Vier Jahre lang forschten Wissenschaftlerinnen der Universität Münster im Rahmen des Projekts „KommSchreib“ daran, wie die Schreibkompetenz und Schreibmotivation von Kindern der dritten und vierten Klassen gefördert werden können. Bild: BiSS-Trägerkonsortium/A. Etges

Das Verfassen längerer zusammenhängender Texte ist für viele Schülerinnen und Schüler herausfordernd, oft fehlt auch die Motivation dazu. Dabei ist das Schreiben von Texten eine Fähigkeit, ohne die Kinder und Jugendliche die Schulzeit nicht erfolgreich bewältigen können. Das Forschungsprojekt „KommSchreib!“ konzentrierte sich daher bis Februar 2026 auf die Förderung der Schreibkompetenzen und der Schreibmotivation von Grundschulkindern. 1.300 Kinder waren Teil der Studie. Stimmen aus der Praxis und wichtige Erkenntnisse für Sie im Überblick.

„KommSchreib!“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördertes Projekt. Vier Jahre lang forschten Wissenschaftlerinnen der Universität Münster im Rahmen des Projekts daran, wie die Schreibkompetenz und Schreibmotivation von Kindern der dritten und vierten Klassen gefördert werden können. Durchgeführt wurde das Forschungsvorhaben im Rahmen der Förderlinie „Sprachliche Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“ – ein Projektverbund, der sich für die Sprachbildung aller Lernenden einsetzt und die Chancengerechtigkeit erhöhen möchte.

Das Foto zeigt Prof. Dr. Vera Busse, Projektleiterin des Projekts "KommSchreib". Bildnachweis: Projekt KommSchreib/Gade Bild: Projekt KommSchreib/Gade
Prof. Dr. Vera Busse

Strategien für gutes Schreiben nutzen

„Das Ende der Grundschulzeit gilt als wichtige Phase, in der sich die Einstellung zum Schreiben oftmals verschlechtert“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Vera Busse von der Universität Münster. „Daher nahm „KommSchreib“ insbesondere dritte und vierte Schulklassen in den Blick.“

Ein erster Schritt war die Fortbildung von Lehrkräften. Im Fokus dabei stand die Anwendung und Vermittlung von Schreibstrategien – als Voraussetzung für gutes Schreiben. An insgesamt elf Grundschulen in Nordrhein-Westfalen nahmen Lehrkräfte an den Weiterbildungen teil, die im Rahmen des Projekts entwickelt und angeboten wurden. Grundlage der Weiterbildungen waren wissenschaftliche Erkenntnisse zu prozessorientierter Schreibförderung, Feedback und kooperativem Lernen. Die Lehrkräfte erhielten Anleitung, wie sie Schreibstrategien in den Unterricht einbinden könnten und entwickelten mit den Forschenden gemeinsam Unterrichtmaterialien zur Schreibförderung. Diese wurden dann im Regelunterricht bei rund 1.300 Grundschülerinnen und -schülern eingesetzt.

Der stellvertretende Schulleiter einer teilnehmenden Schule schildert seine Erfahrungen: „Durch das Projekt sind die Kinder wirklich ermutigt worden, dass sie gute Texte schreiben können, dass sie das Handwerkszeug dafür haben.“ Dadurch sei bei den Kindern auch mehr Motivation zu schreiben entstanden, fügt er hinzu.

„Durch das Projekt sind die Kinder wirklich ermutigt worden, dass sie gute Texte schreiben können.“

stellvertretender Schulleiter einer teilnehmenden Schule

Einbezug von Mehrsprachigkeit

Bei der Materialentwicklung hatten Lehrkräfte und Forschende im Blick, dass im Klassenzimmer Kinder mit verschiedenen Sprachkenntnissen sitzen: Beispiele für gutes Schreiben wurden daher als Audioaufnahmen in Deutsch und anderen Familiensprachen der Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt. „So können die Kinder all ihre sprachlichen Ressourcen zum Schreiben nutzen“, erläutert Vera Busse.

Ergänzendes Angebot zur Schreibförderung im Ganztag

Zusätzlich gab es das Angebot einer Schreib-AG im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im Ganztag. Diese diente der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwächen beim Schreiben zeigten. Auch Kinder mit geringen Deutschkompetenzen besuchten die Gruppe.

Das AG-Angebot mit dem Ziel, ein multimediales Kochbuch zu erstellen, nahm der Schulleiter als sehr wirksam wahr: „Die Kinder haben sehr gerne an der AG teilgenommen, weil sie da eine praktische Tätigkeit, also etwas, was sie gerne machen, mit Schreiben verbunden haben.“

Die Schreib-AG am Nachmittag bot zusätzliche Gelegenheit für Übungen in Kleingruppen. „Ziel hierbei war es, die Schreibstrategien zu vertiefen und die Schreibmotivation zu fördern“, erläutert Vera Busse. Die AGs leiteten speziell im Projekt geschulte externe Honorarkräfte. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um Lehramtsstudierende im Masterstudium. An Tablets erarbeiteten die Kinder Texte und wandten dabei die für den Schreibprozess erlernten Methoden an.

Im Rahmen des Projekts gab es das Angebot einer Schreib-AG im Rahmen der Nachmittagsbetreuung im Ganztag. Diese diente der gezielten Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bisher Schwächen beim Schreiben zeigten. Ziel war es, ein multimediales Kochbuch zu erstellen. Bilder: Projekt KommSchreib/Gade

Kooperatives Lernen für das Schreiben von Texten einsetzen

Partner- und Gruppenarbeit erwiesen sich als sinnvolle Formate für das Schreibenlernen. Generell sind kooperative Lernformen für die soziale Teilhabe im Klassenverband meist förderlich. Die Lehrkräfte bekamen hierfür einfach umzusetzende Regeln für den positiven Umgang in der Gruppe an die Hand, die sie den Schülerinnen und Schülern vermittelten. Freundlich, wertschätzend und achtsam sollten diese miteinander umgehen lernen. Ein Miteinander, das von den Lehrkräften gleichermaßen vorgelebt werden sollte. Eine Empfehlung lautete daher: Im Unterricht jedes Kind individuell positiv hervorzuheben. Aus dem Forschungsteam gab es dazu noch weitere Empfehlungen für die Stärkung der Klassengemeinschaft.

Eine Lehrerin stellt vor allem die Förderung der Sozialkompetenzen in der Klasse als wertvoll an der Arbeit im Projekt heraus. Sie schildert, dass die Kinder die eingesetzten Maßnahmen positiv aufnahmen und sich dadurch das Klima in der Klasse deutlich verbesserte. Insbesondere den eingeübten Umgang mit Feedback hätten die Schülerinnen und Schüler gewinnbringend empfunden, betont sie.

Untersuchung zeigt größere Fortschritte bei geförderten Kindern

Zusammenfassend lassen sich folgende Ergebnisse des Projekts „KommSchreib“ anführen: Es zeigt sich eine Zunahme der Textlänge und Textqualität. Außerdem fühlten die Schülerinnen und Schüler sich wohler in den AGs und waren besonders motiviert, am Tablet zu schreiben. „Erste Ergebnisse aus dem Unterricht zeigten uns deutlich: Kinder aus Klassen, deren Lehrkräfte bei unserer Fortbildung mitgemacht haben, machen beim Schreiben größere Fortschritte als Kinder in den Kontrollgruppen, also aus Klassen ohne Weiterbildung der Lehrkräfte“, erläutert Projektleiterin Vera Busse.

Bei der Motivation ist das Bild eher gemischt. Die Kinder konnten durch den Unterricht nur teilweise zum Mehr-Schreiben angeregt werden. Hier könne das Angebot der Nachmittags-AG eine gute Unterstützung bieten, glaubt Vera Busse. „Da kann ein motivationsförderliches Schreibumfeld geschaffen werden, für das im Regelunterricht oft wenig Zeit bleibt. In den AG-Sitzungen war das Wohlbefinden der Kinder wirklich sehr hoch.“

Bild Vera Busse im Beitrag: privat
Das Foto zeigt unsere Mitarbeiterin Angelika Gundermann.
Autorin
Angelika Gundermann
Mitarbeiterin der Leitstelle BiSS, zuständig für Netzwerke und Beratung, am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
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