Lesespiele mit Elfe und Mathis

FörderinstrumentElementarbereichÜbergang Elementar/PrimarstufePrimarstufeSekundarstufeP3P4

Qualitätscheck: (Für Erläuterungen mit der Maus auf die Zahlen und Punkte zeigen.)

Zielbereich Altersgruppe Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Wirksamkeit
12 (4 bis 6)*
6 bis 10
(11 bis 13)**
grüner Punkt grüner Punkt gelber Punkt

*  Subgruppe: Vorschule zur Vermittlung von Buchstabenwissen oder Förderung bei sehr gut begabten Kindern

** Subgruppe: bei extrem leistungsschwachen Kindern als Ergänzung zu therapeutischen Maßnahmen bis zur 6. Klasse

Kurzbeschreibung

Bei Lesespiele mit Elfe und Mathis handelt es sich um ein computerbasiertes Programm zur Förderung des Leseverständnisses für Kinder der Klassenstufe 1-4 (Primarbereich). Für sehr leistungsschwache Kinder kann das Programm ergänzend zu therapeutischen Maßnahmen bis zur Klassenstufe 6 angewendet werden, bei sehr begabten Kindern auch im Vorschulbereich zur Vermittlung von Buchstabenwissen.

Mit dem Tool können Lesefertigkeiten eingeübt, vertieft und automatisiert werden. Es umfasst die vier Arbeitsbereiche Laute und Silben, Wörter, Sätze sowie Texte und Strategien mit jeweils verschiedenen Aufgabentypen und Niveaustufen und einem großen Aufgabenpool.

Welches Ziel hat das Tool?

Bei Lesespiele mit Elfe und Mathis handelt es sich um ein Förderinstrument in Form eines computerbasierten Übungsprogramms, das der Einübung, Vertiefung und Automatisierung von Lesefertigkeiten dient. Gefördert wird das Leseverständnis.
Das Tool eignet sich für den Einsatz in den Modulen P3, P4.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Lesespiele mit Elfe und Mathis kann von Lehrkräften und/oder Therapeutinnen oder Therapeuten eingesetzt werden, um mit computerbasiertem Übungsmaterial spielerisch das Leseverständnis auf verschiedenen Niveaus zu fördern.

Adressaten sind Kinder der Grundschulklassen 1-4, bei ihnen wird das Tool als Ergänzung zum regulären Leseerwerb zur Förderung des Leseverständnisses eingesetzt. Ferner eignet sich Lesespiele mit Elfe und Mathis für den Einsatz bei sehr leistungsschwachen Kindern als Ergänzung zu therapeutischen Maßnahmen bis zur Jahrgangsstufe 6. Außerdem adressiert werden sehr begabte Kinder in der Vorschule, zur Vermittlung von Buchstabenwissen oder Förderung. Mehrsprachigkeit wird in dem Tool nicht berücksichtigt.

Wie funktioniert das Tool?

Um die Lesespiele mit Elfe und Mathis durchführen zu können, muss das Programm zunächst auf einem Computer installiert werden. Das Trainingsprogramm kann dann von den Kindern weitgehend selbstständig bearbeitet werden, jedoch wird empfohlen, dass jedem Kind während der gesamten Durchführung eine geeignete Betreuungsperson zur Verfügung steht. Vor dem Trainingsbeginn sollten sich Lehrkräfte und/oder Therapeutinnen und Therapeuten gut mit Inhalten und Bedienung des Programms vertraut machen.

Vor Trainingsbeginn muss sich die Betreuungsperson einen Überblick über das Leistungsprofil des jeweiligen Kindes verschaffen. Angepasst an den Lernstand wählt die Betreuungsperson dann entweder ein Klassenprofil aus (Das Kind soll Aufgaben bearbeiten, die jeweils der Klassenstufe 1-4 zugeordnet werden). Alternativ kann auch ein individuelles Profil für das Kind angelegt werden, was jedoch mehr Aufwand bedeutet, gleichzeitig bietet die Auswahl des Profils nach Klassenstufen lediglich eine grobe Anpassung an den individuellen Lernstand des Kindes. Eine weitere Möglichkeit zur Anpassung des Programms an die Bedürfnisse der Kinder besteht darin, Testergebnisse gängiger Lesetests einzugeben wie beispielsweise von ELFE 1-6 (Lenhard & Schneider, 2006), HAMLET 3-4 (Lehmann, Peek & Poerschke, 2006), WLLP-R (Schneider, Blanke, Faust & Küspert, 2011), SLRT (Landerl, Wimmer & Moser, 1997), SLRT-II (Moll & Landerl, 2010) und SLS 1-4 (Mayringer & Wimmer).

Es wird empfohlen, eine tägliche Trainingsdauer von 20 Minuten nicht zu überschreiten, das entspricht je nach Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit des Kindes zwei bis vier Übungen pro Tag. Die gewünschte Bearbeitungszeit kann von der Betreuungsperson vor dem Training eingestellt werden. Um das komplette Programm zu durchlaufen, werden mindestens 20 Sitzungen benötigt, je nach Leistungsstand dauert es länger. Es wird empfohlen, wöchentlich ein bis zwei Trainingssitzungen durchzuführen.

Die Übungen des Trainings sind in eine altersgemäße Rahmenhandlung aus dem Elfenland eingebettet, gemeinsam mit den Figuren Elfe und Mathis hat das Kind die Aufgabe, auf einer Geheimmission das geheimnisvolle Alphabetikon aus einer Koboldfestung zurückzuerobern. Dazu durchläuft jedes Kind Aufgaben verschiedener Übungstypen zu den vier Inhaltsbereichen Laute und Silben, Wörter, Sätze sowie Texte und Strategien, die jeweils durch eine Etage eines Bücherlabyrinths symbolisch dargestellt sind. Jeder dieser vier Inhaltsbereiche besteht aus fünf verschiedenen Übungstypen und jede Übung muss in drei verschiedenen Niveaustufen absolviert werden.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Es wird das Training Lesespiele mit Elfe und Mathis benötigt, sowie ein Computer mit folgenden Voraussetzungen:

  • Betriebssystem: Windows Vista, Windows 7, Windows 8 (Desktop Modus), Windows 10 oder Mac OS X
  • Bildschirmauflösung 1.024x768 oder größer
  • Prozessor: Pentium IV oder neuerer Prozessor
  • Arbeitsspeicher: 1GB oder mehr
  • Graphikkarte mit 64 MG RAM oder mehr
  • Soundkarte und Lautsprecher oder Kopfhörer

Schulung: Es ist keine Schulung notwendig. Es wird jedoch empfohlen, dass sich die Betreuungsperson intensiv mit dem Inhalt und der Bedienung des Programms auseinandersetzt.

Kosten: Als Einzel-Variante kostet das Tool 89,00 Euro, als Klassenlizenz 378,00 Euro und als Netzwerkversion für eine Schule 398,00 Euro.

Zugänglichkeit: Sämtliches Material ist beim Hogrefe Verlag bestellbar (siehe Links). Die Einzelvariante ist außerdem im Buchhandel erhältlich.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das Tool beruht auf einer Verknüpfung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Psychologie, Sonderpädagogik und praktischer lerntherapeutischer Arbeit. Die Autorinnen und der Autor begründen die Auswahl der Übungen sowie die Bedeutung der Übungen für den Leseerwerb mit einschlägiger Literatur. Darüber hinaus legen sie Wert auf positive Verstärker, die die Motivation der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler beim Leseerwerb langfristig aufrechterhalten sollen. Sie argumentieren, dass Defizite der kognitiven Leistungsfähigkeit schnell zu Motivationsverlust oder gar Angst vor einem bestimmten Schulfach führen können, andererseits bewirken auch mangelnde Motivation, Angst und ein negatives Selbstkonzept ihrerseits schlechte Lernergebnisse (Lenhard & Lenhard, 2013). Beide Faktoren stehen in Wechselwirkung, daher wird ein Kontext befürwortet, der den Kindern Freude bereitet und die Motivation auch bei kognitiven Hürden aufrechterhält.

Daher entwickelten die Autorinnen und der Autor verschiedene Arten von Verstärkern wie die informelle Verstärkung, die Rückmeldung über Erfolg, bzw. Misserfolg bietet (Bangert-Downs, Kulik & Morgan, 1991). Die Kinder bekommen eine unmittelbare Rückmeldung, ob eine Aufgabe richtig bearbeitet wurde und können zudem über eine Fortschrittsanzeige ihre bisherige Lösungsquote einsehen. Ferner kommen sekundäre, visuell-materielle Verstärker zum Einsatz, wenn Kinder für jede abgeschlossene Aufgabe einen Edelstein sammeln oder den Schlüssel zum nächsten Stockwerk erhalten und damit aufsteigen. Als letztes Motivationselement betonen die Autorinnen und der Autor die Möglichkeit, die Spielfigur geschlechtsspezifisch auszuwählen, wodurch sich die Kinder stärker mit dem Ziel identifizieren sollen.

In der Konzeption des Materials wurde ferner auf Adaptivität Rücksicht genommen, indem die Profile der Aufgaben und des Niveaus für jedes Kind individuell einstellbar sind. Es wird argumentiert, dass die besten individuellen Leistungen in der Regel dann erreicht werden, wenn hohe, aber erreichbare Ziele gesetzt werden (Locke & Latham, 1990), weshalb spezifische Anpassungsmöglichkeiten für ein gutes Training unabdingbar sind.

Bei der Konzeption der Teilaufgaben wurde auf wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgegriffen, so basiert das Spiel „Mitlesen“ beispielsweise auf dem erwiesenermaßen wirksamen Konzept des Tandemlesens (Gold, Behrendt, Lauer-Schmaltz & Rosebrock, 2013).

Insgesamt kann das Förderprogramm als theoretisch fundiert eingestuft werden.

b) Empirische Fundierung:

Von Ende April bis Anfang Juni 2014 fand eine Kurzzeitintervention zu Lesespiele mit Elfe und Mathis mit zwei 2. Klassen einer bayrischen Grundschule über einen Zeitraum von fünf Wochen statt (Lenhard, Lenhard & Küspert, 2018). In dieser Zeit bekam eine Klasse (25 Kinder) für zwei Schulstunden pro Woche statt Deutschunterricht die Möglichkeit, sich mit dem Training zu befassen. Die Kinder arbeiteten paarweise in individuellem Arbeitstempo an einem PC und wurden von einer Tutorin betreut. Aufgrund des kurzen Förderzeitraumes konnten die meisten Kinder das Programm nicht vollständig durchlaufen. Eine andere Klasse (20 Kinder) erhielt als Kontrollgruppe in dem Zeitraum regulären Deutschunterricht. Vor und nach der Intervention wurden die Kinder beider Klassen jeweils mit dem ELFE-1-6 (Lenhard & Schneider, 2006) getestet, in beiden Klassen fehlte jeweils ein Kind, sodass für die Auswertung die Daten von 24 Kindern aus der Experimentalgruppe zur Verfügung stehen und Daten von 19 Kindern aus der Kontrollgruppe.

Bei der Berechnung einer Kovarianzanalyse über die Gesamtskala zum Zeitpunkt des Nachtests zeigte sich ein signifikanter Gruppenunterschied, F(1; 37)=4.357, p=.022, ɳ²=0.105. Die Experimentalgruppe schnitt dabei signifikant besser ab (geschätztes Randmittel M=57.68, SE=0.88). Der Gruppenunterschied lag hierbei bei einer Effektstärke von dCohen=0.69, was laut Hattie (2009, S.19) bei schulischen Interventionsstudien einem großen Effekt entspricht. Zur Überprüfung, welcher Bereich des Leseerwerbs (Wort-, Satz- oder Textverständnis) am stärksten durch das Lesetraining beeinflusst wird, wurden analog zum Gesamttest Posttests mit den einzelnen Subskalen durchgeführt und das Signifikanzniveau mittels der Bonferroni-Holm-Prozedur adjustiert. Dabei zeigten sich die stärksten Effekte im Textverständnis F(1; 37)=7.552, p=.005, ɳ²=0.170. Die Effektstärke betrug dCohen=0.91. Auch das Wortverständnis profitierte deutlich von der Intervention, F(1, 37)=4.384, p=.022, ɳ²=0.106 mit einer Effektstärke von dCohen=0.69. Beim Satzverständnis zeigte sich nur eine numerische Überlegenheit der Experimental- gegenüber der Kontrollgruppe, F<1.

Das Tool kann somit als empirisch fundiert gelten.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Hören, Lauschen, Lernen. Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter

ELFE II – Ein Leseverständnistest für Erst- bis Siebtklässler – Version II

Würzburger Leise-Leseprobe-Revision. Ein Gruppentest für die Grundschule (WLLP-R)

Salzburger Lesescreening für die Klassenstufen 1-4 (SLS 1-4)

Alter: 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10; 11; 12; 13

Klassenstufe: 1; 2; 3; 4; 5; 6

Links:

Bestellmöglichkeit beim Hogrefe Verlag:
https://www.testzentrale.de/shop/lesespiele-mit-elfe-und-mathis.html [02.02.2021](Auf „Training“ klicken, nicht auf „Computergestützte Testverfahren“, sonst erhält man zusätzlich noch den ELFE-Leseverständnistest.)

Informationen zum Training und Möglichkeit, eine kostenfreie Demo-Version zu testen:
http://www.psychometrica.de/lesespiele.html [02.02.2021]

Literaturhinweise

Bangert-Downs, R.L., Kulik, J.A. & Morgan, M.T. (1991). The Instructional Effect of Feedback in Test-Like Events. Review of Educational Research, 61, 213-238.

Gold, A., Behrendt, S., Lauer-Schmaltz, M. & Rosebrok, C. (2013). Förderung der Leseflüssigkeit in dritten Grundschulklassen. In: C. Rosebrok & A. Bertschi-Kaufmann (Hrsg.), Literalität (S. 203-217). Weinheim: Juventa.

Hattie, J. (2009). Visible Learning: A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievement. New York: Routeledge.

Küspert, P. & Schneider, W. (2006). Hören, Lauschen, Lernen (5. Aufl.). Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

Landerl, K., Wimmer, H. & Moser, E. (1997). Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT). Bern: Huber.

Lehmann, R., Peek, R. & Poerschke, K. (2006). Hamburger Lesetest für 3. und 4. Klassen (HAMLET 3-4) (2. überarb. Aufl.). Göttingen: Beltz Test.

Lenhard, W. & Lenhard, A. (2013). Learning Difficulties. In: L. Meyer (Ed.), Oxford Bibliographies in Education. New York: Oxford University Press.

Lenhard, A., Lenhard, W. & Küspert, P. (2018). Lesespiele mit Elfe und Mathis. Computerbasierte Leseförderung für die erste bis vierte Klasse (2. überarb. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

Lenhard, W. & Schneider, W. (2006). Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler (ELFE 1-6). Göttingen: Hogrefe.

Locke, E.A. & Latham, G.P (1990). A theory of goal setting and task performance. Englewood Cliffs, NJ: Pretince Hall.

Mayringer, H. & Wimmer, H. (2003). Salzburger Lese-Screening für die Klassenstufen 1-4 (SLS 1-4). Bern: Huber.

Moll, K. & Landerl, K. (2010). Lese- und Rechtschreibtest (SLRT II). Weiterentwicklung des Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT). Bern: Huber.

Plume, E. & Schneider, W. (2004). Hören, Lauschen, Lernen 2.  Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

Schneider, W., Blanke, I., Faust, V. & Küspert, P. (2011). Würzburger Leise Leseprobe- Revision (WLLP-R). Göttingen: Hogrefe.

Letzte Änderung am: 03.02.2021