Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses (TROG-D)

Herausgeberin: Annette V. Fox; unter Mitarbeit von Thomas Bäumer, Madeleine Müller und Silke Merzbecher

DiagnoseElementarbereichPrimarstufeE3P2
gelber Punkt Das Verfahren entspricht überwiegend den Minimalstandards. Optimierungsbedarf besteht bei der Normierung: Der TROG-D verfügt über eine Normierung mit acht Vergleichsgruppen, die jeweils alle Kinder gleichen Alters (z.B. alle Dreijährigen oder alle Vierjährigen) umfassen. In den Minimalstandards werden stattdessen jedoch Normen in Halbjahresabständen empfohlen. Zudem sind die Normierungsstichproben teilweise sehr klein und entsprechen somit nicht in allen Gruppen den Minimalstandards. Da es sich um ein Testverfahren handelt, wird eine Anwendung nur durch diagnostisch geschultes Personal empfohlen.

Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Preis: 104 Euro.

Beim Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses (kurz: TROG-D) handelt es sich um ein Tool zur Einschätzung der rezeptiven grammatischen Fähigkeiten von Kindern im Alter zwischen 3 und 10 Jahren. Mit diesem Test kann das grammatische Verständnis der Kinder in Bezug auf 21 ausgewählte grammatische Strukturen des Deutschen untersucht werden. Mit dem Verfahren lässt sich überprüfen, inwieweit sich das grammatische Verständnis eines Kindes von einer Vergleichsgruppe unterscheidet, sowie bei welchen grammatischen Strukturen die Stärken und Schwächen eines Kindes liegen.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 6.7.2020

Welches Ziel hat das Tool?

Das Instrument TROG-D ist ein Diagnostik-Tool und dient der Einschätzung der grammatischen Fähigkeiten von Kindern im Alter zwischen 3 und 10 Jahren im Bereich des Sprachverständnisses. Der Test kann in den Modulen E3 „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“ und P2 „Intensive sprachstrukturelle Förderung“ eingesetzt werden.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Der Sprachtest TROG-D kann genutzt werden, um den kindlichen Sprachentwicklungsstand im Bereich des Grammatikverständnisses einzuschätzen. Mit dem Verfahren können rezeptive grammatische Fähigkeiten in 21 verschiedenen grammatischen Bereichen, darunter beispielsweise Substantive, Negation, Präpositionen, Plural oder Passiv, erfasst werden. Mit dem Test kann analysiert werden, inwieweit sich das grammatische Verständnis eines Kindes vom grammatischen Verständnis einer Gruppe gleichaltriger Kinder unterscheidet. Zudem kann mit Hilfe des TROG-D qualitativ ermittelt werden, welche grammatischen Strukturen einem Kind besondere Schwierigkeiten bereiten. Das Diagnostikverfahren wurde für Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren normiert und kann z. B. verwendet werden, wenn eine (spezifische) Sprachentwicklungsstörung vermutet wird. Darüber hinaus kann der Test auch für die Diagnose bei Erwachsenen verwendet werden, bei denen z.B. eine Aphasie oder eine Hörstörung vorliegt. Die Herausgeberin Annette V. Fox-Boyer weist jedoch darauf hin, dass das Verfahren TROG-D für klinische Diagnosen nicht als alleiniges Diagnoseinstrument, sondern als Teil einer Reihe von Tests zur Anwendung kommen sollte. Mehrsprachigkeit wird im Tool nicht berücksichtigt. Im Handbuch zum Tool wird darauf hingewiesen, dass die Anwendung des Tools bei mehrsprachigen Kindern, insbesondere bei Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, mit großer Vorsicht geschehen sollte. So sollten bei der Interpretation des Ergebnisses der allgemeine Sprachstand eines Kindes sowie seine Kontaktzeit zum Deutschen unbedingt berücksichtigt werden.

Wie funktioniert das Tool?

Im Test wird das Sprachverständnis in insgesamt 21 grammatischen Bereichen des Deutschen untersucht. Dazu gehören beispielsweise die Bereiche Substantive, Negation, Präpositionen, Plural oder Passiv. Jedes dieser grammatischen Phänomene wird anhand von vier verschiedenen Testaufgaben abgeprüft, was insgesamt 84 Testaufgaben entspricht. Jede Testaufgabe wird als Multiple-Choice-Frage umgesetzt.

Die Durchführung des Tests dauert zwischen 10 und 20 Minuten. Für die Testung wird ein ruhiger Raum vorgeschlagen, in dem wenig Möglichkeiten zur Ablenkung bestehen. Vor Beginn der Testung werden biographische Daten des Kindes wie sein Name, sein Geburtsdatum, Alter oder Geschlecht auf dem Protokollbogen eingetragen. In einem Kommentarfeld können weitere wichtige Informationen über das Kind vermerkt werden, zum Beispiel, wenn ein Verdacht auf eine spezifische Sprachentwicklungsstörung vorliegt.

Bei der Testung werden dem Kind nacheinander die Testaufgaben in Form von Bildern gezeigt. Nachdem das Kind einige Sekunden Zeit hatte, die vier gezeichneten Bilder zu betrachten, liest die Testleitung den entsprechenden Testsatz vor, der jeweils nur zu einem der gezeigten Bilder passt. Die Aufgabe des Kindes besteht darin, auf das jeweils passende Bild zu zeigen. Zu jedem richtigen Bild werden als „Ablenker“ drei ähnliche Bilder präsentiert. Die Ablenker wurden so ausgewählt, dass ein Fehler eines Kindes Hinweise auf die Art des Verständnisproblems ermöglicht. Auf den Bildern finden sich daher sowohl lexikalische als auch grammatische Ablenker mit unterschiedlicher Ähnlichkeit zum korrekten Bild. Damit das Testergebnis nicht durch Lücken im Wortschatz beeinflusst werden kann, wird im Test ein sehr einfacher Wortschatz verwendet. Mit Hilfe von Bildkarten kann vor Beginn der Testdurchführung überprüft werden, ob die Kinder den notwendigen Wortschatz zur Bearbeitung des Tests beherrschen.

Die Reaktion des Kindes wird direkt im Anschluss an die Testaufgabe im Protokollbogen notiert. Damit dem Kind nicht durch die Art des Vorlesens Nachteile entstehen, sollten die Testsätze klar und deutlich ausgesprochen sowie in angemessener Lautstärke vorgelesen werden. Der Wortlaut der Sätze darf dabei nicht verändert werden. Ebenso dürfen dem Kind während der Testung keinerlei Hilfen oder Rückmeldungen gegeben werden. Wurden in einem grammatischen Bereich alle vier Testaufgaben richtig gelöst, wird im Protokollbogen ein „R“ für richtig notiert. Wird eine oder mehr als eine Testaufgabe falsch bearbeitet, wird im Protokollborgen „F“ für falsch notiert. Wurden fünf aufeinanderfolgende Blöcke als falsch gewertet, wird der Test beendet.

Nach Beendigung der Testung werden alle als richtig (d.h. mit „R“ gekennzeichneten) und alle als falsch (d.h. mit „F“ gekennzeichneten) bewerteten Reaktionen der Kinder auf der Vorderseite des Protokollbogens eingetragen. Auf der Grundlage dieser Eintragungen kann der Test nun quantitativ und/oder qualitativ ausgewertet werden. Mit Hilfe der quantitativen Analyse der Testergebnisse kann ermittelt werden, inwieweit das Sprachverständnis eines Kindes den Ergebnissen einer Vergleichsgruppe entspricht oder von diesen abweicht. Die Summe korrekt beantworteter Themenblöcke kann mit Hilfe einer Tabelle in altersabhängige Prozentränge und T-Werte umgerechnet werden. So lässt sich einschätzen, ob die Leistungen eines Kindes im Test den durchschnittlichen Leistungen eines Kindes in diesem Alter entsprechen oder nicht. Ein T-Wert von 40 bis 60 Punkten steht demnach für eine durchschnittliche Leistung, während ein T-Wert von unter 40 Punkten für eine unterdurchschnittliche Leistung spricht. Bei einem T-Wert von über 60 Punkten wird das Testergebnis als überdurchschnittlich gut eingeschätzt. Mit der qualitativen Analyse der Testergebnisse lässt sich eine Fehleranalyse vornehmen. Aufgrund einer detaillierten Analyse der als richtig oder falsch bearbeiteten Aufgaben kann eingeschätzt werden, welche grammatischen Strukturen einem Kind besondere Probleme bereiten.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Zur Durchführung wird das Instrument TROG-D benötigt (s. Zugänglichkeit). Der Test besteht aus einem Handbuch, dem Testmaterial, Wortschatzkarten und zehn Protokollbögen. Die Protokollbögen können auch einzeln erworben werden. Die Durchführung dauert ca. 10 bis 20 Minuten.

Schulung: Das Tool ist verständlich gestaltet, eine externe Schulung ist nicht notwendig. Insbesondere für die Auswertung des Verfahrens sind jedoch Vorkenntnisse über linguistische Begrifflichkeiten und Konzepte sowie die Bedeutung von Normwerten hilfreich. Daneben sollten Anwenderinnen und Anwender des Tests sich im Vorhinein gut mit den Materialien, den Instruktionen und dem Ablauf vertraut machen und ggf. mit einer Testperson üben.

Kosten: Das Verfahren TROG-D kostet 104 Euro.

Zugänglichkeit: Das Tool ist bei der Hogrefe-Testzentrale erhältlich (s. Linkliste).

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das Instrument TROG-D wurde von der Linguistin Prof. Dr. Annette V. Fox-Boyer herausgegeben. Sie ist Professorin für Logopädie mit dem Schwerpunkt Kindersprache an der Europäischen Fachhochschule (EUFH) Rostock.

Das Verfahren TROG-D basiert auf dem englischsprachigen Test TROG (Test for Reception of Grammar), der in den 1980er Jahren von Prof. Dr. Dorothy V. M. Bishop, einer britischen Psychologin, entwickelt wurde (vgl. Bishop, 1983/1989; 2003). Die Autorin erforschte in ihren Arbeiten die Frage, inwieweit Kinder mit grammatischen Defiziten in der Sprachproduktion diese Defizite auch im Sprachverständnis zeigten (Bishop, 2003). Das Verfahren wurde unter Berücksichtigung von Erkenntnissen zum gestörten Spracherwerb entwickelt. Die theoretische Fundierung dieses Tests ist somit gegeben. In den 1990er Jahren wurde der Test von Annette V. Fox-Boyer ins Deutsche übersetzt und adaptiert, weil es im deutschsprachigen Raum noch keinen vergleichbaren Test gab. Änderungen des Testmaterials wurden nur dann vorgenommen, wenn es aufgrund der Übersetzung ins Deutsche Uneindeutigkeiten gab. Die Items des TROG-D sowie die Reihenfolge, in der die Items abgefragt werden, basieren auf Erkenntnissen zu natürlichen Erwerbssequenzen im kindlichen Spracherwerb des Deutschen (Clahsen, 1988).

b) empirische Fundierung

Das Verfahren TROG-D wurde im Jahr 2005 an einer Stichprobe von insgesamt 870 Kindern im Alter zwischen 3 und 10 Jahren normiert. Aus dieser Stichprobe wurden insgesamt acht Vergleichsgruppen gebildet, die jeweils alle Kinder gleichen Alters (z.B. alle Dreijährigen oder alle Vierjährigen) umfassen. Die Größe der Vergleichsgruppen liegt je nach Altersgruppe bei 66 bis 160 Kindern. Anhand dieser Vergleichsgruppen kann das Testergebnis eines Kindes jeweils mit den Ergebnissen von Kindern verglichen werden, die sich im gleichen Lebensjahr befinden. Um die Aktualität der Normwerte zu gewährleisten, wurde der TROG-D im Jahr 2015 an einer Stichprobe von 116 Kindern aus zwei Altersgruppen (Fünf- und Siebenjährige) neu normiert. Der Vergleich der Testergebnisse zwischen 2005 und 2015 zeigte keine signifikanten Unterschiede im Testergebnis der Kinder. Der Herausgeberin zufolge sind die Normwerte aus dem Jahr 2005 daher noch immer als gültig anzusehen.

Aufgrund der standardisierten Durchführung, Auswertung und Interpretation des Verfahrens ist die Objektivität des Verfahrens gegeben.

Das Testgütekriterium Reliabilität wurde durch die interne Konsistenz ermittelt. Die interne Konsistenz liegt im Durchschnitt bei .90 und ist damit sehr hoch. Auch die Test-Halbierungs-Reliabilität kann mit .91 als sehr hoch interpretiert werden.

Um die Validität des Verfahrens (misst der Test tatsächlich das, was er zu messen vorgibt?) zu untersuchen, wurden die Testergebnisse des TROG-D mit den Ergebnissen des Untertests „Sätze verstehen“ des SETK 3-5 (Grimm 2001) verglichen. Hierzu wurden 53 Kinder der Normierungsstichprobe auch mit dem SETK 3-5 untersucht. Die Korrelation von .72 wird von der Herausgeberin als Beleg für die konvergente Validität des Verfahrens gewertet. In einer weiteren Untersuchung wurden 59 Kinder im Vorschulalter sowohl mit dem TROG-D als auch mit dem Verfahren SETK 3-5 getestet (Sarimski, 2013). Dem Autor der Studie zufolge erweist sich der TROG-D als valides Instrument zur Überprüfung des Sprachverständnisses. Als weiteren Beleg für die Validität des Verfahrens gibt die Herausgeberin Zusammenhänge zwischen dem Testergebnis und weiteren Variablen an (kriterienbezogene Validität). So erreichen Kinder, die sich in logopädischer Behandlung befinden und Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, erwartungsgemäß unterdurchschnittliche Leistungen im Test. Der Test kann somit als empirisch fundiert eingestuft werden.

Alter: 3; 4; 5; 6; 7; 8; 9; 10

Klassenstufe: Kita; 1; 2; 3; 4

Links:

Homepage der Testzentrale mit Kaufmöglichkeit des TROG-D:
https://www.testzentrale.de/shop/test-zur-ueberpruefung-des-grammatikverstaendnisses.html [10.11.2020]

Auszug aus dem Manual des TROG-D:
https://www.skvshop.de/objects/downloads/de/213.pdf [10.11.2020]

Demovideo zur Durchführung des TROG-D:
https://www.youtube.com/watch?v=g7gag13wuyM&feature=youtu.be [10.11.2020]

Literaturhinweise

Bishop, D. V. M. (1983/1989). TROG-Test for Reception of Grammar. Age and Cognitive Performance Centre, University of Manchester. Manchester: D. V. M. Bishop.

Bishop, D. V. M. (2003). TROG-2 Test for Reception of Grammar-2. London: Harcourt.

Clahsen, H. (1988). Normale und gestörte Kindersprache. Linguistische Untersuchungen zum Erwerb von Syntax und Morphologie. Amsterdam, Philadelphia: John Benjamins Publ. Corp.

Fox, A. V. (2020): TROG-D. Test zur Überprüfung des Grammatikverständnisses. 8. Auflage. Idstein: Schulz-Kircher Verlag.

Grimm, H. (2001). SETK 3-5 – Sprachentwicklungstest für drei- bis fünfjährige Kinder. Göttingen: Hogrefe.

Sarimski, K. (2013). Untersuchungen zur Validität des TROG-D in der Diagnostik sprachauffälliger Vorschulkinder. Frühförderung Interdisziplinär, 32, 43–46.

Hinweis:
Die Verfahren (Tools), die Sie hier finden, werden in der Bund-Länder Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) eingesetzt und wurden bislang aus wissenschaftlicher Sicht als empfehlenswert identifiziert. Aspekte der praktischen Anwendbarkeit werden in der Projektlaufzeit ergänzt. Verfahren mit einer grünen Kennzeichnung genügen wissenschaftlichen Minimalstandards. Verfahren mit einer gelben Kennzeichnung genügen überwiegend diesen Minimalstandards zeigen jedoch Optimierungsbedarfe, auf die in vorangestellten Anmerkungen hingewiesen wird.
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeten Verfahren oder gar sämtlicher verfügbarer Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 10.11.2020