Schreibförderung an Grundschulen: „Ist ein fertiges Konzept da, steigt die Bereitschaft einzusteigen“

Posted on: Februar 23rd, 2026 by Denise Krell

Seit fast fünf Jahren ist Annette Graf an der Regionalstelle des ZSL in Stuttgart tätig, seit 2018 ist sie zudem Landeskoordinatorin in den Initiativen BiSS und BiSS-Transfer. In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg engagiert sie sich dafür, die sprachliche Bildung von Kindern zu verbessern. Unter ihrer Mitwirkung ist dem Land bereits ein großer Meilenstein im Bereich der sprachlichen Bildung gelungen: 2023 rollte Baden-Württemberg die Leseförderung im Rahmen von BiSS-Transfer landesweit aus. Rund 1.660 Schulen schlossen sich den BiSS-Verbünden an. Mittlerweile sind es rund 2.120 und damit fast alle baden-württembergischen Grundschulen, die sich durch die Teilnahme an BiSS-Transfer für die sprachliche Bildung von Kindern einsetzen.

Frau Graf, ist das Fundament der Leseförderung für die Einführung einer systematischen Schreibförderung hilfreich?

Annette Graf Absolut. Wir haben Strukturen aufgebaut, die uns jetzt enorm helfen: Es gibt Verbünde, Netzwerke und Ansprechpersonen sowie Projektgruppen an den Schulen. All das ist bereits vorhanden. Diese Struktur macht es uns einfacher, neben dem Lesen auch das Schreiben gezielt zu fördern. Ein großer Vorteil sind darüber hinaus die vielen Erfahrungen, die wir gewonnen haben und auf die wir nun zurückgreifen können.

Welche Erfahrungen sind das?

Annette Graf Zum Beispiel, dass wir zunächst klein anfangen und mit einem Pilotprojekt starten – wie damals bei der Leseförderung. Denn wir wollen erst Erfahrungen sammeln, ob unser Konzept auch so funktioniert wie geplant. Dabei setzen wir auf die Startchancen-Schulen, die fast alle auch BiSS-Schulen sind, was uns den Einstieg enorm vereinfacht. Denn sie haben die Struktur der BiSS-Leseförderung bereits etabliert. Wir hoffen, dass sie hierauf aufsetzen und so das Schreibförderkonzept gut implementieren können.

Wie viele Schulen nehmen an der Pilotphase teil und wann starten sie?

Annette Graf Wir haben 303 Startchancen-Grundschulen in Baden-Württemberg. Alle sind eingeladen mitzumachen. Anfang Februar haben wir eine Informationsveranstaltung für die Schulen organisiert, auf der wir das Konzept der BiSS-Schreibförderung erläutert haben. Den Schulen sollte dabei klar werden, dass sie auf ihren bereits vorhandenen Strukturen aufbauen können. Heißt: Wir haben gezeigt, wie sie die Struktur des Lesebands für die Schreibförderung nutzen können und wie es gelingt, analog dazu ein Schreibförderband einzuführen. Außerdem haben wir Einblicke in die Schreibflüssigkeitstrainings und die Anwendung von Schreibstrategien anhand der Materialien gegeben, die sie zur Verfügung gestellt bekommen. Das sind Förderhefte, die wir über das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache und das Kompetenzzentrum Sprachbildung des CHANCEN-Verbunds beziehen können.

Auch die Qualifizierung der Fortbildnerinnen und Fortbildner haben wir bereits durchgeführt. Diese startete im Oktober und endete im Dezember letzten Jahres mit einem Lehrgang in Präsenz. Die Fortbildenden konnten sich dabei mit dem Material vertraut machen und gemeinsam darauf abgestimmte Fortbildungsbausteine erarbeiten.

„Anfang Februar haben wir eine Informationsveranstaltung für die Startchancen-Schulen organisiert, auf der wir das Konzept der BiSS-Schreibförderung erläutert haben.“

Dr. Annette Graf
Führen Sie die Qualifizierung der Fortbildenden am ZSL selbstständig durch?

Annette Graf Nein. Wir haben das Glück, dass wir das Mercator-Institut und das Kompetenzzentrum Sprachbildung im CHANCEN-Verbund als Kooperationspartner gewinnen konnten. Sie stellen uns den Blended-Learning-Kurs zur Verfügung und haben den Lehrgang im Dezember maßgeblich mitgestaltet.

Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen Sie, um die Fähigkeiten von Kindern im Schreiben zu stärken?

Annette Graf Wir legen den Schwerpunkt erst auf das Training der Schreibflüssigkeit – also die hierarchieniedrigen Kompetenzen wie das zügige Formulieren kurzer Wortverbindungen und das automatisierte korrekte Verschriften. Darauf bauen dann die hierarchiehohen Fähigkeiten auf. Dabei geht es etwa um das Erlernen und Anwenden von Schreibstrategien, Ideenfinden und Formulieren.

Und die Fortbildnerinnen und Fortbildner tragen die Inhalte nun weiter an die Schulen?

Annette Graf Genau. Über diesen Weg gelingt es uns, die Maßnahmen zur sprachlichen Bildung in die Breite zu tragen. Die Fortbildnerinnen und Fortbildner sind ein Herzstück unseres Qualifizierungskonzepts. Sie begleiten die Schulen bei der Implementierung des Konzepts von BiSS-Schreiben, indem sie den Lehrkräften an den Schulen ihre zuvor gemeinsam erarbeiteten Fortbildungsbausteine zur Schreibförderung anbieten. Lehrkräfte bekommen so wichtige theoretische Grundlagen zum Thema Schreiben vermittelt sowie Impulse zur systematischen Umsetzung in die Praxis an die Hand. Alles ist wissenschaftlich fundiert, das ist uns in Baden-Württemberg sehr wichtig. Es wird also aufgezeigt, wie Schreibprozesse ablaufen, welche Fertigkeiten dafür benötigt werden und wie sie im Unterricht gefördert werden können.

Welches Material nutzen Sie dafür?

Annette Graf Wir nutzen die Unterrichtsmaterialien aus der Reihe „Texte meistern“, die vom Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln im Rahmen verschiedener Projekte entwickelt und evaluiert wurden. Zur Förderung der Schreibflüssigkeit arbeiten wir beispielsweise mit dem Materialpaket „Wir trainieren flüssig schreiben mit den Schreibstarken“. Diese Trainingshefte sind in dem Projekt „Die Schreibstarken“ entstanden und wurden an Berliner und Hamburger Grundschulen in den Klassenstufen 3 und 4 im Rahmen einer Interventionsstudie erprobt. Zur Förderung der Schreibstrategien setzen wir auf Hefte, die das Mercator-Institut im Rahmen des Projekts „Schule macht stark – SchuMaS“ entwickelt und erprobt hat.

Wie lange ist die Pilotphase angesetzt und wie geht’s danach weiter?

Annette Graf Die Schulen erhalten die Förderhefte nach Pfingsten. Dann werden Fortbildungen für die Lehrkräfte angeboten und direkt nach den Sommerferien legen die Schulen los. Für die Pilotphase planen wir dann circa ein halbes Jahr – ungefähr bis zum Halbjahr des Schuljahres 2026/27. Danach evaluieren wir: Können die Schulen mit Material und Konzept gut arbeiten?Gibt es Vorschläge für Verbesserungen? Ist die Begleitung gut organisiert? Gibt es bereits Schulen, die an einem Sprachbildungskonzept arbeiten und sich in einem Schulentwicklungsprozess befinden? In dem Fall würden wir beispielsweise entsprechende Fachberatungen zur Schulentwicklung zur Verfügung stellen, die gemeinsam mit Schulleitung und Lehrkräften an einem systematischen längerfristigen Förderkonzept arbeiten.

Welche weiteren Schritte folgen nach der Evaluation? Denn Ziel ist es doch sicherlich, neben den rund 300 Startchancen-Schulen weitere Grundschulen zu erreichen.

Annette Graf Absolut. Der Wunsch ist es natürlich, dass wir auch im Bereich des Schreibens eine Flächendeckung erreichen. Im Schuljahr 2026/27 möchten wir weiteren Schulen die Teilnahme anbieten. Wir erhoffen uns, dass andere Schulen den Mehrwert erkennen – so wie es beim Schwerpunkt Lesen der Fall war. Dass sie sehen, es funktioniert. Und dass sie dabei nicht allein gelassen werden, denn es wird ein Konzept mit Materialien und Fortbildungen bereitgestellt. Diese Erkenntnis haben wir aus der Leseförderung mitgenommen: Ist ein fertiges Konzept da, das Orientierung bietet, steigt die Bereitschaft, einzusteigen. Wenn wir ein Schreibcurriculum anbieten, wo genau festgelegt ist, in welchem Zeitraum welche Schreibstrategie in welcher Klassenstufe mit welchem Material trainiert wird, sind die meisten Lehrkräfte hierfür dankbar. Auch, dass sie das Material nicht selbst zusammensammeln müssen, hat sicherlich Überzeugungskraft.

„Der Wunsch ist es natürlich, dass wir auch im Bereich des Schreibens eine Flächendeckung erreichen.“

Dr. Annette Graf
Welche Tipps geben Sie anderen Ländern, die ein ähnliches Vorhaben starten wollen?

Annette Graf Wichtige Gelingensfaktoren sind ein gutes Netzwerk und ein Projektmanagement auf unterschiedlichen Ebenen, das alle Player einbezieht. Bei uns hat sich folgende Organisation als effektiv erwiesen: Eine Landeskoordination, die die landesweite systematische Organisation übernimmt. Ein regionales Management in Form von Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren, die die Schulen vor Ort unterstützen und Vernetzungstreffen mit anderen Schulen organisieren. Und schließlich das Projektmanagement auf Schulebene mit Projektgruppen und Ansprechpersonen, das für die Implementierung in der Schule arbeitet. Auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium ist wichtig. Außerdem profitieren wir vom bundesweiten BiSS-Netzwerk. Braucht man Impulse oder Learnings aus anderen Ländern, tauschen wir uns innerhalb der Landeskoordinatorinnen und -koordinatoren einfach auf kurzem Wege aus. Dieses Teilen von Wissen und Erfahrungen kann die Umsetzung deutlich leichter machen. Es besteht eine große Offenheit und wir wissen, wir sind nicht allein mit unserem Vorhaben.

Welche Rolle spielt Verbindlichkeit dabei?

Annette Graf Eine große. Bei der Leseförderung im Rahmen von BiSS haben wir zum Beispiel über einen Erlass des Kultusministeriums das Leseband verpflichtend eingeführt. Das hat dazu geführt, dass sich Kollegien zusammensetzen mussten – und gemeinsam ins Handeln kamen. Verbindliche Elemente zu flankieren und gleichzeitig Unterstützung zu bieten – etwa in Form von Fortbildungen und Material – das ist aus meiner Sicht ein gutes Gesamtpaket. Ich würde jedem Land raten, über einen verbindlichen Charakter die Schulen ein Stück weit zu einem systematischen Vorgehen zu motivieren. Zum Beispiel Zeitfenster im Stundenplan zu blockieren. Verbindlichkeit schafft Struktur. Und wenn Kollegien merken, nicht nur wir machen mit, sondern landesweit alle Schulen, dann schafft das ein Gefühl der Solidarität.

Ist es ratsam, erst einen Schwerpunkt einzuführen oder wäre es rückblickend sinnvoller gewesen, die Lese- und Schreibförderung gleichzeitig im Land zu verankern?

Annette Graf Nein, im Nachhinein bin ich froh, dass wir einen Schwerpunkt gewählt haben. Die Schulen haben dann genug Zeit, die notwendigen Strukturen zu schaffen, das Konzept erst einmal zu erproben und sich dabei auf einen Bereich zu konzentrieren. Schulen brauchen Zeit. Und Schulentwicklung braucht Zeit. Strukturen zu schaffen, ist ein Prozess. Erst wenn es läuft und der Mehrwert des Ganzen sichtbar wird, sind die Schulen auch wieder bereit, sich auf etwas Neues einzulassen.

Gibt es eine langfristige Vision?

Annette Graf Unser Wunsch ist es, dass die Schulen erkennen, dass man ein durchgängiges Konzept im Bereich der Sprachbildung braucht. Dass Sprachbildung umfassend ist und verschiedene Elemente beinhaltet. Denn es geht darum, die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu stärken. Und im Bereich der Sprachbildung ist nicht nur Leseförderung wichtig. Sprachbildung ist auch Mündlichkeit. Sprachbildung ist auch Schriftlichkeit. Es braucht ein Gesamtkonzept, das alle Facetten der sprachlichen Bildung, auch die der Mehrsprachigkeit, berücksichtigt.

Liebe Frau Graf, vielen Dank für das Gespräch.
Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Denise Krell.
Das Interview führte
Denise Krell
Kommunikationsmanagerin der Leitstelle BiSS am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
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KommSchreib! – Schreibkompetenzen und Teilhabe in Grundschulklassen stärken

Posted on: Februar 23rd, 2026 by Denise Krell

„KommSchreib!“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördertes Projekt. Vier Jahre lang forschten Wissenschaftlerinnen der Universität Münster im Rahmen des Projekts daran, wie die Schreibkompetenz und Schreibmotivation von Kindern der dritten und vierten Klassen gefördert werden können. Durchgeführt wurde das Forschungsvorhaben im Rahmen der Förderlinie „Sprachliche Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“ – ein Projektverbund, der sich für die Sprachbildung aller Lernenden einsetzt und die Chancengerechtigkeit erhöhen möchte.

Das Foto zeigt Prof. Dr. Vera Busse, Projektleiterin des Projekts "KommSchreib". Bildnachweis: Projekt KommSchreib/Gade Bild: Projekt KommSchreib/Gade
Prof. Dr. Vera Busse

Strategien für gutes Schreiben nutzen

„Das Ende der Grundschulzeit gilt als wichtige Phase, in der sich die Einstellung zum Schreiben oftmals verschlechtert“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Vera Busse von der Universität Münster. „Daher nahm „KommSchreib“ insbesondere dritte und vierte Schulklassen in den Blick.“

Ein erster Schritt war die Fortbildung von Lehrkräften. Im Fokus dabei stand die Anwendung und Vermittlung von Schreibstrategien – als Voraussetzung für gutes Schreiben. An insgesamt elf Grundschulen in Nordrhein-Westfalen nahmen Lehrkräfte an den Weiterbildungen teil, die im Rahmen des Projekts entwickelt und angeboten wurden. Grundlage der Weiterbildungen waren wissenschaftliche Erkenntnisse zu prozessorientierter Schreibförderung, Feedback und kooperativem Lernen. Die Lehrkräfte erhielten Anleitung, wie sie Schreibstrategien in den Unterricht einbinden könnten und entwickelten mit den Forschenden gemeinsam Unterrichtmaterialien zur Schreibförderung. Diese wurden dann im Regelunterricht bei rund 1.300 Grundschülerinnen und -schülern eingesetzt.

Der stellvertretende Schulleiter einer teilnehmenden Schule schildert seine Erfahrungen: „Durch das Projekt sind die Kinder wirklich ermutigt worden, dass sie gute Texte schreiben können, dass sie das Handwerkszeug dafür haben.“ Dadurch sei bei den Kindern auch mehr Motivation zu schreiben entstanden, fügt er hinzu.

„Durch das Projekt sind die Kinder wirklich ermutigt worden, dass sie gute Texte schreiben können.“

stellvertretender Schulleiter einer teilnehmenden Schule

Einbezug von Mehrsprachigkeit

Bei der Materialentwicklung hatten Lehrkräfte und Forschende im Blick, dass im Klassenzimmer Kinder mit verschiedenen Sprachkenntnissen sitzen: Beispiele für gutes Schreiben wurden daher als Audioaufnahmen in Deutsch und anderen Familiensprachen der Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt. „So können die Kinder all ihre sprachlichen Ressourcen zum Schreiben nutzen“, erläutert Vera Busse.

Ergänzendes Angebot zur Schreibförderung im Ganztag

Zusätzlich gab es das Angebot einer Schreib-AG im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im Ganztag. Diese diente der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwächen beim Schreiben zeigten. Auch Kinder mit geringen Deutschkompetenzen besuchten die Gruppe.

Das AG-Angebot mit dem Ziel, ein multimediales Kochbuch zu erstellen, nahm der Schulleiter als sehr wirksam wahr: „Die Kinder haben sehr gerne an der AG teilgenommen, weil sie da eine praktische Tätigkeit, also etwas, was sie gerne machen, mit Schreiben verbunden haben.“

Die Schreib-AG am Nachmittag bot zusätzliche Gelegenheit für Übungen in Kleingruppen. „Ziel hierbei war es, die Schreibstrategien zu vertiefen und die Schreibmotivation zu fördern“, erläutert Vera Busse. Die AGs leiteten speziell im Projekt geschulte externe Honorarkräfte. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um Lehramtsstudierende im Masterstudium. An Tablets erarbeiteten die Kinder Texte und wandten dabei die für den Schreibprozess erlernten Methoden an.

Im Rahmen des Projekts gab es das Angebot einer Schreib-AG im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im Ganztag. Diese diente der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwächen beim Schreiben zeigten. Ziel war es, ein multimediales Kochbuch zu erstellen. Bilder: Projekt KommSchreib/Gade

Kooperatives Lernen für das Schreiben von Texten einsetzen

Partner- und Gruppenarbeit erwiesen sich als sinnvolle Formate für das Schreibenlernen. Generell sind kooperative Lernformen für die soziale Teilhabe im Klassenverband meist förderlich. Die Lehrkräfte bekamen hierfür einfach umzusetzende Regeln für den positiven Umgang in der Gruppe an die Hand, die sie den Schülerinnen und Schülern vermittelten. Freundlich, wertschätzend und achtsam sollten diese miteinander umgehen lernen. Ein Miteinander, das von den Lehrkräften gleichermaßen vorgelebt werden sollte. Eine Empfehlung lautete daher: Im Unterricht jedes Kind individuell positiv hervorzuheben. Aus dem Forschungsteam gab es dazu noch weitere Empfehlungen für die Stärkung der Klassengemeinschaft.

Eine Lehrerin stellt vor allem die Förderung der Sozialkompetenzen in der Klasse als wertvoll an der Arbeit im Projekt heraus. Sie schildert, dass die Kinder die eingesetzten Maßnahmen positiv aufnahmen und sich dadurch das Klima in der Klasse deutlich verbesserte. Insbesondere den eingeübten Umgang mit Feedback hätten die Schülerinnen und Schüler gewinnbringend empfunden, betont sie.

Untersuchung zeigt größere Fortschritte bei geförderten Kindern

Zusammenfassend lassen sich folgende Ergebnisse des Projekts „KommSchreib“ anführen: Es zeigt sich eine Zunahme der Textlänge und Textqualität. Außerdem fühlten die Schülerinnen und Schüler sich wohler in den AGs und waren besonders motiviert, am Tablet zu schreiben. „Erste Ergebnisse aus dem Unterricht zeigten uns deutlich: Kinder aus Klassen, deren Lehrkräfte bei unserer Fortbildung mitgemacht haben, machen beim Schreiben größere Fortschritte als Kinder in den Kontrollgruppen, also aus Klassen ohne Weiterbildung der Lehrkräfte“, erläutert Projektleiterin Vera Busse.

Bei der Motivation ist das Bild eher gemischt. Die Kinder konnten durch den Unterricht nur teilweise zum Mehr-Schreiben angeregt werden. Hier könne das Angebot der Nachmittags-AG eine gute Unterstützung bieten, glaubt Vera Busse. „Da kann ein motivationsförderliches Schreibumfeld geschaffen werden, für das im Regelunterricht oft wenig Zeit bleibt. In den AG-Sitzungen war das Wohlbefinden der Kinder wirklich sehr hoch.“

Bild Vera Busse im Beitrag: privat
Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Angelika Gundermann.
Autorin
Angelika Gundermann
Mitarbeiterin der Leitstelle BiSS, zuständig für Netzwerke und Beratung, am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
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