Skala zur Einschätzung der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens

von Gay S. Pinnell, John J. Pikulski, Karen K. Wixson, Jay R. Campbell, Phillip B. Gough und Alexandra S. Beatty. Adaption im deutschsprachigen Raum Cornelia Rosebrock, Andreas Gold, Daniel Nix und Carola Rieckmann Literatur

DiagnosePrimarstufeÜbergang Primar-/SekundarstufeSekundarstufeP3S1
Die Skala zur Einschätzung der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens kann als informelles Verfahren Lehrkräften dazu dienen, unterstützende Informationen zur Leseflüssigkeit im Bereich der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens (Pausengliederung) zu gewinnen, und zwar bei Kindern der Jahrgangsstufen 2 bis 10.

Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Preis: 29,95 Euro.

Bei der Skala zur Einschätzung der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens handelt es sich um ein Diagnostikinstrument für Kinder der Jahrgangsstufen 2 bis 10. Mit dem Tool kann eine Einschätzung der Intonationsfähigkeit vorgenommen werden, die ein wichtiger Aspekt der Leseflüssigkeit ist. Unter Intonation wird in diesem Fall hauptsächlich die Pausengliederung, also die Bündelung von mehreren Wörtern, die durch eine kurze Pause von den darauf folgenden Wörtern abgegrenzt werden, verstanden.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 17.07.2020

Welches Ziel hat das Tool?

Bei der Skala zur Einschätzung der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens handelt es sich um ein Diagnostiktool, das im Primar- und Sekundarstufenbereich eingesetzt wird. Mit Hilfe von kurzen Texten und einer Skala kann die Lehrerin oder der Lehrer die Intonationsfähigkeit des lesenden Kindes bestimmen. So kann ein möglicher Leseförderbedarf aufgedeckt werden. Im Primarbereich ist das Tool im Modul P3 „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“, im Sekundarbereich im Modul S1 „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit“ einsetzbar.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Beim Tool Skala zur Einschätzung der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens handelt es sich um ein Diagnostikinstrument, mit dem man die Fähigkeit einer Schülerin oder eines Schülers, einen Text flüssig vorzulesen und dabei sinnvolle Wortgruppen zu bilden, erfassen kann. Die Intonationsfähigkeit ist ein wichtiger Aspekt des Lesens, da sie dazu beiträgt, dass das Gelesene auch verstanden wird. Bei mangelnder Leistung in diesem Bereich ist eine spezifische Förderung der Intonationsfähigkeit, beispielsweise mit den Lautlesetandems, zu empfehlen. Das Diagnostiktool kann von der Lehrkraft im Unterricht in Einzelarbeit mit der Schülerin oder dem Schüler angewendet werden, während die anderen Kinder der Klasse eine stille Arbeit verrichten. Mehrsprachigkeit wird bei dem Tool nicht berücksichtigt.

Wie funktioniert das Tool?

Die Lehrkraft lässt sich von der Schülerin bzw. von dem Schüler einen Text, der aus dem Buch „Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe“ von Rosebrock, Nix, Rieckmann und Gold (2017, s. Literaturhinweise) entnommen werden kann, laut vorlesen. Auch frei gewählte Texte können eingesetzt werden. Die Textvorlagen aus dem Buch von Rosebrock et al. umfassen etwa 140 bis maximal 200 Wörter und weisen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf. Auf einer Textkopie verfolgt die Lehrkraft den Vorgang des Vorlesens und markiert Lesepausen sowie Textstellen, an denen Luft geholt wird, mit einem senkrechten Strich. Zur Auswertung verbindet sie die Striche mit Bögen. So wird deutlich, welche Wortgruppen von der Schülerin bzw. von dem Schüler durch die Betonung gebündelt wurden.

Die Interpretation erfolgt mit Hilfe der Skala zur Einschätzung der Intonationsleistung. Diese beinhaltet eine Tabelle, die in vier große Bereiche, sogenannte Level, unterteilt ist. Level 1 stellt das niedrigste Leseniveau dar. Leserinnen und Leser dieser Stufe lesen die Texte hauptsächlich Wort für Wort, nur selten fassen sie das Gelesene in kurze Wortgruppen zusammen. Die Wortgruppen treten unregelmäßig auf und passen nicht zum Satzbau des jeweiligen Satzes. Auf Level 2 überwiegen die Zweier-Wortgruppen, selten werden größere Einheiten gebündelt. Werden größere Wortgruppen gebildet, dann sind sie ungeschickt gewählt und passen kaum zum Satzbau und Inhalt des Satzes. Schülerinnen und Schüler, die Level 3 zugeordnet werden, lesen überwiegend in angemessen gewählten Dreier- oder Viererwortgruppen. Auf Level 4 lesen die Schülerinnen und Schüler in größeren, semantisch sinnvollen Einheiten mit angemessener Betonung.

Pro Level muss die Lehrkraft drei Fragen beantworten (Beispiel für Level 1: „Der Schüler liest die Geschichte hauptsächlich Wort für Wort.“ „Nur gelegentlich treten Zweier- oder Dreier-Wortgruppierungen auf.“ „Die wenigen Wortgruppierungen sind unregelmäßig und unterstützen nicht die Syntax der Geschichte.“). Diese Fragen muss die Lehrkraft mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Die Tabelle dient so als Interpretationshilfe, auf welcher der vier Stufen die Schülerin oder der Schüler sich befindet. Werden Schwierigkeiten bei der Intonation festgestellt, dann können im Anschluss spezifische Fördermaßnahmen in Bezug auf flüssiges Lesen ergriffen werden. Geeignet sind beispielsweise Maßnahmen, bei denen das Lautlesen durch begleitendes Lautlesen eines kompetenten Modells (z.B. eine andere Schülerin/ein anderer Schüler) unterstützt wird.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Eine genaue Beschreibung des Tools und dessen Durchführung sowie Texte und die Skala finden sich im Buch und auf der beiliegenden CD „Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe“ von Cornelia Rosebrock, Daniel Nix, Carola Rieckmann und Andreas Gold (s. Literaturhinweise).

Zugänglichkeit: Das Buch ist im Buchhandel erhältlich, die ISBN-Nr. lautet: 978-3-7800-1073-5.

Schulung/Fortbildung: Es wird keine zusätzliche Schulung benötigt. Das Tool kann durch eine Lehrkraft im Unterricht eingesetzt werden, es ist selbsterklärend.

Auswertung: Auch für die Auswertung findet sich die Beschreibung im Buch und auf der beiliegenden CD „Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe“ von Cornelia Rosebrock, Daniel Nix, Carola Rieckmann und Andreas Gold (s. Literaturhinweise).

Kosten: Das Buch „Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe“ von Rosebrock et al. kostet 29,95 Euro.

Personelle Ressourcen: Das Tool kann kann durch eine Lehrkraft im Unterricht eingesetzt werden.

Dauer der Durchführung: Die Durchführung sowie die Auswertung nehmen jeweils nur wenige Minuten Zeit in Anspruch.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das Tool Skala zur Einschätzung der Intonationsfähigkeit / des phrasierten Lesens wurde 1995 im Kontext der angloamerikanischen Leseforschung von Pinnell und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt (Pinnel, et al., 1995). Für den deutschsprachigen Raum wurde es von Rosebrock, Nix und Kollegen adaptiert, weiterentwickelt und praktisch erprobt (Rosebrock et al., 2017). Dem Tool liegt die Theorie des phrasierten Lesens (prosodic parsing) zugrunde. Diese besagt, dass die Voraussetzungen für flüssiges und sinnentnehmendes Lesen exaktes und schnelles Erkennen der Wörter sind. Anhand des betonten Vorlesens lässt sich erkennen, ob die Schülerin oder der Schüler das Gelesene verstanden hat. Ein unangemessener Ausdruck und stockendes Wort-für-Wort-Lesen sowie die Bündelung nicht zusammengehöriger Sinnabschnitte charakterisieren sogenannte disfluent reader (wörtlich übersetzt: Unflüssige Leser; Leser, denen das flüssige und sinnentnehmende Lesen schwer fällt, Pinnell et al., 1995, zitiert nach Rosebrock et al., 2017). Durch die falsche Betonung im Satz werden Wortgruppen gebildet, die syntaktisch nicht zusammenpassen, so dass die Satzanalyse nur fehlerhaft vorgenommen wird und das Textverständnis leidet.

b) empirische Fundierung

Es handelt sich um ein sogenanntes formatives Diagnostiktool, das die Lesekompetenz zu einem bestimmten Zeitpunkt erfassen und Probleme aufdecken kann. Für dieses Tool liegt keine empirische Fundierung vor, es handelt sich um ein informelles Screening. Da das Ergebnis der Testung beispielsweise auch vom Schwierigkeitsgrad des ausgewählten Textes abhängt, gibt es auch keine Normwerte. Die Erfahrung aus Forschungsprojekten und Einsätzen im Unterricht zeigt, dass das Tool auf pragmatische Weise eine gute Einschätzung der Leseflüssigkeit und der Intonationsfähigkeit ermöglicht (Nix, 2011).

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Lautleseprotokoll

Lautlesetandem

Lautleseverfahren (repeated reading; wiederholtes Lautlesen; chorisches Lesen)

Alter: 7; 8; 9; 10; 11; 12; 13; 14; 15

Klassenstufe: 2; 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Literaturhinweise

Nix, D. (2011). Förderung der Leseflüssigkeit. Theoretische Fundierung und empirische Überprüfung eines kooperativen Lautlese-Verfahrens im Deutschunterricht. Weinheim/München: Juventa.

Pinnell, G.S., Pikulski, J.J., Wixson, K.K., Campbell, J.R., Gough, P.B. & Beatty, A.S. (1995). Listening to children read aloud. Data from NAEP’s integrated reading performance record (IRPR) at grade 4. Washington, DC: Office of Educational Research an Improvement.

Rosebrock, C., Nix, D., Rieckmann, C. & Gold, A. (2017). Leseflüssigkeit fördern. Lautleseverfahren für die Primar- und Sekundarstufe. 2. Auflage. Seelze: Klett/Kallmayer.

Hinweis:
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeten Verfahren oder gar sämtlicher verfügbarer Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 26.02.2021