Unterricht nur teilweise zum Mehr-Schreiben angeregt werden. Hier könne das Angebot der Nachmittags-AG eine gute Unterstützung bieten, glaubt Vera Busse. „Da kann ein motivationsförderliches Schreibumfeld geschaffen werden, für das im Regelunterricht oft wenig Zeit bleibt. In den AG-Sitzungen war das Wohlbefinden der Kinder wirklich sehr hoch.“

Bild Vera Busse im Beitrag: privat
Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Angelika Gundermann.
Autorin
Angelika Gundermann
Mitarbeiterin der Leitstelle BiSS-Transfer am Mercator-Institut für Mehrsprachigkeit und sprachliche Bildung und zuständig für Netzwerke und Beratung
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