Lautlesetandem

FörderkonzeptPrimarstufeSekundarstufeP3S1

Qualitätscheck: (Für Erläuterungen mit der Maus auf die Zahlen und Punkte zeigen.)

Zielbereich Altersgruppe Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Wirksamkeit
11 7 bis 15* grüner Punkt grüner Punkt gelber Punkt

* Subgruppe: insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit geringer Leseflüssigkeit

Kurzbeschreibung

Preis: 29,95 Euro. (Details)

Beim Tool Lautlesetandem handelt es sich um ein Instrument zur Förderung der Leseflüssigkeit insbesondere bei Schülerinnen und Schülern, deren Leseflüssigkeit nicht ausreichend ausgebildet ist. Das Tool gehört zu den Lautleseverfahren und wird im Unterricht kooperativ im Tandem von zwei Kindern bzw. Jugendlichen gemeinsam umgesetzt. Es kann sowohl in der Primarstufe als auch in der Sekundarstufe angewendet werden und eignet sich für den Einsatz in der zweiten bis zehnten Klassenstufe.

Welches Ziel hat das Tool?

Das Tool Lautlesetandem dient der Förderung der Leseflüssigkeit. Lautlesetandems werden vorrangig in der Grundschule ab der 2. Klasse eingesetzt und sind im Primarbereich dem Modul P3 „Diagnostik und Förderung der Leseflüssigkeit“ zuzuordnen. Auch in der Sekundarstufe können Lautlesetandems für die Förderung von besonders leseschwachen Schülerinnen und Schülern in Modul S1 „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit“ zum Einsatz kommen.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Tool Lautlesetandem kann zur Förderung der Leseflüssigkeit angewendet werden. Dabei dient es zur Steigerung der Lesegenauigkeit, der Automatisierung sowie der Lesegeschwindigkeit und eignet sich sowohl für die Anwendung in der Primar- als auch in der Sekundarstufe (Klassen 2 bis 10). Beim Tool handelt es sich um eine Form des kooperativen Lernens, bei welchem jeweils zwei Schülerinnen und Schüler gemeinsam einen Text lesen. Bei der Zusammenstellung der Tandems achtet die Lehrkraft auf ein Leistungsgefälle: Im Tandem lesen jeweils besser lesende Schülerinnen und Schüler (Tutorinnen und Tutoren) zusammen mit schwächer lesenden Schülerinnen und Schülern (Tutandinnen und Tutanden). Ziel der Lautlesetandems ist es, dass die Tutandinnen und Tutanden nach einem längeren Übungszeitraum immer längere Textpassagen fehlerfrei vorlesen können. Mehrsprachigkeit wird im Tool nicht berücksichtigt.

Das Tool kann grundsätzlich auch für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache eingesetzt werden. Bei diesen Kindern ist es jedoch angezeigt, sie in zusätzlichen, kleineren Gruppen entsprechend ihres je spezifischen Bedarfs zu fördern.

Wie funktioniert das Tool?

Beim Tool Lautlesetandem handelt es sich um eine Methode des kooperativen Lernens, die zur Förderung der Leseflüssigkeit im Klassenverband in der zweiten bis zur zehnten Klasse eingesetzt werden kann. Das Tool ist den Lautleseverfahren zuzuordnen (vgl. Rosebrock, Nix, Rieckmann & Gold, 2013).

Im Unterricht werden Lautlesetandems so zusammengestellt, dass stets jeweils besser lesende Schülerinnen und Schüler (Tutorinnen und Tutoren) zusammen mit schwächer lesenden Schülerinnen und Schülern (Tutandinnen und Tutanden) arbeiten. In der Übungssituation sitzen zwei Schülerinnen und Schüler nebeneinander und lesen von einem gemeinsamen Exemplar des gleichen Textes zusammen halblaut vor. Dabei fungieren die Tutorinnen und Tutoren jeweils als Lesemodell, indem sie sich an die Lesegeschwindigkeit der Tutandinnen und Tutanden anpassen und beim Lesen zur Orientierung den Finger am Text mitführen. Bei Lesefehlern haben die schwächer lesenden Schülerinnen und Schüler jeweils vier Sekunden Zeit, um sich selbst zu korrigieren. Geschieht dies nicht, so korrigiert der jeweilige Tutor bzw. die Tutorin, und beide beginnen erneut mit dem Lesen am Anfang des zuletzt gelesenen Satzes. Hat der Tutand bzw. die Tutandin im Verlauf der Übung das Gefühl, keine Unterstützung mehr zu brauchen, kann er bzw. sie das „Alleine-Lesen-Zeichen“ geben. Dieses Zeichen signalisiert, dass der Tutand bzw. die Tutandin nun alleine weiterlesen kann. Die Tutorinnen und Tutoren können darüber hinaus unterstützend in den Leseprozess eingreifen, indem sie Lob aussprechen.

Zur Umsetzung des Tools wurde eine Rahmenhandlung entwickelt, die auf einer Analogie zwischen sportlichem Wettkampf und Lesen beruht: So findet das Lautlesetandem im Unterricht im Rahmen einer „Lesemeisterschaft“ statt, für welche die Tandems jeweils gemeinsam „trainieren“. Durch die Konzentration auf den sportlichen Charakter des Lesetrainings sollen die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass sich Leseflüssigkeit ebenfalls durch Übung bzw. ein Training steigern lässt. Daneben wirkt die Einbettung in einen sportlichen Wettkampf motivierend und hilft den Schülerinnen und Schülern dabei, die klare Rollenverteilung zwischen „Lese-Trainer“ (Tutorin bzw. Tutor) und „Lese-Sportler“ (Tutandin bzw. Tutand) zu akzeptieren. So vermeidet man auch eine Stigmatisierung. (Rosebrock & Nix, 2008).

Das Tool Lautlesetandems erfordert von der Lehrkraft im Vorfeld eine sorgfältige Planung: Sie erläutert den Schülerinnen und Schülern das Verfahren, stellt die Lesetandems zusammen, wählt geeignete Texte aus, stellt diese in Readern („Trainingsetappen“) zusammen und überwacht sowie begleitet das Lesetraining. Für eine gute Einführung des Tools sind nach Rosebrock et al. (2013) drei Unterrichtseinheiten nötig: In der ersten Stunde wird das Verfahren präsentiert sowie die Analogie zum Sport hergestellt. Die zweite Stunde nutzt man zur Einübung der Trainingsmethode sowie zur Erläuterung der Rollen, die Tutorinnen und Tutoren sowie Tutandinnen und Tutanden innerhalb des Trainings einnehmen. Die Einteilung der Tandems (z.B. anhand von Lückentexten zur Einschätzung der Lesegeschwindigkeit oder Lautleseprotokollen) sowie die Wiederholung der Regeln finden in der dritten Unterrichtseinheit statt. Im Anschluss an die Einführung können die Schülerinnen und Schüler das Verfahren selbstständig durchführen.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Die Lehrkraft erstellt zur Durchführung von Lautlesetandems eine Auswahl an Lesetexten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die Kinder inhaltlich interessieren. Eine genaue Beschreibung des Tools und dessen Durchführung sowie umfassende Materialien für die Durchführung im Unterricht finden sich im Buch „Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe“ von Cornelia Rosebrock, Daniel Nix, Carola Rieckmann und Andreas Gold (s. Zugänglichkeit).

Schulung/Fortbildung: Das Verfahren ist selbsterklärend.

Kosten: Das Buch „Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe“ von Rosebrock et al. kostet 29,95 Euro. Nutzt man eigene/andere Materialien zur Erstellung der Lesetandems, ist dies in der Regel kostenfrei bzw. sind die Kosten variabel. Die zeitlichen Ressourcen für die Vorbereitung müssen berücksichtigt werden.

Personelle Ressourcen: Die Durchführung erfolgt unterrichtsintegriert durch eine Lehrkraft.

Dauer der Durchführung: Die Lautlesetandems sollten mindestens dreimal pro Woche für jeweils 15 bis 20 Minuten gemeinsam lesen. Der Förderzeitraum kann dabei variieren: Als übliche Werte werden sechs bis acht Wochen angegeben. Es ist jedoch auch möglich, über ein gesamtes Schulhalbjahr mit dem Tool zu arbeiten. Dabei können die jeweiligen Lesetandems je nach Lesekompetenz von der Lehrkraft immer wieder neu zusammengesetzt werden.

Zugänglichkeit: Das Buch von Rosebrock et al. (2013) ist im Buchhandel erhältlich: ISBN-10: 3780010739.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Bis heute gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Verfahren zur Förderung der Lesefähigkeit (vgl. NICHD, 2000; Rosebrock & Nix, 2008). Das Lautlesetandem gehört dabei zu den Lautleseverfahren, einer expliziten Trainingsform, bei welcher durch das laute Lesen von Texten oder Textpassagen zur Steigerung der Lesekompetenz beigetragen werden soll (Rosebrock & Nix, 2008). Lautleseverfahren sind vor allem in der angelsächsischen Schulpraxis etabliert.

Beim Tool Lautlesetandems handelt es sich um eine Variante des paired reading, welches Keith Topping (2006) im angloamerikanischen Raum zur Steigerung der Leseflüssigkeit entwickelte. Paired reading ist eine Form kooperativen Lernens, in welcher Lesepaare (ebenfalls bestehend aus Tutorin bzw. Tutor und Tutandin bzw. Tutand) gemeinsam einen Text laut lesen und dabei den Finger mitführen. Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „Leseflüssigkeit“ an der Goethe-Universität in Frankfurt wurde die Methode des paired readings im Jahr 2011 zu den Lautlesetandems adaptiert sowie praktisch erprobt (Nix, 2011) und in einem Materialband publiziert (Rosebrock et al., 2013).

Das didaktische Modell der Lesekompetenz von Rosebrock und Nix (2008) bildet die theoretische Grundlage des Tools. Das Modell beschreibt und differenziert verschiedene Ebenen des Lesens, die während des Leseprozesses ablaufen und miteinander interagieren. Im Modell wird auf diese Weise verdeutlicht, auf welchen Ebenen Maßnahmen zur Leseförderung ansetzen können. Neben der Prozessebene, die neben der Wort- und Satzidentifikation auch die Bildung von Kohärenz (d.h. das Schaffen von sinnvollen Zusammenhängen zwischen Wörtern in einem Text) umfasst, enthält das Modell auch eine Subjektebene und eine soziale Ebene. Zur Subjektebene gehören Komponenten wie beispielsweise motivationale Faktoren sowie das lesebezogene Selbstkonzept. Eine gelingende Anschlusskommunikation über Gelesenes ist der sozialen Ebene zuzuordnen (vgl. Rosebrock & Nix, 2008).

b) empirische Fundierung

Das Lautlesetandem wurde in einer Studie von Nix (2011) umfassend evaluiert. Untersucht wurde dabei, ob sich die Leseflüssigkeit von Schülerinnen und Schülern aus sechs Hauptschulklassen verbessert und ob sich Transfereffekte auf das Textverständnis, die Lesemotivation und das lesebezogene Selbstkonzept der Lernenden einstellen. Hierbei konnte man die Wirksamkeit des Lautlesetandems belegen. Schülerinnen und Schüler, die ein Schulhalbjahr lang dreimal pro Woche mit Lautlesetandems trainiert hatten, zeigten nach dem Training signifikant bessere Leistungen im Salzburger Lese-Screening und im Leseverständnistest ELFE 1-6 als die Kontrollgruppe, konnten also schneller lesen und Texte besser verstehen als Schülerinnen und Schüler, die nicht an der Förderung teilgenommen hatten. Kinder mit Deutsch als Zweitsprache profitieren dabei ebenso von dem Training wie Kinder mit Deutsch als Muttersprache. Daneben zeigen die empirischen Ergebnisse, dass nicht nur die Tutandinnen und Tutanden vom Lautlesetandem profitieren, sondern auch die Tutorinnen und Tutoren (Nix, 2011).

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Lautleseverfahren (repeated reading; wiederholtes Lautlesen; chorisches Lesen)

Lautleseprotokoll

Lückentexte zur Einschätzung der Lesegeschwindigkeit

Alter: 7; 8; 9; 10; 11; 12; 13; 14; 15

Klassenstufe: 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

„Wenn das Lesen noch immer stockt“ - Artikel von Daniel Nix, Carola Rieckmann und Isabel Trenk-Hinterberger in der Zeitschrift „Forschung Frankfurt“ (3/07):
https://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/36050058/Wenn_das_Lesen_____11_.pdf [03.02.2021]

Literaturhinweise

NICHD – National Institute of Child Health and Human Development (2000): Report of the National Reading Panel: Teaching Children to read – An evidence‐based assessment of the scientific research literature on reading and its implications for reading instruction. Washington DC. Verfügbar unter: https://www.nichd.nih.gov/publications/pubs/nrp/Pages/smallbook.aspx [03.02.2021]

Nix, D. (2011). Förderung der Leseflüssigkeit. Theoretische Fundierung und empirische Überprüfung eines kooperativen Lautlese‐Verfahrens im Deutschunterricht. Weinheim und München: Juventa.

Rosebrock, C. & Nix, D. (2008). Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren GmbH.

Rosebrock, C., Nix, D., Rieckmann, C. & Gold, A. (2013). Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar‐ und Sekundarstufe. 2. Auflage. Seelze: Klett/Kallmayer.

Topping, K. J. (2006). Paired Reading: Impact of a tutoring method on reading accuracy, comprehension and fluency. In T. Rasinski, C. Blachowicz & K. Lems (Hrsg.), Fluency Instruction: Research-based best practices (S. 173-191). New York: The Guilford Press.

Letzte Änderung am: 03.02.2021