Frankfurter Leseverständnistest für 5. und 6. Klassen (FLVT 5-6)

DiagnoseSekundarstufeS1S2
gelber Punkt Das Verfahren entspricht überwiegend den Minimalstandards. Optimierungsbedarf gibt es bei der Validität in Bezug auf die theoretische Begründung des Tests, da sich die in der theoretischen Fundierung postulierte Unterteilung unterschiedlicher Verstehenstiefen mit diesem Test empirisch kaum nachweisen lässt, sondern nur ein globales Konstrukt „Leseverständnis“. Da es sich um ein Testverfahren/Screening handelt, wird eine Anwendung nur durch diagnostisch geschultes Personal empfohlen.

Bitte beachten Sie den Hinweis am Ende der Beschreibung.

Kurzbeschreibung

Preis: 76,00 Euro.

Ziel des Testverfahrens ist die Erfassung des Leseverständnisses von Schülern und Schülerinnen der Klassenstufen 5 und 6. Mit dem Ergebnis des Tests lässt sich ein möglicher Förderbedarf feststellen. Der Test kann sowohl als Einzeltestung als auch als Gruppentest durchgeführt werden.

Letzte inhaltliche Bearbeitung/Prüfung am: 07.05.2020

Welches Ziel hat das Tool?

Der FLVT 5-6 ist ein Diagnostik-Tool, mit dem sich das Leseverständnis in den Klassenstufen 5 und 6 jeweils im zweiten Schulhalbjahr überprüfen lässt. So können leseschwache Schülerinnen und Schüler identifiziert und gezielt gefördert werden.

Das Tool ist in den Modulen S1 „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit“ und S2 „Lese- und Schreibstrategien im Verbund vermitteln“ einsetzbar.

Für welches Vorhaben kann das Tool eingesetzt werden?

Mit dem FLVT 5-6 kann das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern jeweils im zweiten Schulhalbjahr der 5. und 6. Klasse überprüft werden. Es liefert damit Informationen über die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler. Leseschwache Schülerinnen und Schüler lassen sich somit identifizieren. Das Tool kann sowohl als Einzeltest als auch als Gruppentest durchgeführt werden. Mehrsprachigkeit wird in dem Verfahren nicht berücksichtigt.

Wie funktioniert das Tool?

Der FLVT 5-6 besteht aus zwei Testteilen (Teil 1: narrativer Text, Teil 2: Sachtext). Es stehen zwei parallele Testformen A und B zur Verfügung, die identisch aufgebaut sind.

Zunächst sind im Manual detailliert die allgemeinen Instruktionen für den Test angegeben und der Testleiter wird aufgefordert, sich am Wortlaut dieser Instruktionen zu orientieren. Die Dauer des Vorlesens der Instruktionen wird mit etwa fünf Minuten angegeben. Die beiden Testteile bestehen jeweils aus einem Text mit dazugehörigen Fragen. Im ersten Teil lesen die Schüler einen narrativen Text (Erzählung), im zweiten Teil wird ein Sachtext gelesen. Beide Texte haben eine Länge von etwa 570 Wörtern. Im Anschluss an jeden Text folgen 18 dazugehörige Fragen. Diese sind als Mehrfachwahlaufgaben gestaltet mit jeweils vier Antwortalternativen. Die eine Hälfte der Fragen erfordert eine sogenannte textimmanente Verständnisleistung (siehe a) theoretische Fundierung). Das bedeutet, dass die Informationen, die zur Beantwortung der Frage benötigt werden, direkt aus dem Text entnommen werden können. Die andere Hälfte der Fragen erfordert eine wissensbasierte Verständnisleistung, d.h. dass die dem Text entnommenen Informationen mit Vorwissen verknüpft werden müssen. Während der Bearbeitung der Fragen dürfen die Schüler im dazugehörigen Text nachsehen. Nach Ablauf von jeweils 20 Minuten pro Testabschnitt wird die Bearbeitung beendet.

Um den Test auszuwerten, ermittelt der Auswerter oder die Auswerterin zunächst die Summe der richtig beantworteten Fragen über beide Testabschnitte. Dafür sind entsprechende Auswertungsschablonen vorhanden. Für den auf diese Weise ermittelten Testrohwerte lassen sich im Testmanual die dazugehörigen Normwerte (T-Werte und Prozentränge) ablesen. Dies ermöglicht es, die Leistung eines Schülers oder einer Schülerin im Vergleich zu anderen Schülerinnen und Schülern der entsprechenden Klassenstufe einzuschätzen.

Neben den Normwerten können den Rohwerten zusätzlich sogenannte Kompetenzstufen zugeordnet werden. Die Autoren unterscheiden zwei Kompetenzstufen, wobei ein Mindestwert erreicht werden muss, um einen Schüler oder eine Schülerin der Kompetenzstufe 1 zuordnen zu können. Eine Leistung unterhalb der Kompetenzstufe 1 wird als sehr schwache Leseleistung bezeichnet. Die Kompetenzstufe 2 zeichnet die Schülerinnen und Schüler mit der stärksten Lesekompetenz aus. Eine detaillierte Beschreibung der Kompetenzstufen findet sich im Manual.

Weiterhin ermöglichen die Autoren eine differenzierte Bewertung der Leistungen aus den beiden Testabschnitten (Sachtext vs. narrativer Text) mit Hilfe einer im Manual angegebenen Tabelle. Dort können kritische Rohwertdifferenzen zwischen den beiden Testteilen getrennt nach Geschlechtern abgelesen werden. So kann eingeschätzt werden, ob eine besondere Stärke/Schwäche in einem der beiden Testabschnitte vorliegt.

Was wird benötigt, um das Tool umzusetzen?

Material: Der Test beinhaltet das Manual, fünf Testhefte und fünf Auswertungsbögen sowie die Auswertungsschablonen. Benötigt wird ein Testheft pro Testperson. Zusätzlich werden zwei Stifte je Testperson (davon ein Ersatzstift) sowie eine Uhr mit Sekundenanzeige benötigt. Die Testinstruktionen finden sich im Manual.

Auswertung: Im Testpaket sind Auswertungsschablonen enthalten, die eine einfache Auswertung ermöglichen.

Durchführungsdauer: Die Durchführungsdauer des gesamten Tests ist mit ca. 45 Minuten angegeben. Diese verteilen sich auf etwa fünf Minuten für die Instruktionen sowie jeweils 20 Minuten für die beiden Testteile.

Schulung: Eine zusätzliche Schulung ist nicht erforderlich. Der Test kann vom Lehrpersonal selbst durchgeführt werden. Alle benötigten Informationen sind im beiliegendem Manual enthalten.

Preis: 76,00 Euro

Zugänglichkeit: Das Testverfahren kann direkt beim Hogrefe-Verlag bestellt werden (s. Links).

Wie ist das Tool a) theoretisch b) empirisch fundiert?

a) theoretische Fundierung

Die Konzeption des Tests basiert auf der Theorie der kognitiven Textverarbeitung von van Dijk und Kintsch (1983). Van Dijk und Kintsch (1983) unterscheiden in ihrem Modell verschiedene sogenannte Verstehenstiefen, die beim Lesen angewendet werden können. Texte können entweder nur oberflächlich gelesen oder aber tiefergehend verstanden werden. Je nachdem, wie tief der Leser den Text verarbeitet, laufen unterschiedliche Prozesse beim Lesen eines Textes ab. Bei einer eher oberflächlichen Verarbeitung – van Dijk und Kintsch (1983) sprechen hier von der Ebene der Textbasis – kann der Leser den Inhalt des Textes nur reproduzieren oder zusammenfassen. Das tiefergehende Lesen eines Textes hingegen erfordert, dass der Leser sein Vorwissen aktiviert und den Textinhalt in dieses integriert. Van Dijk und Kintsch (1983) bezeichnen dies als Konstruktion eines Situationsmodells. Dieses ermöglicht, dass die aus dem Text entnommenen Informationen für weitergehende Schlussfolgerungen genutzt werden können. Bei der Konstruktion des FLVT 5-6 wurde das Modell von van Dijk und Kintsch (1983) berücksichtigt, indem Fragen zu beiden Ebenen der Verstehenstiefe gestellt werden.

Weiterhin bezogen sich die Autoren bei der Konstruktion des FLVT 5-6 auf Analysen zur Bedeutung des Textgenres (Sachtexte vs. narrative Texte) bei Leseverständnisaufgaben (Graesser, Millis & Zwaan, 1997). So führt das Lesen von narrativen Texten meist zu mehrschichtigen Situationsmodellen, da die Texte in ihrer Bedeutung oftmals nicht eindeutig sind (Kintsch, 1997). Sachtexte hingegen führen in der Regel zu eindeutigen Situationsmodellen. In dem Test ist diese Unterscheidung aufgegriffen, indem sowohl ein Sach- als auch ein narrativer Text als Textgrundlage ausgewählt wurden.

b) empirische Fundierung

Objektivität: Sofern sich der Testleiter oder die Testleiterin an die im Manual vorgegebenen Instruktionen hält, ist eine objektive Testdurchführung gegeben. Auch die Auswertungs- und Interpretationsobjektivität ist durch Schablonen und die klare Vorgabe, welche Antwort korrekt ist, gegeben.

Die Reliabilität wurde mit Hilfe der Paralleltestmethode an einer Stichprobe von N = 183 Schülern und Schülerinnen bestimmt. Dabei ergaben sich ausreichend zuverlässige Ergebnisse. Weiterhin wurde die Retestreliabilität nach einem Abstand von drei Monaten bestimmt. Hier ergaben sich hinreichend zuverlässige Ergebnisse, allerdings war der Stichprobenumfang mit N = 73 relativ gering.

Die Inhaltsvalidität des Testverfahrens ist gegeben. Bei der Überprüfung der konvergente Validität (Zusammenhänge des Tests mit verschiedenen anderen Leseverständnistests, z.B. aus der IGLU-Studie, vgl. Bos et al., 2003, sowie Lehrerurteilen) und der diskriminanten Validität (Zusammenhänge zu Tests anderer Inhaltsbereiche, nämlich dem Mathematiktest DEMAT 3+, vgl. Roick, Gölitz & Hasselhorn, 2004) wurde eine ausreichend große Stichprobe herangezogen (N = 548). Dabei ergaben sich zufriedenstellende Ergebnisse. Die Validität des Verfahrens ist damit gegeben.

Für die Normierung wurden insgesamt N = 1282 Schüler der fünften Klasse und N =1194 Schüler der sechsten Klasse mit dem FLVT 5-6 getestet. Normen liegen getrennt für beide Testformen A und B aufgeteilt nach den Schulformen Hauptschule, Real-/Gesamtschule und Gymnasium vor.

Mit welchen anderen Tools ist dieses Tool kombinierbar?

Salzburger Lese- und Rechtschreibtest (SLRT-II)

Lesegeschwindigkeits- und -verständnistest für die Klassen 5-12 (LGVT 5-12+) 2., erweiterte und neu normierte Auflage

Alter: 10; 11; 12

Klassenstufe: 6; 7

Verbünde, die dieses Tool nutzen:

Links:

Seite der Hogrefe Testzentrale mit Bestellmöglichkeit
https://www.testzentrale.de/shop/frankfurter-leseverstaendnistest-fuer-5-und-6-klassen.html [26.02.2021]

Literaturhinweise

Bos, W., Lankes,E.-M., Prenzel, M., Schwippert, K., Walther, G. & Valtin, R. (Hrsg.). (2003). Erste Ergebnisse aus IGLU. Schülerleistungen am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. Münster: Waxmann.

Graesser, A.C., Millis, K.K., & Zwaan, R.A. (1997). Discourse comprehension. Annual Review of Psychology, 48, 163-189.

Kintsch, W. (1997). Kognitionspsychologische Modelle des Textverstehens: Literarische Texte. I K. Reusser (Hrsg.), Verstehen. Psychologischer Prozess und didaktische Aufgabe (2. Aufl.) (S. 39-53). Bern: Huber.

Roick, T., Gölitz, D. & Hasselhorn, M. (2004). Deutscher Mathematiktest für dritte Klassen (DEMAT 3+). Göttingen: Beltz.

Souvignier, E., Trenk-Hinterberger I., Adam-Schwebe, S. & Gold, A. (2008). FLVT 5-6 Frankfurter Leseverständnistest für 5. und 6. Klassen. Göttingen: Hogrefe.

Van Dijk, T.& Kintsch,W. (1983). Strategies of discourse comprehension. San Diego: Academic Press.

Hinweis:
Die Verfahren (Tools), die Sie hier finden, werden in der Bund-Länder Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) eingesetzt und wurden bislang aus wissenschaftlicher Sicht als empfehlenswert identifiziert. Aspekte der praktischen Anwendbarkeit werden in der Projektlaufzeit ergänzt. Verfahren mit einer grünen Kennzeichnung genügen wissenschaftlichen Minimalstandards. Verfahren mit einer gelben Kennzeichnung genügen überwiegend diesen Minimalstandards zeigen jedoch Optimierungsbedarfe, auf die in vorangestellten Anmerkungen hingewiesen wird.
Bei den hier aufgeführten Verfahren handelt es sich keineswegs um eine erschöpfende Bewertung aller in BiSS verwendeten Verfahren oder gar sämtlicher verfügbarer Verfahren, sondern um einen VORLÄUFIGEN Stand, der diagnostische Tools berücksichtigt. Eine kriteriale Empfehlungsgrundlage für Förder-Tools wurde ebenfalls im Trägerkonsortium erarbeitet und ist in den Tabellen Qualitätscheck der Förderkonzepte und Förderinstrumente einsehbar.

Letzte Änderung am: 26.02.2021