Dortmunder Ratingskala zur Erfassung sprachförderrelevanter Interaktionen (DO-RESI)

ProfessionalisierungskonzeptElementarbereichE1E2E3E5
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen.

Kurzbeschreibung

Preis: 40,95 Euro.

DO-RESI ist ein Beobachtungsbogen, mit dem das sprachförderrelevante Verhalten von Erzieherinnen und Erziehern in Kindertagesstätten durch Beobachter oder Beobachterinnen beurteilt werden kann. Die Durchführung findet während einer drei- bis vierstündigen Hospitation statt. Der Beobachtungsbogen ist für den Elementarbereich konzipiert.

Welches Ziel hat das Tool?

Der DO-RESI Beobachtungsbogen dient der Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte im Elementarbereich in Bezug auf das Interaktionsverhalten zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft. Mit Hilfe des DO-RESI-Beobachtungsbogens soll die Erzieher- bzw. Erzieherinnen-Kind-Interaktion systematisch im Hinblick auf sprachförderrelevante Prozesse eingeschätzt und bewertet werden. Die Anwendung erfolgt durch einen Beobachter bzw. eine Beobachterin im Rahmen einer Hospitation und dauert ca. drei bis vier Stunden. Das Tool eignet sich für den Einsatz in den Modulen E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“, E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“ und E5 „Intensive Sprachförderung durch dialogisches Lesen in der Kleingruppe“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Beim Tool DO-RESI handelt es sich um ein Einschätzverfahren, das im Rahmen der Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte im Elementarbereich zur Selbst- und Teamqualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern, Fachberatungen sowie Ausbilderinnen und Ausbildern eingesetzt werden kann. Mit Hilfe des Tools soll es der Zielgruppe gelingen, ihr Fachwissen, ihr Könnensrepertoire, ihr Wahrnehmen und ihr Handeln zu reflektieren, zu modifizieren und zu erweitern. Das Tool soll eine alltagsnahe Einschätzung des sprachförderrelevanten Interaktionsverhaltens einer pädagogischen Fachkraft mit den Kindern ihrer Gruppe ermöglichen. Die Voraussetzung zur Durchführung von DO-RESI ist eine drei- bis vierstündige Beobachtungsphase in einer Gruppe in der Einrichtung. Die dadurch gewonnenen Eindrücke werden im Anschluss an die Beobachtung auf Protokollbögen übertragen und ausgewertet. Mit dem Ergebnis der Auswertung erhalten Erzieherinnen und Erzieher konkrete Anhaltspunkte dazu, in welchen Bereichen ihr Interaktionsverhalten optimiert werden kann.

Wie funktioniert das Tool?

DO-RESI ist ein Schätzverfahren und kann als eine spezielle Form des Beobachtungsverfahrens angesehen werden. Mit Hilfe von DO-RESI soll konkret beobachtbares Verhalten auf seine Quantität und Qualität hin festgehalten und zugeordnet werden, und zwar bezogen auf verschiedene Qualitätsdimensionen.

Ein Beobachter oder eine Beobachterin verbringt ca. drei bis vier Stunden Zeit in der Kindertagesstätte, wobei er oder sie sich nicht in das Gruppengeschehen integrieren soll. Im Anschluss an diese Beobachtungsphase (DO-RESI wird nicht mit in den Gruppenraum genommen) bewertet er oder sie verschiedene Einschätzaufgaben zu vier im Instrument angelegten Qualitätsdimensionen: „Organisation“, „Beziehung“, „adaptive Unterstützung“ und „sprachlich-kognitive Herausforderung“.

Diesen vier Qualitätsdimensionen sind jeweils mehrere Items zugeordnet, welche die Qualitätsdimension in Teilbereiche gliedern. So enthält die Qualitätsdimension „Beziehung‘ beispielsweise die vier Items „Kontrolle“, „Kongruenz“, „empathisches Zuhören“ sowie „Nähe“. Zu jedem dieser Items wird das Verhalten der Erzieherinnen und Erzieher auf einer Skala eingeschätzt, auf welcher jeweils spezifische Indikatoren für die Realisierung dieses Items angegeben sind. Diese Indikatoren liegen in Form von Aussagesätzen vor und sollen von den Durchführenden mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden. Das Item „Nähe“ umfasst zum Beispiel unter anderem den Indikator „Die Erzieherin vermeidet räumliche Nähe zu den Kindern“, der auf der Grundlage der Beobachtung mit „ja“ oder „nein“ bewertet werden kann.

Die einzelnen Indikatoren eines Items sind jeweils so angeordnet, dass sie verschiedene Qualitätsstufen repräsentieren. So ist die Zustimmung zur Aussage „Die Erzieherin behandelt die Kinder teilnahmslos“ ein Indikator für eine unzureichende Qualität. Im Vergleich dazu steht die Zustimmung zur Aussage „Die Erzieherin zeigt keine Scheu, den Kindern nahe zu kommen“ für minimale Qualität. Wird die Aussage „Bei passender Gelegenheit sucht die Erzieherin die Nähe der Kinder“ bejaht, spricht dies für eine gute Qualität. Exzellente Qualität wird bei der Zustimmung zu folgender Aussage erreicht: „Die Erzieherin verbalisiert Bedürfnisse oder Emotionen der Kinder und versichert sich anschließend, ob ihre Annahme stimmt, z.B. ‚Ich glaube, du möchtest jetzt lieber..., stimmt das?‘“. Die Anzahl der mit „ja“ oder „nein“ beantworteten Aussagen lässt zusammenfassend eine Einschätzung der Qualität des sprachförderrelevanten Verhaltens der Erzieherin oder des Erziehers zu.

Für Fragen, die nicht allein aus der Beobachtung heraus beantwortet werden können, sollte eine Zeit für ein Gespräch mit der Erzieherin bzw. dem Erzieher von ca. 20 Minuten im Anschluss an die Beobachtungsphase eingeplant werden.

Zu dem Beobachtungsbogen gehört auch eine DVD. Sie dient einerseits dazu, den Umgang mit DO-RESI zu üben. Zusätzlich bietet sie die Möglichkeit, Reflexions-, Wahrnehmungs- und Kommunikationsübungen durchzuführen, die der Selbstqualifizierung im Bereich „sprachförderrelevantes Verhalten“ dienen.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Das Buch „Sprachförderkompetenz – Selbst- und Teamqualifizierung für Erzieherinnen, Fachberatungen und Ausbilder“ von Lilian Fried und Eva Briedigkeit beinhaltet den DO-RESI-Beobachtungsbogen und die Trainings-DVD.

Schulung: Mit Hilfe der DVD kann der Umgang mit DO-RESI eingeübt werden.

Zugänglichkeit: Das Buch „Sprachförderkompetenz – Selbst- und Teamqualifizierung für Erzieherinnen, Fachberatungen und Ausbilder“ (ISBN: 978-3589245123) ist bestellbar bei Cornelsen (s. Links)

Preis: 40,95 Euro

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Dem Tool Do-RESI liegt die Annahme zugrunde, dass die Wirkung von Sprachfördermaßnahmen von vielen verschiedenen Faktoren abhängt und der Sprachförderkompetenz der pädagogischen Fachkräfte dabei eine entscheidende Rolle zukommt (vgl. Halle, Calkins, Berry & Johnson, 2003; Fried, 2006). „Sprachförderkompetenz“ wird dabei definiert als Kompetenz, „die eine Erzieherin braucht, um alle sich in der Praxis stellenden Sprachförderaufgaben und -probleme erfolgreich zu bewältigen bzw. alle sich anbietenden Sprachförderanlässe und -chancen fruchtbar zu machen“ (Fried & Briedigkeit, 2008, S. 8). Vor dem Hintergrund der Einschätzung, dass die kindliche Sprachentwicklung durch die berufliche Handlungskompetenz (vgl. Weinert, 1999) der Fachkraft maßgeblich beeinflusst wird, benennen die Autorinnen aus einer ganzheitlichen Perspektive (d.h. nicht nur die Sprachentwicklung betreffend) heraus verschiedene Interaktionskomponenten mit sprachförderlicher Wirkung. Diese Komponenten wurden auf Basis von Forschungsergebnissen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen entwickelt: Neben Studienergebnissen zur pädagogischen Prozessqualität in Kindergärten (z.B. Tietze, 1998) sowie empirischen Befunden und theoretischen Annahmen zu Einflüssen von Eltern-Kind-Dialogen auf den kindlichen Spracherwerb (z.B. Huttenlocher, Vasilyeva, Cymerman & Levine, 2002) finden auch Forschungsergebnisse zur Interaktion im pädagogischen Alltag von Kindergärten (z.B. Kemple, David & Hysmith, 1997; König, 2009) Berücksichtigung. Auf Grundlage dieser Befunde wurde DO-RESI entwickelt, um den Erzieherinnen und Erziehern konkrete Anhaltspunkte zu liefern, in welchen Bereichen sie ihr Interaktionsverhalten verändern können, um eine bessere Sprachförderung für die Kinder zu ermöglichen.

b) empirische Fundierung

DO-RESI wurde von Lilian Fried und Eva Briedigkeit im Zeitraum zwischen Mitte 2004 und Anfang 2007 entwickelt. Während dieser Zeit wurde das Verfahren mehrfach erprobt und modifiziert. Der endgültige Beobachtungsbogen wurde an 103 Erzieherinnen auf Objektivität, Reliabilität und Validität hin geprüft. Die Objektivität wurde durch die Übereinstimmung der Einschätzung zweier Beobachter an 13 Erzieherinnen berechnet und liegt in einem zufriedenstellenden Bereich. Die Reliabilität, die mittels interner Konsistenz berechnet wurde, zeigt, dass der Beobachtungsbogen sehr zuverlässig misst. Die einzelnen Indikatoren, die jeweils einem Qualitätsbereich zugeordnet sind, erfassen also alle die gleiche Dimension. Um zu überprüfen, ob DO-RESI tatsächlich das misst, was er messen soll (nämlich die sprachförderrelevanten Verhaltensweisen der Erzieherinnen und Erzieher), wurde die Validität geprüft. Mittels zweier unterschiedlicher Verfahren konnten mittlere bis hohe Werte erzielt werden, was ein ausreichendes Ergebnis darstellt.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Dialoge mit Kindern führen (Buch)

Alter: 2; 3; 4; 5; 6

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Rezension zum DO-RESI
https://www.socialnet.de/rezensionen/6080.php [18.02.2021]

Literaturhinweise

Fried, L. (2006).Wissensbasis der Sprachförderkompetenz von ErzieherInnen: ein Forschungsbericht. Dortmund: Universität Dortmund, Fachbereich 12, Lehrstuhl Pädagogik der frühen Kindheit.

Fried, L. & Briedigkeit, E. (2008). Sprachförderkompetenz – Selbst- und Teamqualifizierung für Erzieherinnen, Fachberatungen und Ausbilder. Berlin, Düsseldorf, Mannheim: Cornelsen.

Halle, T., Calkins, J., Berry, D., Johnson, R. (2003). Promoting Language and Literacy in Early Childhood Care and Education Settings. Child Care & Early Education Research Connections (CCEERC). Washington.

Huttenlocher, J., Vasilyeva, M., Cymerman, E. & Levine, S. (2002): Language input and child syntax. Cognitive Psychology, 45, 337-374.

Kemple, K. M., David, G. M., Hysmith, C. (1997). Teacher’s interventions in preschool and kindergarden children’s peer interactions. Journal of Research in Childhood Education 12 (1), 34-47.

König, A. (2009). Interaktionsprozesse zwischen ErzieherInnen und Kindern. Eine Videostudie aus dem Alltag des Kindergartens. Wiesbaden: VS.

Tietze, W. (1998) (Hrsg.). Wie gut sind unsere Kindergärten? Eine Untersuchung zur pädagogischen Qualität in deutschen Kindergärten. Neuwied: Luchterhand.

Weinert, F. E. (1999). Concepts of competence (Contribution within the OECD project. Definition and selection of competencies: Theoretical and conceptual foundations (DeSeCo). Neuchatel: DeSeCo.

Letzte Änderung am: 18.02.2021