Stolperwörter-Lesetest

von Wilfried Metze

DiagnosePrimarstufeP3P4
gelber Punkt Das Verfahren entspricht überwiegend den Minimalstandards. Optimierungsbedarf gibt es bei der Validität: Die Stichproben zur Berechnung der konvergenten Validität des Stolperwörterlesetests sind sehr klein, was die Aussagekraft zur Validität einschränkt. Darüber hinaus gibt es in Bezug auf die Normierung/Interpretationseindeutigkeit lediglich Prozentrangtabellen, die auf freiwilligen Rückmeldungen durch Lehrer beruhen und nicht standardisiert erhoben wurden. Trotz des Namens des Verfahrens handelt es sich eher um ein informelles Screening. Die Anwendung kann durch Lehrkräfte erfolgen.

Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Kostenfrei.

Der Stolperwörter-Lesetest dient im Primarbereich der Erfassung des Lesetempos, der Lesegenauigkeit und des Leseverständnisses von Erst- bis Viertklässlern. Er ist als Gruppentest konzipiert und liegt in zwei Parallelversionen vor.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 23.04.2020

Welches Ziel hat das Tool?

Der Stolperwörter-Lesetest ist ein Diagnostik-Tool. Es handelt sich um einen Lesetest für Grundschüler, mit dem innerhalb von ca. 15 Minuten das Lesetempo, die Lesegenauigkeit und das Verständnis des Gelesenen erfasst werden sollen. Der Test ist als Gruppentest ab dem Ende des ersten Schuljahres einsetzbar. Er kann im Rahmen der Arbeit in den Modulen P3 „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und P4 „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ genutzt werden.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Der Stolperwörter-Lesetest, der Lehrpersonal im Internet kostenfrei zur Verfügung steht, kann in der Primarstufe ab dem Ende des ersten Schuljahres als Gruppentest durchgeführt werden. Innerhalb von ca. 15 Minuten kann die Lesefähigkeit der Schülerinnen und Schüler bezüglich des Tempos, der Genauigkeit und des Verständnisses erfasst werden. Vergleichswerte (s. Wie ist das Tool empirisch fundiert?) liefern Hinweise darauf, ob die erbrachten Leistungen der Kinder überdurchschnittlich, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich sind, und können die Notwendigkeit einer genaueren Diagnostik andeuten. Der Stolperwörter-Lesetest ist somit als Screening-Verfahren zu betrachten. Da dieser Test in jedem Grundschuljahr wieder durchgeführt werden kann, ist auch die Beobachtung des individuellen Entwicklungsverlaufs möglich.

Wie funktioniert das Tool?

Das Tool ist im Internet für Lehrerinnen und Lehrer vollständig frei verfügbar (s. Links). Die Testmaterialien müssen beidseitig ausgedruckt, zu einem Klassensatz vervielfältigt und zu DIN A5-Heften gefaltet werden. Es liegen zwei Parallelversionen vor.

Der Stolperwörter-Lesetest besteht aus 60 bzw. 45 Sätzen. In jedem Satz ist ein Stolperwort eingebaut, das grammatikalisch oder von seiner Bedeutung her nicht in den Satzzusammenhang passt. Beispiel: „Meine Mutter trinkt gern schwach Kaffee.“ Das Kind hat die Aufgabe, das falsche Wort durchzustreichen: „Meine Mutter trinkt gern xxxxx Kaffee.“ In der ersten Klasse werden den Schülerinnen und Schülern nur 45 Sätze vorgelegt, da die Schülerinnen und Schüler in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit von zehn Minuten 60 Sätze nicht vollständig bearbeiten könnten. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen zwei bis vier bekommen den vollständigen Aufgabensatz mit 60 Sätzen zur Bearbeitung, die Bearbeitungszeit variiert von Klassenstufe zu Klassenstufe: Die Kinder der ersten Klasse haben zehn Minuten Zeit, die der zweiten sechs Minuten, die der dritten fünf Minuten und die der vierten vier Minuten. Der Test sollte, damit eine Vergleichbarkeit möglich ist, in den letzten vier Wochen des Schuljahres durchgeführt werden. Zur Auswertung können die Testhefte mit Schablonen kontrolliert und die Anzahl der richtig bearbeiteten Sätze ermittelt werden. Zur Interpretation der Ergebnisse stehen Prozentrangwerte zur Verfügung.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Stölperwörtertest inkl. Handanweisung, Testmaterial und Normtabellen. Die Kinder benötigen zur Bearbeitung einen Stift. Außerdem ist für die Lehrkraft eine Stoppuhr erforderlich. Die Testhefte müssen ausgedruckt und gefaltet werden.

Zugänglichkeit: Der Test und alle benötigten Materialien werden kostenlos als pdf-Dateien auf der Website der Professur für Grundschulpädagogik Deutsch der Universität Potsdam zum Download zur Verfügung gestellt. Den Zugang erhalten nur Schulen, die die Materialien über dieses Formular anfordern:
https://www.uni-potsdam.de/de/gsp-deutsch/forschung/stolle/download.html

Durchführungszeit: 4 bis 10 Minuten, je nach Klasse (s. Wie funktioniert das Tool?)

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Der Test ist nicht aus einer eindeutig benannten Theorie zum Schriftspracherwerb abgeleitet, der Autor Wilfried Metze nimmt jedoch eine theoretische Einbettung vor: Er beschreibt Lesen als einen komplexen, aus verschiedenen Teilleistungen bestehenden Vorgang. Zunächst muss die Graphem-Phonem-Zuordnung erfolgen (Zuordnung von Schriftsymbol zu gesprochenem Laut). Daraus ergeben sich – je sicherer eine Leserin oder ein Leser wird – die automatische Kopplung mehrerer Grapheme (d.h. Schriftsymbole) zu einer Einheit und der Zuordnung zu den entsprechenden Phonemen (Lauten einer gesprochenen Sprache) und letztlich der Abgleich von großen Graphemfolgen zu ganzen, im Gedächtnis gespeicherten Wörtern. Auf diese Weise lassen sich ganze Texte lesen und verstehen. Vom Autor des Stolperwörter-Lesetests wird zum Erwerb der Schriftsprache keine Literaturquelle genannt. Verschiedene Wissenschaftler haben jedoch Stufenmodelle entwickelt, die den von Wilfried Metze dargestellten Prozess beschreiben (s. Links). Um den Stolperwörter-Lesetest richtig bearbeiten zu können, müssen die Kinder verschiedene Fähigkeiten beherrschen: Sie müssen die einzelnen Wörter richtig erlesen und erkennen, welches Wort den Sinn des Satzes verfälscht. Zur richtigen Bearbeitung der Aufgaben ist also ein Abgleich mit grammatischen Strukturen und den Wortbedeutungen erforderlich.

b) empirische Fundierung

Der Stolperwörter-Lesetest wurde von dem Berliner Grundschullehrer Wilfried Metze entwickelt. Er kann als objektiv bezeichnet werden, da es eine standardisierte Durchführungsanleitung sowie Auswertungsschablonen gibt. Die Reliabilität wurde innerhalb der LUST-Studie (Brügelmann, 2003, s. Links) geprüft, und zwar als interne Konsistenz, die angibt, wie stark die Ergebnisse der Kinder zu jeweils einzelnen Sätzen zusammenhängen mit dem Gesamttestergebnis der Kinder. Des Weiteren wurde eine Wiederholungsmessung nach einer Woche und nach einem Jahr durchgeführt. Beide Arten der Überprüfung ergaben gute Werte, so dass der Test als zuverlässig gelten kann. Um die Validität zu überprüfen, wurden in der LUST-Studie (Brügelmann, 2003) Korrelationsuntersuchungen mit anderen Verfahren, die ebenfalls die Leseleistung erfassen, durchgeführt (z.B. mit dem HAMLET von Lehmann, Peek und Poerschke, 2006). Die Ergebnisse der Berechnungen lagen im mittleren Bereich, was laut Brügelmann (2003) als ausreichender Indikator dafür gesehen werden kann, dass der Stolperwörter-Lesetest die Leseleistung erfasst. Das spricht also für die Validität des Verfahrens. Jedoch war die Stichprobe, die in diese Untersuchungen einging, so klein, dass weitere Überprüfungen folgen sollten. Der Test wurde nicht normiert. Es existieren Vergleichstabellen mit Prozentrangwerten, die aus freiwilligen Rückmeldungen von Lehrerinnen und Lehrern, die den Test in ihrer Klasse nutzen, resultieren. Die Vergleichswerte stammen somit aus einer relativ kleinen, „angefallenen Stichprobe“ (d.h. die Werte beruhen nicht auf den Daten von unabhängig und zufällig ausgewählten Kindern), deren Repräsentativität nicht gesichert ist.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Lautleseverfahren (repeated reading; wiederholtes Lautlesen; chorisches Lesen)

Alter: 6; 7; 8; 9; 10

Klassenstufe: 1; 2; 3; 4

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Stolperwörter-Lesetest (STOLLE) - Anforderung der Test-Unterlagen:
https://www.uni-potsdam.de/de/gsp-deutsch/forschung/stolle.html [26.02.2021]

Zusammenstellung verschiedener Stufenmodelle des Schriftspracherwerbs:
https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/rahmenlehrplaene/grundschule/lernstandsanalyse/pdf_ilea1_reader/4._Stufenmodelle_der_Schriftsprachentwicklung.pdf [26.02.2021]

Informationen über das Projekt LUST:
https://archive.is/20130106053650/http://www.agprim.uni-siegen.de/lust [26.02.2021]

Lese-Untersuchung mit dem Stolperwörter-Test. Abschlussbericht des Projekts LUST-1:
https://biss-sprachbildung.de//pdf/Stolperwoerter-Test_Abschlussbericht_Projekt_LUST-1_Bruegelmann_2003.pdf [26.02.2021]

Literaturhinweise

Brügelmann, H. (2003). Lese-Untersuchung mit dem Stolperwörter-Test. Abschlussbericht 1 des Projekts LUST-1.

Lehmann, R. H., Peek, R. & Poerschke, J. (2006). HAMLET 3-4. Hamburger Lesetest für 3. Und 4. Klassen. Göttingen: Hogrefe.

Hinweis:
Die Verfahren (Tools), die Sie hier finden, werden in der Bund-Länder Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) eingesetzt und wurden bislang aus wissenschaftlicher Sicht als empfehlenswert identifiziert. Aspekte der praktischen Anwendbarkeit werden in der Projektlaufzeit ergänzt. Verfahren mit einer grünen Kennzeichnung genügen wissenschaftlichen Minimalstandards. Verfahren mit einer gelben Kennzeichnung genügen überwiegend diesen Minimalstandards zeigen jedoch Optimierungsbedarfe, auf die in vorangestellten Anmerkungen hingewiesen wird.
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeten Verfahren oder gar sämtlicher verfügbarer Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 26.02.2021