Sprachliche Kompetenzen Pädagogischer Fachkräfte (SprachKoPF)

ProfessionalisierungskonzeptElementarbereichE1E2E3E6
Hinweis:
Die Beschreibungen, die Sie hier finden, dokumentieren Tools, die von den Verbünden der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) während der Laufzeit des Programms von 2013 bis 2019 zur (weiteren) Professionalisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BiSS-Verbünde genutzt wurden. Die Professionalisierungskonzepte wurden aufgrund ihrer großen Heterogenität (DVDs, Trainingsprogramme, Bücher, Schulungen) und fehlender Bewertungsmöglichkeiten keiner wissenschaftlichen Prüfung auf die Erfüllung von Gütekriterien unterzogen.

Kurzbeschreibung

Preis: 10,00 Euro.

Beim Tool SprachKoPF handelt es sich um einen computergestützten Test zur standardisierten Erfassung der Sprachförderkompetenz pädagogischer Fachkräfte im Elementarbereich. Mit dem Tool kann der Ist-Stand der Sprachförderkompetenz in den beiden Kompetenzbereichen „Wissen“ und „Können“ erhoben und die Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte dokumentiert werden. Einzelpersonen aber auch Gruppen können mit dem Tool getestet werden.

Welches Ziel hat das Tool?

Ziel des Tools SprachKoPF ist es, die Sprachförderkompetenz pädagogischer Fachkräfte zu dokumentieren und dadurch indirekt zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte beizutragen. Das Tool richtet sich in erster Linie an Fachkräfte im Elementarbereich und eignet sich für den Einsatz in den Modulen E1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E2 „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“, E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“ und E6 „Übergang vom Elementar- zum Primarbereich“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Tool SprachKoPF eignet sich zur Erfassung der Sprachförderungskompetenz pädagogischer Fachkräfte und zur Dokumentation ihrer Professionalisierung in Bezug auf die zentralen Punkte „Wissen“ und „Können“. Durch die Anwendung des Tools wird eine „Soll/Ist-Analyse der Sprachförderkompetenz“ ermöglicht (Thoma, Tracy, Michel & Ofner, 2012, S. 88), die den Qualifizierungsbedarf von pädagogischen Fachkräften sichtbar macht und den Ausgangspunkt für weitere Qualifizierungsmaßnahmen bilden kann. So können Kompetenzen im Bereich der Sprachförderung zuverlässig erfasst und darüber hinaus auch zertifiziert werden. Das Instrument berücksichtigt darüber hinaus den Kenntnisstand von Fachkräften zum Bereich Sprachbildung/ -förderung bei Mehrsprachigkeit.

Wie funktioniert das Tool?

Mit dem Tool SprachKoPF kann die Sprachförderkompetenz pädagogischer Fachkräfte standardisiert erfasst werden, außerdem kann ihre Professionalisierung beispielsweise vor und nach einer Fortbildungsmaßnahme dokumentiert werden. Die derzeitige Fassung des Tests (SprachKoPF v07, Thoma & Tracy, 2013), die sich noch in der Weiterentwicklung befindet, deckt die Bereiche „Wissen“ und „Können“ ab und ist inhaltlich in diese beiden Bereiche gegliedert.

Im ersten Teil des Tests steht der Inhaltsbereich „Wissen“ im Vordergrund. Dieser Teil beinhaltet 55 geschlossene Fragen, welche die Teilbereiche Sprache als kognitives und kommunikatives System, Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, Sprachdiagnostik und -förderung beinhalten. Die pädagogischen Fachkräfte sind dazu angehalten, in jedem Teilbereich eine festgelegte Anzahl an Fragen zu beantworten, indem sie eine oder mehrere korrekte Antwortalternativen ankreuzen oder einer Auswahl von Begriffen jeweils die richtige Definition zuordnen. So erhalten die Fachkräfte bei einem Item zum Teilbereich Sprachdiagnostik / -förderung beispielsweise folgende Aufgabenstellung mit den genannten vier Antwortoptionen, aus welchen sie die korrekte auswählen sollen (Beispiel aus Thoma et al., 2012):

„Sie haben für Ihre Einrichtung ein standardisiertes Verfahren zur Sprachstandsbestimmung angeschafft. Im Handbuch steht zu jeder Aufgabe wie sie durchzuführen und auszuwerten ist. Kreuzen Sie die zutreffende Aussage an:“

  • „Die Anweisungen im Handbuch dienen lediglich als Hilfestellung, wenn einem selbst nicht einfällt, wie man dem Kind eine Aufgabe präsentieren könnte.“
  • „Man sollte sich anfangs an diese Vorgaben halten. Wenn man das Verfahren einige Male durchgeführt hat, kann man selbst kreativer damit umgehen.“
  • „Das sind Beispiele an denen man sich orientieren kann, aber nicht muss.“
  • „Das sind strenge Vorgaben, die man möglichst genau befolgen sollte.“

Im zweiten Teil des Tests steht der Bereich „Können“ im Vordergrund. Dieser Teilbereich umfasst Aufgaben, die konkrete Situationen aus dem pädagogischen Alltag in Form von Beschreibungen bzw. Video-und Audioaufzeichnungen nachstellen. Die teilnehmenden pädagogischen Fachkräfte bewerten die Situationen und bestimmen, welche Handlungsoptionen angemessen sind. Sie haben außerdem die Möglichkeit, aus einer Auswahl die jeweils beste Handlungsoption anzukreuzen. Inhaltlich stehen vor allem Fragen zur Sprachdiagnostik (Beobachten Können) und Sprachförderung (Fördern Können) im Vordergrund des zweiten Testteils. Im Teilbereich Beobachten Können beantworten die Fachkräfte anhand von sieben authentischen Videoausschnitten aus Sprachfördersituationen insgesamt zwölf Aufgaben. Einige von ihnen sind nach dem Richtig-Falsch-Prinzip aufgebaut, bei anderen sind mehrere richtige Antworten möglich. Die gewählte Antwortoption muss dabei immer in einem Freitextfeld begründet werden. Bei einem Item zum Bereich Beobachten Können sehen die Fachkräfte beispielsweise einen kurzen Videoausschnitt von einer Erzieherin und einem Kind im Gespräch. Im Anschluss an das Betrachten der Aufnahme sollen die Fachkräfte folgende Aussage entweder als zutreffend oder nicht zutreffend beurteilen: Das Kind bildet nur Hauptsätze. In einem Feld können die Fachkräfte zudem Kommentare eintragen oder ihre Entscheidung begründen (Beispiel aus Thoma et al., 2012). Im Teilbereich Fördern Können beantworten die Fachkräfte nach Ansicht von Videoausschnitten insgesamt fünf Items. Hierbei geht es vor allem darum, spezifische Fördermaßnahmen auszuwählen, die für die jeweilige Situation als geeignet erscheinen.

Damit Hintergrundvariablen (zum Beispiel Alter, Geschlecht, Informationen zur Aus- und Fortbildung) der Testteilnehmerinnen und -teilnehmer erfasst werden können, enthält das Verfahren außerdem Fragen zum persönlichen und beruflichen Hintergrund. Darüber hinaus wird die Arbeitsmotivation und die Einstellung zum Thema Mehrsprachigkeit erfasst.

Die Bearbeitungszeit von SprachKoPF liegt bei etwa eineinhalb bis zwei Stunden (Thoma, Ofner & Tracy, 2013). Mit dem Tool können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen getestet werden. Hilfestellungen in Form von Büchern oder Internet sind den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht erlaubt. Empfohlen wird in jedem Fall die Anwesenheit eines Testleiters oder einer Testleiterin. So soll eine objektive Durchführung gewährleistet werden.

Als Ergebnis des Tests erhält man jeweils für die Teilbereiche Wissen, Beobachten Können und Fördern Können einen Punktewert zwischen 0 und 1, der sich aus den richtig beantworteten Items ergibt und zudem eine Ratekorrektur beinhaltet. Dieser Wert kann beispielsweise mit der Normierungsstichprobe von Thoma und Tracy (2013) verglichen werden, um einen Eindruck von der eigenen Sprachförderkompetenz im Gegensatz zu Kompetenzen der eigenen oder weiteren Berufsgruppen zu erhalten. Insgesamt wurden bislang Daten von 158 Fachschülerinnen und Fachschülern, 89 pädagogischen Fachkräften aus dem Elementarbereich, 274 Sprachförderkräften aus dem Primarbereich sowie 6 Fachschullehrkräften erhoben.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Zur Durchführung wird ein Zugang zur Computerversion des Instruments SprachKoPF benötigt (s. Zugänglichkeit). Daneben benötigt jede Person, die den Test durchführen möchte, einen eigenen Computer, an welchem sie arbeiten kann. Als Systemvoraussetzung wird das Vorhandensein eines Adobe Flash Players genannt.

Schulung: Das Verfahren ist selbsterklärend.

Zugänglichkeit: Das Tool SprachKoPF kann nicht im Handel erworben werden, an der webbasierten Implementierung des Tools wird gearbeitet. Die Beta-Version von SprachKoPF v07 steht jedoch online zur Verfügung. Das Verfahren kann aktuell ausschließlich von Forschenden genutzt werden. Hierzu geben die Autorinnen und Autoren an, dass interessierte Forschende auf Anfrage Zugangscodes per Email erhalten. Folgender Link enthält nähere Informationen zum Projekt sowie den Zugang zum Instrument: https://www.mazem.de/index.php?id=79

Preis: Für die Datenaufbereitung und Datenauswertung werden pro Zugang zum Instrument jeweils 10 Euro berechnet.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Beim Tool SprachKoPF handelt es sich um ein Professionalisierungstool, das im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts SprachKoPF – Sprachliche Kompetenzen Pädagogischer Fachkräfte in der Forschungsinitiative Sprachdiagnostik und Sprachförderung (FiSS) unter der Leitung von Prof. Dr. Rosemarie Tracy und Dr. Dieter Thoma am Lehrstuhl Anglistik I für Anglistische Linguistik der Universität Mannheim entwickelt wurde.

Dem Tool liegt die Grundposition zugrunde, dass den Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte im Rahmen der Sprachförderung eine entscheidende Rolle zukommt (Darling-Hammond, 2000; Lipowsky, 2007) und sie zur Durchführung von Sprachförderung entsprechende Kompetenzen benötigen. Den theoretischen Hintergrund des Instruments SprachKoPF bildet das Konstrukt der Sprachförderkompetenz von Hopp, Thoma und Tracy (2010). In ihrem Konstrukt beschreiben Hopp et al. (2010) Sprachförderkompetenz als die Kompetenz, Sprachfördersituationen im Rahmen des pädagogischen Alltags zu schaffen, in welchen pädagogische Fachkräfte die Bedingungen des natürlichen Spracherwerbs nachbilden können und in der Lage sind, ihre Sprache auf den sprachlichen Entwicklungsstand der jeweiligen Kinder abzustimmen. Damit pädagogische Fachkräfte dies leisten können, benötigen sie „bereichsbezogene Kenntnisse (Wissen), Fähigkeiten (Können) und Handlungen (Machen)“ (Hopp, Thoma & Tracy, 2010, S. 614). Auf Grundlage dieser Kompetenzen wird es ihnen beispielsweise möglich, geeignete Verfahren zur Sprachstandsdiagnostik auszuwählen sowie spracherwerbstheoretisch begründete Entscheidungen über die Planung und Durchführung von Sprachfördermaßnahmen zu treffen. Das Modell zur Sprachförderkompetenz von Hopp et al. (2010) beruht auf umfangreichen Forschungsergebnissen zu kindlichen Erst- und Zweitspracherwerbsverläufen und berücksichtigt Mehrsprachigkeit. Mit ihrem Modell zur Sprachförderkompetenz orientieren sich die Autoren und die Autorin an Kompetenzmodellen, die für den schulischen Kontext entwickelt wurden (z.B. Baumert & Kunter, 2006).

b) empirische Fundierung

Das Instrument SprachKoPF wurde während der ersten Projektphase von 2009 bis 2012 entwickelt. Während dieser Zeit wurde das Verfahren mehrfach erprobt und modifiziert. SprachKoPF v06 wurde im Rahmen seiner Entwicklung an einer Stichprobe von 144 pädagogischen Fachkräften auf verschiedene Gütekriterien hin untersucht (vgl. Thoma, Ofner & Tracy, 2013). Im Hinblick darauf, wie zuverlässig das Verfahren die Kompetenzen erfasst, wurden für die beiden Teilkompetenzen Wissen und Können jeweils die Reliabilität (Cronbachs α) und Trennschärfen berechnet. Hierbei wurden die Werte von den Autorinnen und Autoren für den Test insgesamt (α = .77) und für den Teilbereich Wissen (α = .75) als gut, für den Bereich Können als ausreichend eingestuft (Beobachten Können: α = .20; Fördern Können: α = .49). Dieses Ergebnis führen Thoma, Ofner und Tracy (2013) „auf Kompromisse zwischen der psychometrischen Optimierung und der Konstruktvalidität bei der Testentwicklung zurück“ (Thoma, Ofner & Tracy, 2013, S. 98), was bedeutet, dass die nur ausreichenden Werte durch technische Aspekte der Testkonstruktion bedingt und Folge der geringen Anzahl der Items sind.

Im Hinblick darauf, ob der Test tatsächlich das misst, was er zu messen vorgibt, wird die Validität des Instruments dadurch gestützt, dass SprachKoPF v06 insbesondere im Teilbereich Wissen gut zwischen verschiedenen Berufsgruppen sowie zwischen pädagogischen Fachkräften mit unterschiedlichen Schulabschlüssen differenziert. Auch die Augenscheinvalidität des Instruments wurde anhand von freien Kommentaren der pädagogischen Fachkräfte zum Verfahren überprüft und als gut bewertet. Die Mehrheit der Aussagen zeigte laut Thoma, Tracy, Michel und Ofner (2012, S. 39), „dass die Teilnahme an der Studie den Fachkräften Denkanstöße hinsichtlich ihrer eigenen Kompetenzen und ihres Weiterbildungsbedarfs im Bereich Sprachförderung liefern konnte“.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Linguistische Sprachstandserhebung – Deutsch als Zweitsprache (LiSe-DaZ)

Sprache macht stark. Offensive Bildung. (Buch)

Spracherwerb und Sprachförderung in der KiTa (Buch)

Alter: 2; 3; 4; 5; 6

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Informationen zum Projekt SprachKoPF auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:
https://www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de/de/664.php [22.02.2021]

Schlussbericht des Projekts SprachKoPF:
https://doi.org/10.2314/GBV:780023420 [22.02.2021]

SprachKoPF-online:
https://www.mazem.de/index.php?id=79 [22.02.2021]

Literaturhinweise

Baumert, J., & Kunter, M. (2006). Stichwort: Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 9(4), 469-520.

Darling-Hammond, L. (2000). How teacher education matters. Journal of Teacher Education, 51(3), 166-173.

Hopp, H., Thoma, D. & Tracy, R. (2010). Sprachförderkompetenz pädagogischer Fachkräfte: Ein sprachwissenschaftliches Modell. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 13(4), 609-629.

Lipowsky, F. (2007). Unterrichtsqualität in der Grundschule — Ansätze und Befunde der nationalen und internationalen Forschung. In K. Möller, P. Hanke, C. Beinbrech, A. K. Hein, T. Kleickmann & R. Schages (Hrsg.), Qualität von Grundschulunterricht (S. 35-49). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Thoma, D., Tracy, R., Michel, M., & Ofner, D. (2012). Schlussbericht des Vorhabens SprachKoPF, "Sprachliche Kompetenzen Pädagogischer Fachkräfte". Mannheim: Universität Mannheim. Verfügbar unter: https://doi.org/10.2314/GBV:780023420 [22.02.2021].

Thoma, D., Ofner, D. & Tracy, R. (2013). Möglichkeiten und Schwierigkeiten der standardisierten Messung der Sprachförderkompetenz pädagogischer Fachkräfte. In A. Redder & S. Weinert (Hrsg.), Sprachförderung und Sprachdiagnostik. Perspektiven aus Psychologie, Sprachwissenschaft und empirischer Bildungsforschung (S. 89-107). Münster: Waxmann.

Letzte Änderung am: 22.02.2021