Hamburger Schreibprobe 3 und 4-5 (HSP 3 und HSP 4-5)

DiagnoseÜbergang Elementar/PrimarstufePrimarstufeP2
gelber Punkt Das Verfahren entspricht überwiegend den Minimalstandards. Optimierungsbedarf besteht hinsichtlich der Objektivität der Online-Auswertung, wenn vom Kind Items nicht ausgefüllt wurden: Lehrkräfte sollen dann eine von ihnen vermutete Schreibweise eingeben, die sie nach Einschätzung des Lernstandes des betreffenden Kindes für realistisch halten. Dies eröffnet Interpretationsspielraum und gefährdet die Objektivität. Da es sich um ein Testverfahren handelt, wird eine Anwendung nur durch diagnostisch geschultes Personal empfohlen.

Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Preis: 34,95 Euro Details

Die Hamburger Schreibprobe 3-4 ist Bestandteil der umfangreichen Hamburger Schreibprobe 1-10. Ziel der Hamburger Schreibprobe ist es, die Rechtschreibleistung von Kindern der Klassen 1-10 zu überprüfen sowie die Kompetenzen bei der Nutzung verschiedener Rechtschreibstrategien zu erfassen. Die Untertests HSP 3 sowie HSP 4-5 können ab Mitte der dritten Klasse bis Anfang der fünften Klasse von Lehrkräften eingesetzt werden. Die HSP ist für die Einschätzung individueller Lernstände und klassenbezogener Leistungen geeignet.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 22.04.2020

Welches Ziel hat das Tool?

Die HSP 3-4 ist ein Diagnostik-Tool. Mit Hilfe der HSP 3-4 lassen sich die individuelle Rechtschreibleistung von Schülerinnen und Schülern sowie die Anwendung grundlegender Rechtschreibstrategien ökonomisch erfassen. Die HSP 3-4 kann im Modul P2 „Intensive sprachstrukturelle Förderung“ angewendet werden.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Die HSP 3-4 dient dazu, die individuelle Rechtschreibleistung von Schülerinnen und Schülern ab Mitte der Klasse 3 bis zum Anfang der Klasse 5 zu erfassen. Mit dem Test, der als Einzel- oder Gruppentest durchführbar ist, können der Lernstand und die Lernentwicklung der Schülerinnen und Schüler in der Rechtschreibung kontinuierlich dokumentiert werden. Der Test kann von Lehrkräften durchgeführt werden. Er enthält außerdem allgemeine Hinweise zur Förderung orthografischer Kompetenzen. Mehrsprachigkeit wird nicht berücksichtigt.

Wie funktioniert das Tool?

Um die Rechtschreibkompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler zu erfassen, können (Deutsch-)Lehrkräfte je nach Klassenstufe die HSP-Hefte für dritte (HSP 3) oder vierte Klassen (plus Anfang fünfte Klasse, HSP 4-5) anwenden. Benötigt werden dazu die Hefte mit Hinweisen zur Durchführung und Auswertung sowie die zugehörigen Testhefte für die Schülerinnen und Schüler. 

Die Lehrkraft verteilt die Testhefte an die Schülerinnen und Schüler und erläutert, dass der Test eine besondere Form des Diktats ist. Die Testhefte haben jeweils vier Seiten, auf denen die Schülerinnen und Schüler im ersten Teil Wörter und im zweiten Teil Sätze aufschreiben, die von der Lehrkraft diktiert werden. Dabei sollen die Wörter unbedingt in der „normalen“ Alltagssprache vorgelesen werden, ohne gezielte Sprechhilfen. Auf den ersten zwei Seiten des Heftes befinden sich Strichzeichnungen, die die vorgelesenen Wörter abbilden, auf den Seiten drei und vier Strichzeichnungen zu den vorgelesenen Sätzen. Die Durchführung soll so gestaltet werden, wie es der Lehrkraft pädagogisch sinnvoll erscheint. So dürfen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise vor Beginn des Tests Vermutungen über die Bedeutung der Strichzeichnungen äußern. In der HSP 3 für dritte Klassen befinden sich auf den Seiten eins und zwei insgesamt 15 Wörter, in der HSP 4-5 für vierte Klassen sind es 16 Wörter. Die Lehrkraft diktiert die Wörter je Seite nicht einzeln, sondern liest alle Wörter einer Seite auf einmal vor, bevor die Schülerinnen und Schüler beginnen. Diese Vorgehensweise ermöglicht es jeder Schülerin und jedem Schüler, seinem oder ihrem eigenen Schreibtempo zu folgen. Zu jedem Wort gibt es eine Erinnerungshilfe in Form der Strichzeichnung des vorgelesenen Wortes. Sollte ein Schüler oder eine Schülerin ein Wort vergessen haben, darf er oder sie nachfragen. Auf den Seiten drei und vier der Testhefte werden dann Sätze einzeln diktiert. In der HSP 3 sind dies vier, in der HSP 4-5 sind es fünf Sätze. Die Sätze dürfen bei Bedarf mehrfach wiederholt werden. Auf der letzten Seite des Testheftes stehen Tierrätsel zur Verfügung, die Schülerinnen oder Schüler lösen können, wenn sie bei einer Gruppentestung vor den anderen Kindern mit den Aufgaben fertig werden. Bei der Auswertung wird das Tierrätsel aber nicht berücksichtigt. Eine zeitliche Begrenzung der Bearbeitungszeit wird im Testmanual nicht angegeben. 

Für die HSP 3 und HSP 4-5 stehen zwei Auswertungsmöglichkeiten zur Verfügung, manuell oder online. Beide Möglichkeiten werden im Heft mit den Durchführungs- und Auswertungshinweisen zur HSP mit Hilfe unterstützender Grafiken beschrieben. Die manuelle Auswertungsdauer wird mit ca. 15 Minuten angegeben, die Online-Auswertung mit 5 Minuten je Testheft. Im Testpaket sind Auswertungsschablonen enthalten, die bei der manuellen Auswertung verwendet werden.

Die Rechtschreibleistung kann in drei grundlegenden Kategorien ausgewertet werden:
(1) Anzahl richtig geschriebener Wörter
(2) Anzahl richtig geschriebener Grapheme
(3) Beherrschung grundlegender Rechtschreibstrategien

Die erste Kategorie - die Anzahl korrekt geschriebener Wörter - dient zur Ermittlung grober Vergleichsergebnisse, z.B. für größere Erhebungen in mehreren Schulen oder Klassen. Hier werden bei der Auswertung die richtig geschriebenen Wörter summiert.

Die zweite Kategorie - die Anzahl richtig geschriebener Grapheme - dient einer differenzierteren Einschätzung des Rechtschreibkönnens. Zur manuellen Auswertung wurden alle Lösungsworte in einem Auswertungsschema in einzelne Grapheme aufgegliedert. Die Anzahl der korrekt geschriebenen Grapheme (Graphemtreffer) wird summiert.

Die Beherrschung grundlegender Rechtschreibstrategien soll Auskunft über die fundamentalen Zugriffsweisen von Kindern auf Schrift geben. Dazu wird die Schreibweise sogenannter definierter Lupenstellen in den Wörtern ausgewertet. In der HSP 3 werden hier Lupenstellen für die sog. alphabetische Strategie, die orthografische Strategie und die morphematische Strategie angesehen, bei der HSP 4-5 wird zusätzlich die wortübergreifende Strategie ausgewertet (kurze Erläuterung der Strategien s. Abschnitt Wie ist das Tool theoretisch fundiert?). Außerdem werden überflüssige orthografische Elemente und Oberzeichenfehler betrachtet.

Zur Interpretation der Ergebnisse stehen für die HSP 3 Vergleichstabellen für Mitte und Ende der dritten Klasse und für die HSP 4-5 Tabellen für Anfang und Mitte der vierten Klasse sowie den Anfang der fünften Klasse zur Verfügung. In den Tabellen wird dem individuellen Ergebnis eines Kindes ein Prozentrang zugeordnet. Dieser gibt Auskunft darüber, wie viel Prozent der Kinder dieses Alters eine bessere oder gleich gute bzw. schlechtere Rechtschreibleistung gezeigt haben im Vergleich zum jeweils betrachteten Kind.

Für das Abschneiden im Hinblick auf die Rechtschreibstrategien kann darüber hinaus ein Profil erstellt werden. Das Profil zeigt, ob es große Unterschiede in der Beherrschung der Rechtschreibstrategien gibt oder diese relativ gleichmäßig kompetent angewendet werden.

Für die Online-Auswertung befindet sich auf jedem Testheft ein Auswertungscode. Dieser muss auf der Seite www.hsp-plus.de eingegeben werden. Die Fehlschreibungen von Schülerinnen und Schülern werden in einer Maske eingegeben. Als Ergebnis erhält der Testleiter oder die Testleiterin alle oben beschriebenen Werte der HSP, ein Strategieprofil für einzelne Schülerinnen und Schüler, Strategieprofile für alle Schülerinnen und Schüler sowie eine Klassenliste. Die Auswertungsdauer ist mit etwa fünf Minuten je Testheft angegeben. Das Vorgehen bei der Online-Auswertung wird im Manual detailliert beschrieben. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sich der Testleiter oder die Testleiterin vor Verwendung der Online-Auswertung mit den Kriterien der Auswertung auseinandergesetzt haben sollte, um die Ergebnisse sinnvoll interpretieren zu können.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Für die Durchführung der HSP 3 und HSP 4-5 gibt es jeweils ein Handbuch sowie entsprechende Testhefte (in 5er-Packs, die je nach Bedarf bestellt werden) mit Auswertungsschablonen. Für ausführlichere Hintergrundinformationen sollte man das HSP-Handbuch für alle Stufen zusätzlich anschaffen. Neben dem Testmaterial werden zwei Stifte (davon ein Ersatzstift) benötigt.

Auswertung: Die Auswertung kann manuell und online erfolgen. Beide Auswertungsmöglichkeiten sind im Handbuch ausführlich beschrieben. Für die Online-Auswertung findet sich auf jedem Testheft ein entsprechender Auswertungscode.

Durchführungsdauer: Der Test hat keine zeitliche Begrenzung. Als Erfahrungswert geben die Autoren an, dass die Bearbeitung auch bei leistungsschwachen Schülern weniger als eine Unterrichtsstunde beansprucht. Die Auswertungsdauer wird mit ca. 15 Minuten pro Kind für die manuelle und fünf Minuten für die Online-Auswertung angegeben.

Schulung: Eine zusätzliche Schulung ist nicht erforderlich, und der Test kann vom Lehrpersonal selbst durchgeführt werden. Alle benötigten Informationen sind im beiliegendem Manual enthalten.

Preis: 5 Testhefte kosten jeweils 6,95 Euro. Die Auswertungsgshefte HSP 3 und HSP 4-5 kosten jeweils 17,95 Euro. Das Handbuch für alle Stufen kostet 34,95 Euro.

Zugänglichkeit: Das Testverfahren kann beim Hogrefe-Verlag bestellt werden (s. Links).

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Die HSP wurde von Peter May entwickelt, ihre Wurzeln reichen bis 1983 zurück, als der Autor in seiner Funktion als Schulpsychologe gebeten wurde, ein Diagnoseverfahren vorzuschlagen, mit dem möglichst frühzeitig Kinder entdeckt werden, die einer Leserechtschreibförderung bedürfen.

Die (bis dato praktizierte) Auszählung korrekt geschriebener Wörter erwies sich als zu wenig differenzierend, als dass ein möglicher Förderbedarf hinsichtlich Rechtschreibkompetenzen frühzeitig erkannt werden konnte. Der Autor der Hamburger Schreibprobe (HSP) entwickelte daraufhin die Auswertung auf Graphemebene (May, 1985), die in der HSP entsprechend verwendet wird. Die HSP geht von entwicklungstheoretischen Stufenmodellen des Schriftspracherwerbs aus (ohne hier allerdings ein konkretes Modell zu nennen). Basierend auf der Idee solcher Stufenmodelle werden die Schreibungen der Kinder danach analysiert, mit welcher (bereits erworbenen) Rechtschreibstrategie sie Wörter verschriftlichen. Dies wird dadurch möglich, dass die Auswertung vorrangig auf Phonem-Graphem-Ebene (Lautebene-Schriftzeichenebene) erfolgt und nicht mehr nur auf der Basis ganzer Wörter. Entsprechend wird bei der HSP jede Wortstelle einer Strategie zugeordnet. May (2013) beschreibt, dass ein Kind zunächst intuitiv bestimmte Regeln lernt. Wenn eine Regel aber wiederholt und zunehmend systematisch das Rechtschreibhandeln steuert, kann von der Anwendung einer Strategie gesprochen werden. Es lassen sich vier Hauptstrategien unterscheiden: Logographemische Strategie, alphabetische Strategie, orthographische Strategie und morphematische Strategie (ab der vierten Klasse wird daneben auf die wortübergreifende Strategie eingegangen).

Sämtliche Strategien, bis auf die logographemische, werden in der HSP erfasst. Warum die logographemische Strategie nicht erfasst wird, wird vom Autor selbst nicht weiter erläutert. Bei der logographemischen Strategie wird die Schreibung von Wortteilen (z. B. Wortanfänge) und Wörtern logographemisch gemerkt. Das bedeutet, dass sich ein Kind eine Buchstabenfolge als Bild einprägt, ohne einen Lautbezug herzustellen.

  • Die alphabetische Strategie beinhaltet, dass ein Lautbezug zu den Buchstaben hergestellt wird und eigens ausgesprochene Wörter mit Hilfe der erlernten Buchstaben analysiert werden können.
  • Unter der orthographischen Strategie werden die wichtigsten orthographischen Regelungen (wie z.B. Längezeichen „ah“ in Fahrrad) zusammengefasst.
  • Die Anwendung der morphematischen Strategie bedeutet, dass eine Schreiberin oder ein Schreiber in der Lage ist, Wörter in ihre Bausteine aufzugliedern und daraus die Schreibung eines Wortes abzuleiten (z. B. Staub ist mit staubig verwandt, deshalb „b“ am Ende).
  • Neben diesen Strategien muss eine weitere Strategie, die wortübergreifende Strategie, angewandt werden, bei der neben einzelnen Wörtern und Satzzeichen auch größere sprachliche Einheiten (wie z.B. ganze Sätze) beachtet werden müssen. Ein Beispiel für eine wortübergreifende Strategie wäre die Identifizierung der Wortart für Groß- oder Kleinschreibung.

Im Manual findet sich eine ausführliche Beschreibung, wie die Zuordnung von Wortstellen zu den einzelnen Strategien konkret durchgeführt wird. Nach May (2013) erlernen die Kinder diese Strategien in der oben genannten Reihenfolge. Beherrscht ein Kind eine Strategie ausreichend, stehen ihm Ressourcen zur Verfügung, um sich mit weiteren Aspekten des Schreibens zu befassen und auf dieser Grundlage die nächst „höhere“ Strategie zu erlernen. Die bereits erlernte Strategie wird zunehmend automatisiert. In der Regel werden mehrere Strategien eingesetzt, um ein ganzes Wort zu schreiben.

In der HSP werden neben den Strategien die Oberzeichenfehler (wie z.B. fehlende „i“-Punkte) erfasst. May (1994) konnte zwar zeigen, dass die Fehler bei Oberzeichen nur gering mit der Rechtschreibleistung zusammenhängen, aber tendenziell häufiger bei schwächeren Rechtschreibern vorkommen. Zudem ergibt die Auswertung dieses Kennwertes nach May (2013) Hinweise auf eine geringe Sorgfalt oder mangelnde Aufmerksamkeitskontrolle beim Schreiben.

Die Auswahl der in der HSP verwendeten Wörter bezieht sich auf keinen bestimmten Grund- oder Übungswortschatz, sondern diese sind so gewählt, dass sie einen „sorgfältig bestimmten Ausschnitt orthografischen Wissens und Könnens“ (May, 2013, S. 14) erfassen und wichtige Rechtschreibphänomene berücksichtigen.

Die HSP kann als theoretisch fundiert gelten.

b) empirische Fundierung

Um zu überprüfen, inwieweit die HSP Gütekriterien entspricht, die eine Fehlerminimierung bei der Leistungserfassung mit Hilfe von Testverfahren gewährleisten sollen (weil jeder Test mit einem Messfehler behaftet ist), wurden verschiedene Kennwerte bestimmt. Um die Zuverlässigkeit (Reliabilität ) des Tests zu bestimmen, wurde die sog. interne Konsistenz des Tests ermittelt. Dabei zeigte sich eine hohe Zuverlässigkeit für die Graphemtreffer (die Werte liegen für die HSP 3 und HSP 4-5 zwischen .97 und .98). Auf Wortebene zeigte sich ebenfalls eine ausreichend hohe Zuverlässigkeit (zwischen .92 und .94 für die HSP 3 und HSP 4-5). Insgesamt fielen die Werte aber etwas geringer aus als auf Graphemebene, was auf die geringe Anzahl zu schreibender Wörter im Vergleich zu den zu schreibenden Graphemen zurückgeführt wird. Auch die Zuverlässigkeit der Strategien ist geringer als für die Graphemtreffer, jedoch insgesamt hinreichend (sie liegt für die HSP 3 zwischen .82 und .92, für die HSP 4-5 zwischen .75 und .92). Die Zuverlässigkeit der Messung der HSP wurde außerdem erfasst über die Stabilität der Testergebnisse, in Form einer Wiederholungsmessung, und zwar nach sechs und nach zwölf Monaten. Dabei ergaben sich hohe Zusammenhänge der Werte zwischen den Messzeitpunkten. Die Ergebnisse des Verfahrens sind demnach als zuverlässig einzuschätzen.

In Bezug auf die Frage, ob der Test auch tatsächlich das misst, was er zu messen vorgibt, kann davon ausgegangen werden, dass die Inhaltsvalidität des Testverfahrens gegeben ist. Zudem wurde die konvergente Validität (Zusammenhang mit Lehrerurteilen, z.B. May, Malitzky und Vieluf, 2001; Zusammenhang mit anderen Rechtschreibtests) überprüft. May (2013) bietet in tabellarischer Form eine Übersicht über die Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen der HSP und den Lehrerinnen- und Lehrerurteilen mit Angabe der Quellen. Insgesamt waren die Überein-stimmungen zufriedenstellend. Ein Überblick über den Zusammenhang zwischen der HSP und anderen Rechtschreibtests findet sich ebenfalls im Manual. Hier sind allerdings die entsprechenden Quellenangaben nicht mit aufgeführt und entsprechende Literaturangaben sind nicht ersichtlich.

Aufgrund standardisierter Instruktionen und Auswertung kann die HSP als überwiegend objektiv eingestuft werden. Für die Auswertungsobjektivität wurde für eine Vorform der HSP 3, die seit 1985 erprobt wurde, die Übereinstimmung von drei Auswertern bezüglich der Graphemtreffer ermittelt, was eine Übereinstimmung von 99 Prozent ergab. Es gibt jedoch bei der online-Auswertung eine etwas problematische Stelle in den Hinweisen zur Auswertung abweichender oder fehlender Wörter: Lehrkräfte werden aufgefordert, eine von ihnen vermutete Schreibweise einzugeben, die sie nach Einschätzung des Lernstandes des betreffenden Kindes für realistisch halten.

Die HSP wurde im Jahre 2012 vollständig neu normiert. Die Größe der Normierungsstichprobe wird dabei je HSP-Version für das gesamte Bundesgebiet, für Stadtstaaten und großstädtische Ballungsgebiete sowie getrennt nach Bundesländern aufgeführt. Dabei wurden für die Versionen HSP 3 insgesamt 45400 Kinder untersucht und für die HSP 4-5 für die vierten Klassen 43491 Kinder sowie Anfang der fünften Klasse 20082 Kinder. In den zugehörigen Auswertungsheften zur HSP können Vergleichswerte für Graphemtreffer, richtig geschriebene Wörter und die jeweils erfassten Strategien nachgelesen werden, und zwar für Deutschland gesamt, für Ballungsgebiete und für den Anfang der fünften Klasse Vergleichswerte für Deutschland gesamt, getrennt nach Schulformen.

Die HSP kann als empirisch fundiert gelten (s. jedoch obige Anmerkung zur Auswertungsobjektivität: Eingabe einer „vermuteten Schreibung“ bei fehlenden Wörtern).

Alter: 8; 9; 10; 11

Klassenstufe: 3; 4; 5

Links:

Homepage der Hogrefe Testzentrale mit Bestellmöglichkeit:
https://www.testzentrale.de/shop/hamburger-schreib-probe-1-10-90204.html [26.02.2021]

Literaturhinweise

May, P. (1993). Vom Umgang mit Komplexität beim Schreiben. Herausbildung orthographischer Kompetenz als erweiterte Rekonstruktion sprachlicher Strukturen. In S. Richter, H. Brügelmann (Hrsg.), Bedeutungen erfinden – im Kopf, mit Schrift und miteinander. Bd. 5 DGLS-Jahrbuch. Konstanz: Faude.

May, P. (1994). Jungen und Mädchen schreiben „ihre“ Wörter: Zur Rolle der persönlichen Bedeutung beim Lernen. In S. Richter, H. Brügelmann (Hrsg.), Mädchen lernen anders als Jungen (S. 83-98). Konstanz: Libelle.

May, P. (2013). Hamburger Schreibprobe (HSP 1-10). Hamburg: Verlag für pädagogische Medien.

May, P., Malitzky, V., & Vieluf, U. (2001). Rechtschreibtests im Vergleich: Wie stellt man deren Güte fest und wie besser nicht? Anmerkungen zur Kritik von Tacke, Völker und Lohmüller an der HSP. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 48, 146-152.

Hinweis:
Die Verfahren (Tools), die Sie hier finden, werden in der Bund-Länder Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) eingesetzt und wurden bislang aus wissenschaftlicher Sicht als empfehlenswert identifiziert. Aspekte der praktischen Anwendbarkeit werden in der Projektlaufzeit ergänzt. Verfahren mit einer grünen Kennzeichnung genügen wissenschaftlichen Minimalstandards. Verfahren mit einer gelben Kennzeichnung genügen überwiegend diesen Minimalstandards zeigen jedoch Optimierungsbedarfe, auf die in vorangestellten Anmerkungen hingewiesen wird.
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeter Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 26.02.2021