Sprachliche Bildung. Grundlagen für die kompetenzorientierte Weiterbildung. Beispiel A: Spracherwerb und Sprachbeobachtung im Bereich Grammatik.

ProfessionalisierungskonzeptElementarbereichE1E2E3
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen.

Kurzbeschreibung

Kostenlos.

Das Projekt Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem deutschen Jugendinstitut e. V. (DJI) gibt in seiner Expertise Sprachliche Bildung – Grundlagen für die kompetenzorientierte Weiterbildung eine Hilfestellung für „die Konzeption qualitativ hochwertiger und kompetenzorientierter Weiterbildungsangebote in unterschiedlichen Qualifizierungsbereichen“ (WiFF, 2011, S. 5). Dort beschreibt Kapitel 3, Beispiel A die Umsetzung einer dreitägigen Fortbildung, die elementarpädagogische Fachkräfte befähigen soll, die sprachlichen Fähigkeiten von Kindergartenkindern im Bereich Grammatik einzuschätzen – und zwar auf Grundlage von fundierten Kenntnissen über Sprache und Spracherwerb.

Welches Ziel hat das Tool?

Das Tool dient der Professionalisierung von Erzieherinnen und Erziehern im Hinblick auf die Einschätzung des grammatischen Entwicklungsstandes von Kindern. Es stellt ein Weiterbildungskonzept für Referentinnen und Referenten dar, die Erzieherinnen und Erzieher in der Beobachtung und Einschätzung der Sprachentwicklung von Kindergartenkindern im Bereich Grammatik schulen wollen. Der geplante dreitägige Ablauf wird detailliert dargestellt.

Das Tool ist einsetzbar in den Modulen E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern unter 3 Jahren“ und E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Tool ist Bestandteil einer Expertise, die einen Beitrag zur kompetenzorientierten Weiterbildung in der sprachlichen Bildung leisten soll. Sie richtet sich an Referentinnen und Referenten sowie an Anbieter von Weiterbildungsangeboten. Das beschriebene Tool (Beispiel A: Spracherwerb und Sprachbeobachtung im Bereich Grammatik) dient dazu, die Referentinnen oder Referenten dazu zu befähigen, eine Schulung mit Erzieherinnen und Erziehern bzw. anderen Personen, die im Elementarbereich tätig sind, durchzuführen. In dieser Schulung wird ihnen ein Überblick über grundlegende Prozesse im Spracherwerb vermittelt. Die erworbenen Kenntnisse dienen als Grundlage dafür, in der Praxis eine Analyse des grammatischen Entwicklungsstandes von ein- oder mehrsprachigen Kindern im Kita-Alter vornehmen zu können und eventuelle Auffälligkeiten zu erkennen.

Wie funktioniert das Tool?

Das Tool beschreibt exemplarisch, wie eine Weiterbildung, die den Spracherwerb und die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern im Elementarbereich zum Inhalt hat, durchgeführt werden kann. Gegenstände sind die konzeptionellen Aspekte wie die Auswahl der Zielgruppe, die Definition der zu erwerbenden Ziele, die Gruppengröße, der zeitliche Rahmen, die Aufbereitung des Theorie-Praxis-Transfers und die Raumgestaltung.

Die vorgestellte Schulung richtet sich an staatlich anerkannte Erzieherinnen und Erzieher mit Berufspraxis. Es werden zum einen theoretische sprachwissenschaftliche Grundlagen vermittelt, vor allem aber geübt, wie das sprachliche Verhalten von Kindern im Bereich Grammatik richtig beobachtet und eingeschätzt werden kann. Auf dieser Grundlage lassen sich Hinweise auf sprachliche Auffälligkeiten erkennen. Konkrete Fördermaßnahmen, die ergriffen werden sollten, werden nur am Rande der Schulung besprochen. Die Schulung gliedert sich in drei Blöcke: Auf den ersten Präsenztag folgt eine Praxisphase, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr bereits erworbenes Wissen anwenden sollen, indem sie ein Kind ihrer Gruppe analysieren. Diese Analysen dienen als Material für die zwei weiteren Präsenztage, die möglichst an aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden sollten.

Der Ablauf der Schulung wird detailliert tabellarisch aufgeführt, Bearbeitungszeiten sowie Aufgaben und dazugehörige Fragen werden exakt vorgegeben. Das Übungsmaterial ist auf der Homepage der WiFF nicht direkt verfügbar, da der beschriebene Fortbildungsablauf nur als Beispiel zu verstehen ist.

Die Arbeitsmaterialien sind in 13 Arbeitsblätter unterteilt:

Präsenztag 1:

Arbeitsblatt 1: „Reflexion des eigenen Lernprozesses“. Das Vorwissen und die Erwartungen der Erzieherinnen und Erzieher an die Schulung werden erfragt. Am Ende der Schulung wird dieses Arbeitsblatt noch einmal herangezogen und sich über den Lernfortschritt und die Umsetzbarkeit des Erlernten ausgetauscht.

Arbeitsblatt 2: „Mehmet“. Auf Grundlage von Aussagen des Kindes Mehmet, die auf Video angeschaut werden, soll sein Sprachstand im Bezug auf die Grammatik eingeschätzt werden.

Arbeitsblatt 3: „Beobachtungsbogen Mehmet“. Am Beispiel des Kindes Mehmet werden Lernziele für diese Fortbildung definiert, inhaltliche Wünsche formuliert und in Kleingruppen diskutiert.

Arbeitsblatt 4: „Alles Unsinn – oder doch nicht?“. An Sätzen, in denen Nonsens-Wörter vorkommen, werden im Plenum oder in Partnerarbeit Regeln der deutschen Grammatik besprochen.

Arbeitsblatt 5: „Simone auf dem Weg zur Satzstruktur“. Die Entwicklung der Sprache im Bereich Grammatik wird am Beispiel des Kindes Simone nachverfolgt. Im Vorfeld wurden durch den Dozenten grammatikalische Grundstrukturen erklärt.

Arbeitsblatt 6 „Topologische Felder“ und Arbeitsblatt 7 „Auf dem Weg zur Satzstruktur: Phasen des Spracherwerbs“. Die Schulungsteilnehmer und -teilnehmerinnen werden mit den Begriffen „linke und rechte Satzklammer“ vertraut gemacht. Die Anwendung dieser grammatikalischen Begriffe wird an Beispielsätzen geübt.

Präsenztag 2:

Arbeitsblatt 8 „Analysebogen Satzstruktur“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekamen am Ende des ersten Präsenztages die Aufgabe, ein ca. 20-minütiges Video eines Kindes aus ihrer Einrichtung anzufertigen und auf grammatikalische Gesichtspunkte hin mit diesem Arbeitsblatt auszuwerten.

Arbeitsblatt 9 „Checkliste Satzstruktur“. Dieses Arbeitsblatt hilft dabei, Arbeitsblatt 8 zu analysieren.

Arbeitsblatt 10 „Devran“. Beispielaussagen eines Kindes mit einer Spezifischen Sprachentwicklungsstörung werden analysiert und mit denen von Kindern mit ungestörtem Spracherwerb verglichen.

Präsenztag 3:

Arbeitsblatt 11 „Der, die, den – oder was?“. Anhand einer Beispielunterhaltung zwischen einem Kind und einem Erwachsenen wird auf die Artikelmorphologie eingegangen.

Arbeitsblatt 12 „Artikelerwerb“. Beispielsätze regen dazu an, den Erwerb und die richtige Anwendung der Artikel in der deutschen Sprache zu beleuchten.

Arbeitsblatt 13 „Analysebogen Artikel“. Dieses Arbeitsblatt wird genutzt, um das Transkript, das vom Kind aus der eigenen Kindertagesstätte angefertigt wurde, im Hinblick auf den Erwerb und die Anwendung der Artikel zu analysieren.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Expertise Praxis der kompetenzorientierten Weiterbildung, Beispiel A: Spracherwerb und Sprachbeobachtung im Bereich Grammatik. Ablaufplan und Arbeitsblätter gehören zu dem Kapitel dazu und sind online verfügbar (s. Links), nicht jedoch weitere Materialien wie das Video „Mehmet“ oder Plakate.

Zugänglichkeit: Kostenfrei verfügbar im Internet (s. Links)

Preis: Material kostenfrei

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Sprachförderung gilt als eine der grundlegenden Aufgaben frühpädagogischer Fachkräfte. Im Abschnitt 3.1.6 des Tools wird hervorgehoben, dass eine fundierte Kenntnis in der Sprachbeobachtung von Kindern durch Erzieherinnen und Erzieher wichtig ist, um Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung zu erkennen und frühzeitig zu reagieren. Laut den Ergebnissen einer Studie von Fried (2007) sehen elementarpädagogische Fachkräfte jedoch Wissenslücken im Bereich der Sprachfeststellung oder -beobachtung und haben Schwierigkeiten, Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen in der Kindertageseinrichtung fachgerecht zu fördern. Rothweiler, Ruberg und Utecht (2010) gehen deshalb davon aus, dass ein umfassender Qualifizierungsbedarf bei pädagogischen Fachkräften in den Bereichen Sprachbeobachtung, -diagnostik und -förderung besteht. Weiterbildungen können Grundkenntnisse über den theoretischen Aufbau der Sprachentwicklung von Kindern, die deutsche Grammatik und Fachausdrücke vermitteln, mit deren Hilfe Beobachtungsinstrumente wie z.B. der Beobachtungsbogen Sismik (Ulich & Mayr, 2003) oder Seldak (Ulich & Mayr, 2006), sinnvoll genutzt werden können.

b) empirische Fundierung

Nach aktuellem Kenntnisstand liegt noch keine empirische Fundierung dazu vor, ob die Fortbildung zu einer Verbesserung des Beobachtungsverhaltens pädagogischer Fachkräfte im Bereich der Grammatikentwicklung führt.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Sismik)

Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern (Seldak)

Alter: 3; 4; 5; 6

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Expertise Praxis der kompetenzorientierten Weiterbildung:
https://www.weiterbildungsinitiative.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/old_uploads/media/WiFF_Expertise_53_Meyer_WEB.pdf [22.02.2021]

Literaturhinweise

Fried, Lilian (2007). Sprachförderkompetenz von ErzieherInnen. Ergebnisse einer Selbsteinschätzung. In: Sozial Extra, 5/6, S. 26-28.

Rothweiler, M., Ruberg, T. & Utecht, D. (2010). Praktische Kompetenz ohne theoretisches Wissen? Zur Rolle von Sprachwissenschaft und Spracherwerbstheorie in der Ausbildung von Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. In: Carle, U., Wenzel, D. (Hrsg.). Kooperation im Elementarbereich. Baltmannsweiler: Hohengeren.

Ulich, M. & Mayr, T. (2003). Sismik. Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.

Ulich, M. & Mayr, T. (2006). Seldak. Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern (Beobachtungsbogen und Begleitheft). Freiburg: Herder.

Letzte Änderung am: 22.02.2021