Sprache macht stark. Offensive Bildung. (Buch)

FörderkonzeptFörderinstrumentProfessionalisierungskonzeptElementarbereichE1E2E3
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen. Einige Professionalisierungskonzepte enthalten konkrete Fördermaterialien. Diese Tools wurden dann u.U. gleichzeitig als „Förderinstrumente oder -konzepte“ eingestuft und dem Qualitätscheck für Förder-Tools unterzogen. Das Ergebnis dieses Qualitätschecks wird ggfs. als Tabellenzeile über der Tool-Beschreibung angezeigt.

Qualitätscheck-Förderinstrument:
(Für Erläuterungen mit der Maus auf die Zahlen und Punkte zeigen.)

Zielbereich Altersgruppe Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Wirksamkeit
1,2 2 bis 4* grüner Punkt grüner Punkt gelber Punkt

* Subgruppe: Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozial- und bildungsbenachteiligten Familien

Kurzbeschreibung

17,95 Euro.

Das Buch Sprache macht stark ist ein Förderinstrument für den Elementarbereich, das auch zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte genutzt werden kann. Es besteht aus zwei Teilen und einem Anhang mit Glossar. Im ersten Teil wird der theoretische Hintergrund des Sprachförderkonzepts Sprache macht stark für 2- bis 4-jährige Kinder beschrieben. Das Sprachförderkonzept beruht auf den drei Säulen (1) Sprachförderung in Kleingruppen, (2) Sprachförderung im pädagogischen Alltag sowie (3) Sprachförderung in Eltern-Kind-Gruppen. Der zweite Teil des Buches enthält allgemeine Ratschläge für die Sprachförderung sowie in drei Kapiteln Praxisbeispiele mit Vorschlägen für konkrete sprachförderliche Aktivitäten und Spiele. Ziel des beschriebenen Sprachförderkonzepts ist eine alltagsintegrierte Sprachförderung, die Wortschatz und Grundstrukturen der Grammatik vermittelt. Sie soll sowohl den Erwerb der Zweitsprache Deutsch als auch den Ausbau der Erstsprache Deutsch unterstützen.

Welches Ziel hat das Tool?

Sprache macht stark ist ein Förderinstrument, das auf dem gleichnamigen Förderkonzept beruht. Es kann in den Modulen E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern unter 3 Jahren“ und E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“ eingesetzt werden. Ziel ist eine alltagsintegrierte Sprachförderung, die Wortschatz und Grundstrukturen der Grammatik vermittelt. Sie soll sowohl den Erwerb der Zweitsprache Deutsch als auch den Ausbau der Erstsprache Deutsch unterstützen.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Konzept Sprache macht stark setzt bei 2- bis 4-jährigen Kindern an. Es ist vor allem für Kindertagesstätten konzipiert, die einen überdurchschnittlichen Bedarf an sprachlicher Förderung haben. Zielgruppe sind Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder aus sozial- und bildungsbenachteiligten Familien. Sie sollen beim Erwerb der Zweitsprache Deutsch bzw. beim Ausbau der Erstsprache Deutsch unterstützt werden. Das im Buch beschriebene Konzept sieht eine Verknüpfung von gezielter Förderung in Kleingruppen mit der alltagsintegrierten Sprachförderung vor. Darüber hinaus sollen die Eltern einbezogen werden. Die Förderbeispiele aus dem zweiten Teil des Buches lassen sich zur gezielten Unterstützung der Sprachentwicklung anwenden.

Wie funktioniert das Tool?

Das Buch Sprache macht stark ist ein Förderinstrument, das auch zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte genutzt werden kann. Es besteht aus zwei Teilen und einem Anhang mit Glossar. Im ersten Teil des Buches wird der theoretische Hintergrund des Sprachförderkonzepts Sprache macht stark für 2- bis 4-jährige Kinder beschrieben. Dabei geht es um den Spracherwerb aus einer sprachwissenschaftlichen und spracherwerbstheoretischen Perspektive. Außerdem beschreiben die Autoren, warum sowohl die spezifische Förderung in Kleingruppen als auch die alltagsintegrierte Sprachbildung in der Großgruppe sinnvolle Maßnahmen zur Unterstützung der Sprachentwicklung sind. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Einbezug der Eltern in den Spracherwerbsprozess.

Im zweiten Teil des Buches finden sich allgemeine Ratschläge für die Sprachförderung sowie in drei Kapiteln Praxisbeispiele mit Vorschlägen für konkrete sprachförderliche Aktivitäten und Spiele. Jedes Praxisbeispiel widmet sich einem Themenfeld („Mein Körper“, „Mein Zuhause“, „Mein Stadtteil“). Die Praxisbeispiele beginnen mit einer Wortschatzauswahl. Dieser Wortschatz soll zu dem jeweiligen Themenfeld erarbeitet werden. Dafür werden Aktivitäten und Spiele für die drei Förderbereiche Kleingruppe, pädagogischer Alltag und Eltern-Kind-Gruppen vorgeschlagen.

Bei der Kleingruppenförderung soll der sprachliche Input drei Mal in der Woche erfolgen und zwar je eine Stunde lang. Die Sprachförderung soll dabei in abwechslungsreiche, altersgerechte Aktivitäten eingebettet werden. Sie erfolgt entlang alltagsrelevanter Themenfelder (s.o.) mit dem dazugehörigen Wortschatz (z.B. „Das ist mein Körper“, dazugehörende Wörter wie „Hand“, „Arme“, „Finger“, usw.).

Bei der Sprachförderung im pädagogischen Alltag sollen alle Kinder vom bewussten Sprachverhalten der pädagogischen Fachkräfte profitieren. Idealerweise sollte hier das gesamte Team einbezogen werden (z.B. über eine Teamschulung). Gemeinsame, alltägliche Handlungen wie beispielsweise das An- und Ausziehen oder die Vor­berei­tung des Frühstücks werden als Situationen zur Sprachförderung genutzt. Daneben soll auch im pädagogischen Alltag der Wortschatz des aktuell in der Kleingruppe bearbeiteten Themenfeldes benutzt und so aufgefrischt werden (z. B. Wörter aus dem Wortschatz zum Themenfeld „Mein Körper“ während des An-/Ausziehens der Kinder).

Die Eltern sollen in Form wöchentlicher Eltern-Kind-Gruppen in die Sprachförderung einbezogen werden. Die Treffen mit acht bis zwölf Müttern und/oder Vätern dauern zwischen eineinhalb und zwei Stunden. In den Gruppen sollen zwei Sprachförderkräfte Aktivitäten zu den aktuellen Themenfeldern durchführen, die in der Kleingruppenförderung bearbeitet wurden. Diese enge Einbindung der Eltern soll den Kindern den Übergang in die Kita erleichtern und die Erziehungspartnerschaft von Kita und Eltern stärken. Die Eltern erfahren außerdem, wie sie ihre Kinder beim Zweitspracherwerb und beim Ausbau der Erstsprache unterstützen können.

Die Förderung knüpft an die Interessen und emotionalen Bedürfnisse der Kinder an. Themen, die für die Kinder interessant und bedeutsam sind, stehen im Mittelpunkt der sprachlichen Interaktion.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Buch von R. Tracy und V. Lemke (s. Literatur): Sprache macht stark. Offensive Bildung. Cornelsen: Scriptor

Zugänglichkeit: Das Buch kann im Buchhandel bestellt werden (ISBN 978-3-589-24573-4) und kostet 17,95 Euro.

Für die Durchführung der Fördereinheiten sollten einige organisatorische Rahmenbedingungen erfüllt sein. So erfordern die Kleingruppenangebote geeignete Räumlichkeiten, in denen eine ungestörte Interaktion zwischen pädagogischer Fachkraft und Kindern möglich ist. Die Größe der Gruppe sollte maximal vier Kinder betragen und der Raum für Eltern-Kind-Gruppen sollte groß genug für die gesamte Gruppe sein (acht bis zwölf Mütter und/oder Väter mit ihren Kindern). Da die Intensität und Regelmäßigkeit des Förderangebotes zentral sind, bedarf es einer entsprechenden Personaleinsatzplanung für alle Fachkräfte und eine Verankerung im Dienstplan.

Die Implementierung des im Buch beschriebenen Konzepts Sprache macht stark sieht die Qualifizierung von zwei fest angestellten Fachkräften zu Sprachförderkräften vor. Der Umfang dieser Qualifizierung beträgt sechs ganze und acht halbe Tage pro Förderkraft. [Als Kosten für die Teilnahme am Projekt Sprache macht stark, das in enger Zusammenarbeit zwischen der Universität Mannheim und der Stadt Ludwigshafen erarbeitet wurde, werden 8.760 Euro genannt, von denen der Eigenanteil des Kita-Trägers im bereits durchgeführten Projekt bei 25% = 2.190 Euro lag.]

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das zugrunde liegende Konzept Sprache macht stark wurde in enger Zusammenarbeit zwischen der Universität Mannheim und der Stadt Ludwigshafen in den Jahren 2003 bis 2005 an der Forschungs- und Kontaktstelle Mehrsprachigkeit der Universität Mannheim entwickelt. Theoretisch stützt es sich auf Erkenntnisse zum Erst- und Zweitspracherwerb und darauf, welche Aufgaben Kinder beim Spracherwerb auf verschiedenen Ebenen zu bewältigen haben. Das sind im Bereich der Phonologie der Erwerb von Lauten und Lautkombinationen, im Bereich der Semantik das Verstehen der Bedeutung von Wörtern/Sätzen, im Bereich der Syntax der Erwerb von Bauplänen für Sätze, im Bereich der Morphologie für Wörter und schließlich im Bereich der Pragmatik das Lernen von Gebrauchsbedingungen für Sprache.

Dem Konzept Sprache macht stark liegt eine ganzheitlich orientierte Sprachförderung zugrunde, bei der die Förderung in erster Linie an den Interessen und emotionalen Bedürfnissen sowie den Kompetenzen der Kinder anknüpft. Im Mittelpunkt der sprachlichen Interaktionen stehen Themen, die für die Kinder interessant und bedeutsam sind. Das Konzept von Sprache macht stark setzt auf die natürliche Begabung von Kindern, sich bereits in der frühen Kindheit parallel mehrere grammatische Systeme anzueignen und auf ihre Fähigkeit, sehr schnell Wort-Konzept-Verknüpfungen aufzubauen, d.h. ihren Wortschatz zu erweitern.

Zugrundeliegende Ideen sind

(a) das sogenannte Sprachbad, bei dem die (Zweit-)Sprache Deutsch im Kita-Alltag situationsübergreifend und intensiv als Verkehrssprache genutzt wird,

(b) die dialogische Interaktion von Erwachsenen und Kindern in Alltagssituationen, in denen die Bezugsperson die Aufmerksamkeit des Kindes auf einen Gegenstand lenkt, den beide dann gemeinsam betrachten und als Gesprächsanlass nutzen,

(c) ein systematisch strukturierter sprachlicher Input (mit Hilfe der vorgegebenen Themenfelder),

(d) die Berücksichtigung des jeweiligen Entwicklungsstandes und der Interessen der Kinder.

b) empirische Fundierung

Das dem Buch zugrundeliegende Konzept Sprache macht stark wurde zwischen 2006 und 2009 im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitstudie überprüft (evaluiert) (Stadt Ludwigshafen am Rhein, Bereich Schulen und Kindertagesstätten, 2009, s. Links). An dieser Studie nahmen 13 Kitas (53 Kleingruppen, 204 Kinder) teil. In fünf Einrichtungen wurden zusätzlich einmalig Daten von 46 Kindern für eine Vergleichsstudie erhoben (zwei der Kitas hatten im Sommer 2007 die Implementierungsphase von Sprache macht stark abgeschlossen und arbeiteten damit weiter, die drei anderen boten Bildungsprojekte ohne spezifische sprachliche Fördermaßnahmen an). In die Auswertung der Vergleichsstudie gingen die Daten von 34 Kindern ein (davon waren 17 Kinder nach Sprache macht stark gefördert, 17 nicht).

Die wissenschaftliche Begleitstudie erbrachte Hinweise, dass Sprache macht stark in verschiedenen Bereichen zu positiven Effekten führt, nämlich bei den Kindern, den pädagogischen Fachkräften und der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Zum Bereich der Sprachentwicklung der Kinder wurden beispielsweise Daten erhoben, wie weit die Kinder beim Verständnis der Baupläne deutscher Sätze waren oder wie ihr kommunikatives Verhalten und ihr Wortschatz sich entwickelt hatten. Für die pädagogischen Fachkräfte konnte ein Kompetenzzuwachs in ihrer sprachförderlichen Arbeit verzeichnet werden und auch der Bereich der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern wurde gestärkt.

Welcher Faktor des Programms Sprache macht stark (z.B. der frühe Beginn bei 2-jährigen Kindern oder die Förderung in einer Kleingruppe zusätzlich zur alltagsintegrierten Sprachförderung) für die positiven Effekte verantwortlich ist, müssen zukünftige Studien zeigen.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Zur Diagnose des individuellen Sprachentwicklungsstandes von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache sowie zur Ableitung von Förderentscheidungen und der Überprüfung von Entwicklungsfortschritten steht für drei- bis siebenjährige Kinder das Diagnostiktool LiSe-Daz zur Verfügung.

Linguistische Sprachstandserhebung – Deutsch als Zweitsprache (LiSe-DaZ)

Alter: 2; 3; 4

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Überblick über das Projekt Sprache macht stark vom Mannheimer Zentrum für Empirische Mehrsprachigkeitsforschung
https://www.mazem.de/index.php?id=42 [02.02.2021]

Sprache macht stark! Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung
https://www.susanne-kuehn.de/wp-content/uploads/2018/08/abschlussberichtekigru.pdf [02.02.2021]

Sprache macht stark! Wissenschaftliche Ergebnisse auf einen Blick
https://www.susanne-kuehn.de/wp-content/uploads/2018/08/4seitensprachems.pdf [02.02.2021]

Literaturhinweise

Schulz, P. & Tracy, T (2011). LiSe-DaZ. Linguistische Sprachstandserhebung−Deutsch als Zweitsprache. Göttingen: Hogrefe

Stadt Ludwigshafen am Rhein, Bereich Schulen und Kindertagesstätten (2009). Offensive Bildung. Sprache macht stark! Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung. Verfügbar unter https://www.susanne-kuehn.de/wp-content/uploads/2018/08/abschlussberichtekigru.pdf [02.02.2021].

Stadt Ludwigshafen am Rhein, Bereich Schulen und Kindertagesstätten (2009). Offensive Bildung. Sprache macht stark! Wissenschaftliche Ergebnisse auf einen Blick. Verfügbar unter https://www.susanne-kuehn.de/wp-content/uploads/2018/08/4seitensprachems.pdf [02.02.2021]

Tracy, R. & Lemke, V. (2009).  Sprache macht stark. Offensive Bildung. Cornelsen: Scriptor.

Letzte Änderung am: 22.02.2021