Heidelberger Interaktionstraining für pädagogisches Fachpersonal zur Förderung ein- und mehrsprachiger Kinder

ProfessionalisierungskonzeptElementarbereichE1E2
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen.

Kurzbeschreibung

Preis: 420,00 Euro.

Das Heidelberger Interaktionstraining ist ein Professionalisierungstool in Form eines Trainings. Es richtet sich an pädagogisches Fachpersonal im Elementarbereich und findet im Rahmen einer mehrtägigen Fortbildung statt. Ziel ist die Sensibilisierung des Fachpersonals für alltagsintegrierte Sprachfördermöglichkeiten und das Erlernen von Handlungskompetenzen. Der Fokus liegt dabei auf Kindern mit Schwierigkeiten in der Sprachentwicklung.

Welches Ziel hat das Tool?

Das Heidelberger Interaktionstraining dient der Professionalisierung und soll dem pädagogischen Fachpersonal im Elementarbereich Möglichkeiten zur alltagsintegrierten Sprachförderung für sprachauffällige Kinder aufzeigen und nutzbar machen. Es kann im Modul E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“ und im Modul E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“ eingesetzt werden.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Heidelberger Interaktionstraining ist für die Förderung der sprachlichen Kompetenz von sprachauffälligen Kindern in Alltagssituationen in der Krippe und der Kita konzipiert. Es geht hierbei nicht um das Einüben bestimmter Sprachformen zu einem festgelegten Zeitpunkt. Das Fachpersonal soll vielmehr befähigt werden, Sprachfördermöglichkeiten zu erkennen und zu nutzen. Zielgruppe der Förderung sind sprachauffällige Kinder, die ein- oder mehrsprachig aufwachsen. Zielgruppe des Trainings sind Erzieherinnen und Erzieher oder Tagesmütter und Tagesväter.

Wie funktioniert das Tool?

Die Fortbildung findet an sechs Terminen im Abstand von drei bis vier Wochen statt. Sie besteht aus theoretischen und praxisorientierten Bausteinen. Zu Beginn wird Basiswissen zum Ablauf der frühen Sprachentwicklung, Störungen der Sprachentwicklung, Früherkennung von Sprachauffälligkeiten und Besonderheiten bei Mehrsprachigkeit vermittelt. Darauf aufbauend werden verschiedene Techniken und Strategien im Umgang mit sprachauffälligen Kindern erarbeitet (z.B. Einsatz des Bilderbuches, gezielte Fragen zur Sprachanregung, Sprachspiele). Im Rahmen von Rollenspielen werden diese in Kleingruppen eingeübt. Ein zentraler Bestandteil der Fortbildung ist die Supervision eigener Videosequenzen, die eine Interaktionssituation mit einem sprachauffälligen Kind in der eigenen Einrichtung zeigen.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Schulung: Es gibt kein frei verfügbares Manual. Das Training wird im Rahmen einer Fortbildung durchgeführt. Diese ist in festen Kleingruppen von max. 15 Teilnehmern organisiert. Die Fortbildung besteht aus sechs Terminen zu je fünf Unterrichtseinheiten (á 45 Minuten). Die Termine finden im Abstand von drei bis vier Wochen statt. Bei ausreichender Teilnehmerzahl kann die Fortbildung auch vor Ort stattfinden.

Zugänglichkeit: Buchung und weitere Informationen über das Frühinterventionszentrum in Heidelberg (s. Links ).

Preis: Die Kosten betragen pro Person 420,- Euro für die gesamte Fortbildung (bei Seminaren vor Ort zzgl. Reisekosten der Referentin oder des Referenten).

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das Fortbildungskonzept des Heidelberger Interaktionstrainings wurde von Buschmann und Jooss (2010) entwickelt. Es basiert auf dem Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung (Buschmann, 2009), in welchem die Eltern eines sprachauffälligen Kindes zu einer gezielten sprachförderlichen Interaktion angeleitet werden.

Grundlage ist die Annahme, dass Erzieherinnen oder Erzieher als Sprachvorbild mit Hilfe qualitativ hochwertiger sprachlicher Interaktionen in der Kita den Spracherwerb entscheidend unterstützen können. Studien haben allerdings aufgezeigt, dass das pädagogische Fachpersonal sprachförderliche Interaktionssituationen oftmals nicht vollständig nutzt (vgl. Buschmann, Simon, Jooss & Sachse, 2010). Insbesondere benutzen Erzieherinnen oder Erzieher mit sprachauffälligen Kindern einen ungünstigen Interaktionsstil, z.B. sprechen sie direktiver mit dem Kind (Girolametto, Weitzman, van Lieshout & Duff, 2000, zitiert nach Buschmann et al., 2010). Gleichzeitig konnte in dieser Studie gezeigt werden, dass ein günstigerer (responsiver) Interaktionsstil der Erzieherinnen und Erzieher die Variationsbreite kindlicher Äußerungen positiv beeinflusst. Darüber hinaus verdeutlichen weitere Forschungsergebnisse, , dass eine Trainingsmaßnahme positive Effekte auf das sprachförderliche Interaktionsverhalten von Erzieherinnen und Erzieher haben kann (vgl. Buschmann et al., 2010).

b) empirische Fundierung

Zur Überprüfung der Effektivität des Trainingsprogramms wurden jeweils eine Evaluationsstudie in der Krippe (Buschmann & Jooss, 2011) und in der Kita durchgeführt (Simon & Sachse, 2011, 2013).

An der Studie in der Krippe nahmen 30 Erzieherinnen mit 28 sprachverzögerten Kindern teil. Die Erzieherinnen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe nahm am Heidelberger Interaktionstraining teil, die andere Gruppe (Vergleichsgruppe) erhielt eine konventionelle Fortbildung zum Thema alltagsintegrierte Sprachförderung. Vor und nach dem Training wurden die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder untersucht. Es zeigte sich, dass diejenigen Kinder, deren Erzieherinnen am Heidelberger Interaktionstraining teilgenommen haben, im Mittel eine bessere Sprachproduktion aufwiesen als die Kinder der anderen Gruppe.

An der Studie in der Kita nahmen zu allen Testzeitpunkten 34 Erzieherinnen mit 117 sprachlich schwächeren Kindern teil. Ebenfalls wurden die Erzieherinnen in zwei Gruppen aufgeteilt, wovon die eine am Heidelberger Interaktionstraining teilnahm und die andere Gruppe (Vergleichsgruppe) an einer eintägigen Fortbildung zur kindlichen Sprachentwicklung. Die Erzieherinnen wurden zusammen mit ihnen jeweils zugewiesenen sprachlich schwachen Kindern vor und nach dem Training sowie fünf Monate später untersucht. Betrachtet wurden die sprachliche Leistung der Kinder (standardisierte Tests und Videoaufzeichnung), sowie das Interaktionsverhalten der Erzieherinnen (Videoaufzeichnung). Die Videodaten zeigten, dass sich in der Trainingsgruppe mit dem Heidelberger Interaktionstraining das sprachliche Interaktionsverhalten der Erzieherinnen sowie die Sprechfreude der Kinder verbessert hatten. Allerdings konnte zwischen den Gruppen kein Unterschied bei der durch Testverfahren erhobenen sprachlichen Leistung der Kinder gezeigt werden. Nur die sprachlich schwächsten Kinder zeigten eine stärkere Verbesserung gegenüber der Vergleichsgruppe.

Beide Studien geben somit Hinweise darauf, dass das Heidelberger Interaktionstraining sich positiv auf das Interaktionsverhalten und bestimmte Bereiche der sprachlichen Entwicklung der Kinder auswirken kann.

Alter: 0; 1; 2; 3; 4; 5; 6

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Buchung der Fortbildung und weitere Informationen
https://www.fruehinterventionszentrum.de/ [18.02.2021]

Literaturhinweise

Buschmann, A. (2009). Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung. Trainermanual. München: Urban & Fischer.

Buschmann, A. & Jooss, B. (2010, März). Heidelberger Trainingsprogramm zur frühen Sprachförderung. Überblick über das Konzept. Vortrag auf der Interdisziplinären Tagung über Sprachentwicklungsstörungen (ISES 6), Rostock.

Buschmann, A. & Jooss, B (2011). Alltagsintegrierte Sprachförderung in der Kinderkrippe: Effektivität eines sprachbasierten Interaktionstrainings für pädagogisches Fachpersonal. Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis, 43, 303-312.

Girolametto, L., Weitzman, E., van Lieshout, R. & Duff, D. (2000). Directiveness in teachers’ language input to toddlers and preschoolers in day care. Journal of Speech, Language and Hearing Research, 43, 1101-1114.

Simon, S. & Sachse, S. (2011). Sprachförderung in der Kindertagesstätte - Verbessert ein Interaktionstraining das sprachförderliche Verhalten von Erzieherinnen? Empirische Pädagogik, 25, 462-480.

Simon, S. & Sachse, S. (2013). Anregung der Sprachentwicklung durch ein Interaktionstraining für Erzieherinnen. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 8, 379-397.

 

Für weitere Informationen:

Buschmann, A., Jooss, B., Simon, S. & Sachse, S. (2010). Ein sprachbasiertes Interaktionstraining für ErzieherInnen („Heidelberger Trainingsprogramm“) zur alltagsintegrierten Sprachförderung in Krippe und Kindergarten – Konzept und Evaluation. In K. Fröhlich-Gildhoff, I. Nentwig-Gesemann & P. Strehmel. (Hrsg.), Forschung in der Frühpädagogik, Bd. 3 (S. 107-133). Freiburg: Verlag FEL.

Letzte Änderung am: 18.02.2021