Systematische Leseförderung in der Grundschule (Lese-BiSS)

Lesen ist eine zentrale Voraussetzung für den Wissenserwerb in allen Fächern und eine wesentliche Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Für viele Schülerinnen und Schüler ist es jedoch schwierig, Texte flüssig und sinnentnehmend zu lesen. Hier setzt das Forschungsvorhaben zur systematischen Förderung der Leseflüssigkeit und der Lesestrategien an.

Was sind die Ziele der Studie?

Umsetzung des Leseförderprogramms „Der Lese-Sportler“

Das erste Ziel ist, Lehrkräften ein Programm zur differenzierten Leseförderung für den Unterricht zur Verfügung zu stellen. Mit dem „Lese-Sportler“ wurde ein Programm entwickelt, das je nach Lernstand des Kindes passende Methoden und Texte anbietet. Auf diese Weise können Kinder auf dem für sie passenden Niveau abgeholt werden. Das Konzept basiert dabei auf Fördermaßnahmen, die sich nachweislich als wirksam erwiesen haben.

Der „Lese-Sportler“ umfasst:

  • die silbenbasierte Methode Lese-Slalom zur Förderung der Lesegenauigkeit
  • die Lautlesemethode Lese-Sprint zur Förderung der Lesegeschwindigkeit
  • das strategieorientierte Lese-Kanu zur Förderung des Leseverständnisses

Untersuchung der Gelingensbedingungen

Zweites Ziel ist, zu untersuchen, welche Bedingungen beim Einsatz des Programms im Unterricht besonders förderlich sind. Dies liefert wichtige Erkenntnisse darüber, wie Trainingskonzepte in die Praxis übertragen werden können.

Evaluation der Wirksamkeit des Trainings

Schließlich wird untersucht, in welchem Maße sich die Lesekompetenzen der am Training teilnehmenden Schülerinnen und Schüler verbessern und als wie wirksam das Programm von Lehrkräften eingeschätzt wird.

Wie läuft die Studie ab?

Für Lehrkräfte

  • Teilnehmende Lehrkräfte erhalten die Gelegenheit, eine forschungsbasierte und systematische Leseförderung mit ihrer dritten Klasse durchzuführen. Dazu nehmen sie von Februar bis Juli 2022 an einem Blended-Learning-Kurs zum Thema „Lesen“ teil, bei dem die eigenständige Bearbeitung von E-Learning-Einheiten mit Arbeitsphasen in mind. drei Präsenzzeiten (ggf. digital) kombiniert werden.
  • Anschließend setzen sie die ausgearbeiteten Lese-Sportler-Materialien im Schulhalbjahr 2022/23 dreimal pro Woche für 20 Minuten in ihrem Leseunterricht ein. Während der Durchführung des Trainings werden die Lehrkräfte von ausgebildeten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren beraten.
  • Bei einer kleineren Stichprobe von Schülerinnen und Schülern findet vor und nach der Implementation insgesamt dreimal eine Evaluation schriftsprachlicher Kompetenzen durch das Forschungsteam statt, die jeweils ca. zwei bis drei Schulstunden in Anspruch nimmt.
  • Lehrkräfte der Vergleichsgruppe nehmen ab September 2023 an der Qualifizierung teil und führen die Leseförderung im zweiten Halbjahr des Schuljahrs 2023/24 durch. Anfang 2022 und 2023 nehmen sie bereits an ersten Befragungen teil.
  • Die Trainingsmaterialien stehen auch nach Abschluss der Studie digital zur Verfügung.

Für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

  • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren nehmen von September 2021 bis Februar 2022 an einer Qualifizierungsmaßnahme in Form einer Blended-Learning-Fortbildung teil. Diese beinhaltet die Bearbeitung von 15 Selbstlerneinheiten und drei Portfolioaufgaben sowie die Teilnahme an zwei bis drei Präsenzterminen (ggf. digital per Videokonferenz).
  • Von Februar bis Juli 2022 erfolgt die Blended-Learning-Fortbildung der Lehrkräfte. Im Rahmen dessen führen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mindestens drei Präsenzveranstaltungen (ggf. digital) mit den Lehrkräften durch und unterstützen diese beim Durchlaufen der Selbstlerneinheiten.
  • Darüber hinaus unterstützen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren die Lehrkräfte bei der Umsetzung des Lese-Sportlers ab September 2022, indem sie Lehrkräfte beraten und den regelmäßigen Austausch suchen.
  • Während des gesamten Zeitraums nehmen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren außerdem an drei Befragungen teil.
  • Die Leseförderung wird zu einem späteren Zeitpunkt auch in einer Vergleichsgruppe durchgeführt. Die Lehrkräfte der Vergleichsgruppe werden ab September 2023 ebenfalls durch den Blended-Learning-Kurs qualifiziert und von einzelnen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren während der Qualifizierung und der Durchführung der Leseförderung begleitet.

Beteiligte Forschungsinstitute

  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
  • DIPF |Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation

Projektleitung

Prof. Dr. Elmar Souvignier
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung

Ansprechpartnerinnen

Dr. Karin Hebbecker
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung
Telefon: (0251) 83-341 39
E-Mail:

Mareike Ehlert
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Psychologie in Bildung und Erziehung
Telefon: (0251) 83-341 67
E-Mail: