Das Bild zeigt zwei Kinder beim Lesen eines Buchs.
Bild: A. Etges/Trägerkonsortium BiSS-Transfer

Systematische Leseförderung in der Grundschule (Lese-BiSS)

Lesen ist eine zentrale Voraussetzung für den Wissenserwerb in allen Fächern und eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Für viele Schülerinnen und Schüler ist es jedoch schwierig, Texte flüssig und sinnentnehmend zu lesen. Hier setzt das Forschungsvorhaben zur systematischen Förderung der Leseflüssigkeit und der Lesestrategien an.

Erster Ergebnisbericht aus dem Projekt „Lese-BiSS“ im Rahmen des Forschungsnetzwerks BiSS-Transfer:

(Auszug aus der BiSS-Transfer-Abschlusspublikation, 2024)

 

Sie können den Beitrag zu Lese-BiSS auch auch hier downloaden.

Alle Ergebnisse aus den Forschungsnetzwerken von BiSS-Transfer finden Sie in unserer Abschlusspublikation BiSS-Transfer: Potenziale sichern. Arbeitsergebnisse, Länderperspektiven und Impulse (2024).

Beitrag aus unserem BiSS Magazin vom 23.02.2026

Methoden zur Leseförderung: Wie können Lehrkräfte Kinder und Jugendliche im Lesen stärken?

Dr. Mareike Ehlert von der Universität Münster aus dem Team Lese-BiSS spricht im Interview über Möglichkeiten, das Lesen bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Das Foto zeigt eine Wissenschaftlerin der Universität Münster.
Bild: Universität Münster / Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung

Weitere Ergebnisse aus dem Projekt „Lese-BiSS“ im Rahmen des Forschungsnetzwerks BiSS-Transfer:

Die Wirksamkeit des Programms wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen insgesamt positive Effekte auf Schüler:innen, Lehrkräfte und die Umsetzung im Unterricht.

Verbesserung von Wissen, Selbstwirksamkeit und Kollaboration der Lehrkräfte

Eine Studie (Ehlert & Souvignier, in revision) zeigt, dass Lehrkräfte, die am Programm teilgenommen haben, ihr Wissen zur Leseförderung im Vergleich zur Wartekontrollgruppe deutlich ausbauen konnten. Gleichzeitig fühlten sie sich sicherer darin, Leseförderung im Unterricht umzusetzen. Diese positiven Effekte waren nicht nur nach einem Jahr sichtbar, sondern blieben auch nach anderthalb Jahren bestehen – selbst nachdem die begleitende Unterstützung durch die Multiplikator:innen endete. Zudem verbesserte sich die Kollaboration zwischen den Lehrkräften im Vergleich zur Wartekontrollgruppe.

Positive Entwicklung von Einstellungen und Verhalten im Unterrichtsalltag

Eine weitere Untersuchung (Ehlert, De Smedt et al., 2025) zeigt, dass Lehrkräfte in der Interventionsgruppe das Programm über die gesamte Projektzeit hinweg als gut umsetzbar und sinnvoll einschätzten. Besonders erfreulich: Ihre Selbstwirksamkeit und ihr adaptives Unterrichtsverhalten nahmen im Verlauf deutlich zu. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass die Nutzung einzelner Programmbestandteile im Laufe der Zeit etwas zurückging – ein wichtiger Hinweis für die Weiterentwicklung des Angebots.

Zufriedenheit mit der Fortbildung als Schlüssel für nachhaltige Nutzung

Eine dritte Studie (Ehlert, Aust et al., 2025) zeigt, dass die Zufriedenheit der Lehrkräfte mit der Fortbildung eine zentrale Rolle spielt. Die Zufriedenheit hängt eng damit zusammen, wie kompetent die begleitenden Multiplikator:innen wahrgenommen werden und welche Lernerfolge die Lehrkräfte für ihre Schüler:innen erwarten. Besonders wichtig: Je zufriedener die Lehrkräfte waren, desto wahrscheinlicher nutzten sie das Programm auch langfristig im Unterricht.

Positive Effekte des Programms auf die Lesekompetenz von Schüler:innen

Auch auf Seiten der Schüler:innen zeigen sich klare Vorteile des Programms (Ehlert et al., 2024): Ihre Leseflüssigkeit verbesserte sich sowohl mittelfristig als auch langfristig deutlich im Vergleich zur Wartekontrollgruppe. Darüber hinaus konnten auch beim Satzverständnis mittelfristige Verbesserungen im Vergleich zur Wartekontrollgruppe festgestellt werden.

Datensatz zu dem Projekt ist verfügbar

Der Forschungsdatensatz zu dem Projekt „Systematische Leseförderung in der Grundschule“ (Lese-BiSS) wurde bei GESIS frei verfügbar bereitgestellt (Souvignier & Ehlert, 2025).

Weiterführende Veröffentlichungen und Publikationen zu den Ergebnissen des Teilprojekts „Lese-BiSS“ aus dem BiSS-Transfer-Forschungsnetzwerk sind:

  • Ehlert, M., Aust, L., Bellinghausen, S., & Souvignier, E. (2025). Relations Among Teacher Perceptions of PD elements, PD Program Satisfaction, and Implementation Success Across One and a Half School Years. Studia Paedagogica, 30(2).  https://doi.org/10.5817/SP2025-2-1
  • Ehlert, M., De Smedt, F., Van Keer, H., & Souvignier, E. (2025). Time tells: longitudinal changes in teachers’ beliefs and behaviour when implementing reading innovations. European Journal of Psychology of Education, 40(74). https://doi.org/10.1007/s10212-025-00975-1
  • Ehlert, M.; Seybel, C; Souvignier, E.; Weber, S.; Titz, C. & Hasselhorn, M. (2024). Systematische Förderung des Lesens in der Grundschule. In Trägerkonsortium BiSS-Transfer. (Hrsg). BiSS-Transfer: Potenziale sichern. Arbeitsergebnisse, Länderperspektiven und Impulse (S. 31–37). Köln: Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache.
  • Ehlert, M., & Fehrmann, R. (2023). Kurze Rede, langer Sinn – Über die Potenziale, die Produktion und die Nutzung von Erklärvideos für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. k:ON – Kölner Online Journal für Lehrer*innenbildung 7.
  • Ehlert, M.*, & Fehrmann, R.* (2023). Erklärvideos für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis produzieren – Konzeptuelle Entscheidungs- und Strukturierungshilfen sowie Leitfragen zu Produktions- und Distributionsschritten. https://doi.org/10.17605/OSF.IO/5S2WD
  • Souvignier, E., & Ehlert, M. (2022). Trainingsprogramme im Unterricht. BiSS-Transfer Journal, 9-12.
  • Souvignier, E., & Ehlert, M. (2025). Systematische Leseförderung in der Grundschule (Lese-BiSS) (Version 1.0.0) [Data set]. GESIS, Köln. https://doi.org/10.7802/2885

Was waren die Ziele der Studie?

Umsetzung des Leseförderprogramms „Der Lese-Sportler“

Das erste Ziel war, Lehrkräften ein Programm zur differenzierten Leseförderung für den Unterricht zur Verfügung zu stellen. Mit dem „Lese-Sportler“ wurde ein Programm entwickelt, das je nach Lernstand des Kindes passende Methoden und Texte anbietet. Auf diese Weise können Kinder auf dem für sie passenden Niveau abgeholt werden. Das Konzept basiert dabei auf Fördermaßnahmen, die sich nachweislich als wirksam erwiesen haben.

Der „Lese-Sportler“ umfasst:

  • die silbenbasierte Methode Lese-Slalom zur Förderung der Lesegenauigkeit
  • die Lautlesemethode Lese-Sprint zur Förderung der Lesegeschwindigkeit
  • das strategieorientierte Lese-Kanu zur Förderung des Leseverständnisses

Untersuchung der Gelingensbedingungen

Zweites Ziel war, zu untersuchen, welche Bedingungen beim Einsatz des Programms im Unterricht besonders förderlich sind. Dies liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Trainingskonzepte in die Praxis übertragen werden können.

Evaluation der Wirksamkeit des Trainings

Schließlich wurde untersucht, in welchem Maße sich die Lesekompetenzen der am Training teilnehmenden Schülerinnen und Schüler verbessern und als wie wirksam das Programm von Lehrkräften eingeschätzt wird.

Wie lief die Studie ab?

Für Lehrkräfte

  • Teilnehmende Lehrkräfte erhalten die Gelegenheit, eine forschungsbasierte und systematische Leseförderung mit ihrer dritten Klasse durchzuführen. Dazu nehmen sie an einem Blended-Learning-Kurs zum Thema „Lesen“ teil, bei dem die eigenständige Bearbeitung von E-Learning-Einheiten mit Arbeitsphasen in mind. drei Präsenzzeiten (ggf. digital) kombiniert werden.
  • Anschließend setzen sie die ausgearbeiteten Lese-Sportler-Materialien dreimal pro Woche für 20 Minuten in ihrem Leseunterricht ein. Während der Durchführung des Trainings werden die Lehrkräfte von ausgebildeten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren beraten.
  • Bei einer kleineren Stichprobe von Schülerinnen und Schülern findet vor und nach der Implementation insgesamt dreimal eine Evaluation schriftsprachlicher Kompetenzen durch das Forschungsteam statt, die jeweils ca. zwei bis drei Schulstunden in Anspruch nimmt.
  • Lehrkräfte der Vergleichsgruppe erhalten zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls eine Qualifizierung und führen die Leseförderung im Anschluss durch. Vorab nehmen sie bereits an ersten Befragungen teil.
  • Die Trainingsmaterialien stehen auch nach Abschluss der Studie digital zur Verfügung.

Für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

  • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren nehmen an einer Qualifizierungsmaßnahme in Form einer Blended-Learning-Fortbildung teil. Diese beinhaltet die Bearbeitung von 15 Selbstlerneinheiten und drei Portfolioaufgaben sowie die Teilnahme an zwei bis drei Präsenzterminen (ggf. digital per Videokonferenz).
  • Anschließend erfolgt die Blended-Learning-Fortbildung der Lehrkräfte. Im Rahmen dessen führen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mindestens drei Präsenzveranstaltungen (ggf. digital) mit den Lehrkräften durch und unterstützen diese beim Durchlaufen der Selbstlerneinheiten.
  • Darüber hinaus unterstützen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren die Lehrkräfte bei der Umsetzung des Lese-Sportlers, indem sie die Lehrkräfte beraten und den regelmäßigen Austausch suchen.
  • Während des gesamten Zeitraums nehmen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren außerdem an drei Befragungen teil.
  • Die Leseförderung wird zu einem späteren Zeitpunkt auch in einer Vergleichsgruppe durchgeführt. Die Lehrkräfte der Vergleichsgruppe werden ebenfalls durch den Blended-Learning-Kurs qualifiziert und von einzelnen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren während der Qualifizierung und der Durchführung der Leseförderung begleitet.

Zeitlicher Ablauf der Studie

  • Qualifizierung der Multiplizierenden: Februar bis Juni 2022
  • Gruppe 1 der Lehrkräfte:
    • Fortbildung: September 2022 bis Januar 2023
    • Einsatz der Trainingsmaterialien im Unterricht: im zweiten Schulhalbjahr 2022/2023
    • Befragung der Lehrkräfte: 5-6 Erhebungen zwischen September 2022 und Oktober 2023
    • Ggf. 3 Schülertestungen: zwischen Februar und Oktober 2023
  • Gruppe 2 der Lehrkräfte:
    • Fortbildung: Oktober 2023 bis Februar 2024
    • Einsatz der Trainingsmaterialien im Unterricht: im zweiten Schulhalbjahr 2023/2024
    • Befragung der Lehrkräfte: 3 Erhebungen zwischen September 2022 und Oktober 2023
    • Ggf. 3 Schülertestungen: zwischen Februar und Oktober 2023
  • Qualifizierung der Multiplizierenden: September 2021 bis Januar 2022
  • Gruppe 1 der Lehrkräfte:
    • Fortbildung: Februar 2022 bis Juni 2022
    • Einsatz der Trainingsmaterialien im Unterricht: im ersten Schulhalbjahr 2022/2023
    • Befragung der Lehrkräfte: 5-6 Erhebungen zwischen Februar 2022 und Juni 2023
    • Ggf. 3 Schülertestungen: zwischen September 2022 und Juli 2023
  • Gruppe 2 der Lehrkräfte:
    • Fortbildung: Oktober 2023 bis Februar 2024
    • Einsatz der Trainingsmaterialien im Unterricht: im zweiten Schulhalbjahr 2023/2024
    • Befragung der Lehrkräfte: 3 Erhebungen zwischen Februar 2022 und Juni 2023
    • Ggf. 3 Schülertestungen: zwischen September 2022 und Juli 2023

Beteiligte Bundesländer

  • Bremen
  • Hessen
  • Rheinland-Pfalz

Beteiligte Forschungsinstitute

  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
  • DIPF |Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

Projektleitung

Prof. Dr. Elmar Souvignier
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung

Projektmitarbeitende

Mareike Ehlert
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung
E-Mail:

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