Kollegiale Hospitation (kollegiales Coaching)

ProfessionalisierungskonzeptElementarbereichPrimarstufeSekundarstufeE1E2E3E4E5E6P1P2P3P4S1S2S3S4S5
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen.

Kurzbeschreibung

Kostenlos.

Kollegiale Hospitation ist eine Weiterbildungsform, bei der sich Kolleginnen und Kollegen gegenseitig im Unterricht besuchen, beobachten und kriteriengeleitet Rückmeldungen geben. Sie kann zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in allen Altersstufen und BiSS-Modulen eingesetzt werden.

Welches Ziel hat das Tool?

Hospitationen werden zur Professionalisierung von Lehrpersonen durchgeführt. Es gibt bezogen auf Schulform, Klassenstufen etc. keine Einschränkungen. Auch pädagogische Fachkräfte in Kitas können durch kollegiale Hospitationen professionalisiert werden. Kollegiale Hospitationen lassen sich keinem bestimmten BiSS-Modul zuordnen. Sie können zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in allen Modulen eingesetzt werden. Laut Miller (2004) ist Hospitation „eine der effektivsten Lernformen in der Lehrerfortbildung“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Kollegiale Hospitationen dienen dazu, die Unterrichtsqualität durch die Förderung von beobachtenden, analytischen und reflexiven Fähigkeiten der Lehrpersonen sowie die Verbesserung der Feedbackkultur und der Teamfähigkeit zu optimieren. Das Ziel der Hospitation ist nicht die Beurteilung der Lehrkompe-tenz des Unterrichtenden, sondern das gemeinsame Lernen und die persönliche Entwicklung. Kollegiale Hospitationen zielen insbesondere darauf ab, das Qualitätsbewusstsein von Lehrpersonen zu steigern. Dadurch bedingte Verbesserungen des Unterrichtshandelns können bessere Lernbedingungen für Schülerinnen und Schüler nach sich ziehen. Auf individueller Ebene kann kollegiale Hospitation durch eine verbesserte Selbstkompetenz zu einer höheren Berufszufriedenheit führen.

Wie funktioniert das Tool?

Die Durchführung der kollegialen Hospitation umfasst drei Phasen: (1) die Vorbesprechung zwischen den Lehrpersonen, (2) den Unterrichtsbesuch und (3) das Feedbackgespräch (z.B. Kempfert & Ludwig, 2010). Im Rahmen der Vorbesprechung werden die jeweiligen Beobachtungsfragen geklärt. Die hospitierte Lehrperson kann beispielsweise der hospitierenden Lehrperson Beobachtungsaufträge erteilen (z.B. „Sind meine Arbeitsaufträge sprachlich klar verständlich formuliert?“). Vor der Durchführung der kollegialen Hospitation sollten Feedback-Regeln erarbeitet und besprochen werden; z.B. Positives wird hervorgehoben, Negatives jedoch nicht verschwiegen (Schwenke, 2013). Während der Hospitation nimmt ein Kollege oder eine Kollegin (des gleichen oder eines anderen Faches) als Gast am Unterricht eines Kollegen oder einer Kollegin teil. Im Sinne einer zielorientierten und kriteriengestützten Beobachtung macht die hospitierende Lehrperson Notizen oder protokolliert den Unterricht bezogen auf die zuvor besprochenen Beobachtungsschwerpunkte. Der Einsatz von Protokollbögen oder Beobachtungskarten kann dabei sinnvoll sein (z.B. Bildungsserver Berlin Brandenburg, n.d.; Kramer, 2011). Das Feedbackgespräch, das im Anschluss an den Unterricht oder zu einem späteren vereinbarten Termin stattfinden kann, dient der konstruktiven Rückmeldung zu den vereinbarten Beobachtungsschwerpunkten und deren gemeinsamer Reflexion. Im Dialog erarbeiten die Lehrpersonen neue Erkenntnisse, besprechen ihr Wissen und ihre Erfahrungen und erhöhen somit ihre Professionalität.

Kollegiale Hospitationen finden meistens in Tandems oder Dreiergruppen statt, damit die Rolle der hospitierten Lehrperson und des hospitierendes Gasts gewechselt werden kann. Die Triade ist dann dem Tandem vorzuziehen, wenn die Sorge besteht, dass die zuerst hospitierende Lehrperson nicht offen und ehrlich genug Feedback gibt, weil sie danach selbst beobachtet werden wird. Die Dreiergruppe kann dann so organisiert werden, dass keine gegenseitige Beobachtung stattfinden muss.

Kollegiale Hospitationen ermöglichen einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch und die Weitergabe von didaktischem Wissen. Durch den kollegialen Austausch können neue Ideen und Kompetenzen entwickelt werden. Kollegiale Hospitationen bieten dabei Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für beide Seiten an: sowohl für die hospitierte Lehrperson durch das erhaltene Feedback als auch für den hospitierenden Gast durch seine Beobachtungen. Zur Gewährleistung einer vertrauensvollen, konstruktiven Feedbackkultur, ist es empfehlenswert, dass die kollegiale Hospitation von hierarchiegleichen Kolleginnen und Kollegen ausgeführt wird.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Ggf. Beobachtungsbögen (z.B. Bildungsserver Berlin Brandenburg, n.d.)

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

Nach derzeitigem Kenntnisstand liegen keine theoretischen oder empirischen Fundierungen für kollegiale Hospitationen vor.

Alter: 0; 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10; 11; 12; 13; 14; 15; 16; 17; nicht festgelegt

Klassenstufe: Kita; 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10; Sek II; nicht festgelegt

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Beispiele für Beobachtungsbögen
https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/schule/schulentwicklung/modellversuche-schulversuche/abgeschlossene-modell-und-schulversuche/archiv/kuqs/beobachtungsboegen/ [19.02.2021]

Literaturhinweise

Bildungsserver Berlin Brandenburg (n.d.). Beobachtungsbögen zur kollegialen Hospitation. Verfügbar unter:
https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/schule/schulentwicklung/modellversuche-schulversuche/abgeschlossene-modell-und-schulversuche/archiv/kuqs/beobachtungsboegen/ [19.02.2021].

Kempfert, G. & Ludwig, M. (2010). Kollegiale Unterrichtsbesuche. Besser und leichter unterrichten durch Kollegen-Feedback. Weinheim und Basel: Beltz.

Kramer, M. (2011). Konstruktives Feedback: Beobachtungskarten für Unterrichtsbesuche. Beltz.

Miller, R. (2004). 99 Schritte zum professionellen Lehrer. Erfahrungen, Impulse, Empfehlungen. Seelze: Friedrich.

Schwenke, J. (2013). Kollegiale Hospitation. Erfahrungen aus einem Berliner Modellvorhaben. Grundschule aktuell, 121, 10-12. Verfügbar unter: https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/schule/schulentwicklung/Modellversuche_Schulversuche/kuqs/Kollegiale_Hospitation_Erfahrungen.pdf [19.02.2021].

Letzte Änderung am: 19.02.2021