Würzburger Lesestrategie-Wissenstest für die Klassen 7-12 (WLST 7-12)

DiagnoseSekundarstufeS2S3
gelber Punkt Das Verfahren entspricht überwiegend den Minimalstandards. Optimierungsbedarf besteht bei der Normierung, da zwar die Gesamtstichprobe mit N = 4.490 Schülerinnen und Schülern groß ist, jedoch nicht ersichtlich ist, wie viele Schülerinnen und Schüler für die jeweilige Normierungsgruppe getestet wurden. Angegeben sind Gruppen getrennt nach Bundesland und Schulform (HS, Gym, RS, Kombi aus HS und RS, GesS); jedoch findet keine Aufschlüsselung nach Klassenstufe (6,7,8,9 oder 10) statt. Die Zahlen zu Schulformen lassen darauf schließen, dass einige der Normierungsgruppen < 120 sind. Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Preis: 67,00 Euro. (Details)

Der WLST 7-12 ist ein Diagnostik-Tool, das zur Erfassung des Lesestrategiewissens bei Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe 1 und 2 (Klassen 7 bis 12) in verschiedenen Schulformen (außer Förderschule) genutzt werden kann. Beim Verfahren handelt es sich um einen standardisierten Test, dessen Ergebnisse Aussagen über das Wissen der Lernenden über verschiedene Lesestrategien zulassen. Dabei wird untersucht, ob die Lesestrategien angemessen in Hinblick auf die unterschiedlichen Leseziele eingesetzt werden. Das Testverfahren ermöglicht zudem eine Ableitung von Fördermaßnahmen. Der Test kann sowohl mit einzelnen Schülerinnen und Schülern als auch mit der gesamten Klasse durchgeführt werden. Die Bearbeitungszeit beträgt insgesamt 20 bis 35 Minuten.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 16.02.2021

Welches Ziel hat das Tool?

Beim Diagnostiktool WLST 7-12 handelt es sich um ein standardisiertes Testverfahren zur Erfassung metakognitiver Kompetenzen (Wissen über das eigene Wissen) bei der Verarbeitung von Texten. Mit Hilfe verschiedener Aufgaben wird im WLST 7-12 überprüft, über welches Lesestrategiewissen Jugendliche verfügen. Die Ergebnisse der Testung erlauben jeweils Erkenntnisse in Bezug auf den Förderbedarf der Lernenden im Bereich der Lesestrategien. Der WLST 7-12 kann bei Schülerinnen und Schülern in den Klassen 7 bis 12 in verschiedenen Schulformen (außer Förderschulen) angewendet werden und kann sowohl als Einzeltest als auch als Gruppentest mit der gesamten Klasse genutzt werden. Das Tool eignet sich für den Einsatz in den Modulen S2 „Lese- und Schreibstrategien im Verbund vermitteln“ und S3 „Selbstreguliertes Lesen und Schreiben“.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Das Tool WLST 7-12 ist ein Diagnoseinstrument, mit welchem das Lesestrategiewissen von Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 7 bis 12 in allen Schulformen (außer Förderschulen) erfasst werden kann. Bei dem Tool handelt es sich um ein standardisiertes Testverfahren, das jeweils für die Mitte des zweiten Schulhalbjahres der Klassen 7 bis 12 in Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen normiert wurde. Erfasst wird das Wissen über verschiedene Techniken, die beim Lesen, Verstehen und der Wiedergabe von Texten relevant sind. Auf diese Weise kann überprüft werden, ob sich das Lesestrategiewissen der Lernenden normal entwickelt hat und ob sie über metakognitives Wissen im Bereich des Lesens verfügen. Auf der Grundlage der Ergebnisse des Tests können Förderempfehlungen für einzelne Schülerinnen und Schüler erstellt werden. Außerdem kann das Niveau des Lesestrategiewissens der getesteten Klasse im Vergleich zu anderen Klassen der gleichen Schulform und Klassenstufe erfasst werden. Mehrsprachigkeit wird in dem Tool nicht berücksichtigt.

Wie funktioniert das Tool?

Insgesamt besteht der Test aus sechs Aufgaben in Form von Lernszenarien, die jeweils ein bestimmtes Lernziel in den Fokus rücken. Zu den Aufgaben werden jeweils mehrere Antwortmöglichkeiten vorgeschlagen, die unterschiedliche Lesestrategien beinhalten und unterschiedliche Vorgehensweisen zur Erreichung des vorgegebenen Lernziels beschreiben. Die Schülerinnen und Schüler lesen jeweils die einzelnen Antwortoptionen und bewerten die Qualität dieser mit einer Note von 1 bis 6.

Beispiel: Ein Lernszenario lautet „Stell dir vor, du liest einen längeren Text über Elektrizität und kommst an eine schwierige Stelle, bei der du einige Wörter und den Zusammenhang nicht verstehst. Was tust du in einer solchen Situation?“. Den Schülerinnen und Schülern stehen hier fünf Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, die alle mit einer Note von 1 bis 6 bewertet werden sollen: a) „Ich frage meine Mutter um Rat“, b) „Ich nehme mir ein Wörterbuch und schlage die unklaren Wörter nach“, c) „Ich überspringe diesen Teil des Textes und mache bei einer leichteren Passage weiter“, d) „Ich lese den schwierigen Textteil mehrmals hintereinander und versuche den Sinn zu erschließen, nehme notfalls auch ein Wörterbuch zur Hilfe“ und e) „Ich unterstreiche die unbekannten Wörter, um am nächsten Tag die Lehrkraft um Rat fragen zu können“.

Die Lernenden erhalten für eine Aufgabe dann Punkte, wenn sie erkennen, welche Antwortmöglichkeit zu der jeweiligen Situation am besten passt. Dabei werden insgesamt Lesestrategien als besonders positiv bewertet, die genaues und systematisches Lesen betonen, das Zusammenfassen von Texten in eigenen Worten hervorheben sowie das Markieren wichtiger Textstellen umfassen. Welche Antwortoptionen sich für die Bewältigung der Aufgabe eignen, wurde bei der Entwicklung des Tests von verschiedenen Expertinnen und Experten bewertet (Lehrkräfte sowie Pädagogische Psychologinnen und Psychologen). Mit Hilfe eines Vergleichs der vergebenen Notenpunkte der Lernenden einerseits und der Expertinnen und Experten andererseits wird je nach Übereinstimmungsgrad eine andere Punktzahl vergeben: Stimmt die Bewertung der Lernenden mit der der Expertinnen und Experten überein, erhalten die Lernenden zwei Punkte. Ein Punkt wird vergeben, wenn sie zwei Antwortvorschläge als gleich gut bewerten. Die Lernenden erhalten keine Punkte, wenn sie die bessere Antwortoption jeweils mit einer schlechteren Note bewerten. Zur Errechnung des Gesamtergebnisses werden die Punkte aller Aufgaben addiert.

Der errechnete Summenwert gibt an, inwiefern die Lernenden bereits über Wissen um effektive Strategien zum Behalten und Verstehen von gelesenen Texten verfügen. Dabei weisen hohe Summenwerte auch auf ein hohes Lesestrategiewissen hin. Mit Hilfe der im Manual enthaltenen Normtabellen und Prozentrangwerte können die Testergebnisse der Lernenden mit den Ergebnissen anderer Lernender der gleichen Schulform und Klassenstufe verglichen werden. So kann die Lehrkraft Erkenntnisse darüber erhalten, ob und mit welchen Zielen im Unterricht an der Vermittlung von Lesestrategien weitergearbeitet werden sollte. Der WLST 7-12 kann sowohl als Gruppentest als auch als Einzeltest zur Erstellung einer Förderempfehlung verwendet werden. Für die Bearbeitung wird eine Dauer von 20 bis 35 Minuten angegeben.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Zur Durchführung wird das Instrument WLST 7-12 von Matthias Schlagmüller und Wolfgang Schneider benötigt (s. Zugänglichkeit). Das Tool enthält ein Handbuch, in welchem die Durchführung und Auswertung des Tests erklärt sowie seine theoretische und empirische Fundierung dargestellt werden. Daneben sind 5 Testhefte, 5 Auswertungsbögen sowie eine Mappe enthalten.

Schulung: Durchführung und Auswertung sind mit Hilfe des Manuals möglich. Eine Schulung ist nicht nötig, zur standardisierten Durchführung ist jedoch eine Vertrautheit mit dem Test und Übung notwendig.

Kosten: Das komplette Testpaket des Tools WLST 7-12 bestehend aus einem Handbuch, 5 Testheften, 5 Auswertungsbögen sowie einer Mappe kostet 67,00 Euro. Die einzelnen Bestandteile können auch einzeln erworben bzw. nachbestellt werden: 20 Testhefte kosten beispielsweise 18,60 Euro, 25 Auswertungsbögen 10,50 Euro.

Zugänglichkeit: Das Tool WLST 7-12 von Matthias Schlagmüller und Wolfgang Schneider kann bei der Hogrefe-Testzentrale bestellt werden (s. Links), Bestellnummer: 04 249 02.

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Das Verfahren WLST 7-12 wurde von Dr. Matthias Schlagmüller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität Würzburg, sowie von Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Würzburg, entwickelt. Das Tool entstand ausgehend von der Tatsache, dass für den Bereich der Sekundarstufe bislang kaum Verfahren vorliegen, die zur Erfassung des Lesestrategiewissens eingesetzt werden können. Grundlage des Tools bilden Forschungsergebnisse zur Metakognition (Wissen über das Wissen; vgl. Brown et al., 1983; Flavell & Wellman, 1977) sowie Erkenntnisse zum Wissen über die Verarbeitung von Texten (vgl. Brown et al., 1983). Dabei gelten Lernstrategien als potenziell bewusste, teilweise automatisierte Handlungsfolgen, die in bestimmten Situationen abgerufen und angemessen eingesetzt werden können, um eigene Lernziele zu erreichen (vgl. Artelt, Schieferle & Schneider, 2001). Das Tool kann als theoretisch fundiert angesehen werden.

b) empirische Fundierung

Das Tool wurde auf die klassischen Gütekriterien hin überprüft. Um die Zuverlässigkeit des Verfahrens zu berechnen, wurden neben der Split-Half-Reliabilität zunächst auch die interne Konsistenz des Verfahrens sowie die Retestreliabilität berechnet: Die Werte belegen, dass die Reliabilität des Verfahrens gegeben ist (Split-Half-Reliabilität von r = .88 bei einer Stichprobe von N = 4490); interne Konsistenz von r = .88 bei einer Stichprobe von N = 4490; Retestreliabilität von r = .81 bei einer Stichprobe von N = 137). Um zu belegen, dass das Verfahren auch misst, was es zu messen vorgibt, wurde die Validität des Verfahrens berechnet. Zur Untersuchung der kriteriumsbezogenen Validität wurde berechnet, inwiefern das Testergebnis mit den Ergebnissen anderer Verfahren zusammenhängt. Da bislang keine weiteren Verfahren zur Erfassung des Lesestrategiewissens vorliegen, wurden zur Berechnung der kriteriumsbezogenen Validität Verfahren herangezogen, die ähnliche Konstrukte erfassen: Die Autoren konnten mittlere Zusammenhänge mit dem in PISA-2003 erhobenen Leseverständnis ermitteln (r = .41 bei N = 971). Darüber hinaus zeigten sich mittlere Zusammenhänge mit dem Schnellleseverständnistest (SLVT) von Schneider, Schlagmüller und Ennemoser (2007) (r = .46 bei N = 809). Um den Zusammenhang zwischen Lesestrategiewissen und Intelligenz zu bestimmen, wurden auch Korrelationen mit einem Intelligenztest (KFT) berechnet. Der errechnete Wert von r = .41 (bei N = 3.386) entspricht in etwa den Werten, wie sie für die Beziehung zwischen Intelligenz und Metakognition bei jüngeren Kindern berichtet wurden (vgl. Schlagmüller, Schneider & Visé, 2001) und spricht somit – da der WLST 7-12 metakognitives Wissen über das Lesen erfasst – auch für die Validität. Das Verfahren wurde zudem an einer Stichprobe von insgesamt 4490 Schülerinnen und Schülern aus allen deutschen Bundesländern normiert. Prozentränge können getrennt nach Geschlecht, Schultyp sowie Klassenstufe differenziert betrachtet werden. Das Tool kann als empirisch fundiert angesehen werden.

Alter: 12; 13; 14; 15; 16; 17

Klassenstufe: 7; 8; 9; 10; Sek II

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Homepage der Hogrefe-Testzentrale mit Überblick zum WLST 7-12 :
https://www.testzentrale.de/shop/test-komplett-bestehend-aus-manual-5-testheften-5-auswertungsbogen-und-mappe-49883.html [17.02.2021]

Literaturhinweise

Artelt , C., Schieferle, U. & Schneider, W. (2001). Predictors of reading literacy. European Journal of Psychology of Education, 16, 363-384.

Brown, A. L., Bransford, J. D., Ferrara, R. A. & Campione, J. C. (1983). Learning, remembering, and understanding. In J. H. Flavell & E. M. Markman (Hrsg.), Handbook of Child Psychology (Vol. III, S. 77-166). New York: Wiley.

Flavell, J. H. & Wellman, H. M. (1977). Metamemory. In R. Kail & W. Hagen (Hrsg.), Perspectives on the development of memory and cognition (S. 3-31). Hillsdale, NJ: Erlbaum.

Schlagmüller, M. & Schneider. W. (2007). Würzburger Lesestrategie-Wissenstest für die Klassen 7-12 (WLST 7-12). Manual. Göttingen: Hogrefe.

Schlagmüller, M., Schneider. W. & Visé, M. (2001). Zur Erfassung des Gedächtniswissens bei Grundschulkindern: Konstruktionsprinzipien und empirische Bewährung der Würzburger Testbatterie zum deklarativen Metagedächtnis.Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 33, 91-102.

Schneider. W., Schlagmüller, M. & Ennemoser, M. (2007). LGVT 6-12, Lesegeschwindigkeits- und Verständnistest für die Klassen 6-12. Göttingen: Hogrefe.

Hinweis:
Die Verfahren (Tools), die Sie hier finden, werden in der Bund-Länder Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) eingesetzt und wurden bislang aus wissenschaftlicher Sicht als empfehlenswert identifiziert. Aspekte der praktischen Anwendbarkeit werden in der Projektlaufzeit ergänzt. Verfahren mit einer grünen Kennzeichnung genügen wissenschaftlichen Minimalstandards. Verfahren mit einer gelben Kennzeichnung genügen überwiegend diesen Minimalstandards zeigen jedoch Optimierungsbedarfe, auf die in vorangestellten Anmerkungen hingewiesen wird.
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeten Verfahren oder gar sämtlicher verfügbarer Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 26.02.2021