Literacy und Sprachentwicklung beobachten (bei Kleinkindern) (liseb)

DiagnoseElementarbereichE1E2E3E5
gelber Punkt Das Verfahren entspricht überwiegend den Minimalstandards. Optimierungsbedarf gibt es bei der Objektivität: Beim liseb-Beobachtungsbogen muss vor der Beobachtung in Abhängigkeit von den sprachlichen Fertigkeiten eines Kindes eine Entscheidung erfolgen, welcher von zwei Versionen des Beobachtungsbogens für dieses Kind genutzt werden soll. Bei dieser Entscheidung gibt es jedoch einen Interpretationsspielraum (wie interpretieren verschiedene Fachkräfte das Wort „überwiegend“?). Es ist deshalb erforderlich, sich darüber im Team vorab zu verständigen. Ist dies nicht möglich, sollte die Beobachtung eines Kindes kontinuierlich durch die gleiche Person durchgeführt werden. Außerdem wird die Validität nur theoretisch durch eine Nennung zugrunde liegender Quellen, jedoch nicht durch eine empirische Absicherung belegt (vgl. Minimalstandards, dort Validität). Es handelt sich um ein Beobachtungsverfahren, die Anwendung kann durch pädagogische Fachkräfte erfolgen.

Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Preis: 6,99 Euro. (Details)

Den liseb-Beobachtungsbogen gibt es in der Version liseb-1 (Anfänger) und liseb-2 (Fortgeschrittene). Da beide Versionen dieselbe Konzeption aufweisen und bis auf geringe Ausnahmen identisch aufgebaut sind, sind sie in einer Beschreibung zusammengefasst. Unterschiede zwischen beiden Versionen werden gekennzeichnet.

Der liseb-Beobachtungsbogen mit Begleitheft dient im Elementarbereich der Beobachtung und Dokumentation der Sprachentwicklung von Kindern zwischen 2 und 4 Jahren. Er ist sowohl für deutschsprachig aufwachsende Kinder als auch für Kinder mit einer anderen Familiensprache entwickelt worden. Der Beobachtungsbogen ist dabei nicht als diagnostisches Instrument zur Feststellung von Sprachstörungen konzipiert, sensibilisiert aber für ungünstige Entwicklungsverläufe und erlaubt daneben das Dokumentieren positiver sprachliche Entwicklungen.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 29.4.2020

Welches Ziel hat das Tool?

liseb ist ein Beobachtungsbogen für den Elementarbereich und somit ein diagnostisches Instrument. Mit Hilfe des Bogens lassen sich spezifische pädagogische Angebote gezielt beobachten, er ermöglicht Einblicke in das Sprachverhalten der Kinder und gibt konkrete Anregungen für die Gestaltung pädagogischer Angebote im Bereich Sprache. liseb lässt sich in den Modulen E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern unter 3 Jahren“, E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“ und E5 „Intensive Förderung durch dialogisches Lesen in der Kleingruppe“ nutzen.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Der Beobachtungsbogen liseb dient der Einschätzung der sprachlichen Entwicklung von Kindern zwischen 2 und 4 Jahren. Er ist auf eine längerfristige, prozessorientierte Beobachtung ausgerichtet und kann sowohl bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache als auch bei Kindern mit einer anderen Familiensprache eingesetzt werden. Da der Bogen nicht altersnormiert ist, kann man Sprachentwicklungen nur unabhängig vom Alter des Kindes einschätzen (es wird davon ausgegangen, dass Kinder in der Altersspanne zwischen 2 und 4 Jahren sehr unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten haben und dass das biologische Alter nur ein Aspekt ist, der zur Einschätzung des Sprachniveaus herangezogen werden kann). liseb erleichtert das Erkennen ungünstiger Sprachentwicklungen sowie die Beobachtung positiver Entwicklungsverläufe. Die Auswertung gibt außerdem Anhaltspunkte für Entwicklungsziele und Anregungen für das pädagogische Angebot. Zusätzlich wird durch die Verwendung des liseb Beobachtungsbogens der gezielte Austausch zwischen den Fachkräften und die Dokumentation der beobachtbaren Sprachentwicklung erleichtert.

Wie funktioniert das Tool?

Bei diesem Tool handelt es sich um ein strukturiertes Beobachtungsverfahren für deutsch- und mehrsprachige Kinder zwischen 2 und 4 Jahren, das pädagogische Fachkräfte in Kitas nutzen können, um die sprachliche Entwicklung zu dokumentieren. Da sich Kinder in ihrer Sprachentwicklung stark voneinander unterscheiden, wurden zwei Beobachtungsbögen, die sich in einzelnen Fragen voneinander unterscheiden, konzipiert: liseb-1 (Anfänger) und liseb-2 (Fortgeschrittene). Welcher Beobachtungsbogen welchem Kind zugeordnet wird, entscheidet sich anhand der Verwendung der Verbstellung im Satz. Wenn ein Kind das Verb NICHT an die richtige Stelle im Satz stellt, wird liseb-1 genutzt, wenn ein Kind jedoch bereits Sätze mit mindestens drei Wörtern spricht und das gebeugte Verb an die korrekte Stelle im Satz stellt, dann erfolgt die Beobachtung mit liseb-2.

Beide Bögen bestehen aus vier Teilen: Teil 1: Sprachverhalten in bestimmten, sprachrelevanten Situationen, Teil 2: Sprachliche Kompetenz im engeren Sinn, Teil 3: Die Sprachen des Kindes, Teil 4: Die Familie des Kindes.

Die Konstruktion beider Versionen ist in weiten Teilen identisch. Sie wird im Folgenden dennoch getrennt dargestellt, damit die Übersichtlichkeit erhalten bleibt.

liseb-1:

Zu den Beobachtungssituationen in Teil 1 gehören die Skalen A-H. A: Am Frühstückstisch (Frühstück / „Brotzeit“), B: Gesprächsrunde in der Kleingruppe (z.B. Stuhlkreis), C: Freie Spielphase, D: Einzelgespräche mit pädagogischen Bezugspersonen (Einzelgespräche, die mit dem Kind geführt werden), E: Umgang mit Büchern, F: Geschichten erzählen in der Kleingruppe, G: Reime und Sprachspiele, H: Interesse an Schrift.

Den Beobachtungssituationen ordnet man Verhaltensweisen zu, deren Zutreffen auf einer vierstufigen Skala (oft – manchmal – selten –sehr selten – nie) eingeschätzt werden kann. Diese Antwortalternativen sind für eine spätere quantitative Auswertung mit Ziffern versehen. Beispiel für eine Verhaltensweise aus Skala E: „Das Kind bittet, dass ihm etwas vorgelesen wird“.

Zu den Beobachtungssituationen im zweiten Teil gehören „klar umschriebene sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten“ (Mayr, Kieferle & Schauland, 2014, S.6), die in den Skalen I, J und K abgefragt werden. Die Skalen erfassen I: Aktiver Wortschatz, J: Sprachverständnis und K: Grammatik.

Der dritte Teil umfasst die Skalen L, M und N. Er stellt die Sprachentwicklung von Kindern, deren Familiensprache nicht deutsch ist, in den Fokus. Die Skalen sind L: Die Familiensprache des Kindes, M: Die Sicht der Eltern und anderer Erwachsener mit derselben Familiensprache und N: Kontakt mit der deutschen Sprache.

Der vierte Teil nimmt Bezug zum Kontext der Familie und dem Kontakt zwischen der Familie und der Einrichtung. Zu diesem Teil gehören die Skalen O: Sprachpraxis in der Familie und P: Die Familie in ihrer Beziehung zur Einrichtung.

liseb-2:

Zu den Beobachtungssituationen in Teil 1 gehören die Skalen A-H. A: Am Frühstückstisch (Frühstück / „Brotzeit“), B: Gesprächsrunde in der Kleingruppe (z.B. Stuhlkreis), C: Freie Spielphase, D: Einzelgespräche mit pädagogischen Bezugspersonen (Einzelgespräche, die mit dem Kind geführt werden), E: Umgang mit Büchern, F: Geschichten erzählen in der Kleingruppe, G: Reime - Sprachspiele - Fantasiewörter, H: Interesse an Schrift.

Den Beobachtungssituationen ordnet man Verhaltensweisen zu, deren Zutreffen auf einer vierstufigen Skala (oft – manchmal – selten –sehr selten – nie) eingeschätzt werden kann. Die Antwortalternativen sind für eine spätere quantitative Auswertung mit Ziffern versehen. Beispiel für eine Verhaltensweise aus Skala E: „Das Kind bittet, dass ihm etwas vorgelesen wird“.

Zu den Beobachtungssituationen im zweiten Teil gehören „klar umschriebene sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten“ (Mayr, Kieferle & Schauland, 2014; S.6), die in den Skalen I und J erfasst werden. Die Skalen erfassen I: Passiver und aktiver Wortschatz und J: Grammatik.

Der dritte Teil umfasst die Skalen K und L. Er stellt die Sprachentwicklung von Kindern, deren Familiensprache nicht deutsch ist, in den Fokus. Die Skalen sind K: Die Familiensprache des Kindes und L: Kontakt mit der deutschen Sprache.

Der vierte Teil nimmt Bezug zum Kontext der Familie und dem Kontakt zwischen der Familie und der Einrichtung. Zu diesem Teil gehören die Skalen M: Sprachpraxis in der Familie und N: Die Familie in ihrer Beziehung zur Einrichtung.

Der liseb-Beobachtungsbogen (beide Versionen liseb-1 und liseb-2) lässt sich auf zwei Arten auswerten. Zum einen ist eine qualitative Auswertung der einzelnen Fragen möglich. Aus dieser Auswertung resultieren pädagogische Reflexionen und Maßnahmen. Außerdem kann eine quantitative Auswertung vorgenommen werden. Hierzu addieren der Auswerter oder die Auswerterin Punktwerte, die sich aus der Beantwortung der Fragen ergeben. Diese Punktwerte werden einer von neun (liseb-1) bzw. acht (liseb-2) sprachbezogenen Dimensionen zugeordnet (Aktive Sprachkompetenz, Grammatik, Selbstständiger Umgang mit Bilderbüchern, Geschichten erzählen, Schreiben/Schrift, Zuhören/Aufmerksamkeit, Phonologische Bewusstheit, Aktiver Wortschatz; liseb-2: Ergänzung um den passiven Wortschatz, bei liseb-1 noch die zusätzliche Dimension Sprachverständnis). Anhand von Vergleichsnormen lässt sich bei der quantitativen Auswertung die Aussage treffen, ob ein Kind in der jeweiligen Dimension „weit fortgeschritten“, „weit fortgeschritten bis fortgeschritten“, „fortgeschritten“, „fortgeschritten bis beginnend“ oder „beginnend“ ist. Für liseb-1 und liseb-2 sowie für Jungen und Mädchen liegen unterschiedliche Normtabellen vor.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Zur Durchführung der Sprachbeobachtung und Dokumentation mit liseb werden der Beobachtungsbogen und das Begleitheft benötigt.

Zugänglichkeit: liseb kann als Starterpaket (je fünf Beobachtungsbögen für Anfänger und Fortgeschrittene und ein Begleitheft) bestellt werden, Beobachtungsbögen können getrennt für liseb-1 und liseb-2 nachbestellt werden (s. Links).

Kosten: Das Starterpaket kostet 6,99 Euro, je 10 zusätzliche Beobachtungsbögen für liseb-1 oder liseb-2 kosten  8,00 Euro.

Durchführungsdauer: Die Beobachtungszeit ist variabel, da die Beobachtung prozessorientiert angelegt und über einen längeren Zeitraum möglich ist. Die Auswertung ist je nach Ziel ebenfalls variabel. Die qualitative, prozessbegleitende Auswertung als Basis für die sprachpädagogische Arbeit beansprucht mehr Zeit als die quantitative Auswertung.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Der Beobachtungsbogen liseb wurde am Staatsinstitut für Frühpädagogik in Bayern (IFP Bayern) von Tony Mayr, Christa Kieferle und Nesiré Schauland in enger Zusammenarbeit mit der Praxis entwickelt und 2014 veröffentlicht. Grundlage bilden die Beobachtungsbögen Seldak (Ulich & Mayr, 2006) und Sismik (Ulich & Mayr, 2003) für 4- bis 6jährige Kinder. Als theoretische Begründung ziehen die Autoren Literatur zu den Bereichen Engagiertheit, Literacy, Sprachpragmatik, Sprachentwicklung und Diagnostik und Phonologie heran. Die Beobachtungssituationen wurden jedoch nicht unmittelbar aus einer eindeutig benannten Spracherwerbstheorie abgeleitet.

b) empirische Fundierung

Das Tool wurde an einer Stichprobe von 693 Kindern aus Bayern im Alter von 24 bis 47 Monaten erprobt und normiert. Aus dieser Untersuchung resultiert die Einteilung der Beobachtungsfragen in acht bzw. neun sprachbezogene Dimensionen (vgl. Wie funktioniert das Tool?). Für liseb-1 und liseb-2 sowie für Jungen und für Mädchen liegen getrennte Normen vor. Anhand der Normierung ist ersichtlich, ob der erreichte Punktwert eines Kindes in der jeweiligen Dimension einer „weit fortgeschrittenen“ sprachlichen Entwicklung, einer „weit fortgeschrittenen bis fortgeschrittenen“, einer „fortgeschrittenen“, einer „fortgeschrittenen bis beginnenden“ oder einer „beginnenden“ Ausprägung entspricht. Aussagen über die Reliabilität, Validität und Objektivität werden nicht getroffen, die Autoren geben jedoch an, dass es „empirische Hinweise auf die Gültigkeit des Bogens“ gibt (Mayr, Kieferle & Schauland, 2014, S. 35).

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern (Seldak)

Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Sismik)

Alter: 2; 3; 4

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Homepage des Herder-Verlags mit Bestellmöglichkeit für liseb-1 und liseb-2:
https://www.herder.de/kindergarten-paedagogik-shop/liseb-starterpaket-broschuere/c-26/p-2201/ [10.11.2020]

Literaturhinweise

Mayr, T., Kieferle, C. & Schauland, N. (2014): liseb. Literacy- und Sprachentwicklung beobachten (bei Kleinkindern). Freiburg: Herder.

Ulich, M. & Mayr, T. (2006). Seldak. Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.

Ulich, M. & Mayr, T. (2003). Sismik. Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.

Hinweis:
Die Verfahren (Tools), die Sie hier finden, werden in der Bund-Länder Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) eingesetzt und wurden bislang aus wissenschaftlicher Sicht als empfehlenswert identifiziert. Aspekte der praktischen Anwendbarkeit werden in der Projektlaufzeit ergänzt. Verfahren mit einer grünen Kennzeichnung genügen wissenschaftlichen Minimalstandards. Verfahren mit einer gelben Kennzeichnung genügen überwiegend diesen Minimalstandards zeigen jedoch Optimierungsbedarfe, auf die in vorangestellten Anmerkungen hingewiesen wird.
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeten Verfahren oder gar sämtlicher verfügbarer Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 11.11.2020