Fragebogen zur Sicherung des Leseverständnisses der Lektüre „Freunde“ von Helme Heine

von Monika von Rosenzweig

FörderinstrumentPrimarstufeP4
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Materialien, die in der BISS-Laufzeit von 2013 bis 2019 in der Regel aus der Praxis heraus von Verbundteilnehmerinnen und -teilnehmern zur Erreichung ihrer Förderziele entwickelt bzw. weiterentwickelt wurden. Eine wissenschaftliche Prüfung dieser Materialien ist aufgrund des oft kleinen Einsatzgebiets oder einer bislang nicht abgeschlossenen Weiterentwicklung vom Trägerkonsortium nicht durchgeführt worden.

Kurzbeschreibung

Buch: 5.95 Euro, Material: kostenlos.

Der Fragebogen zur Sicherung des Leseverständnisses der Lektüre „Freunde“ von Helme Heine ist ein Tool zur Förderung des Leseverständnisses für Schülerinnen und Schüler in der 1. und 2. Klasse. Das Tool besteht aus Quizbögen mit Fragen zu einzelnen Seiten des Kinderbuches „Freunde“, die von den Kindern in Einzelarbeit beantwortet und eigenständig kontrolliert werden können.

Welches Ziel hat das Tool?

Das Tool Fragebogen zur Sicherung des Leseverständnisses der Lektüre „Freunde“ von Helme Heine dient der Förderung des Leseverständnisses, der Lesefreude und des genauen Lesens. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 1. oder 2. Klasse in der Grundschule und eignet sich für den Einsatz im Modul P4 „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ des Primarbereichs.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Tool kann zur Förderung des Leseverständnisses für Kinder in der ersten und zweiten Grundschulklasse verwendet werden. Neben dem genauen Lesen soll auch Lesefreude gefördert werden. Anhand von Quizbögen, die Fragen zu Bildern und dem Text des Buches „Freunde“ von Helme Heine enthalten, üben sich die Kinder im selbstständigen Lesen. Da die Antworten der Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Lösungsblättern eigenständig kontrolliert werden können, wird zudem die Selbstkontrolle geschult. Die Schülerinnen und Schüler sind durch die im Tool enthaltenen Quizbögen dazu angehalten, die Texte genau zu lesen sowie die enthaltenen Bilder genau zu betrachten. Auf diese Weise sollen sie ein umfassendes Textverständnis gewinnen. Sie sollen Leseschwierigkeiten überwinden, indem sie schwierige Wörter erlesen und sich den Sinn unbekannter Wörter oder schwieriger Sätze durch Nachfragen erarbeiten. Die Fragebögen sind für jede Seite passend entworfen und thematisieren die jeweiligen Inhalte oder Schwierigkeiten. Die Fragesätze wurden möglichst einfach formuliert, damit deren Verständnis durch die Leserinnen und Leser gewährleistet ist. Als Stärke des Tools werden die umfassenden Möglichkeiten zum eigenständigen Arbeiten sowie zur Selbstkontrolle der Schülerinnen und Schüler betont. Darüber hinaus bietet sich das Tool zum ersten Erlesen einer Ganzschrift an und bietet Verknüpfungspunkte zum Thema „Freundschaft“. Das Tool enthält keine Materialien zum Thema Mehrsprachigkeit, kann aber nach Aussagen der Autorin in Richtung Mehrsprachigkeit erweitert werden, da das Buch in 17 anderen Sprachen verfügbar ist.

Wie funktioniert das Tool?

Zu Beginn der Arbeit mit dem Tool erhalten alle Schülerinnen und Schüler eine eigene Ausgabe des Buches „Freunde“ von Helme Heine, das diese nach einer ersten Sichtung seitenweise in Einzelarbeit lesen. Beginnend mit der Titelseite der Lektüre „Freunde“ enthält das Tool zu jeder einzelnen Seite Quizbögen mit Fragen, deren Beantwortung nur möglich ist, wenn die Bilder genau angesehen bzw. Texte genau gelesen und verstanden wurden. Die Fragen auf den Quizbögen können mit Hilfe unterschiedlicher Antwortformate beantwortet werden. So sind neben Mehrfachwahlaufgaben auch offene Fragen, Lese-Mal-Aufgaben oder Fragen enthalten, bei welchen Lückenwörter eingesetzt werden können. Vor Beginn der Bearbeitung können die Schülerinnen und Schüler gegebenenfalls eine Einführung in die „Quizbogentechnik“ bekommen, in welcher sie genauere Informationen zur Beantwortung der verschiedenen Frageformate erhalten.

Während der gesamten Dauer der Beschäftigung mit dem Tool (zwischen 2 und 5 Wochen) soll die Eigenständigkeit der Schülerinnen und Schüler gefördert werden. Im Vordergrund steht neben dem selbstständigen Lesen auch das autonome Arbeiten mit den Quizbögen. Mittels eines Lösungsblatts können die Schülerinnen und Schüler selbstständig überprüfen, ob ihre Antworten richtig sind. Hierfür können Lehrkräfte den Kindern zu Beginn der Arbeit mit den Quizbögen gegebenenfalls eine Einführung in Techniken der Selbstkontrolle anbieten. Insgesamt haben die Lehrkräfte oder andere Kinder stets die Möglichkeit, Hilfestellungen zu geben, wenn Schwierigkeiten beim Leseverstehen oder der Bearbeitung der Aufgaben entstehen.

Vor der Verwendung des Tools sollte die Lehrkraft einschätzen, ob die Schülerinnen und Schüler Buchstaben, Silben oder lauttreue Wörter noch nicht lesen können. Unter diesen Umständen benötigen sie Unterstützung beim Lesen der Lektüre. Generell ist zu beachten, dass die Schülerinnen und Schüler nach dem Lesen jeweils ausreichend Gelegenheit erhalten, unbekannte Wörter zu erfragen. In der Mitte der ersten Klasse kann zudem die Überprüfung der Graphem-Phonem-Korrespondenz und der phonologischen Rekodierfähigkeit erfolgen (vgl. Hingst, Heimbucher & von Rosenzweig, 2008).

Zum Buch „Freunde“ von Helme Heine werden von der Autorin weitere Projekte genannt, die sich an das Lesen der Lektüre anschließen können. Neben der Durchführung kleiner Rollen- oder Schattenspiele oder der Erstellung eines Lesetagebuchs bietet es sich an, dass die Schülerinnen und Schüler das Buch in einer anderen Gruppe (z.B. Kita oder Schulanfänger) vorlesen. Anschließen kann sich auch eine Unterrichtseinheit zum Thema „Freundschaft“.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Zur Durchführung wird ein Klassensatz der Taschenbuchausgabe „Freunde“ von Helme Heine benötigt. Das Tool enthält von der Autorin entwickelte Fragen zum Text, Lösungsbögen sowie einige Sprachübungen. Zum Visualisieren verschiedener Aspekte können von der Lehrkraft Plakate erstellt werden, die vor allem leseschwachen Schülerinnen und Schülern eine hilfreiche Orientierung bieten (zum Beispiel ein Plakat mit den Abbildungen und Namen der Tiere). Darüber hinaus bieten sich Schnellhefter an, in welchen die Kinder die Quizbögen abheften können.

Zugänglichkeit: Interessierte Lehrkräfte können das Tool auf Anfrage/nach Rücksprache bei Monika von Rosenzweig (E-Mail: mvon_rosenzweig@web.de) erhalten. Das Buch „Freunde“ von Helme Heine kann im Buchhandel bestellt werden (ISBN 978-3-407-76004-3) und kostet 5,95 Euro.

Schulung: Eine Schulung der Lehrkräfte zur Durchführung des Tools ist nicht erforderlich.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das Tool wurde von Monika von Rosenzweig im Rahmen einer Weiterbildung des Goethe-Instituts mit dem Titel „Kinder lernen anders: Deutsch als Zweitsprache in der Grundschule“ im Jahr 2007 entwickelt.

Grundlage des Tools bildet das Konzept des „Kieler Leseaufbaus“ (Dummer-Smoch & Hackethal, 2007), welches ursprünglich entwickelt worden war, um Kindern mit Leselernschwierigkeiten einen alternativen Zugang zum Lesen zu ermöglichen. Im Rahmen dieses Leselehrgangs, der in 14 Stufen unterschiedlicher Dauer eingeteilt ist, wird nach dem Grundsatz „Vom Leichten zum Schweren“ vorgegangen (Dummer-Smoch & Hackethal, 2007). Ziel ist es, die Lesekompetenz auf einer bestimmten Stufe zu sichern, um auf dieser Basis zu höheren Lesekompetenzstufen zu gelangen. Am Ende der 1. Klasse, in welcher der Leselehrgang nach den Prinzipien des Kieler Leseaufbaus organisiert wurde, ist das Lesen eines ganz normalen, nicht vereinfachten Buches, eine Herausforderung, da jede einzelne Textseite in sich verschiedene Schwierigkeiten bietet. Die Fragebögen zielen darauf ab, die jeweiligen Schwierigkeiten zu entlasten, indem sie diese explizit klären. Das selbstständige Lesen des gesamten Textes in Teilschritten, gestützt durch die vorliegenden Fragebögen, stellt für die Erstklässler einen wichtigen Meilenstein dar: ein Buch selbst lesen und verstehen zu können. Das heißt, der vorangegangene Leselehrgang (in Stufen) wurde erfolgreich durchlaufen und das Kind kann nun (zumindest ansatzweise) mit Textschwierigkeiten umgehen. Die Fragen des Tools bewegen sich auf dem Kompetenzniveau 1, auf welchem die Schülerinnen und Schüler Informationen im Text bzw. im Text-Bildzusammenhang wiederfinden.

Im Tool nehmen zudem das eigenständige Arbeiten sowie die eigenständige Selbstkontrolle einen zentralen Stellenwert ein. Die Selbstständigkeit wird als bedeutsame Kompetenz angesehen, an welche mit diesem Tool herangeführt werden soll. Indem schwierige Wörter erfragt und geklärt werden, entwickeln Kinder eine Fragehaltung und lernen, Textschwierigkeiten nicht einfach hinzunehmen, sondern zu überwinden.

b) empirische Fundierung

Die Tool-Entwicklerin Monika von Rosenzweig gibt an, dieses Tool bereits in mehreren Klassen durchgeführt und die Erfahrung gemacht zu haben, dass die Quizbögen und ihre Kontrolle den Kindern eine direkte Rückmeldung über das Verstehen geben und diesen direkt ihren Erfolg zeigen. Eine unabhängige empirische Überprüfung oder Evaluation des Verfahrens im Hinblick auf eine Steigerung des Leseverständnisses, genaues Lesen oder Lesefreude liegt jedoch noch nicht vor.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Antolin

ELFE II – Ein Leseverständnistest für Erst- bis Siebtklässler – Version II

Salzburger Lesescreening für die Klassenstufen 1-4 (SLS 1-4)

Würzburger Leise-Leseprobe-Revision. Ein Gruppentest für die Grundschule (WLLP-R)

Alter: 5; 6; 7; 8

Klassenstufe: 1; 2

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Textfragen zum Kinderbuch „Freunde“ von Helme Heine, Materialheft mit Fragebögen, Erläuterungen und Lösungen [PDF, 9MB]
https://www.nibis.de/uploads/1heihoke/ibus/freunde.pdf [23.02.2021]

Informationen zum Konzept „Kieler Leseaufbau“
https://docplayer.org/20221273-Der-kieler-leseaufbau.html [23.02.2021]

Literaturhinweise

Dummer-Smoch, L. & Hackethal, R. (2007). Kieler Leseaufbau. Handbuch. Kiel: Veris Verlag.

Heine, Helme (2014). Freunde. 12. Auflage. Weinheim: Beltz.

Hingst, W., Heimbucher, C. & von Rosenzweig, M. (2008). Lese-Rechtschreibschwäche kann verhindert werden. Braunschweig: Westermann.

Letzte Änderung am: 23.02.2021