Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa (Buch)

FörderkonzeptProfessionalisierungskonzeptElementarbereichE1E2E3E4E5E6
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen. Einige Professionalisierungskonzepte enthalten konkrete Fördermaterialien. Diese Tools wurden dann u.U. gleichzeitig als „Förderinstrumente oder -konzepte“ eingestuft und dem Qualitätscheck für Förder-Tools unterzogen. Das Ergebnis dieses Qualitätschecks wird ggfs. als Tabellenzeile über der Tool-Beschreibung angezeigt.

Qualitätscheck als Förder-Tool:
(Für Erläuterungen mit der Maus auf die Zahlen und Punkte zeigen.)

Zielbereich Altersgruppe Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Wirksamkeit
0 0 bis 6 gelber Punkt grüner Punkt gelber Punkt

Kurzbeschreibung

Preis: 24,90 Euro.

Beim Tool Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa handelt es sich um ein Buch, das ein Sprachförderkonzept vorstellt und als Tool zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte, die mit ein- und mehrsprachigen Kindern im Elementarbereich arbeiten, dienen kann. Im Fokus des Tools stehen die Vermittlung von Fachwissen zum kindlichen Spracherwerb sowie Empfehlungen zur Planung und Umsetzung von Maßnahmen zur Sprachdiagnostik und Sprachförderung.

Welches Ziel hat das Tool?

Das Tool Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa stellt ein sprachwissenschaftlich begründetes Förderkonzept für den Elementarbereich vor, das die Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte in den Fokus stellt. Ausgehend von theoretischen Hintergrundinformationen zum kindlichen Erst- und Zweitspracherwerb werden Fördergrundsätze abgeleitet sowie konkrete Beispiele und Hilfestellungen zur Umsetzung von Sprachfördermaßnahmen vorgestellt. Das Tool eignet sich für den Einsatz in allen Modulen des Elementarbereichs, nämlich E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“, E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“, E4: „Intensive Förderung der phonologischen Bewusstheit“, E5: „Intensive Sprachförderung durch dialogisches Lesen in der Kleingruppe“ und E6 „Übergang vom Elementarbereich zum Primarbereich“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Beim Tool Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa handelt es sich um ein Professionalisierungstool sowie Sprachförderkonzept, das für ein- und mehrsprachige Kinder im Elementarbereich konzipiert wurde. Im Fokus des Konzepts stehen die Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte selbst. So gehen der Autor Tobias Ruberg und die Autorin Monika Rothweiler davon aus, dass pädagogische Fachkräfte über ein linguistisches Grundlagenwissen über den kindlichen Spracherwerb verfügen sollten, um ihre Aufgaben in der Sprachförderung erfolgreich bewältigen zu können. Die sprachwissenschaftliche Ausrichtung und Fundierung ist mit dem Ziel verbunden, „das sprachpädagogische Handeln frühpädagogischer Fachkräfte so zu professionalisieren, dass sie in der Lage sind, im Hinblick auf die Planung und Durchführung von Sprachfördermaßnahmen eigenständige und begründete Handlungsentscheidungen zu treffen“ (Ruberg & Rohtweiler, 2012, S. 21). Neben einem Überblick über den kindlichen Spracherwerb und die Spracherwerbsverläufe von ein- und mehrsprachigen Kinder werden im Buch Informationen und Empfehlungen für eine linguistisch fundierte alltagsintegrierte sowie additive Sprachförderung gegeben, die am individuellen Sprachentwicklungsstand von Kindern ansetzt. Beispiele zur konkreten Planung und Umsetzung von Sprachfördermaßnahmen dienen der Veranschaulichung und als Orientierungshilfe für pädagogische Fachkräfte.

Wie funktioniert das Tool?

Bei dem Tool Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa handelt es sich um ein Buch, das in zehn Kapiteln Wissen über den kindlichen Erst- und Zweitspracherwerb sowie zur Sprachdiagnostik und -förderung enthält und zum Selbststudium geeignet ist.

Das im Buch beschriebene Förderkonzept Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa eignet sich zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte in der alltagsintegrierten sowie additiven Sprachförderung mit ein- und mehrsprachigen Kindern im Elementarbereich. Ruberg und Rothweiler gehen davon aus, dass pädagogische Fachkräfte ein linguistisch fundiertes Grundlagenwissen über den kindlichen Spracherwerb und über Spracherwerbsverläufe benötigen, um der Aufgabe der Sprachförderung gerecht zu werden. Im Buch wird deshalb zunächst ein Überblick über den kindlichen Spracherwerb gegeben, bevor in den nachfolgenden Kapiteln sprachwissenschaftlich begründete Informationen zu Sprachdiagnostik und Sprachförderung abgeleitet werden. Hinzu kommen Beispiele für die konkrete Planung und Umsetzung von Sprachfördereinheiten in Bezug auf bestimmte Förderziele. Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über die zehn Kapitel des Buches gegeben.

Im Fokus des ersten Kapitels steht eine Einleitung zu Zielen und zum Gegenstand von Sprachförderung. Zudem wird die zentrale Grundposition des Buches herausgearbeitet: Da pädagogischen Fachkräften im Rahmen der Sprachförderung eine wichtige Rolle zukommt, benötigen sie ein grundlegendes Wissen über Sprache und den kindlichen Spracherwerb (vgl. Rothweiler, Ruberg & Utecht, 2009). Dieses Wissen kann dazu beitragen, „die sprachliche Selbstreflexion und Handlungskompetenz der pädagogischen Fachkräfte im Bereich Sprachförderung zu erhöhen, und führt so zu einer Professionalisierung im Elementarbereich“ (a.a.O., S. 118).

Im zweiten Kapitel folgt ein grober Überblick über den kindlichen Spracherwerb aus sprachwissenschaftlicher Perspektive. Dabei wird auf Spracherwerbsprozesse in Bezug auf die unterschiedlichen sprachlichen Ebenen (z.B. Phonologie, Morphologie, Syntax) Bezug genommen und ebenfalls auf den Spracherwerb von Kindern eingegangen, die Deutsch als frühe Zweitsprache erwerben.

Aus dieser spracherwerbstheoretischen Perspektive heraus leiten sich in Kapitel 3 Leitlinien guter Sprachförderung ab. Diese didaktischen und methodischen Grundprinzipien gelten als Orientierung für die pädagogischen Fachkräfte und als Grundlage für eine erfolgreiche Sprachförderung.

Kapitel 4 widmet sich der Sprachdiagnostik als genuinem Bestandteil von Sprachförderung. Ziele und Funktionen der Sprachstandserhebung werden erläutert. Daneben findet eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Verfahren statt, und es werden Empfehlungen gegeben, die die Auswahl eines geeigneten Diagnoseverfahrens erleichtern sollen.

Im fünften Kapitel folgen Hinweise zu förderlichem Sprachverhalten. Neben einem Einblick in die Forschung zu kindgerichteter Sprache und deren Wirksamkeit sind im Kapitel Empfehlungen für sprachförderliches Handeln enthalten: Ziel der Professionalisierung ist es, Kinder zum Sprechen anzuregen und sie dabei durch den gezielten Einsatz geeigneter Methoden (z.B. Modellierungstechniken) zu unterstützen.

Die Kapitel 6 bis 8 befassen sich mit dem Erwerb und der Förderung von phonologischen, semantisch-lexikalischen sowie grammatischen Fähigkeiten. Dabei wird jeweils zunächst ein detaillierter Überblick über Spracherwerbsverläufe im jeweiligen Bereich gegeben. Daran anschließend werden Möglichkeiten der Sprachförderung diskutiert, mögliche Förderziele beschrieben sowie Beispiele und Empfehlungen für die konkrete Umsetzung von Sprachförderung gegeben.

Im Vordergrund des neunten Kapitels stehen die Planung von Fördereinheiten und die Auswahl und der Einsatz von Sprachfördermaterialien. In diesem Zusammenhang wird zunächst die Nutzung von Sprachförderprogrammen diskutiert. Daneben wird am Beispiel von Bilderbüchern erklärt, wie man die in Kapitel 3 aufgestellten Leitlinien zur Sprachförderung konkret umsetzen kann.

Im letzten Kapitel werden Beispiele zur konkreten Planung und Umsetzung von Sprachfördereinheiten gegeben. Dabei werden Einheiten zu vier Förderbereichen umgesetzt: Erweiterung des Verblexikons, Förderung des Wortschatzerwerbs, Förderung des Akkusativerwerbs sowie Förderung des Dativerwerbs.

Die Kapitel enthalten darüber hinaus jeweils ein Unterkapitel mit weiterführender Literatur. Am Ende einiger Kapitel erhalten pädagogische Fachkräfte die Möglichkeit zur selbstständigen Lernkontrolle in Form von Aufgaben zur Wiederholung und Anwendung des Gelernten.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material und Zugänglichkeit: Das Buch „Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa“ von Tobias Ruberg und Monika Rothweiler kann im Buchhandel bestellt werden (ISBN 978-3-17-021390-6).

Preis: 24,90 Euro

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Dr. Tobias Ruberg und Prof. Dr. Monika Rothweiler haben das Buch Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa verfasst. Beide sind am Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften der Universität Bremen im Arbeitsgebiet Inklusive Pädagogik / Förderschwerpunkt Sprache tätig.

Dem Tool liegt die Grundposition zugrunde, dass den Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte im Rahmen der Sprachförderung eine entscheidende Rolle zukommt und sie ihre Aufgabe der Sprachförderung nur erfüllen können, wenn sie über ein sprachwissenschaftlich fundiertes Basiswissen über den kindlichen Erst- und Zweitspracherwerb sowie über Spracherwerbsverläufe in der frühen Kindheit verfügen (Rothweiler, Ruberg & Utecht, 2008). Ruberg und Rothweiler argumentieren, dass es pädagogischen Fachkräften nur auf Grundlage dieses Wissens möglich ist, geeignete Verfahren zur Sprachstandsdiagnostik auszuwählen sowie spracherwerbstheoretisch begründete Entscheidungen über die Planung und Durchführung von Sprachfördermaßnahmen zu treffen. So kann Sprachförderung „nur dann wirksam werden, wenn diejenigen, die die Förderung durchführen, genau wissen, welche Unterstützung und welche sprachlichen Informationen ein Kind gerade aktuell benötigt“ (Ruberg & Rothweiler, 2012, S. 19). Hierfür ist ein Grundprinzip der linguistisch fundierten Sprachförderung beispielsweise die Orientierung am natürlichen Spracherwerb des Kindes, der in vielen Bereichen regelgeleitet verläuft und bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt (z.B. in Bezug auf die Meilensteine des Syntaxerwerbs, vgl. Clahsen, 1988; Tracy, 1991): Indem die Förderung am jeweiligen Sprachentwicklungsstand des Kindes ausgerichtet ist, kann die „Zone der nächsten Entwicklung“ (Vygotskij, 2003) für die Förderung genutzt und so der nächste Erwerbsschritt angebahnt werden.

b) empirische Fundierung

Bisher liegt keine empirische Fundierung zum Tool Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa vor. Ergebnisse einer Evaluationsstudie von Rothweiler, Ruberg und Utecht (2010) stützen jedoch die Annahme, „dass die Aneignung linguistischer Kompetenzen das sprachpädagogische Handeln frühpädagogischer Fachkräfte nachhaltig professionalisieren kann“ (Ruberg & Rothweiler, 2012, S. 20). Im Rahmen eines Forschungs- und Transferprojektes von Rothweiler, Ruberg und Utecht (2010) wurde das Wissen von Erzieherinnen und Erziehern vor und nach einer Weiterbildung, die linguistisch fundiert war und theoretisches sowie anwendungsbezogenes Wissen über Sprache, Spracherwerb und Mehrsprachigkeit vermittelte, mittels Fragebögen erfasst. Während bei den 15 Erzieherinnen und Erziehern der Wartekontrollgruppe nach der Weiterbildung keine Wissenszuwächse festgestellt werden konnten, zeigten sich bei den 15 Weiterbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmern in einigen Wissensbereichen signifikante Wissenszuwächse, die auch sechs Monate nach der Weiterbildung bestehen blieben. Darüber hinaus dokumentierten Rothweiler, Ruberg und Utecht (2010), dass auch die Kompetenz zur Analyse kindlicher Äußerungen anhand entwicklungsrelevanter Kriterien im Anschluss an die Fortbildungsreihe relevant gesteigert werden konnte.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Linguistische Sprachstandserhebung – Deutsch als Zweitsprache (LiSe-DaZ)

Alter: 0; 1; 2; 3; 4; 5; 6

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Link zum beendeten Transferprojekt von Rothweiler, Ruberg und Utecht (2010): „Qualifizierungsmodul zu Sprache, Sprachentwicklung, Spracherwerbsstörung und Mehrsprachigkeit für ErzieherInnen“:
https://www.uni-hamburg.de/sfb538/forschungsprogramm/abgeschlossene-projekte/qualifikationsmodul.html [22.02.2021]

Literaturhinweise

Clahsen, H. (1988).Normale und gestörte Kindersprache: linguistische Untersuchungen zum Erwerb von Syntax und Morphologie. Amsterdam: Benjamins.

Ruberg, T. & Rothweiler, M. (2012). Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa. Stuttgart: Kohlhammer.

Rothweiler, M., Ruberg, T. & Utecht, D. (2009). Praktische Kompetenz ohne theoretisches Wissen? Zur Rolle von Sprachwissenschaft und Spracherwerbstheorie in der Ausbildung von Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. In D. Wenzel, G. Koeppel & U. Carle (Hrsg.), Kooperation im Elementarbereich. Eine gemeinsame Ausbildung für Kindergarten und Grundschule (S. 111–122). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Rothweiler, M., Ruberg, T. & Utecht, D. (2010). Qualifizierungsmodul zu Sprache, Sprachentwicklung, Spracherwerbsstörung und Mehrsprachigkeit für ErzieherInnen. Abschlussbericht. Hamburg. Verfügbar unter: https://www.uni-hamburg.de/sfb538/abschlussbericht-t2.pdf [22.02.2021]

Tracy, R. (1991). Sprachliche Strukturentwicklung. Linguistische und kognitionspsychologische Aspekte einer Theorie des Erstspracherwerbs. Tübingen: Narr.

Vygotskij, L. (2003). Ausgewählte Schriften. Band 2: Arbeiten zur Entwicklung der Persönlichkeit. (hrsg. von J. Lompscher). Berlin: Lehmanns Media.

Letzte Änderung am: 22.02.2021