Validierte Grenzsteine der Entwicklung

DiagnoseElementarbereich

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Bildungsetappe Zielbereich Altersgruppe Durchführbarkeit Theoretische Fundierung Erfüllung der Gütekriterien
Elementar 0 0 bis 6 grüner Punkt blauer Punkt blauer Punkt

Kurzbeschreibung

Kostenlos.

Bei dem Tool Validierte Grenzsteine der Entwicklung handelt es sich um ein Beobachtungsverfahren, das der Entdeckung und Dokumentation allgemeiner Entwicklungsrisiken dient. Es ist nicht spezifisch für die Erfassung des Sprachstandes oder die Ableitung von Förderzielen konzipiert worden. Im Tool werden Entwicklungsziele für Kinder im Alter zwischen 3 Monaten und 6 Jahren für sechs Bereiche beschrieben: Körpermotorik, Hand-Fingermotorik, Spracherwerb, kognitive Entwicklung, soziale und emotionale Kompetenzen. Für Kinder, die ein Entwicklungsziel nicht altersgerecht erreichen, sollte eine spezifische Abklärung bei entsprechenden Spezialisten erfolgen (z.B. Kinderärztinnen und -ärzte / Psychologinnen und Psychologen). Das Tool Validierte Grenzsteine der Entwicklung soll so ein frühzeitiges unterstützendes Eingreifen bei Auffälligkeiten in der kindlichen Entwicklung ermöglichen.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 3.2.2021

Welches Ziel hat das Tool?

Ziel des Tools ist das frühzeitige Erkennen allgemeiner Entwicklungsrisiken bei Kindern im Alter zwischen 3 Monaten und 6 Jahren in den Bereichen Körpermotorik, Hand-Finger-Motorik, Spracherwerb, kognitive Entwicklung, soziale Kompetenz sowie emotionale Kompetenz. Als Grenzsteine werden Entwicklungsziele in den sechs Bereichen genannt, die 90-95% aller Kinder zum vorgegebenen Alterszeitpunkt erreichen. Erreicht ein Kind einen Grenzstein nicht, ist dies als Hinweis auf eine mögliche Entwicklungsauffälligkeit zu bewerten. Dieser Verdacht sollte dann in einem zweiten Schritt über eine gezielte diagnostische Untersuchung überprüft werden. Das Tool eignet sich für den Einsatz in den Modulen E 1 „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, E 2 „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“ und E 6 „Übergang vom Elementarbereich zum Primarbereich“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Tool Validierte Grenzsteine der Entwicklung soll Fachkräften in Krippen und Kindertagesstätten dabei helfen, die Altersangemessenheit der kindlichen Entwicklung fachgerecht zu beobachten und Kinder mit einem ungünstigen Entwicklungsverlauf zu identifizieren. Das Erkennen von möglichen Entwicklungsrückständen gibt den Fachkräften die Möglichkeit, frühzeitig unterstützend einzugreifen. Ein Bereich innerhalb der umfassenderen Entwicklungsbeobachtung beinhaltet auch den Spracherwerb, das Tool ist jedoch nicht speziell für die Erfassung des Sprachstandes oder die Ableitung von Förderzielen geeignet. Mehrsprachigkeit wird ebenfalls nicht explizit berücksichtigt.

Wie funktioniert das Tool?

Das Tool besteht aus Dokumentationsbögen mit Beschreibungen bestimmter Entwicklungsziele (Grenzsteine) der kindlichen Entwicklung für bestimmte Altersstufen. Die beschriebenen Entwicklungsziele beziehen sich auf das Alter zwischen drei Monaten und 6 Jahren. Die genauen Beobachtungszeitpunkte liegen bei 3, 6, 9, 12, 15, 18 und 24 Monaten. Ab dem 3. Lebensjahr soll die Beobachtung jährlich erfolgen, also im Alter von 3, 4, 5 und 6 Jahren. Bis zum Alter von 18 Monaten soll die Beobachtung der Kinder innerhalb von maximal einer Woche um den entsprechenden Alterszeitpunkt herum erfolgen; ab dem 2. Lebensjahr sollte der Spielraum nicht mehr als vier Wochen betragen. Pädagogische Fachkräfte können die Bögen als strukturierte Beobachtungshilfe einsetzen. Die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft ist es, für ein Kind anzugeben, ob es die jeweiligen zu beobachtenden Grenzsteine erreicht oder nicht. Dies wird mit „Ja, das kann das Kind“ oder mit „Nein, das kann das Kind noch nicht“ durch Ankreuzen entsprechender Antwortkästen beantwortet. Fällt einer Fachkraft auf, dass ein Kind eines oder mehrere der Grenzsteine nicht erreicht, sollte eine differenziertere Entwicklungsdiagnostik durch entsprechende Spezialisten erfolgen. Bereits bei einer mit „Nein“ bewerteten Antwort rät der Autor zu einer genaueren Entwicklungsdiagnostik.

Beispiel der zu beobachtenden Grenzsteine in sechs Bereichen bei einem 12 Monate alten Kind:

  • Körpermotorik:
    Kind sitzt frei mit geradem Rücken und sicherer Gleichgewichtskontrolle, Kind dreht sich selbständig und prompt von Bauchlage in Rückenlage
  • Hand-Fingermotorik:
    Kind benutzt Scherengriff: Kleine Gegenstände werden zwischen Daumen und gestreckten Zeigefinger gehalten, oft schon präziser Pinzettengriff
  • Sprachentwicklung:
    Kind vokalisiert spontan mit längeren Silbenketten, vorwiegend mit a/e-Vokalen und mit Lippenverschlusslauten (ba-ba-ba-ba, oder da-da-da-da u.ä. Reihungen)
  • kognitive Entwicklung:
    Spielzeug, Objekte, vor den Augen des Kindes mit Papierblatt oder Tuch bedeckt, werden vom Kind durch Wegnehmen des Blattes, des Tuches wieder sichtbar
  • soziale Kompetenz:
    Kind kann von sich aus einen sozialen Kontakt beginnen, fortführen, variieren oder beenden
  • emotionale Kompetenz:
    Viele Rückversicherungsbestätigungen: Blickkontakt, Berühren, Streicheln, Anlehnen, Gesten, Küsschen, emotional getönte verbale und nonverbale Dialoge zwischen Kind und Bezugspersonen

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Zugänglichkeit: Sowohl eine Beschreibung des Tools wie auch die zugehörigen Dokumentationsbögen sind im Internet zu finden (s. Links). Detaillierte Informationen finden sich bei Michaelis (2005a, s. Literaturhinweise).

Material/Schulung: Voraussetzung zum Einsatz des Tools sind allgemeine Kenntnisse über die Entwicklung von (Klein-)Kindern und grundlegende Techniken der Beobachtung sowie ein vorheriges Vertrautmachen mit dem Tool. Für pädagogische Fachkräfte ist somit in der Regel keine Schulung notwendig.

Preis: Die Dokumentationsbögen der Validierten Grenzsteine der Entwicklung stehen im Internet als kostenfreier Download zur Verfügung (s. Links)

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Bei den Validierten Grenzsteinen der Entwicklung handelt es sich um ein Beobachtungsverfahren, das 2009 von Hans-Joachim Laewen basierend auf Arbeiten des Entwicklungsneurologen Prof. Richard Michaelis (Universitätskinderklinik Tübingen) erstellt wurde. Die Basis für das Instrument bilden die sog. „Meilensteine der Entwicklung“ von Michaelis und Haas (1994). Vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung / Frühe Kindheit e.V. (infans) wurde es für den Einsatz als Entwicklungsscreening in Kindertagesstätten weiterentwickelt.

b) empirische Fundierung

Michaelis (2013) beschreibt zwar die theoretischen Grundlagen des Grenzsteinkonzeptes sowie die Auswahl und Zuordnung der Items, allerdings werden keine Nachweise für Reliabilität, Validität und Objektivität erbracht. Eine Normierung im klassischen Sinne liegt nicht vor. Eine Validierung zum zeitlichen Auftreten der Grenzsteine erfolgte mit dem Entwicklungstest 6 Monate bis 6 Jahre (ET 6-6, Petermann & Stein, 2000). Insgesamt ist die empirische Fundierung damit nicht gegeben.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Entwicklungsbeobachtung und –dokumentation EBD 3-48 Monate

Klassenstufe: Kita

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Dokumentationsbögen der Validierten Grenzsteine der Entwicklung
https://mbjs.brandenburg.de/sixcms/media.php/4113/Grenzsteine_Fassung2009_Tabellen.pdf [26.02.2021]

Literaturhinweise

Andres, B. & Laewen, H.-J. (2011). Das infans-Konzept der Frühpädagogik. Bildung und Erziehung in Kindertagesstätten. Berlin Weimar: verlag das netz.

Castello, A. (2009). Frühpädagogische Diagnostik. In K. Fröhlich-Gildhoff, C. Mischo & A. Castello (Hrsg.), Entwicklungspsychologie für Fachkräfte in der Frühpädagogik (S. 228-245). Köln: Carl Link.

Ebeling, I. (2012): Validierte Grenzsteine der Entwicklung. In W. Beudels, R. Haderlein & S. Herzog (Hrsg.), Handbuch Beobachtungsverfahren in Kindertageseinrichtungen (S. 123-126). Dortmund: Borgmann Media.

Laewen, H.-J. (2009): Grenzsteine der Entwicklung. Ein Frühwarnsystem für Risikolagen. Online verfügbar unter: https://mbjs.brandenburg.de/media/5lbm1.c.107479.de [26.02.2021].

Michaelis, R. (2005a). Entwicklung, Entwicklungsstörungen und Risikofaktoren im Säuglings- und Vorschulalter. In C. P. Speer (Hrsg.), Pädiatrie (3., vollständig neu bearbeitete Auflage), (S. 21–34). Heidelberg: Springer.

Michaelis, R. (2005b). Zum Beitrag in der Kindheit und Entwicklung - Heft 3/2004 von F. Petermann und T. Macha: Entwicklungsdiagnostik. Kindheit und Entwicklung 14(4), 260-260.

Michaelis, R. & Haas, G. (1994). Meilensteine der frühkindlichen Entwicklung – Entscheidungshilfen für die Praxis. In H. G. Schlack, R. H. Largo, R. Michaelis, G. Neuhäuser & B. Ohrt (Hrsg.), Praktische Entwicklungsneurologie (S. 93-102). München: Marseille Verlag.

Michaelis, R. & Niemann, G. (2004). Entwicklungsneurologie und Neuropädiatrie. Grundlagen und diagnostische Strategien (3. unveränd. Aufl.). Stuttgart: Thieme.

Michaelis, R., Berger, R., Nennstiel-Ratzel, U. & Krägeloh-Mann, I. (2013). Validierte und teilvalidierte Grenzsteine der Entwicklung. Ein Entwicklungsscreening für die ersten 6 Lebensjahre. Monatsschrift Kinderheilkunde,161 (10) 898-910.

Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg. Kinder und Jugend, Kindertagesbetreuung, Pädagogik. Grenzsteine der Entwicklung. Online verfügbar unter: https://mbjs.brandenburg.de/sixcms/detail.php/lbm1.c.235422.de [26.02.2021].

Petermann, F & Stein, I. A.. (2000). Entwicklungsdiagnostik mit dem ET 6-6. Frankfurt: Pearson.

Petermann, U., Petermann, F. & Koglin, U. (2015). Entwicklungsbeobachtung und –dokumentation EBD 3-48 Monate (5., überarb. Aufl.). Berlin: Cornelsen.

Letzte Änderung am: 31.03.2022