Eltern fördern durch Argumentieren – Train the Trainer (EfA-TT)

ProfessionalisierungskonzeptSekundarstufeS4
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen.

Kurzbeschreibung

Kostenlos.

Eltern fördern durch Argumentieren – Train the Trainer (EfA-TT) richtet sich an Eltern 10- bis 14-jähriger Kinder und Jugendlicher, die momentan die Sekundarstufe 1 besuchen. Eltern sollen durch die Teilnahme an einem mehrwöchigen Training dazu befähigt werden, den Erwerb von schulrelevanten Diskursfähigkeiten und Argumentationskompetenzen ihrer Kinder durch implizite Sprachförderung in familialen Alltagsdiskussionen zu unterstützen. EfA-TT kann somit als Förder-Tool im Hinblick auf kommunikative und pragmatische Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe angesehen werden. Es ist aber auch ein Professionalisierungs-Tool für Interessenten und Interessentinnen aus der pädagogischen Fachpraxis mit einem akademischen Abschluss im sprachwissenschaftlichen / pädagogischen / therapeutischen Bereich, die Trainerin oder Trainer im genannten Bereich werden oder sich im Bereich der Elternbeteiligung qualifizieren wollen.

Welches Ziel hat das Tool?

Im Rahmen dieses Tools wird von der nachgewiesenen Tatsache ausgegangen, dass Sprachbildung auch in der Sekundarstufe 1 noch wesentlich in der Familie erfolgt. Das Training ist ein Förder- und Professionalisierungs-Tool, das kommunikative und pragmatische Fähigkeiten bei Sekundarstufenschülerinnen und -schülern fördert. Dies soll erreicht werden, indem spracherwerbsunterstützende Mechanismen in der Familieninteraktion sowie erzieherische Kompetenzen im Umgang mit Eltern-Kind-Konflikten verstärkt werden. Eltern sollen für die bildungssprachliche Relevanz alltäglicher Diskussionen mit ihren Kindern sensibilisiert werden und durch gezielte Gesprächsführung die Argumentationskompetenz ihrer Kinder im Alltag unterstützen. Fachkräfte mit entsprechender fachlicher Expertise können EfA-TT Professionalisierungs-Tool nutzen, um sich zu Trainerinnen oder Trainern weiterzubilden.
Das Tool kann im Rahmen des Moduls S4 „Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten“ angewandt werden.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

EfA-TT richtete sich primär an die Eltern von Kindern in der fünften Jahrgangsstufe (Sekundarstufe I), ist aber grundsätzlich offen für Eltern mit Kindern zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr und dient einer Steigerung der alltagsintegrierten Sprachbildungskompetenzen der Eltern. Primär richtet sich das Training an bildungsferne Familien. Die Didaktik des Trainings ist entsprechend konzipiert. Adressiert werden beispielsweise Familien, die „Diskutieren mit dem Kind“ als eher lästig und hinderlich empfinden. EfA-TT wird auf Deutsch durchgeführt. Das Training setzt aufgrund hoher interaktiver Einbindung von Eltern und der zum Teil schriftlich festzuhaltenden Übungen ausreichende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift voraus. Mehrsprachige Eltern nahmen an den bisherigen Durchläufen des Trainings unter diesen Voraussetzungen erfolgreich teil.

Alle Interessentinnen und Interessenten aus der pädagogischen Fachpraxis können das Tool nutzen, um sich zu Trainerinnen und Trainern weiterzubilden. Für Lehrerinnen und Lehrer kann es auch dazu dienen, Beratungskompetenz im Umgang mit Eltern aufzubauen oder sich in besonderer Weise für die Elternarbeit an Schulen zu qualifizieren. Für die Weiterqualifizierung ist ein akademischer Abschluss im sprachwissenschaftlichen, pädagogischen oder therapeutischen Bereich Voraussetzung. EfA-TT soll nur in Anbindung an eine Institution und nicht zu kommerziellen Zwecken angeboten werden.

Wie funktioniert das Tool?

Das Training besteht aus sieben wöchentlich stattfindenden 90-minütigen Sitzungen, jeweils mit sprachlichem oder psychologischem Schwerpunkt, sowie einer Auffrischungssitzung. EfA-TT ist auf Gruppen von zwei bis maximal sechs zu trainierenden Personen ausgelegt. Allgemein beginnt eine Sitzung mit dem gemeinsamen Betrachten von Anschauungsmaterial (Comic, Video) für das jeweilige inhaltliche Thema, welches detailliert besprochen wird. Die Kernelemente von Interaktionssituationen wie z.B. Zugzwangmechanik, Fordern und Unterstützen, Quality-Time, Emotionsregulationsstrategien etc. werden anschließend im Rahmen von Praxisphasen (z.B. Rollenspiele) eingeübt und neuerlich diskutiert.

Teilnehmende Eltern sollen sich dabei grundsätzlich bestärkt fühlen, Inhalte kritisch zu hinterfragen, eigene, möglicherweise andersartige Erfahrungen einzubringen und hierdurch Diskussionen anzuregen. Diese müssen von den Trainerinnen und Trainern, unter anderem im Hinblick auf die noch verbleibende Zeit und die Passung zum jeweiligen Trainingsthema, adäquat moderiert werden.

Abschließend erhalten die Eltern in jeder Sitzung eine praktische Übungsaufgabe, die sie für die laufende Woche zu Hause erledigen sollten. Dazu gehören beispielsweise die Anwendung neu erlernter Interaktionsmechanismen in einem aufzuzeichnenden Alltagsgespräch mit dem Kind oder das Notieren spezifischer Schlüsselsituationen wie Streitthemen oder erfreuliche Ereignisse.

Einige Wochen nach der siebten Sitzung findet die gemeinsame Abschlusssitzung statt, in der die Trainingsinhalte noch einmal aufgefrischt und an den Familienalltag der Teilnehmenden angepasst werden.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Benötigt wird das gesamte EfA-TT-Material: Arbeitsblätter, Video- und Comicmaterialien, Poster, Puzzle etc. Das Material kann, nach erfolgreicher Registrierung, auf der Homepage der Universität Bielefeld (siehe Linkliste) kostenlos herunterladen werden. Vollständigen Zugriff erhält nur, wer sich mit den Nutzungsbedingungen einverstanden erklärt (z.B. kein wirtschaftliches Interesse, Wahrung des Urheberrechts etc.).

Ferner wird benötigt: Ein Methodenkoffer (Klingel, farbige Stifte, Karteikarten, Notizzettel, farbige Brillen, 2 Pappbecher usw.) sowie gängiges Präsentationsmaterial wie Beamer, Lautsprecher, Laptop, MP3-Player (bzw. aufnahmefähige Mobiltelefone). Eine ausführliche Materialliste steht im Downloadbereich der Universität Bielefeld (siehe Linkliste) zur Verfügung.

Schulung/Fortbildung: Für EfA-TT wurde umfangreiches Schulungsmaterial für die selbstständige Erarbeitung durch die TrainerInnen angefertigt, das kostenlos auf der Homepage (siehe Linkliste) heruntergeladen werden kann. Für die erfolgreiche und konzeptgetreue Umsetzung sollten unbedingt alle Informationsblätter genau gelesen und die Sitzungen sorgfältig vorbereitet werden.

Kosten: EfA-TT ist grundsätzlich kostenlos, sowohl für interessierte Trainerinnen und Trainer als auch für die Zielgruppe (Eltern). Gegebenenfalls fallen Kosten für die Beschaffung des Arbeitsmaterials beziehungsweise des Präsentationsmaterials an. Es ist möglich, dass die durchführenden Einrichtungen einen Kostenbeitrag für die Teilnahme erheben.

Personelle Ressourcen: Idealerweise wird EfA-TT von zwei Trainerinnen bzw. zwei Trainern durchgeführt. Allerdings ist die Durchführung durch eine Trainerin bzw. einen Trainer bei entsprechender selbstständiger Anpassung des Materials grundsätzlich möglich.

Dauer und Häufigkeit der Durchführung: 7 wöchentlich aufeinanderfolgende Sitzungen á 90 Minuten sowie ca. 6 Wochen später eine letzte Auffrischungssitzung.

Dauer der Vor- und/oder Nachbereitung: Ca. 2 Stunden Vorbereitung auf das Training insgesamt, anschließend ca. 1-2 Stunden Vorbereitungsphase vor jeder einzelnen Sitzung.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

EfA-TT wurde im Zuge der BMBF-geförderten Forschungsprojekte FUnDuS II sowie EfA-TT zwischen 2012 und 2019 (weiter)entwickelt. EfA entstand in interdisziplinärer Zusammenarbeit der Standorte Universität Bielefeld und TU Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Elke Wild (Psychologie) und Prof. Dr. Uta Quasthoff (Sprachwissenschaft).

Grundsätzlich liegt dem linguistischen Ansatz des Projektes der Ansatz der interaktionalen Diskursanalyse (DASS: Discourse Acquisition Support System) zugrunde. Die Diskurserwerbstheorie wurde ursprünglich in Anlehnung an den von Bruner entwickelten Begriff „Language Acquisition Support System“ von Hausendorf und Quasthoff (1996) formuliert. DASS expliziert die spracherwerbsunterstützende Wirksamkeit von Gesprächsroutinen der Erwachsenen-Kind-Interaktion, zunächst mit Bezug auf Erzählungen und Erklärungen (Morek 2012; Quasthoff & Kern 2007). Die Theorie leistet die Verbindung zwischen mikrogenetischen Prozessen in der Interaktion (z.B. lokale und globale Zugzwänge) und Erwerbsprozessen und führte zu einem empirisch substantiierten Modell diskursiver Kompetenz mit den drei Facetten Kontextualisierungskompetenz, Vertextungskompetenz und Markierungskompetenz (Quasthoff et al., in Druck). Die Ausweitung auf argumentative Praktiken (Heller, 2012) erfolgte interdisziplinär in FUnDuS I und II (Quasthoff & Domenech, 2016).

In verschiedenen empirischen Kontexten konnten Varianten von drei Interaktionsmustern der Erwachsenen-Kind-Interaktion rekonstruiert werden. Die für die Entwicklung des Trainings zentralen erwerbsförderlichen bzw. -hinderlichen Muster sind Fordern und Unterstützen bzw. Übergehen und Selberlösen. Die Förderlichkeit von Fordern und Unterstützen, dessen Umsetzung in EfA-TT primär angestrebt wird, konnte in FUnDUS gezeigt werden.

Der psychologische Teil von EfA-TT baut auf bewährten Prinzipien psychoedukativer Programme (Beelmann, 2006; Lösel, 2006) sowie den mithilfe der FUnDuS-Daten gewonnenen Erkenntnissen auf. Der Fokus liegt auf den Themen Quality Time, autoritative Erziehung, Lernmechanismen und Emotionsregulation. Die Eltern lenken im Training ihren Blick auf die langfristigen Vorteile einer in der Familie gepflegten „Verhandlungskultur“. Gleichzeitig werden ihnen die Grundprinzipien positiver Erziehung so vermittelt, dass sie adaptiv an die Fähigkeiten und Bedarfe des einzelnen Kindes angepasst werden können. Abschließend werden den Eltern Hilfen zur Bewältigung schwieriger, hoch konfliktärer Interaktionen an die Hand gegeben.

Da vorliegende Evaluationsstudien (Lösel, 2006) und Meta-Analysen (Beelmann, 2006) übungs-, handlungs- und fähigkeitsorientierte sowie interaktive Präventions- und Elternbildungsmaßnahmen als wirksamer ausweisen als Programme, die auf Information oder Aufklärung setzen, nimmt bei EfA-TT die strukturierte Vermittlung konkreter Verhaltenskompetenzen einen breiten Raum ein, die unter Anleitung eingeübt und (im Rahmen von Übungen für zu Hause, die in der folgenden Sitzung durchgesprochen werden) angewendet werden. Hierzu kommen Prinzipien der direkten Instruktion (in Form anschaulich und alltagsnah aufbereiteter Impulsreferate mit Videoclips), des kooperativen Lernens (in Form von Partner- und Gruppenübungen) sowie Techniken der Selbstbeobachtung und -reflexion (v.a. anhand von Aufzeichnungen, auch in Form von Übungen für zu Hause) zum Einsatz.

Das Tool kann somit als theoretisch fundiert angesehen werden.

Weiterführende Literatur zur theoretischen Fundierung & Wirksamkeit v. EfA

Domenech, M. & Krah, A. (2014). What familial aspects matter? Investigating argumentative competences of learners at the beginning of secondary schooling in the light of family-based resources. Learning, Culture and Social Interaction, 77-87.

Hollmann, J., Wild, E., Quasthoff, U., Krah, A. & Otterpohl, N. (2012). Der Erwerb sprachlicher Kompetenzen im Elternhaus – Erste Befunde zur Güte eines Fragebogens zur Erfassung des Anregungsgehalts von Familienkonversationen. Unterrichtswissenschaft, 40, 47–63.

Kluger, C. (demn.) Eltern fördern durch Argumentieren (EfA). Konzeption und Ergebnisse eines Interventionsprogrammes zur Erhöhung elterlichen Unterstützungspotentials in alltäglichen Familiendiskussionen.

Krah, A., Quasthoff, U., Heller, V., Wild, E., Hollmann, J. & Otterpohl, N. (2013). Die Rolle der Familie beim Erwerb komplexer sprachlicher Fähigkeiten in der Sekundarstufe I. In A. Redder & S. Weinert (Hrsg.), Sprachförderung und Sprachdiagnostik. Interdisziplinäre Perspektiven (S. 68–88). Münster: Waxmann.

Quasthoff, U. & Wild, E. (2013). Learning in context from an interdisciplinary perspective. Learning, Culture and Social Interaction. Guest edited special Issue, edited by Uta Quasthoff & Vivien Heller, 69–76.
(Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2210656113000767 [24.02.2020])

Otterpohl, N. & Wild, E. (2015). Cross-lagged Relations among Parenting, Children’s Emotion Regulation, and Psychosocial Adjustment in Early Adolescence. Journal of Clinical Child & Adolescent Psychology, 1, 93–108.

Quasthoff, U., Wild, E., Domenech, M., Hollmann, J., Kluger, C., Krah, A., Otterpohl, N. & Wibbing, J. (2015). Mündliches und schriftliches Argumentieren in der Sekundarstufe I: Können Eltern ihre Kinder beim Erwerb dieser Schlüsselkompetenz unterstützen? In A. Redder, J. Naumann & R. Tracy (Hrsg.), Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung (FiSS) – Ergebnisse (S. 207–234). Münster: Waxmann.

Quasthoff, U. & Kluger, C. (demn.) Familiale Interaktionsmuster als Erwerbsressource im längsschnittlichen Verlauf. Wie nutzen Kinder interaktive Ressourcen zum Ausbau von Argumentationskompetenz?

Schlussbericht des Projekts "Die Rolle familialer Unterstützung beim Erwerb von Diskurs- und Schreibfähigkeiten in der Sekundarstufe I" (FUnDuS, 01 GJ 1207A/B) der Universität Bielefeld und der TU Dortmund: Laufzeit: 01.10.2012–31.01.2016, Berichtszeitraum: 01.10.2012–31.01.2016.

Wild, E., Quasthoff, U., Hollmann, J., Otterpohl, N., Krah, A. & Ohlhus, S. (2012). Die Rolle familialer Unterstützung beim Erwerb von Argumentationskompetenz in der Sekundarstufe I., Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 1, 101–112.

b) Empirische Fundierung

Die Wirksamkeit des Trainings wurde mehrfach im Rahmen quasi-experimenteller Feldstudien mit Kontrollgruppendesign nachgewiesen (Quasthoff et al. 2016). Zunächst wurde EfA in der Entwicklungsphase von projektbeteiligten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern pilotiert und anschließend summativ evaluiert (mit insgesamt 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmern). Die Ergebnisse der Evaluation von EfA waren außerordentlich zufriedenstellend.

Im Rahmen von EfA-TT wurde EfA in Kooperation mit einem Praxispartner für die Durchführung durch Praktikerinnen und Praktikern aufbereitet. Diese Praxis-Fassung wurde erneut pilotiert (zwei Fachkräfte einer sozialen Einrichtung führten das Training mit drei Eltern durch) und anschließend in angepasster Form von zwölf weiteren pädagogischen Fachkräften durchgeführt. Die Grundlage der Durchführung durch die Fachkräfte war ausschließlich das für das Training neu entwickelte Schulungsmaterial. Die wiederum durchgeführte summative Evaluation (quasi-experimentelle Feldstudie mit Kontrollgruppendesign; NEG = 21; NKG = 21) zeigt, dass EfA unter diesen Bedingungen konzeptgetreu umsetzbar ist. Mithilfe eines geeigneten statistischen Verfahrens (ANOVA mit Messwiederholung) wurde überprüft, ob wünschenswerte Veränderung in den (selbst berichteten) Einstellungen und Verhaltensweisen von Eltern statistisch überzufällig häufiger in der Gruppe der trainierten Eltern als in der Kontrollgruppe zu beobachten sind. Ein solcher Effekt zeigte sich in der elterlichen Selbstwirksamkeit sowie im Hinblick auf eine Facette des sprachlichen Anregungsgehalts der Familie: Danach ist von Prä- zu Posttest nur in der Interventionsgruppe ein Anstieg in der elterlichen Überzeugung, dem Kind ein spracherwerbsförderliches Umfeld bieten zu können und in der emotionalen Offenheit der Familienmitglieder zu beobachten. Um auch etwaige Veränderungen im argumentativen Verhalten von Eltern nachzeichnen zu können, wurde den Eltern der Interventions- und Kontrollgruppe in der ersten und siebten Sitzung jeweils eine standardisierte Argumentationsaufgabe vorgelegt, die im Gespräch mit ihrem Kind zu bearbeiten war. So sollten die Eltern mit ihrem Kind beispielsweise die Frage diskutieren, wohin aus ihrer gemeinsamen Sicht die nächste Klassenfahrt gehen soll. Die so evozierten Interaktionen wurden auf Video aufgezeichnet. Die Auswertung der Aufgaben erfolgte mittels ethnomethodologischer Konversationsanalyse: Den Eltern wurden vor dem Training sowie unmittelbar danach verschiedene aus FUnDuS herauspräparierte Interaktionsmuster (Fordern & Unterstützen; Übergehen & Selberlösen; Raumlassen & Akzeptieren) zugewiesen. Die Analysen der Autorinnen und Autoren zeigen, dass einige Eltern bereits vor Beginn des Trainings Fordern und Unterstützen praktizieren. Unter denjenigen, die als Folge des Trainings zum erwünschten Muster wechseln könnten, zeigt eine große Mehrheit den erwünschten Effekt (9 von 12 Eltern). Aus dem Vergleich der Interventionsgruppe mit der Kontrollgruppe ergibt sich ein deutlicher Hinweis auf die Trainingsabhängigkeit der Verhaltensänderungen: Nur in einem Fall findet sich bei EfA-TT ein Wechsel zu Fordern und Unterstützen in der Kontrollgruppe.

EfA-TT wurde von allen Involvierten äußerst positiv aufgenommen. Die zu vermittelnden Inhalte wurden als nachvollziehbar und relevant eingestuft. Die Didaktik des Trainings, welche auf Alltagsnähe und hohe interaktive Beteiligung der Teilnehmenden setzt, sorgt für hohe Akzeptanz und regen Austausch in den Sitzungen. Auf diese Weise wird die Integrierbarkeit in den kommunikativen Alltag der Teilnehmenden gefördert. Knapp 98 Prozent aller Eltern, die das Training besucht haben, würden das Training weiterempfehlen.

Alter: 10; 11; 12; 13; 14

Klassenstufe: 5; 6; 7; 8

Links:

Homepage der Universität Bielefeld zu EfA-TT:
https://www.uni-bielefeld.de/efa-tt/ [18.02.2021]

Downloadbereich für EfA-TT:
https://www.uni-bielefeld.de/efa-tt/5_materialien2.html [18.02.2021]

Literaturhinweise

Beelmann, A. (2006). Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen: Ergebnisse und Implikationen der integrativen Erfolgsforschung. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie, 35 (2), 151–162.

Hausendorf, H. & Quasthoff, U. (1996). Sprachentwicklung und Interaktion: Eine linguistische Studie zum Erwerb von Diskursfähigkeiten bei Kindern. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag. Neu aufgelegt bei: Verlag für Gesprächsforschung: http://www.verlag-gespraechsforschung.de/2005/quasthoff.htm [18.02.2021]

Heller, V. (2012). Kommunikative Erfahrungen von Kindern in Familie und Unterricht. Passungen und Divergenzen. Tübingen: Stauffenburg.

Lösel, F. (2006). Bestandsaufnahme und Evaluation von Angeboten im Bereich der Familienbildung. Materialien des BMFSJ. Verfügbar unter: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/bestandsaufnahme-und-evaluation-von-angeboten-im-elternbildungsbereich/95624 [18.02.2021]

Morek, M. & Heller, V. (2012). Bildungssprache- kommunikative, epistemische, soziale und interaktive Aspekte ihres Gebrauchs. Zeitschrift für angewandte Linguistik, 57, 67–101.

Quasthoff, U. M., Wild, E., Hollmann, J., Krah, A., Otterpohl, N., Kluger, C. et al. (2016). Inhaltlicher Abschlussbericht zum interdisziplinären Verbundprojekt: die Rolle familialer Unterstützung beim Erwerb von Diskurs- und Schreibfähigkeiten in der Sekundarstufe I (FUnDuS). Unveröffentlichter Bericht, Technische Universität Dortmund.

Quasthoff, Uta/Domenech, Madeleine (2016): Theoriegeleitete Entwicklung und Überprüfung eines Verfahrens zur Erfassung von Textqualität (TexQu) am Beispiel argumentativer Briefe in der Sekundarstufe I. In: Didaktik Deutsch, 41, 21–43.

Quasthoff, U. & Kern, F. (2007). Familiale Interaktionsmuster und kindliche Diskursfähigkeit: Mögliche Auswirkungen interaktiver Stile auf diskursive Praktiken und Kompetenzen bei Schulkindern. In H. Hausendorf (Hrsg.), Gespräch als Prozess. Linguistische Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktion (S. 277–306). Tübingen: Gunter Narr.

Letzte Änderung am: 18.02.2021